Hönnetalbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Menden–Neuenrade
Kursbuchstrecke (DB): 437
Streckennummer (DB): 2853
Streckenlänge: 22 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: D4
Höchstgeschwindigkeit: 60 [1] km/h
Betriebsstellen und Strecken[2]
Strecke – geradeaus
Strecke von Fröndenberg
Bahnhof, Station
0,0 Menden (Sauerland) 139 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Strecke nach Hemer (heute Anschlussbahn)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Oese
   
1,1 Ostermeier & Fliß (Anst)
   
1,3 Eichelberg (Anst)
Haltepunkt, Haltestelle
1,4 Menden (Sauerland) Süd
Bahnhof ohne Personenverkehr
1,9 Horlecke Anschluss Rheinkalk
Haltepunkt, Haltestelle
3,7 Lendringsen 137 m
   
5,4 Oberrödinghausen
Brücke über Wasserlauf (groß)
Hönne
Tunnel
6,8 Uhu-Tunnel (117 m)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Hönne
   
7,2 Klusenstein (Reaktivierung geplant) [3]
Tunnel
7,9 Binolener Tunnel (277 m)
Brücke über Wasserlauf (groß)
Hönne
Bahnhof, Station
8,7 Binolen 191 m
Brücke über Wasserlauf (groß)
Hönne
Haltepunkt, Haltestelle
10,7 Volkringhausen
Brücke über Wasserlauf (groß)
Hönne
Haltepunkt, Haltestelle
11,5 Sanssouci 221 m
Brücke über Wasserlauf (groß)
Hönne
   
13,1 Balve Hertin (Awanst)
Bahnhof, Station
14,3 Balve 244 m
   
Balve-Schulzentrum (geplant) [4]
Haltepunkt, Haltestelle
16,6 Garbeck
   
17,4 Müller (Balve) (Anst)
Haltepunkt, Haltestelle
20,5 Küntrop
Halt… – Streckenende
22,3 Neuenrade 309 m

Die Hönnetalbahn ist eine 22 Kilometer lange, eingleisige und nicht elektrifizierte Eisenbahnnebenstrecke von Menden (Sauerland) nach Neuenrade durch das Hönnetal. Sie wird als Kursbuchstrecke 437 von Unna über Fröndenberg, Menden (Sauerland) und Balve nach Neuenrade bedient.

Die Bahnstrecke führt durch zwei Tunnel und über sieben Brücken aus Naturstein durch das Hönnetal, das bereits in der Zeit der deutschen Romantik für seine Schönheit gepriesen wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Postkutsche im Hönnetal (1901) vor Eröffnung der Bahnlinie im Jahr 1912.

Die Eisenbahnstrecke Menden–Neuenrade wurde am 1. April 1912 feierlich eingeweiht[5] , nachdem zuvor am 28. März 1912 die landespolizeiliche Abnahme erfolgt war.[6] Die Bauarbeiten zum vorgenannten Abschnitt hatten im Jahr 1909 begonnen.

Zum Eröffnungszeitpunkt gab es die Bahnhöfe Neuenrade, Garbeck, Balve, Sanssouci, Binolen und Lendringsen und die Haltepunkte Küntrop, Volkringhausen, Klusenstein, Oberrödinghausen und Menden–Süd. Bei dem heutigen zwischen Lendringsen und Menden–Süd liegenden Bahnhof Horlecke handelt es sich um einen Zugleitbahnhof. Bis zum Jahr 1967 hatte Horlecke nicht den Status eines Bahnhofes.

Die Bahnlinie diente vorrangig der industriellen Nutzung des Hönnetals. Aufgrund der neuen Verkehrsanbindung entstanden entlang der Strecke Kalksteinbrücke in Binolen, Sanssouci, Balve und Garbeck. Der wirtschaftliche Aufschwung verzögerte sich durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der auch eine Einschränkung im Personenverkehr brachte. Im Steckrübenwinter 1917/18 diente auch diese Bahnstrecke zur Versorgung der hungernden Bevölkerung des Ruhrgebiets, die auf den abgeernteten Feldern in großer Zahl nach Kartoffeln und Getreide suchten. Nach 1925 erhöhte sich der Ausflugsreisezugverkehr wieder.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es so viele Schaulustige im Tal, dass man den “autofreien Sonntag” einführte, um den Gästen Ruhe und Erholung zu bieten. Kamen doch noch in der Nachkriegszeit aus dem Ruhrgebiet sonntags bis zu 1000 Personen, die in den zahlreichen Gaststätten beköstigt wurden. Zwischen den beiden Kriegen drohte dem engen Tal der Ausbau einer Eisenbahnstrecke Emden - Hönnetal - Frankfurt, um eine vor Feinden (Franzosen) sichere Nord-Süd-Verkehrsverbindung nutzen zu können.[7]

