Geschichte Koreas

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Geschichte Koreas
Ddol-mangM.jpg
Prähistorisches Korea
Go-Joseon*
(Urzeit – 108 v. Chr.)
Proto-Drei-Reiche
(108 v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.)
  • Buyeo* (2. Jh. v. Chr. – 494 n. Chr.)
  • Goguryeo* (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
  • Okjeo (2. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.)
  • Dongye (3. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.)
  • Mahan (1. Jh. v. Chr. – 3. Jh. n. Chr.)
  • Byeonhan (1.–4. Jh. n. Chr.)
  • Jinhan (1.–4. Jh. n. Chr.)
  • Vier Kommandanturen*
    (108 v. Chr. – 313 n. Chr.)
Drei Reiche von Korea**
  • Goguryeo* (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
  • Baekje (18 v. Chr. – 660 n. Chr.)
  • Silla (57 v. Chr. – 935 n. Chr.)
  • Gaya (42 n. Chr. – 532 n. Chr.)
Nördliche und Südliche
Staaten Koreas
Spätere Drei Reiche
Dynastien der Reichseinheit
Kolonialzeit
Teilung Koreas
Siehe auch:
Hinweise:
  * Zugleich Teil der Geschichte Chinas
** Gaya wurde nicht mitgezählt

Die Geschichte Koreas war bis ins 19. Jahrhundert eng mit der Geschichte Chinas verbunden. Von 1897 bis 1910 existierte ein Kaiserreich Korea. Danach wurde Korea eine japanische Kolonie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es unter den konkurrierenden Besatzungsmächten Sowjetunion und USA zur Teilung Koreas: Zunächst wurde am 15. August 1948 die Republik Korea gegründet (Südkorea) und als Reaktion darauf am 9. September 1948 die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea). Durch den Koreakrieg (1950–1953) wurde die Spaltung des Landes vertieft.

Prähistorisches Korea[Bearbeiten]

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Halbinsel vor rund 18.000 bis 12.000 Jahren besiedelt war. Die Ur-Bevölkerung der Halbinsel bilden Nomadenstämme aus dem sibirisch-mongolischen Raum. Sogenannte Kammkeramiken mit Fischgrätenmuster (jeulmuntogi) wurden in allen Landesregionen gefunden. Diese waren auch in Sibirien und an Oka und Wolga verbreitet. Sie unterscheiden sich wesentlich von chinesischen und japanischen Funden des Neolithikum.

Nach weiteren Einwanderungswellen bildete sich im Neolithikum und der Bronzezeit ein relativ homogenes Volk heraus. Auffällig sind die vielen Megalithfunde in Korea, die 60 % der Megalithen der Welt darstellen, so dass Korea auch das „Königreich der Dolmen“ genannt wird. In diesen Dolmen wurde Bronze- und Jadeschmuck gefunden. Nach derzeitigem Forschungsstand sind die Koreaner aus dem Tungusen-Stamm der Yemaek hervorgegangen.

Go-Joseon[Bearbeiten]

Die klassische Legende in Korea besagt, dass das erste Königreich Go-Joseon (übersetzt: Alt-Joseon) im Jahre 2333 v. Chr. durch den Halbgott Dangun Wanggeom gegründet wurde. Es gab aber auch ein echtes historisches Go-Joseon, das in den ersten Jahrhunderten vor Christus in Nordkorea und der Mandschurei lag mit der Hauptstadt Asadal, das Historiker in der Gegend um Pjöngjang vermuten. In der Endphase seiner Existenz spalteten sich einige Teilstaaten ab, so im Norden Goguryeo, in der Mandschurei Buyeo sowie in Nordkorea Okjeo und Dongye, die nach und nach in Goguryeo aufgingen.

