Český Krumlov

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Český Krumlov
Wappen von Český Krumlov
Český Krumlov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Český Krumlov
Fläche: 2216 ha
Geographische Lage: 48° 49′ N, 14° 19′ O48.81027777777814.314722222222492Koordinaten: 48° 48′ 37″ N, 14° 18′ 53″ O
Höhe: 492 m n.m.
Einwohner: 13.290 (1. Jan. 2013) [1]
Postleitzahl: 381 01
Verkehr
Bahnanschluss: České Budějovice–Černý Kříž
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 10
Verwaltung
Bürgermeister: Luboš Jedlička (Stand: 2007)
Adresse: nám. Svornosti 1
381 01 Český Krumlov
Gemeindenummer: 545392
Website: obcan.ckrumlov.info
Český Krumlov bei Nacht
Blick über die Altstadt
Blick vom Schloss auf Český Krumlov
Marktplatz
Eine typische Straße in Český Krumlov

Český Krumlov [ˈtʃɛskiː ˈkrʊmlɔf] ( anhören?/i), deutsch Krumau (auch Böhmisch Krumau, Krumau an der Moldau oder Krummau) ist eine Stadt im Jihočeský kraj in Tschechien. Sie wird als Kulturdenkmal auf der Liste des UNESCO-Welterbes geführt. Der Namenszusatz Český (Böhmisch) wurde erstmals 1439 benutzt.

Geografie[Bearbeiten]

Český Krumlov liegt sowohl am rechten als auch am linken Ufer der Moldau, die hier eine Flussschleife bildet, von der sich die Ortsbezeichnung „krumme Au“ ableitet. Nordwestlich liegt der Blanský les, östlich das Novohradské podhůří. Nachbarorte sind Třisov und Plešovice im Norden, Zlatá Koruna, Šěkře und Černice im Nordosten, Markvartice und Mirkovice im Osten, Malčice und Přídolí im Südosten, Spoli und Větřní im Süden, Kájov und Novosedly im Westen sowie Křenov und Chvalšiny im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Über einer Furt an der Moldau errichteten die Witigonen um 1240 eine Burg, die 1253 erstmals urkundlich erwähnt wurde und im Besitz des Witiko de Chrumbenowe war. Die Burg, deren tschechische Bezeichnung Crumlov für 1259 belegt ist, war Sitz des witigonischen Familienzweiges der Herren von Krumau, der 1302 mit Wok von Krumau erlosch. Dessen Besitzungen übertrug König Wenzel II. an die ebenfalls witigonische Linie der Herren von Rosenberg, deren Wappenrose noch heute Bestandteil der Stadtflagge ist. Heinrich I. von Rosenberg, der bis dahin auf der Burg Rosenberg residierte, übertrug seinen Sitz 1302 auf die Burg Krumau, die 300 Jahre lang als Residenz der Rosenberger diente. Heinrichs Sohn Peter I. von Rosenberg ließ im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts die Obere Burg errichten.

Bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Siedlung am rechten Moldauufer belegt. In ihr und bei der Alten Burg am linken Ufer ließen sich Kolonisten aus Bayern und Österreich nieder. Die auf dem linken Ufer der Moldau liegende Gemeinde ad latera castelli (Latrán) wurde erstmals 1274 erwähnt. Beide Siedlungen wurden 1347 durch eine Brücke verbunden und zu einer Stadt vereint. Bereits 1334 erhielten die Rosenberger vom König die Zustimmung zur Ansiedlung jüdischer Familien, die eine eigene Kolonie bildeten. Für das Jahr 1336 ist ein Stadtrat belegt. Um diese Zeit wurde die Stadt mit einer neuen Mauer befestigt und die bisherigen Tore mit Türmen bewehrt. 1375 gründeten die Rosenberger in der Nachbarschaft des Latrán die Neustadt. Durch den Ausbau von Handwerk und Handel, die Förderung von Silbererz und durch ihre Lage an der wichtigen Verbindung von Budweis nach Österreich erlangte die Stadt im 14. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte, die vom Aufbau religiöser Institutionen begleitet war.

Bereits um 1309 wurde die St.-Veit-Kirche und 1317 das Spital St. Jobst errichtet. 1357 ließen sich die Minoriten in Krumau nieder, deren St.-Franziskus-Kloster 1358 geweiht wurde. 1361 folgten die Klarissen, die das Kloster St. Klara errichteten. Während der Hussitenkriege wurde 1420 das Minoritenkloster beschädigt. In den religiösen Auseinandersetzungen standen Adel und Geistlichkeit mit den Herren von Rosenberg auf katholischer Seite. Obwohl der deutsche Bevölkerungsanteil deutlich zurückging, ist für das Jahr 1439 neben einem tschechischen auch ein deutscher Prediger belegt. Nachdem oberhalb des Schlosses Silber entdeckt worden war, kam es ab 1473 zu einem erneuten Zuzug deutscher Bergleute, so dass im 16. Jahrhundert wieder die deutsche Bevölkerung überwog. Bereits seit 1494 besaß die Stadt die Privilegien einer königlichen Stadt, und 1519 wurde die meißnische Bergordnung eingeführt. Unter dem Regenten Wilhelm von Rosenberg, der das Amt eines böhmischen Oberstkämmerers und Oberstburggrafen bekleidete und außenpolitischen Ehrgeiz entwickelte, wurde die Obere Burg von den Baumeistern Antonio Ericer und Baldassare Maggi zu einem repräsentativen Renaissance-Schloss umgebaut. 1584 berief Wilhelm von Rosenberg die Jesuiten nach Krumau und ließ ihnen 1586–1588 ein großes Kolleggebäude errichten. Um diese Zeit lebten in Krumau fast 2000 Einwohner in 331 Häusern.

