Laurent Fabius

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Laurent Fabius (2013)

Laurent Fabius (* 20. August 1946 in Paris) ist ein französischer Politiker und seit Mai 2012 Außenminister von Frankreich.[1] Vom 17. Juli 1984 bis zum 20. März 1986 war er Premierminister von Frankreich. Von 1992 bis 1993 war er Erster Sekretär (Vorsitzender) der Sozialistischen Partei. Von 1988 bis 1992 sowie von 1997 bis 2000 war er Präsident der Nationalversammlung. Von 2000 bis 2002 war er Minister für Wirtschaft, Finanzen und industrielle Entwicklung.

Herkunft und Werdegang[Bearbeiten]

Geboren als Sohn des Pariser Antiquitätenhändlers André Fabius (1908-1984), der ihn, selbst mit seiner Ehefrau vom Judentum zum Christentum konvertiert, im katholischen Glauben erzog, verbrachte er seine Schulzeit an den Pariser Gymnasien Janson-de-Sailly und Lycée Louis-le-Grand. Er besuchte zwei Elitehochschulen, zunächst das Institut d'études politiques in Paris (Abschluss als Agrégé der Philosophie), dann die ENA-Abschlussklasse François Rabelais (1971–1973). Nach dem Abschluss trat er 1973 in den Staatsdienst ein und wurde Rechnungsprüfer und 1981 Berichterstatter im Staatsrat.

1978 erhielt er erstmals ein Abgeordnetenmandat. Nach dem Sieg François Mitterrands 1981 wurde er zum Verantwortlichen für das Budget, daran anschließend 1983 Minister für Forschung und Industrie. François Mitterrand berief ihn mit 37 Jahren in das Amt des Premierministers, um der notwendigen Austeritätspolitik ein neues Gesicht zu verleihen und die Zäsur gegenüber seinem Vorgängerpremier Pierre Mauroy zu verdeutlichen. Daraufhin verließ die Kommunistische Partei die Regierungskoalition. Mit einer als unnachsichtig in die Geschichte eingegangenen Politik zielte er auf einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine Bereinigung der Staatsbilanz ab. Seine Politik beruhte im Wesentlichen auf Maßnahmen gegen inflationäre Tendenzen und Arbeitslosigkeit.

In der Nacht des 10. Juli 1985 wurde das Schiff Rainbow Warrior vom französischen Geheimdienst DGSE in die Luft gesprengt, wobei ein Mitarbeiter von Greenpeace, Fernando Pereira, starb. Die Regierung Neuseelands protestierte gegen diesen Skandal. In einem Strafverfahren wegen Totschlags wurde gegen die französischen Geheimdienste ermittelt. Aufgrund massiven Drucks und unwiderlegbarer Beweise, erkannte Laurent Fabius am 22. September die Schuld Frankreichs an und forderte den Rücktritt seines Verteidigungsministers Charles Hernu.

Nach Protestbewegungen gab er eine Reform der Privatschulen auf, die er in Angriff genommen hatte, und führte bei den Parlamentswahlen das Verhältniswahlrecht ein. So zog 1986 erstmals die rechtsradikale Partei Front National in die Nationalversammlung ein, begleitet von einer Wahlschlappe für die Sozialisten. Laurent Fabius trat zurück, Jacques Chirac übernahm das Amt: es kam zur ersten Cohabitation.

Seine Bemerkung bei einer im Fernsehen übertragenen Gegenüberstellung mit Chirac: „Sie sprechen mit dem Premierminister Frankreichs“ löste eine Kontroverse aus, die in der Verschärfung der Kontrolle solcher Debatten durch die Journalisten mündete. Im Verfahren wegen Infektionen durch HIV-kontaminierte Blutprodukte vor dem Gerichtshof der Republik, das sich über Jahre hinzog, wurde zunächst gegen ihn ermittelt, letztendlich wurde er aber freigesprochen.

Als ergebener Getreuer von François Mitterrand wurde Laurent Fabius 1988 zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt und war von 1992 bis 1993 Erster Sekretär (= Vorsitzender) seiner Partei. Diese Zeit war von Rivalitäten mit Lionel Jospin um die Mehrheit innerhalb der Partei geprägt. Jener wurde 1995 zum Kandidaten der Partei für die Präsidentschaftswahlen gekürt und 1997 zum Premier ernannt. Im gleichen Jahr wurde Laurent Fabius erneut die Präsidentschaft über die Nationalversammlung anvertraut.