Einschränkungen gab es erst wieder 1943 nach der Zerstörung der Ruhrbrücke bei Fröndenberg durch die Flutwelle nach dem Luftangriff auf die Möhnetalsperre am 17. Mai. Nach der Errichtung einer Behelfsbrücke konnte der Eisenbahnverkehr wieder aufgenommen werden, und diente dann auch zur Versorgung des Arbeitslagers Schwalbe 1 bei Öberrödinghausen. Zwei Jahre später kam der Zugverkehr erneut zum Erliegen, als die Eisenbahnbrücke in Sanssouci gesprengt worden war. Im Juni 1945 konnte nach dem Bau einer Behelfsbrücke, die bis ins Jahr 1952 genutzt wurde, der Zugverkehr wieder aufgenommen werden.

Mitte der 50er-Jahre war die Nebenbahnstrecke die rentabelste der Bundesbahndirektion Wuppertal. In den Folgejahren gab es immer wieder Rationalisierungsmaßnahmen. Trotz der Rationalisierungsmaßnahmen nahm der Verkehr in den Folgejahren stetig ab. In den vergangenen Jahren drohte der Strecke mehrfach die Stilllegung.

Es existierten Pläne, die Hönnetalbahn von ihrem jetzigen Endpunkt Neuenrade bis nach Werdohl, bzw. ab Abzweig Sanssouci Richtung Plettenberg zu verlängern. Dort hätte eine Verbindung zu der Ruhr-Sieg-Strecke bestanden. Diese Planung wurde jedoch aufgegeben.

Betrieb[Bearbeiten]

Personenverkehr[Bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof in Balve
Regionalbahn mit 2 x 640 in Neuenrade
628 676 bei der Einfahrt in den Bahnhof Binolen am 10. Mai 2011

Die Hönnetalbahn wird im Schienenpersonennahverkehr von der Regionalbahn RB 54 „Hönnetal-Bahn“ bedient.

Zwischen Unna und Neuenrade fahren werktags stündlich Züge in beide Richtungen mit Kreuzung zur üblichen Symmetrieminute in Binolen; am Wochenende wird der Takt ab Menden (Sauerland) ausgedünnt. Nach Neuenrade fährt immerhin alle zwei Stunden ein Zug in beide Richtungen.

Betrieben wird der ÖPNV auf der Hönnetal-Bahn von der DB Regio NRW, mit Diesel-Triebzügen der Baureihe 648, welche durch Diesel-Triebwagen der Baureihe 640 ergänzt werden. Die Fahrzeuge der Baureihe 648 werden je nach Bedarf entweder in Doppeltraktion oder in Einfachtraktion gefahren, die 640er fahren in der Regel in Doppeltraktion. Auch Mischtraktionen wie 648 + 640 + 640 gehören im Schülerverkehr zum gewohnten Bild. Zwischen Sommer 2011 und April 2012 wurde der Gesamtverkehr aufgrund von Fahrzeugmangel durch Hauptuntersuchungen erneut mit Triebzügen der Baureihe 628 durchgeführt, die auf dieser Strecke bereits in den 1990er-Jahren im Einsatz waren.