Nach Wilhelms Tod folgte 1592 als Krumauer Regent dessen jüngerer Bruder Peter Wok von Rosenberg. Er war der letzte Rosenberger im Mannesstamm und musste 1602 die Herrschaft Krumau wegen Überschuldung, die vermutlich durch die Erschöpfung der Silberminen zustande kam, an Kaiser Rudolf II. verkaufen. Dieser überließ Krumau seinem außerehelichen Sohn Julius d’Austria als Wohnsitz. Während des böhmischen Aufstands versuchte die Ständearmee erfolglos die Eroberung der Stadt. Nach der Schlacht am Weißen Berg schenkte Kaiser Ferdinand II. die Herrschaft Krumau 1622 seinem Hofkammerpräsidenten Hans Ulrich von Eggenberg für dessen Verdienste in der Katholischen Liga. Ein Jahr später stieg Eggenberg in den Reichsfürstenstand auf, wodurch Krumau ein Herzogtum wurde. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Stadt mehrmals geplündert. Nach Kriegsende wurden zahlreiche weltliche und kirchliche Gebäude im Barockstil umgebaut.

Nach dem Aussterben der Eggenberger 1719 fiel Krumau an die Fürsten Schwarzenberg. Nachfolgend veranlasste Adam Franz von Schwarzenberg in der Burggrafschaft zahlreiche Umbauten und Erweiterungen im Stil des Wiener Barock. Nachdem die Fürsten Schwarzenberg ihre Residenz 1871 von Krumau auf das Schloss Fraunberg verlegt hatten, diente das Schloss Krumau als Verwaltungszentrum der Herrschaft Krumau. Krumau bildete Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gemeinde die zum Gerichtsbezirk Krumau im späteren politischen Bezirk Krumau gehörte. Sie war Sitz des Bezirksgerichts und der Bezirkshauptmannschaft.

1910 bestand die Stadt aus 8662 Einwohnern, davon waren 7367 deutsch- und 1295 tschechischsprachig. Nach Errichtung der Tschechoslowakei 1918 sollte Krumau im Rahmen der von Österreich geplanten Provinz Deutschböhmen ein Zentrum des vorgesehenen Böhmerwaldgaus werden. Nachdem die Provinz Deutschböhmen am 29. Oktober 1918, einen Tag nach Gründung der Tschechoslowakei, ausgerufen worden war, kam es zu politischen Spannungen zwischen dem deutschen und dem tschechischen Bevölkerungsteil, die am 28. November 1918 zur Besetzung Krumaus durch die tschechoslowakische Armee führten. Rechtlich wurde Krumau erst mit dem Friedensvertrag von Versailles am 28. Juni 1919 der Tschechoslowakei zugesprochen und am 10. September 1919 der deutschen Bevölkerung mit dem Vertrag von Saint-Germain Minderheitenrechte gewährt.

Nach dem Münchner Abkommen gehörte die Stadt 1938 bis 1945 zum in Oberdonau umbenannten Gau Oberösterreich. 1945 wurde die deutschböhmische Bevölkerung aufgrund der Beneš-Dekrete vertrieben und fand in Österreich und Westdeutschland Aufnahme.[2][3] Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. Tschechische Neusiedler übernahmen Wohnungen, Geschäfte und Betriebe. 1948 wurden das Schloss und der Grundbesitz verstaatlicht. 1963 wurde Český Krumlov unter staatlichen Denkmalschutz gestellt, wodurch die historische Bausubstanz und das einzigartige Ensemble erhalten blieben. Dadurch konnte es nach der politischen Wende von 1989 als Kulturdenkmal erklärt und 1992 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen werden. Nachfolgend erfolgte eine Restaurierung der historischen Gebäude und Plätze, und die Stadt erlangte eine touristische Bedeutung, der ein wirtschaftlicher Aufschwung folgte. Bis 2002 war Český Krumlov Bezirksstadt des Okres Český Krumlov.

Český Krumlov und die Moldau gelten als wichtiges Zentrum des in Tschechien sehr beliebten Kanusports, insbesondere des Kanuwanderns.

