Grosny

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel fehlen folgende wichtige Informationen: Geographie, Klima, Infrastruktur, Kultur, Politik/Verwaltung, Städtepartnerschaften...

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Stadt
Grosny
Грозный
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordkaukasus
Republik Tschetschenien
Stadtkreis Grosny
Bürgermeister Muslim Chutschijew
Gegründet 1818
Stadt seit 1870
Fläche 305 km²
Bevölkerung 271.573 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 890 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 130 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7) 8712
Postleitzahl 364000–364068
Kfz-Kennzeichen 20, 95
OKATO 96 401
Website www.groz-mer.ru
Geographische Lage
Koordinaten 43° 19′ N, 45° 42′ O43.31666666666745.7130Koordinaten: 43° 19′ 0″ N, 45° 42′ 0″ O
Grosny (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Grosny (Republik Tschetschenien)
Red pog.svg
Lage in Tschetschenien
Liste der Städte in Russland

Grosny (auch Grozny; russisch Гро́зный; tschetschenisch Соьлж-ГӀала/Sölsch-Ghala) ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Die im Kaukasus gelegene Stadt hat 271.573 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010)[1] und ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der autonomen Republik.

Verwaltung und Geografie[Bearbeiten]

Verwaltungsgliederung

Grosny ist in insgesamt vier Rajone unterteilt: Sawodskoi, Leninski, Oktjabrski und Staropromyslowski. Nur wenige Kilometer östlich von Grosny befindet sich die Stadt Argun. Durch Grosny fließt der Terek-Nebenfluss Sunscha.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Grosny erlebte während der Zeit der Sowjetunion ein starkes Bevölkerungswachstum, die Einwohnerzahl stieg von etwa 172.000 auf fast 400.000 im Jahr 1989. Im Gegensatz zum Rest Tschetscheniens stellten in Grosny die Russen bis zum Zerfall der Sowjetunion traditionell die Bevölkerungsmehrheit. 1939 waren 71 % der Bewohner Grosnys Russen und nur 14 % Tschetschenen. Weitere wichtige Minderheiten stellten damals Armenier (4,6 %) und Ukrainer (2,3 %) dar.[2] Im Umland der Stadt waren Tschetschenen allerdings klar in der Mehrheit.

Der Anteil der Russen nahm nach Ende des Zweiten Weltkriegs beständig ab, während die Zahl der Tschetschenen stark stieg. 1989 lag die Einwohnerzahl Grosnys bei fast 400.000, von denen 52,9 % Russen und 30,5 % Tschetschenen waren. In Folge der Tschetschenienkriege verließen die meisten nicht-tschetschenischen Bewohner die Stadt, die Einwohnerzahl fiel auf nur noch etwa 210.000 im Jahr 2002. Der ehemals multikulturelle Charakter der Stadt ging verloren. 2002 waren 95,7 % der Bevölkerung Grosnys ethnische Tschetschenen, der Anteil der Russen betrug 2,5 %, gefolgt von Inguschen (1 %) und anderen Minderheiten (0,8 %). In den letzten Jahren stieg die Einwohnerzahl Grosnys wieder stark an, nachdem auch eine wirtschaftliche Erholung der Region einsetzte.

Im Jahr 2010 lag die Einwohnerzahl der Stadt bei 271.573, davon waren 93,73 % Tschetschenen, 3,30 % Russen, 2,96 % gehörten anderen Minderheiten an, darunter insbesondere Kumyken und Inguschen.

Jahr Einwohner Zusammensetzung
1897 15.564 Russen (66,5 %), Ukrainer (6,2 %), Juden (10,8 %), Tschetschenen (3,2 %), Armenier (2,3 %)
1926 172.448 Russen (70,2 %), Ukrainer (8,0 %), Armenier (6,0 %), Tataren (3,3 %), Juden (2,9 %), Tschetschenen (2,0 %)
1939 172.448 Russen (71,0 %), Tschetschenen (14,0 %), Armenier (4,6 %), Ukrainer (2,3 %)
1959 242.068 Russen (78,1 %), Tschetschenen (6,7 %), Armenier (4,6 %), Ukrainer (3,1 %), Inguschen (1,0 %)
1970 341.259 Russen (67,1 %), Tschetschenen (17,4 %), Armenier (3,9 %), Inguschen (3,5 %), Ukrainer (2,5 %)
1979 375.326 Russen (59,9 %), Tschetschenen (24,2 %), Inguschen (4,8 %), Armenier (3,7 %), Ukrainer (2,3 %)
1989 399.688 Russen (52,9 %), Tschetschenen (30,5 %), Inguschen (5,4 %), Armenier (3,6 %), Ukrainer (2,4 %)
2002 210.720 Tschetschenen (95,7 %), Russen (2,5 %), Inguschen (1,0 %)
2010 271.573 Tschetschenen (93,73 %), Russen (3,3 %)

Anmerkung: Die Daten entstammen den jeweiligen offiziellen Volkszählungen.[2] In der Zusammensetzung sind alle Volksgruppen erwähnt, die beim jeweiligen Zensus mindestens 1 % der Bevölkerung ausmachten.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründer der Festung Grosnaja General Alexei Jermolow
Altes Grosny
Grosny Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Stadt wurde während des Großen Kaukasuskrieges im Jahre 1818 unter General Alexei Jermolow als russische Festung am Terek-Nebenfluss Sunscha (Су́нжа) gegründet und erhielt zunächst den Namen Grosnaja (dt. die Furchtgebietende). Die Bevölkerung bestand zunächst aus russischen Kosaken. Als die Festung zur Stadt anwuchs, wurde der Name 1870 in Grosny geändert (maskuline Form, dem Wort gorod (=Stadt) entsprechend).

Während des Bestehens der Sowjetunion war Grosny die Hauptstadt Tschetscheno-Inguschetiens. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Tschetschenen und Inguschen pauschal der Kollaboration mit dem Dritten Reich beschuldigt und beide Volksgruppe nahezu ausnahmslos nach Zentralasien deportiert.

In Grosny bestand das Kriegsgefangenenlager 237 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[3]

Erst 1957 durften die deportierten Bevölkerungsgruppen im Zuge der Tauwetter-Periode unter Nikita Chruschtschow wieder in ihre Heimat zurückkehren. Nach deren Rückkehr kam es immer wieder zu ethnischen Spannungen zwischen den in Grosny lebenden Russen und Tschetschenen. De facto war die Gesellschaft in der Stadt nun geteilt. Russen, Ukrainer und Armenier arbeiteten meist in höheren Stellungen, während Tschetschenen auf dem Arbeitsmarkt häufig benachteiligt waren.[4]

1989 hatte Grosny 397.000 Einwohner, davon waren 210.000 Russen, 121.000 Tschetschenen, 21.000 Inguschen und 14.000 Armenier.[5]

Als die Sowjetunion 1991 zerfiel, bildete sich in Tschetschenien um Dschochar Dudajew eine Bewegung, die die Unabhängigkeit Tschetscheniens forderte. Die unabhängige Tschetschenische Republik Itschkeria wurde noch 1991 ausgerufen, mit Dudajew als erstem Präsidenten. Dies wurde jedoch weder von Russland, auf dessen Staatsgebiet Tschetschenien lag, noch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt. Es begann eine „Tschetschenisierung“ sämtlicher Lebensbereiche, die gepaart mit ethnisch gefärbter Gewalt und Kriminalität einen Massenexodus der nicht-tschetschenischen Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Russen, Ukrainern und Armeniern, nach sich zog.

Ein tschetschenischer Kämpfer in der Nähe des Präsidentenpalastes, Januar 1995
Moderne, jüngst erbaute Wolkenkratzer in Grosny

Am 29. November 1994 beschloss der Sicherheitsrat der Russischen Föderation unter seinem Ersten Sekretär Oleg Lobow ohne Konsultation der übrigen Institutionen den Angriff auf Tschetschenien, um die Kontrolle über die Region zurückzuerlangen. Etwa 40.000 Soldaten marschierten in Tschetschenien ein und nahmen nach zweimonatigen Kämpfen auch Grosny ein. Bei der Belagerung der Stadt im Januar 1995 starben nach Schätzungen etwa 25.000 Menschen durch tagelangen Artilleriebeschuss. Der Krieg nahm aber eine für Russland überraschende Wendung. Durch eine gezielte Guerillataktik gelang es tschetschenischen Rebellen, die russischen Truppen zu demoralisieren. Im August 1996 wurde Grosny von tschetschenischen Rebellen zurückerobert. Im selben Jahr zogen sich die russischen Truppen schließlich aus Tschetschenien zurück, das Land war de facto unabhängig. Nach dem Tod Dschochar Dudajews wurde Grosny von 1998 bis 1999 zu dessen Ehren zeitweise auch 'Джовхар-ГӀала'/Dschowchar Ghala genannt.

1999 begann jedoch nach einem Angriff tschetschenischer Islamisten auf die Nachbarprovinz Dagestan der Zweite Tschetschenienkrieg. Im Verlaufe des Krieges gelang es Russland unter Wladimir Putin schnell, die Kontrolle über ganz Tschetschenien endgültig wiederzuerlangen.

Die tschetschenischen Rebellengruppen zogen sich in den Untergrund zurück, Tschetschenien wurde als Tschetschenische Republik eine autonome Republik innerhalb der Russischen Föderation und eine moskautreue Regierung unter Achmat Kadyrow wurde eingesetzt. Obwohl es nach dem Frühjahr 2000 kaum mehr offene Kampfhandlungen gab, wurde der Zweite Tschetschenienkrieg erst 2009 von der russischen Regierung offiziell für beendet erklärt.