Als der vorläufige Nachfolger von Dominique Strauss-Kahn, Christian Sautter, die Regierung der dritten Cohabitation verließ, übernahm Laurent Fabius die Position des Ministers für Wirtschaft, Finanzen und industrielle Entwicklung. Diesen Posten behielt er bis zur Wahlniederlage der Sozialisten 2002. Persönlich ging er aus der Wahl für die XII. Legislaturperiode (2002–2007) wiedergewählt als Abgeordneter für den Wahlbezirk der Seine-Maritime hervor.

Mit seiner Ablehnung des Entwurfs zur Europäischen Verfassung, den er als zu wirtschaftsliberal einschätzte, löste er eine kontroverse Diskussion innerhalb der sozialistischen Partei und im Europäischen Parlament aus. Die Zeitschrift „Le Point“ legte ihm das berühmte Zitat Woody Allens in den Mund: „Ich sage nein, aber wie lautet noch einmal die Frage… ?“, andere behaupteten, er beziehe im Hinblick auf eine Wahl zum Präsidentschaftskandidaten der Partei 2007 schon Position. Einige Befürworter der Zustimmung zur Verfassung beim Referendum bezeichneten ihn wegen seiner Unterstützung ihrer Gegner als Opportunisten.

Fabius unterlag Ségolène Royal als Kandidat der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl 2007. Im November 2006 wurde Royal mit über 60 % der Stimmen der Parteimitglieder zur Präsidentschaftskandidatin gewählt. Im Mai 2012 wurde er nach dem Wahlsieg seines innerparteilichen Konkurrenten François Hollande bei der Präsidentschaftswahl vom neuen Ministerpräsidenten Jean-Marc Ayrault zum Außenminister ernannt.

Politische Mandate[Bearbeiten]

  • 1977–1983: Stellvertretender Bürgermeister von Grand-Quevilly (Seine-Maritime)
  • 1978–1981: Abgeordneter
  • 1981–1981: Delegierter Minister im Finanzministerium – Budgetverantwortlicher
  • 1981–1983: Delegierter Minister im Finanzministerium – Budgetverantwortlicher
  • 1981–1981: Abgeordneter
  • 1983–1989: Stellvertretender Bürgermeister von Le Grand-Quevilly (Seine-Maritime)
  • 1983–1984: Minister für Forschung und Industrie
  • 1984–1986: Premierminister
  • 1986–1989: Mitglied im Regionalrat der Haute-Normandie
  • 1986–1988: Abgeordneter
  • 1988–1993: Abgeordneter
  • 1989–1995: Stellvertretender Bürgermeister von Grand-Quevilly (Seine-Maritime)
  • 1989–1992: Europaabgeordneter
  • 1992–1995: Mitglied im Regionalrat der Haute-Normandie
  • 1993–1997: Abgeordneter
  • 1995–2001: Mitglied im Gemeinderat von Grand-Quevilly (Seine-Maritime)
  • 1995–2000: Bürgermeister von Grand-Quevilly (Seine-Maritime)
  • 1997–2000: Abgeordneter
  • 2000–2002: Minister für Wirtschaft, Finanzen und Industrie der Regierung von Lionel Jospin (Vgl. auch: Minister der Regierung Jospin)
  • 2000–2001: Stellvertretender Bürgermeister von Grand-Quevilly (Seine-Maritime)
  • 2000–2002: Mitglied im Rat des Départements Seine-Maritime

Aktuelle Ämter (zum 16. Mai 2012)[Bearbeiten]

  • seit 2002: Abgeordneter (Mandat ruht)
  • seit 2008: Stellvertretender Bürgermeister von Grand-Quevilly (Seine-Maritime)
  • seit 2012: Minister für äußere und europäische Angelegenheiten der Regierung von Jean-Marc Ayrault

Werke[Bearbeiten]

  • Ungleichheit in Frankreich (1975)
  • Das Herz der Zukunft (1985)
  • Auf dem Weg zum Meer (1990)
  • Verletzende Wahrheiten (1995): Preis des politischen Buches 1996
  • Mit einer Ballade beginnt es (2003)
  • Eine gewisse Vorstellung von Europa (2004)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hollande stellt sein Kabinett vor FAZ Online vom 16. Mai 2012
  2. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  3. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laurent Fabius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Laurent Fabius – Zitate (Französisch)
Vorgänger Amt Nachfolger

Jacques Chaban-Delmas
Philippe Séguin
Präsident der französischen Nationalversammlung
23. Juni 1988 – 22. Januar 1992
12. Juni 1997 – 29. März 2000

Henri Emmanuelli
Raymond Forni