Die Hönnetalbahn gehört mit den Linien von Dortmund nach Winterberg, Iserlohn und Lüdenscheid zum Sauerlandnetz, welches 2004 nach Ausschreibung als Paket an die damalige DB Regionalbahn Westfalen, inzwischen in der DB Regio NRW aufgegangen, vergeben wurde. DB Regio NRW setzte sich in einer erneuten Ausschreibung für den Betrieb ab Dezember 2016 durch und wird den Verkehr auf der Hönnetalbahn ab diesem Zeitpunkt mit zwei- bis dreiteiligen Triebwagen des Typs PESA Link durchführen. Die Einführung dieser Züge ist mit einer Erhöhung der Kapazität zur Fahrradmitnahme, Fahrkartenautomaten in den Zügen und Steckdosen an den Plätzen verbunden.[8]

Vor dem Einsatz der Dieseltriebzüge der Baureihen 624 und 628 ab etwa 1994 fuhren über viele Jahre lokbespannte Wagenzüge meist gebildet als Wendezug aus n-Wagen und Dieselloks der Baureihe 212.

Güterverkehr[Bearbeiten]

Der Güterverkehr beschränkt sich inzwischen auf die Bedienung der Kalkwerke Rheinkalk in Oberrödinghausen Lendringsen und einen Industrieanschluss in Menden. Die häufig verkehrenden Kies-, Sand- und Kalkzüge erreichen beachtliche Längen und werden teils mit der Baureihe 232 bespannt. Der Übergabebahnhof ist die Horlecke Hf. Bis 2007 wurden auch Panzertransporte in Menden im Sauerland für die jetzt geschlossene Blücherkaserne Hemer durchgeführt.

Zukunft[Bearbeiten]

Die Strecke gilt als eine der romantischen Bahnlinien in Deutschland. Seitens des ZRL wird gefordert, den Haltepunkt Klusenstein zu reaktivieren. Dieser wurde als Verkehrsstation Anfang der 2000er Jahre wegen fehlender Bahnsteigbeleuchtung aufgegeben; Bahnsteig, Unterstand und Zuwegung sind aber noch unverändert vorhanden. Außerdem soll ein neuer Haltepunkt „Balve-Schulzentrum“ eingerichtet werden, da der Schülerverkehr für die Hönnetalbahn von sehr großer Bedeutung ist.

Des Weiteren soll ein Konzept untersucht werden, inwieweit eine Erhöhung der Reisegeschwindigkeit umsetzbar ist. Zwischen Menden und Neuenrade beträgt die Reisegeschwindigkeit nur 33 km/h, in Gegenrichtung 40 km/h.[9] Eine Stilllegung der Strecke war zwar öfter im Gespräch, ist aber inzwischen nicht mehr aktuell,[10] da die Fahrgastnachfrage seit 1997 um über 60 %, auf etwa 1200 Fahrgäste pro Tag im Abschnitt Menden-Balve und 430 Fahrgäste pro Tag zwischen Balve und Neuenrade, gestiegen ist.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Hönnetalbahn. In: Christoph Riedel: Eisenbahn im Sauerland – Schienenwege zwischen Ruhr und Sieg. GeraMond Verlag, München 1999, ISBN 3-932785-22-3, S. 91–98.
  • Burkhard Wendel: Die Hönnetalbahn und ihre Nachbarbahnen. Eisenbahnfreunde Hönnetal e.V. u. a., Balve u. a. 1987, ISBN 3-89053-020-6.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nahverkehrsplan NWL 2011 Seite 100 und 271
  2.  Eisenbahnatlas Deutschland 2007/2008. 6. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2007, ISBN 978-3-89494-136-9.
  3. Nahverkehrsplan NWL 2011 Seite 273
  4. Nahverkehrsplan NWL 2011 Seite 129 und 273
  5. Süderländer Volksfreund: Eröffnung der Hönnetalbahn (vom 3. April 1912), Abgerufen am 7. Juli 2012
  6. Siehe Christoph Riedel 1999, S. 94.
  7. Dr. Theo Bönemann: Hönnetal (Vorwort).
  8. DB Regio AG verteidigt Sauerland-Netz auf zrl.de, abgerufen am 5. Dezember 2013.
  9. Märkischer Kreis: Nahverkehrsplan 2007 – Ziele für die Weiterentwicklung des Schienenpersonennahverkehrs im Märkischen Kreis: 4.2.4 Hönnetalbahn (KBS 437). Abgerufen am 26. Februar 2012.
  10. http://www.come-on.de/nachrichten/maerkischer-kreis/balve/stilllegung-strecke-keine-rede-mehr-1104179.html
  11. Zweckverband Ruhr Lippe, Verbandsversammlung 65