Gianni De Michelis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gianni De Michelis (* 26. November 1940 in Venedig) ist ein italienischer Politiker und fraktionsloser Abgeordneter der Socialisti Uniti per l'Europa (einer Vorläuferorganisation des NPSI) im Europäischen Parlament.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

De Michelis entstammt einer Methodistenfamilie und graduierte 1963 in industrieller Chemie an der Universität Padua. Er war von 1963 bis 1972 zunächst als Assistent, später als Universitätsdozent in allgemeiner Chemie tätig. Von 1972 bis 1980 war er an der Universität Venedig als Privatdozent in allgemeiner Chemie tätig. Von 1980 bis 1990 schloss sich eine außerordentliche Professur an.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

De Michelis gehörte seit 1976 dem Parteivorstand des PSI an, wo er für die Organisation der Partei auf nationaler Ebene Verantwortung besaß. Zu jener Zeit definierte er sich als antikommunistisch und anti-Democrazia Cristiana. Von 1992 bis 1993 ist er Stellvertretender Generalsekretär seiner Partei. Von 1997 bis 2001 ist er Generalsekretär (= Vorsitzender) seiner Partei.

Zwischen 1964 bis 1980 und von 1990 bis 1995 war De Michelis in Venedig Stadtrat mit Zuständigkeit für die Stadtplanung. Zwischen 1974 und 1994 gehörte er auch der Camera dei deputati an. Von 1987 bis 1988 war er hier Fraktionsvorsitzender seiner Partei.

Als Minister für Industriebeteiligungen gehört er von 1980 bis 1983 den Kabinetten Arnaldo Forlani, Giovanni Spadolini und Amintore Fanfani an. 1986 war er vorübergehend Arbeitsminister im Kabinett Bettino Craxis. Von 1988 bis 1989 bekleidete er das Amt des Stellvertretenden Ministerpräsidenten. Danach gehörte De Michelis bis 1992 dem Kabinett als Außenminister an. In dieser Eigenschaft bearbeitet er für die Europäische Union gemeinsam mit seinen Amtskollegen den Balkankonflikt. Wiederholt reist er mit dem „Kleeblatt“ nach Belgrad, um Slobodan Milošević zur Einhaltung abgeschlossener Waffenstillstandsvereinbarungen für Slowenien und Kroatien aufzufordern.

Als der PSI infolge der massiven Korruption im Umfeld von Bettino Craxi Anfang der 1990er Jahre kollabierte, gründete De Michelis aus der Konkursmasse des rechten Flügels des PSI 1997 eine kleine Partei, die sich Partito Socialista nannte. 2001 gründete er dann gemeinsam mit Bettino Craxis Sohn Bobo den NPSI, der zum rechten Wahlbündnis Casa delle Libertà gehört, das Silvio Berlusconi unterstützt.

Der Europaabgeordnete De Michelis gehört dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie an und ist ein Stellvertreter für den Justizausschuss, Mitglied der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China und Stellvertreter für die Delegation in Parlamentarische Versammlung des Euro-Mittelmeerraums. Außerdem gehört er dem Unterausschuss Sicherheit und Verteidigung an. Seit 2003 ist De Michelis Mitglied der ASEM Task force.

Von 1984 bis 1992 war De Michelis Vorsitzender und seit 2001 ist er Mitglied des Verwaltungsrats des Aspen-Instituts in Italien. Seit 2002 ist er Vorsitzender des Instituts für Lateinamerika und den Nahen Osten IPALMO.

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Giulio Andreotti Italienischer Außenminister
1989–1992
Vincenzo Scotti