Grosny
| Stadt
Grosny
Грозный
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Grosny (auch Grozny; russisch Гро́зный; tschetschenisch Соьлж-ГӀала/Sölsch-Ghala) ist die Hauptstadt der Tschetschenischen Republik im russischen Kaukasus. Sie hat 271.573 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1]
| Grosny | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Stadt wurde während des Großen Kaukasuskrieges im Jahre 1818 unter General Alexei Jermolow als russische Festung am Terek-Nebenfluss Sunscha (Су́нжа) gegründet und erhielt zunächst den Namen Grosnaja krepost (dt. furchtgebietende Festung). Die Bevölkerung bestand zunächst aus russischen Kosaken. Als die Festung zur Stadt anwuchs, wurde der Name 1870 geändert.
Während des Bestehens der Sowjetunion war Grosny die Hauptstadt Tschetscheno-Inguschetiens. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Tschetschenen und Inguschen pauschal der Kollaboration mit dem Dritten Reich beschuldigt und beide Volksgruppe nahezu ausnahmslos nach Zentralasien deportiert.
In Grosny bestand das Kriegsgefangenenlager 237 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2]
Erst 1957 durften die deportierten Bevölkerungsgruppen im Zuge der Tauwetter-Periode unter Nikita Chruschtschow wieder in ihre Heimat zurückkehren. Nach deren Rückkehr kam es immer wieder zu ethnischen Spannungen zwischen den in Grosny lebenden Russen und Tschetschenen. De facto war die Gesellschaft in der Stadt nun geteilt. Russen, Ukrainer und Armenier arbeiteten meist in höheren Stellungen, während Tschetschenen auf dem Arbeitsmarkt häufig benachteiligt waren.[3]
1989 hatte Grosny 397.000 Einwohner, davon waren 210.000 Russen, 121.000 Tschetschenen, 21.000 Inguschen und 14.000 Armenier.[4]
Als die Sowjetunion 1991 zerfiel, bildete sich in Tschetschenien um Dschochar Dudajew eine Bewegung, die die Unabhängigkeit Tschetscheniens forderte. Die unabhängige Tschetschenische Republik Itschkeria wurde noch 1991 ausgerufen, mit Dudajew als erstem Präsidenten. Dies wurde jedoch weder von Russland, auf dessen Staatsgebiet Tschetschenien lag, noch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt. Es begann eine „Tschetschenisierung“ sämtlicher Lebensbereiche, die einen Massenexodus der nicht-tschetschenischen Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Russen, Ukrainern und Armeniern, nach sich zog.
Am 29. November 1994 beschloss der Sicherheitsrat der Russischen Föderation unter seinem Ersten Sekretär Oleg Lobow ohne Konsultation der übrigen Institutionen den Angriff auf Tschetschenien, um die Kontrolle über die Region zurückzuerlangen. Etwa 40.000 Soldaten marschierten in Tschetschenien ein und nahmen nach zweimonatigen Kämpfen auch Grosny ein. Bei der Belagerung der Stadt im Januar 1995 starben nach Schätzungen etwa 25.000 Menschen durch tagelangen Artilleriebeschuss. Der Krieg nahm aber eine für Russland überraschende Wendung. Durch eine gezielte Guerillataktik gelang es tschetschenischen Rebellen, die russischen Truppen zu demoralisieren. Im August 1996 wurde Grosny von tschetschenischen Rebellen zurückerobert. Im selben Jahr zogen sich die russischen Truppen schließlich aus Tschetschenien zurück, das Land war de facto unabhängig. Nach dem Tod Dschochar Dudajews wurde Grosny von 1998 bis 1999 zu dessen Ehren zeitweise auch 'Джовхар-ГӀала'/Dschowchar Ghala genannt.
1999 begann jedoch nach einem Angriff tschetschenischer Separatisten auf die Nachbarprovinz Dagestan der Zweite Tschetschenienkrieg. Im Verlaufe des Krieges gelang es Russland unter Wladimir Putin schnell, die Kontrolle über ganz Tschetschenien endgültig wiederzuerlangen.
Die tschetschenischen Rebellengruppen zogen sich in den Untergrund zurück, Tschetschenien wurde als Tschetschenische Republik eine autonome Republik innerhalb der Russischen Föderation und eine moskautreue Regierung unter Achmat Kadyrow wurde eingesetzt. Obwohl es nach dem Frühjahr 2000 kaum mehr offene Kampfhandlungen gab, wurde der Zweite Tschetschenienkrieg erst 2009 von der russischen Regierung offiziell für beendet erklärt.
Durch die beiden Kriege wurde ein Großteil von Grosny und dessen Infrastruktur zerstört, darunter auch die Trambahn und das Trolleybusnetz. In den letzten Jahren flossen jedoch große Mengen russischer Steuergelder in den tschetschenischen Wiederaufbau. Das Abwasser-, Wasser-, Elektrizitäts- und Fernwärmenetz Grosnys wurde repariert. Dazu kommen 250 Kilometer instandgesetzte Straßen, 13 Brücken und ungefähr 900 neue Geschäfte. Auch die Einwohnerzahl stieg mittlerweile wieder stark an.