Wie ein Fund eines Bronzeschildes mit einer Darstellung derselben zeigt, gab es spätestens 300 v. Chr. in Korea sogenannte sottae, schamanistische Pfähle auf deren Spitze drei Vögel sitzen und die auch heute noch viele Dörfer am ersten Vollmondtag des Jahres am Dorfeingang zieren. (Der Schild ist heute im Nationalmuseum von Seoul zu sehen). Die Vögel waren glückverheißende Überbringer von Getreidesamen.

Wiman-Joseon und Jin-guk[Bearbeiten]

Nachdem Wei Man, ein auf eigene Faust handelnder chinesischer General, 194 v. Chr. nach Go-Joseon kam und dort kurz darauf die Macht an sich gerissen hatte, wurde das Land, wie unter seinen Nachfolgern auch, Wiman-Joseon genannt. Es arrangierte sich eine Zeit lang mit dem China der Han-Dynastie, wurde aber schließlich in dieses Reich eingegliedert und in vier Kommandanturen aufgespalten. Diese stellten die vier Kolonien Chinas auf der Koreanischen Halbinsel dar.

Wiman-Joseon beherrschte jedoch nicht die ganze Koreanische Halbinsel, im Süden gab es ein Reich Jin, über das wenig bekannt ist, da es entweder keine Schrift kannte oder keine schriftlichen Zeugnisse überliefert wurden (nicht zu verwechseln mit chinesischen Jin-Dynastien). Aus diesem Reich bildete sich schließlich der Staatenbund Samhan. Die Schrift und chinesische Religionen und Lehren wie Konfuzianismus und Buddhismus gelangten nach Korea, erreichten jedoch vorerst nur den Norden.

Die vier Kommandanturen und die Proto-Drei-Reiche-Zeit[Bearbeiten]

Die chinesischen Nachfolgekolonien (Kommandanturen Xuantu, Lelang und später das daraus ausgegliederte Daifang, Zhenfan und Lintun)[1] konnten sich jedoch fast alle (bis auf Lelang) nur kurz halten. Im Norden der Koreanischen Halbinsel bildete sich der koreanische Nachfolgestaat Buyeo. Danach entwickelte sich nördlich der chinesischen Kommandanturen Goguryeo, das einst stark unter dem Einfluss Buyeos stand. Bald überragte es militärisch das Nachbarland, und schließlich annektierte es das ganze Buyeo-Reich.

Im Süden bildete sich aus den Resten Jins zunächst die Samhan-Konföderation, aus der dann Baekje und Silla und dazwischen die Gaya-Föderation entstanden. Während dieser Zeit existierte auch, angeschlossen oder anstelle der Gaya-Föderation, der erste dauerhafte japanische Außenposten, genannt Mimana, auf der Koreanischen Halbinsel. Wie zahlreiche Funde von Ritualgeräten wie Rasseln und Spiegeln belegen, gab es damals auf der gesamten Halbinsel gleichartige religiöse Rituale.

Drei Reiche von Korea[Bearbeiten]

Die drei Reiche auf der Koreanischen Halbinsel zu Ende des 5. Jahrhunderts
Hauptartikel: Drei Reiche von Korea

In den ersten Jahrhunderten n. Chr. konnten sich schließlich die Königreiche Goguryeo, Baekje und Silla durchsetzen – die sogenannten Drei Reiche von Korea. Der Buddhismus wurde in dieser Zeit in ganz Korea eingeführt. Zunächst war Goguryeo im Norden das deutlich mächtigste Reich, es geriet aber immer mehr in Gegensatz zu China. 313 eroberte Goguryeo die chinesische Kolonie Lolang, die etwa an der heutigen Grenze zwischen den beiden Koreas lag. Es war damit erstmals Nachbar von Baekje und Silla und es entstanden Konflikte mit den beiden kleineren Reichen, die sich viele Jahrhunderte hinzogen. Japan und China waren als Verbündete gefragt.

Im Jahr 655 verbündete sich Silla mit der chinesischen Tang-Dynastie und besiegte zunächst 660 Baekje und im Jahre 668 auch Goguryeo. In beiden Fällen profitierte es von innerer Zerrissenheit der Gegner.

Groß-Silla und Balhae[Bearbeiten]

Hauptartikel: Silla

Nach dem Sieg über die anderen Teilreiche beherrschte Silla bis zum Ende des 9. Jahrhunderts die Halbinsel. Die Kultur erreichte ihren Höhepunkt. Die Hauptstadt Seorabeol (was Hauptstadt bedeutet), auch Gyerim (Hahnenforst) oder Geumseong (Goldstadt) lag an der Stelle des heutigen Gyeongju und war eine für ihren Reichtum und Luxus bekannte Millionenstadt.

Hauptartikel: Balhae

Im äußersten Norden der Koreanischen Halbinsel und vor allem in der Mandschurei entwickelte sich das Königreich Balhae, das Teile der geflohenen Bevölkerung Goguryeos aufnahm. Da Balhae etwa zeitgleich mit Silla unterging, wanderten von Norden her viele Koreaner auf die Koreanische Halbinsel ein.

Dynastien der Reichseinheit[Bearbeiten]

Goryeo[Bearbeiten]

Hauptartikel: Goryeo

Das neu entstandene Reich Goryeo (918-1392), das zunächst das heutige Zentralkorea beherrschte, annektierte das Silla-Reich und hatte von 936 bis 1392 Bestand mit der neuen Hauptstadt des vereinigten Koreas, Kaesong. In dieser Zeit wurde ein richtiges Staatssystem aufgebaut.

Zwischen 1231/32 und 1238 wurde die Halbinsel von den Mongolen erobert, und nach 30 Jahren ergab sich auch die zunächst geflohene Königsfamilie nach Jahren des Asyls auf der Insel Gangwha. In den folgenden 150 Jahren ist Korea ein tributpflichtiger Vasallenstaat und Protektorat der Mongolen gewesen. Daher waren auch viele Koreaner bei beiden mongolischen Versuchen, Japan zu annektieren, beteiligt.

Karte von 1531
Karte von 1891

Joseon[Bearbeiten]

Hauptartikel: Joseon

Nachdem 1238 Korea von den Mongolen besetzt wurde, beendete Yi durch seine Machtübernahme deren Herrschaft und gründete 1392 das Königreich Joseon.

1637 wurde Korea nach der Zweiten Mandschurischen Invasion ein autonomer, tributpflichtiger Vasallen-Staat und Protektorat des Chinas der Qing-Dynastie. Dies blieb so bis zum 17. April 1895, als das Kaiserreich China im Rahmen des Streits um die Vorherrschaft auf der Koreanischen Halbinsel den Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg gegen das Kaiserreich Japan verlor. Im Vertrag von Shimonoseki gestand China „volle und umfassende Souveränität und Autonomie Koreas“ zu. 1897 wurde von König Gojong ein Großkoreanisches Kaiserreich (Daehan-jeguk) ausgerufen, womit das Königreich Joseon offiziell endete.

Kaiserreich Korea[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kaiserreich Korea

Nach dem Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) hatte sich Japan endgültig als dominante Kraft in Ostasien etabliert und das Kaiserreich Korea am 17. November 1905 zu einem Protektorat Japans degradiert. Am 22. August 1910 erzwang die japanische Regierung den Rücktritt des koreanischen Kaisers, nachdem der für Japan bedeutende Fürst Itō Hirobumi am 26. Oktober 1909 von einem koreanischen Nationalisten ermordet worden war. Korea wurde in der Folge offiziell als Kolonie in das Japanische Kaiserreich eingegliedert.

Karte (1910) mit dem Staatsgebiet des Japanischen Kaiserreichs (grau untermalt). Es umfasste unter anderem die Koreanische Halbinsel als neue Provinz Chōsen.