Platz im Zentrum der Stadt

Durch die beiden Kriege wurde ein Großteil von Grosny und dessen Infrastruktur zerstört, darunter auch die Trambahn und das Trolleybusnetz.

In den letzten Jahren flossen jedoch große Mengen russischer Steuergelder in den tschetschenischen Wiederaufbau. Das Abwasser-, Wasser-, Elektrizitäts- und Fernwärmenetz Grosnys wurde repariert. Dazu kommen 250 Kilometer instandgesetzte Straßen, 13 Brücken und ungefähr 900 neue Geschäfte. Auch die Einwohnerzahl stieg mittlerweile wieder stark an.

Im Dezember 2005 wandte sich das tschetschenische Parlament mit der Bitte an die russische Führung, Grosny in Achmadkala (Achmadburg) umzubenennen. „Mit dem alten Namen [seien] die dunkelsten Kapitel des tschetschenischen Volkes verbunden“, heißt es in dem Antrag. Der neue Name solle an den moskautreuen Präsidenten Achmat Kadyrow erinnern, der 2004 getötet wurde.[6] Letztlich kam es jedoch zu keiner Umbenennung.

2008 wurde in Grosny die neue Achmat-Kadyrow-Moschee eröffnet.

Neu angelegte Promenade

Sport[Bearbeiten]

Der 1946 gegründete Fußballverein Terek Grosny wurde 2004 russischer Pokalsieger und durfte damit im UEFA-Cup starten. Seine Heimspiele trägt er in der über 30.000 Zuschauer fassenden und 2011 eröffneten Achmat Arena aus. Darüber hinaus ist Grosny ein bedeutendes Zentrum der Sportarten Ringen und Gewichtheben. Der örtliche Volleyballverein war zudem mehrfacher sowjetischer Meister.

Im Juli 2011 war Grosny Austragungsort der 9. Schüler-Europameisterschaften im Amateurboxen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Grosny ist das Zentrum eines bedeutenden Erdölförderungsgebietes, was die strategische Bedeutung der Stadt erklärt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe in der Stadt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Achmad-Kadyrow-Moschee

Die am 17. Oktober 2008 eingeweihte Achmat-Kadyrow-Moschee ist mit zehntausend Plätzen die größte Moschee Russlands. Ihre Minarette sind 62 m hoch.[7] Die 1868 von den Terekkosaken erbaute orthodoxe Erzengel-Michael-Kirche wurde während der beiden Kriege schwer beschädigt, im Jahr 2009 wurden jedoch die Renovierungsarbeiten abgeschlossen und die Kirche feierlich wieder eingeweiht.

In den letzten Jahren entstand mit Grosny-City (Грозный-Сити) auch ein modernes Hochhauszentrum in der Stadt.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Verwaltungsgebäude in Grosny

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Grosny
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
19
 
1
-6
 
 
21
 
3
-5
 
 
23
 
9
-1
 
 
33
 
18
5
 
 
57
 
24
11
 
 
72
 
28
15
 
 
57
 
31
18
 
 
44
 
30
17
 
 
33
 
25
13
 
 
30
 
17
6
 
 
26
 
9
2
 
 
24
 
3
-3
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Grosny
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 0,6 2,5 8,7 17,9 23,7 27,9 30,5 29,7 24,7 16,6 9,3 3,2 Ø 16,3
Min. Temperatur (°C) −6,2 −4,9 −0,5 5,4 11,0 15,4 18,2 17,2 12,7 6,1 1,8 −3,0 Ø 6,2
Niederschlag (mm) 19 21 23 33 57 72 57 44 33 30 26 24 Σ 439
Regentage (d) 5 5 5 5 7 8 6 6 5 6 6 6 Σ 70
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
0,6
−6,2
2,5
−4,9
8,7
−0,5
17,9
5,4
23,7
11,0
27,9
15,4
30,5
18,2
29,7
17,2
24,7
12,7
16,6
6,1
9,3
1,8
3,2
−3,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
19
21
23
33
57
72
57
44
33
30
26
24
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grosny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda po Čečenskoj respublike. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010 für die Tschetschenische Republik. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Grosny 2012. (Download von der Website des Territorialorgans Tschetschenische Republik des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik)
  2. a b http://www.ethno-kavkaz.narod.ru/rnchechenia.html
  3. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  4. Derluguyan, Georgi (2005). Bourdieu's Secret Admirer in the Caucasus. University of Chicago Press. S. 244–245. ISBN 978-0-226-14283-8.
  5. Roland Götz/Uwe Halbach: Politisches Lexikon Rußland. Verlag C.H. Beck, München 1994, S. 331.
  6. BBC, 15. Dezember 2005, Chechnya wants Grozny name change
  7. WOSTOK, Nr. 3/2008, Wostok Verlag, Berlin 2008; S. 4