Im Dezember 2005 wandte sich das tschetschenische Parlament mit der Bitte an die russische Führung, Grosny in Achmadkala (Achmadburg) umzubenennen. „Mit dem alten Namen [seien] die dunkelsten Kapitel des tschetschenischen Volkes verbunden“, heißt es in dem Antrag. Der neue Name solle an den moskautreuen Präsidenten Achmat Kadyrow erinnern, der 2004 getötet wurde.[5] Letztlich kam es jedoch zu keiner Umbenennung.
2008 wurde in Grosny die neue Achmat-Kadyrow-Moschee eröffnet.
Verwaltung [Bearbeiten]
Grosny ist in insgesamt vier Rajone unterteilt: Sawodskoi, Leninski, Oktjabrski und Staropromyslowski.
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
Grosny erlebte während der Zeit der Sowjetunion ein starkes Bevölkerungswachstum, die Einwohnerzahl stieg von etwa 172.000 auf fast 400.000 im Jahr 1989. 1989 stellten Russen mit etwa 52 % die größte Bevölkerungsgruppe in der Stadt. In Folge der Tschetschenienkriege verließen die meisten nicht-tschetschenischen Bewohner die Stadt, die Einwohnerzahl fiel auf nur noch etwa 210.000 im Jahr 2002. Zu diesem Zeitpunkt waren 95,7 % der Einwohner Grosnys ethnische Tschetschenen, der Anteil der Russen betrug 2,5 %, gefolgt von Inguschen (1 %) und anderen Minderheiten (0,8 %). In den letzten Jahren stieg die Bevölkerung Grosnys wieder stark an, nachdem auch eine wirtschaftliche Erholung der Region einsetzte.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1897 | 15.564 |
| 1939 | 172.448 |
| 1959 | 242.068 |
| 1970 | 341.259 |
| 1979 | 375.326 |
| 1989 | 399.688 |
| 2002 | 210.720 |
| 2010 | 271.573 |
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Sport [Bearbeiten]
Der Fußballverein Terek Grosny wurde 2004 russischer Pokalsieger und durfte damit im UEFA-Cup starten. Seine Heimspiele trägt er in der über 30.000 Zuschauer fassenden und 2011 eröffneten Achmat Arena aus.
Wirtschaft [Bearbeiten]
Grosny ist das Zentrum eines bedeutenden Erdölförderungsgebietes, was die strategische Bedeutung der Stadt erklärt.
Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Die am 17. Oktober 2008 eingeweihte Achmat-Kadyrow-Moschee ist mit zehntausend Plätzen die größte Moschee Russlands. Ihre Minarette sind 62 m hoch.[6] Die 1868 von den Terek-Kosaken erbaute orthodoxe Erzengel-Michael-Kirche wurde während der beiden Kriege schwer beschädigt, im Jahr 2009 wurden jedoch die Renovierungsarbeiten abgeschlossen und die Kirche feierlich wieder eingeweiht.
In den letzten Jahren entstand mit Grosny-City (Грозный-Сити) auch ein modernes Hochhauszentrum in der Stadt.
Bildungseinrichtungen [Bearbeiten]
- Akademisches M.-D.-Millionschtschikow-Erdölinstitut Grosny
- Offenes Geisteswissenschaftliches Institut
- Tschetschenische Staatliche Universität
- Tschetschenisches Staatliches Pädagogisches Institut
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Islambek Albijew, Ringer
- Israil Arsamakow, Gewichtheber
- Ramsan Chadschijew, ehemaliger Fernsehkorrespondent und Journalist
- Serge Chermayeff, Architekt
- Ruslan Chasbulatow, Politiker und Professor der Wirtschaftswissenschaften
- Kanta Ibragimow, Schriftsteller
- Julija Jefimowa, Schwimmerin
- Anatoli Karazuba, Mathematiker
- Alexei Kallima, Künstler
- Magomed Mitrischew, Fußballspieler
- Makka Sagaipowa, Sängerin und Tänzerin
- Ljudmila Iwanowna Turischtschewa, Turnerin, dreifache Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin
- Olga Virezoub, Komponistin und Pianistin
Weblinks [Bearbeiten]
- Portal der Stadt Grosny
- Grosny auf mojgorod.ru
- aktuelle Fotos aus Grosny
- Der Friede hat in Grosny keine Chance – Artikel in der Taz vom 25. Mai 2004
- Geld gewinnt die Schlacht um Grosny, Artikel im Spiegel vom 29. Februar 2008
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
- ↑ Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
- ↑ Derluguyan, Georgi (2005). Bourdieu's Secret Admirer in the Caucasus. University of Chicago Press. S. 244–245. ISBN 978-0-226-14283-8.
- ↑ Roland Götz/Uwe Halbach: Politisches Lexikon Rußland. Verlag C.H. Beck, München 1994, S. 331.
- ↑ BBC, 15. Dezember 2005, Chechnya wants Grozny name change
- ↑ WOSTOK, Nr. 3/2008, Wostok Verlag, Berlin 2008; S. 4
Hauptstadt: Grosny
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