Kolonialzeit[Bearbeiten]

Mit dem Einholen der Japanischen Flagge am 9. September 1945 vor dem Sitz des Generalgouverneurs in Keijō wird die offizielle Verwaltungsübergabe des südlichen Teiles der Provinz Chōsen an die Amerikaner vollzogen.
Die Dorasan-Station an der Grenze zu Nordkorea

Nach der Annexion 1910 war Korea eine japanische Kolonie namens Chōsen (jap. 朝鮮; kor. 조선, Joseon). Während dieser Zeit wurde Korea von Grund auf von den Japanern wirtschaftlich und gesellschaftlich modernisiert. Dieses ging aber gleichzeitig mit der Beschneidung von Rechten und der teilweisen Unterdrückung der dortigen Kultur einher. So wurde als Beispiel die Infrastruktur modernisiert und ausgebaut, die aber teilweise auf dafür enteignetem Grund verlief.

Am 15. August 1945 kapitulierte das Japanische Kaiserreich. Die Soldaten der Kaiserlichen Japanischen Armee in der nördlichen Zone Chōsens (nördlich des 38. Breitengrads) mussten sich, wie von den Alliierten vereinbart, den Sowjets, die der südlichen Zone den US-Amerikanern ergeben.

Heutzutage betrachtet man sowohl in Nord- als auch in Südkorea den 15. August 1945 als Tag der Unabhängigkeit, obwohl Japan zumindest im Süden de facto bis zum 9. September 1945 die Verwaltungshoheit besaß.

Die Teilung in Nord- und Südkorea[Bearbeiten]

Hauptartikel: Teilung Koreas

Nachdem die Verhandlungen zwischen den beiden Supermächten über ein vereinigtes Korea bis 1947 ergebnislos verliefen, brachten die USA die Koreafrage vor die Vereinten Nationen. Am 14. November 1947 erreichten die USA eine UN-Resolution, die freie Wahlen, den Abzug aller ausländischen Truppen und die Schaffung einer UN-Kommission (UNTCOK: UN Temporary Commission on Korea) für Korea vorsah. Im Gegensatz zu den US-Truppen, die bis heute im Süden Koreas stationiert sind, zog die UdSSR ihre Armee bis Ende 1948 vertragsgemäß aus Nordkorea ab.

Am 10. Mai 1948 fanden im Süden Wahlen statt, die Rhee Syng-man gewann. Allerdings wurden die Wahlen von den linken Parteien boykottiert. Am 13. August 1948 übernahm Rhee Syng-man offiziell die Regierungsgeschäfte von der US-amerikanischen Militärregierung. Der sowjetisch kontrollierte Norden beantwortete dies mit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea am 9. September 1948, deren erster Präsident Kim Il-sung wurde. Beide Regierungen sahen sich als rechtmäßige Regierung über ganz Korea an und kündigten darüber hinaus an, diesen Anspruch auch militärisch durchsetzen zu wollen. So kam es im Juni 1950 zum Koreakrieg.

→ Zur weiteren Entwicklung siehe Geschichte Nordkoreas und Geschichte Südkoreas

Situation heute[Bearbeiten]

Hauptartikel: Korea-Konflikt

Die Teilung der koreanischen Halbinsel und der Korea-Konflikt halten bis heute an. Es kam zwar immer wieder zu Annäherungen zwischen den beiden Staaten, doch eine koreanische Wiedervereinigung ist derzeit nicht in Sicht. Nordkorea provoziert vor allem mit seinem Kernwaffenprogramm die internationale Staatengemeinschaft, die dieses bereits mehrfach sanktioniert hat. Während sich Südkorea inzwischen zu einer wirtschaftlich sehr starken Industrienation entwickelt hat, hat sich Nordkorea selbst immer weiter in die Isolation getrieben und ist derzeit auf ausländische Hilfsgelder angewiesen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Brockhaus in Text und Bild 2003 [SW], elektronische Ausgabe für Office-Bibliothek, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, 2003; Artikel: „Korea“