Itō Hirobumi

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Itō Hirobumi
Itō im Alter

Graf Itō Hirobumi (jap. 伊藤 博文, bzw. in respektvoller Lesung[1] Itō Hakubun; * 16. Oktober 1841 (traditionell: Tempō 12/9/2) in Hagi, Provinz Nagato; † 26. Oktober 1909 in Harbin) war ein Samurai und japanischer Politiker der Zeit des Bakumatsu und in der Anfangsphase des Japanischen Kaiserreiches. Itō wurde im Jahr 1885 der erste Premierminister von Japan und bekleidete dieses Amt bis 1901 insgesamt viermal. Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Meiji-Zeit, in der Japan zur imperialistischen Großmacht in Ostasien wurde.

Leben[Bearbeiten]

Itō Hirobumi war der adoptierte Sohn eines Samurai aus dem Fürstentum Chōshū in der heutigen Präfektur Yamaguchi. Er besuchte 1858 die Privatschule Shōkasonjuku in Hagi und wurde durch deren Lehrer Yoshida Shōin schnell ein Anhänger der Restauration der Macht des Tennō. Er erhielt den gesellschaftlichen Rang eines Samurai im Jahr 1863. Bei einer illegalen Reise nach London, die im gleichen Jahr stattfand, wurde ihm die Notwendigkeit bewusst, Japan zu modernisieren, indem man sich am Vorbild des Westens orientierte. 1864 kehrte er zusammen mit Inoue Kaoru nach Japan zurück, um den Samurai-Clan von Chōshū vor einem Krieg mit den Fremden um die Passagerechte der Shimonoseki-Straße zu warnen. In dieser Zeit traf er den britischen Diplomaten Ernest Satow zum ersten Mal, mit dem er sein späteres Leben lang befreundet war.

Nach der Meiji-Restauration war Itō von 1868 bis 1869 der erste Gouverneur von Hyōgo,[2] 1871 einer der hochrangigen Teilnehmer der Iwakura-Mission. Die Idee, Japan zu einer konstitutionellen Monarchie zu machen, erhielt er auf dieser Reise. 1873 wurde Itō vollwertiges Ratsmitglied und Minister für öffentliche Arbeiten. Nach dem Tod von Ōkubo Toshimichi im Jahr 1878 wurde er Innenminister und bestimmte die Regierung Japans entscheidend mit. Er war im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein konservativer Politiker und für die Einführung einer autoritären Verfassung, die stark an die preußische Verfassung angelehnt war.

1881 forderte er den damaligen Finanzminister Ōkuma Shigenobu zum Rücktritt auf und übernahm dessen Amt. Er leitete eine Reihe von Missionen, die die Aufgabe hatten, die Organisation verschiedener westlicher Staaten zu untersuchen. 1882 studierte er an den Universitäten von Berlin und Wien bei Rudolf von Gneist, Albert Mosse und Lorenz von Stein Gesellschaftswissenschaften. Basierend auf den gewonnenen Ideen schaffte er den Dajōkan als bestimmendes Organ des japanischen Staates ab und etablierte stattdessen 1885 ein durch verschiedene Minister besetztes Kabinett, dessen erster Premierminister er wurde. 1885 unterzeichnete er den Vertrag von Tientsin. Er überwachte die Ausarbeitung der Meiji-Verfassung von 1889 und wurde im selben Jahr Genrō. Er blieb der Vorsitzende des japanischen Geheimen Rates, während Kuroda Kiyotaka und Yamagata Aritomo das Amt des Premierministers innehatten. Nach der Einberufung des Reichstags gemäß der Verfassung 1890 war Itō – seit der Neuordnung des Adels 1884 Graf (hakushaku) – bis 1891 Mitglied und der erste des Präsident des Kizokuin, dem Oberhaus des Reichstags. 1895 wurde er zum Markgraf (kōshaku) erhoben und damit erneut Mitglied des Kizokuin.

Itō Hirobumi bekleidete insgesamt viermal das Amt des japanischen Premierministers:

  • erste Amtsperiode: 22. Dezember 1885 bis 30. April 1888
  • zweite Amtsperiode: 8. August 1892 bis 31. August 1896
  • dritte Amtsperiode: 12. Januar 1898 bis 30. Juni 1898
  • vierte Amtsperiode: 19. Oktober 1900 bis 10. Mai 1901
Eingang zum Grab Itō Hirobumis

In seiner zweiten Amtszeit als Premierminister unterstützte er die Entstehung des ersten chinesisch-japanischen Krieges und unterzeichnete zusammen mit dem Außenminister Mutsu Munemitsu den Vertrag von Shimonoseki, der diesen Krieg zugunsten Japans beendete. Nach seiner dritten Amtszeit gründete er 1900 die konservative Partei Rikken Seiyūkai. Während seiner dritten und vierten Amtszeit als Premierminister versuchte er ein Abkommen über Einflusssphären in Ostasien mit Russland zu ermöglichen, wurde jedoch von militaristischen Politikern verdrängt. Nach dem gewonnenen Russisch-Japanischer Krieg begann Japan die Kolonisation Koreas und Korea wurde 1905 japanisches Protektorat. Zwischen 1905 und 1909 war Itō erster Generalresident Koreas. In dieser Position trieb er die schrittweise Annexion voran und zwang 1907 den koreanischen Kaiser Gojong zur Abdankung zugunsten seines Sohnes Sunjong. Durch das von ihm initiierte koreanisch-japanische Abkommen von 1907 erlangte Japan bereits erhebliche Kontrolle über die koreanische Innenpolitik. Im Juni 1909 trat er als Generalresident zurück und wurde erneut Vorsitzender des Geheimen Rates. Er wurde 1909 von dem koreanischen Nationalisten und Unabhängigkeitskämpfer An Chung-gun in Harbin (Mandschurei) erschossen.[3] Sein Grab liegt in Ōimachi, Shinagawa, Tokio. In der Nähe steht ein Shintō-Schrein, in dem er als Kami verehrt wird.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Itō Hirobumi – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. jap. yūsokuyomi (有職読み). Hierbei wurde die japanische Namenslesung durch eine sinojapanische On-Lesung ersetzt.
  2. Präfekturverwaltung Hyōgo: Historische Gouverneure
  3. Lee Eun-jeung (2003): Ahn Choong Kun als Symbol des „Koreanerseins“: Formen und Wandel des koreanischen Selbstbehauptungsdiskurses. In: Deutsches Institut für Japanstudien (Hrsg.): Selbstbehauptungsdiskurse in Asien: China – Japan – Korea. Band 34, 2003, iudicium Verlag, München, S.393f., ISBN 3-89129-845-5
Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Itō der Familienname, Hirobumi der Vorname.