Hervé de Charette

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hervé Marie Joseph de Charette de la Contrie, bekannt unter Hervé de Charette, (* 30. Juli 1938 in Paris) ist ein französischer Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Charette wurde als Sohn von Hélion Marie Joseph Christian, Baron de Charette de La Contrie (1906–1983) und seiner ersten Ehefrau Jeanne Girauld de Nolhac (1908–1954) in eine Aristokratenfamilie hineingeboren. Er ist Nachfahre des königlichen Militärführers François Athanase de Charette de la Contrie, einem der royalistischen Offiziere und Anführer des Bauernaufstandes in der Vendée, der 1796 von den Anhängern der Ersten Republik gefangengenommen und erschossen wurde.[1]

Charette wuchs im Département Maine-et-Loire auf. Er besuchte die École des hautes études commerciales in Paris und das Institut d’études politiques de Paris (IEP). Von 1964 bis 1966 studierte er Verwaltungswissenschaften und Rechtswissenschaften an der Pariser Eliteschule École Nationale d'Administration (ENA). Seine Doktorarbeit legte er über Montesquieu vor. Im Juni 1966 trat Charette als Beamter des Conseil d’État in den Öffentlichen Dienst ein. Von 1969 bis 1973 war er stellvertretender Generalsekretär des Conseil d’État. Ab 1973 war er als Vortragender Rat beim Conseil d’État tätig. 1973 ernannte ihn der damalige Sozialminister Georges Gorse zu seinem persönlichen Berater.

Als Mitglied der Union pour la démocratie française (UDF) wurde er erstmals im März 1986 als Deputierter und Vertreter des Départements Maine-et-Loire in die französische Nationalversammlung gewählt. Während der ersten Cohabitation (1986–1988) war Charette unter Premierminister Jacques Chirac von März 1986 bis Mai 1988 Beigeordneter Minister für den Öffentlichen Dienst (Ministre délégué auprès du premier ministre, chargé de la fonction publique et du plan).[2] Während der Zweiten Cohabitation (1993–1995) war er unter Premierminister Édouard Balladur von März 1993 bis Mai 1995 Minister für Wohnungsbau (Ministre du logement).[2] Unter der Regierung von Premierminister Alain Juppé war er von Mai 1995 bis Juni 1997 französischer Außenminister. 1997, 2002 und 2007 wurde er als Abgeordneter wiedergewählt. In der 13. Legislaturperiode (2007–2012) ist er Abgeordneter für den 6. Wahlkreis des Départements Maine-et-Loire (Sixième circonscription de Maine-et-Loire).

In der UDF galt Charette als enger Vertrauter des Vorsitzenden Valéry Giscard d’Estaing. Wie Giscard, und im Gegensatz zum größten Teil der UDF-Politiker, unterstützte er die Kandidatur von Jacques Chirac bei der Präsidentschaftswahl 1995 und nicht die Kandidatur von Édouard Balladur. Nach der Präsidentschaftskampagne gründete er am 1. Juli 1995 die Parti populaire pour la démocratie française (PPDF), mit dem Ziel, die Anhängers Giscards innerhalb der UDF zu sammeln.

2002 trat Charette in die UMP ein. Er unterstützte die Aussetzung des Gesetzesentwurfs zum Contrat Première Embauche angesichts des Protests von Studentengewerkschaften und Jugendorganisationen; gleichzeitig desavouierte er damit die Politik von Premierminister Dominique de Villepin, indem er die Einrichtung eines Dialogs zwischen der Regierung, Jugendvertretern, den Tarifpartnern und gesellschaftlichen Gruppen begrüßte. Seit 2007 unterstützte Charette aktiv die Politik von Nicolas Sarkozy. Im Dezember 2009 trat Charette aus der UMP aus, die er als „zu rechts“ bezeichnete.[3] Er trat in das Nouveau Centre ein.[4]

Charette hatte auch Ämter auf lokaler und regionaler Ebene inne. Er war Mitglied des Conseil municipal de Saint-Florent-le-Vieil (1989–2008), Mitglied und Vizepräsident des Conseil régional de Pays de la Loire (1992–2010) und ist aktuell (Stand: Juli 2010) Maire der Gemeinde Saint-Florent-le-Vieil.

Seit 2001 ist Charette bei der Pariser Rechtsanwaltskammer als Rechtsanwalt zugelassen. Er ist seit Juni 2008 Präsident der Chambre de commerce franco-arabe.[5]

Er ist aktuell (Stand Juli 2010) Präsident des Institut Français de Finance Islamique.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hervé Marie Joseph de Charette de la Contrie in: DER SPIEGEL vom 12. August 1996
  2. a b Herve de Charette in: DER SPIEGEL vom 4. Dezember 1995
  3. Le giscardien Hervé de Charette quitte l'UMP in: Le Figaro vom 7. Dezember 2009
  4. Hervé de Charette, transfuge de l'UMP attendu au Nouveau Centre in: Le Monde vom 8. Dezember 2009
  5. M. Hervé de Charette, nouveau Président de la Chambre de Commerce Franco - Arabe Chambre De Commerce Franco Arabe vom 10. Juni 2008