Blick vom Schlossturm auf Schloss, Moldau und Altstadt

Ortsteile[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:

  • Domoradice (Dumrowitz)
  • Horní Brána (Obertor)
  • Latrán (Latron)
  • Nádražní Předměstí (Bahnhofsvorstadt)
  • Nové Dobrkovice (Neuturkowitz)
  • Nové Spolí (Neupohlen)
  • Plešivec (Flößberg)
  • Slupenec (Lupenz)
  • Vnitřní Město (Innenstadt)
  • Vyšný (Weichseln)

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Altstadt, im Ortsteil Latrán, befindet sich die Brauerei Eggenberg, die im Jahre 1560 gegründet wurde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das historische Stadtzentrum ist Weltkulturerbe.
  • Das Schloss Český Krumlov ist nach der Prager Burg der zweitgrößte historische Bau in Tschechien und umfasst eine Gesamtfläche von zehn Hektar. In ihm befindet sich auch ein barockes Schlosstheater, das eines der zwei weltweit noch erhaltenen Barockbühnen ist, die noch im Originalzustand erhalten ist und deren Bühnenmaschinerie voll funktionsfähig ist. Der gesamte Bühnenmechanismus besteht aus Holz, für seine Bedienung sind insgesamt 35 Personen erforderlich. Ohne Spielunterbrechung können durch Einschieben von Kulissen neue Schauplätze aus einem Fundus von 17 Bühnenbildern entstehen, wie Säulensaal, Militärlager, Garten, Stadt, Kerker oder Urwald. Das Theater in seiner heutigen Form wurde 1680–1682 im Auftrag des Fürsten Johann Christian von Eggenberg, der ein großer Kunstliebhaber und Mäzen war, im fünften Schlosshof errichtet. Heute gibt es Aufführungen (mit sehr begrenztem Kartenangebot) im Rahmen des jährlichen Barockfestes im Juni.[4]
  • Die Mantelbrücke wurde 1767 als ein dreigeschossiger Verbindungsgang zwischen Residenz, Garten und Theater geschaffen.
  • Die St.-Veit-Kirche von 1309 wurde 1407–1439 umgebaut. Der Chor wurde vor 1500 von der Bauhütte des Hans Gezinger errichtet, die seit 1497 in Krumau tätig war. Der Hauptaltar wurde 1673–1683 neu geschaffen und die Kirche 1725–1726 barockisiert. In der Kirche befand sich die Plastik der „Krumauer Madonna“, die um 1390 geschaffen wurde und die sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet.
  • Die Kirche Corpus Christi und Mariä Schmerzen wurde im 14. Jahrhundert errichtet und 1649–1681 barock umgestaltet.
  • Das Rathaus entstand 1580 durch die Verbindung zweier Häuser.
  • Die Mariensäule auf dem Marktplatz wurde 1716 errichtet.
  • Im Egon Schiele Art Centrum sind neben der ständigen Ausstellung auch Wechselausstellungen moderner Kunst zu sehen.
  • Statuen von Josef Malinský auf dem städtischen Friedhof
  • Wachsfigurenmuseum
  • Foltermuseum

Egon Schiele in Krumau[Bearbeiten]

Egon Schiele: Die kleine Stadt II; 1912–1913

1911 zog der Maler Egon Schiele nach Krumau, dem Geburtsort seiner Mutter, und richtete sich hier ein Atelier ein. Mit seiner wilden Ehe und den Aktdarstellungen junger Mädchen stieß er bei der Bevölkerung auf Ablehnung. Bereits im selben Jahr sah er sich gezwungen, nach Neulengbach bei Wien umzuziehen. Hier wurde Schiele infolge der Anfeindungen in Krumau im April 1912 wegen des Verdachts auf Verführung einer Minderjährigen verhaftet. Trotz unbewiesener Schuld blieb er drei Tage in Arrest und zuvor 14 Tage in Untersuchungshaft.

Landesausstellung 2013[Bearbeiten]

Eine grenzüberschreitende Landesausstellung ist unter dem Titel Hopfen, Salz und Cyberspace (Alte Spuren - Neue Wege) gemeinsam mit Freistadt, Bad Leonfelden und Vyšší Brod (Hohenfurth) für das Jahr 2013 geplant. Der Hopfen steht im Ausstellungskonzept als Synonym für die Ess- und Trinkkultur, speziell für die traditionelle Bedeutung der Bierkultur in dieser Region. Das Salz steht für die wirtschaftliche Bedeutung der Handelsstraße und den damit verbundenen Reichtum der Region. Cyberspace ist als Synonym für die zukünftige Dimension, die ständigen Veränderungen unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, zu verstehen.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Personen mit Bezug zur Stadt:

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2013 (PDF; 543 KiB)
  2. Konrad Badenheuer: Die Sudetendeutschen. Eine Volksgruppe in Europa. Sudetendeutscher Rat, München 2007 , ISBN 978-3-00-021603-9.
  3. Detlef Brandes: Der Weg zur Vertreibung 1938–1945. Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-56731-4
  4. Castle Theater in Český Krumlov, abgerufen am 18. Januar 2011
  5. Landesausstellung 2013: Hopfen, Salz und Cyberspace, (abgerufen am 15. April 2009)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Český Krumlov – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Český Krumlov – Reiseführer