Michel Debré

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Michel Debré (links) mit Konrad Adenauer in Bonn, 1960

Michel Debré (* 15. Januar 1912 in Paris; † 2. August 1996 in Montlouis-sur-Loire) war ein französischer Politiker der gaullistischen Bewegung und Premierminister von 1959 bis 1962.

Leben[Bearbeiten]

Michel Debré war der Sohn des bekannten Kinderarztes Robert Debré (* 1882; † 1978).

Aufgewachsen in Paris, besuchte er dort zunächst die traditionsreichen Gymnasien Lycée Montaigne und Lycée Louis-le-Grand, um schließlich an der l'École libre des Sciences politiques (dem Vorläufer des Institut d’études politiques de Paris) mit einem Doktortitel in Rechtswissenschaften abzuschließen und mit 22 Jahren in den Conseil d'État einzuziehen. Als Reserveoffizier diente er ab 1939 bei der Kavallerie und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er jedoch entfliehen konnte. Debré schloss sich daraufhin ab 1940 der Résistance im besetzten Frankreich an. In London wies General Charles de Gaulle seinen hochrangigen Mitarbeiter dazu an, Verwaltungsbeamte für den Tag der Befreiung auszuwählen.

Im Jahre 1945 wurde er von de Gaulle mit der Gründung der Eliteuniversität École nationale d’administration (ENA) beauftragt. Er wurde zum Mitbegründer der Union pour la Nouvelle République (UNR), bei dem er zu einem Mitglied des Zentralkomitees wurde. Während der Vierten Republik war er von 1948 bis 1958 Senator des Département Indre-et-Loire. Ab 1958 schließlich war er als Justizminister der Regierung Charles de Gaulles maßgeblich an der Ausarbeitung der Verfassung für die Fünfte Republik beteiligt, deren erster Premierminister er von 1959 bis 1962 war. Von 1966 bis 1968 wurde Debré das Wirtschafts- und Finanzministerium, von 1968 bis 1969 das Außenministerium und von 1969 bis 1973 das Verteidigungsministerium übertragen.

Nachdem er 1963 Abgeordneter von Réunion geworden war, organisierte er die umstrittene Umsiedlung von mehr als tausend Kindern von der Insel.

In der Fünften Republik war er der Ideologe des neuen französischen Nationalismus, welcher die Nation wieder an die oberste Stelle der politischen Wertordnung rückt. Die Nation organisiert sich dabei in einem Staat, der durch Souveränität nach innen und außen gekennzeichnet ist. In dieser Ideologie ist eine Einheit Europas nur denkbar, indem sich um die Nation Frankreich als Kern eine neue europäische Nation formiert. Vor diesem Hintergrund ist die schwerste Krise der EWG von 1965 (de Gaulles Politik des leeren Stuhls) einzuordnen.

1976 gründete Debré mit Jacques Chirac die gaullistische Partei Rassemblement pour la République (RPR).

Als er 1981 für das Amt des Staatspräsidenten kandidierte, erhielt er nur 1,65 % der Stimmen.

Debré hatte vier Söhne:

  • den Unternehmer Vincent Debré (* 1939)
  • den Journalisten Francois Debré (* 1942)
  • den Urologen und Politiker Bernard Debré (* 1944)
  • den Politiker Jean-Louis Debré (* 1944)

Wahlmandate[Bearbeiten]

Regierungsämter[Bearbeiten]

  • 1958 – 1959: Justizminister
  • 1959 – 1962: Premierminister
  • 1966 – 1968: Minister für Wirtschaft und Finanzen
  • 1968 – 1969: Außenminister
  • 1969 – 1973: Verteidigungsminister

Académie française[Bearbeiten]

Am 24. März 1988 wurde Michel Debré dazu auserwählt, die Nachfolge des Louis de Broglies (nach dessen Tod am 19. März 1987) auf dem 1. Sitz der Académie française anzutreten. Am 19. Januar 1989 fand die offizielle Amtseinführung statt. Nach Debrés eigenem Tod wiederum, wurde er am 20. März 1997 durch François Furet ersetzt, der allerdings verstarb, bevor es zur Ausübung dieser Funktion kam, woraufhin schließlich am 18. Juni 1998 René Rémond die Funktion einnahm.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

  • La Mort de l’État Républicain, 1947 – (dt. Das Ende des Republikanischen Staates)
  • Ces Princes qui nous gouvernent, 1957 – (dt. Diese Prinzen an der Regierung)
  • Une certaine idée de la France, 1972 – (dt. Eine gewisse Konzeption von Frankreich)
  • Une Politique pour la Réunion, 1975 – (dt. Eine Politik der Versammlung)
  • Le Pouvoir Politique, 1977 – (dt. Politische Macht)
  • Le Gaullisme, 1978 – (dt. Der Gaullismus)
  • Français, Choisissez l’Espoir, 1979 – (dt. Franzosen, Entscheidet Euch für die Hoffnung)
  • Lettre Ouverte aux Français pour la Reconquête de la France, 1980 – (dt. Offener Brief an die Franzosen zur Rückeroberung Frankreichs)
  • Peut-on lutter contre le chômage?, 1982 – (dt. Kann man Arbeitslosigkeit bekämpfen?)
  • Trois Républiques pour une France, 4 Bände, 1984 – 1995 – (dt. Drei Republiken für einen französischen Staat)
  • Entretiens avec le Général De Gaulle: 1961 – 1969, 1993 – (dt. Gespräche mit dem General De Gaulle: 1961 - 1969)
  • Combattre Toujours: 1969 – 1993, 1994 – (dt. Immer wieder Kämpfen: 1969 - 1993)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michel Debré – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien