Hồ Chí Minh

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Hồ Chí Minh im Jahre 1946

Hồ Chí Minh (Aussprache: [hò̤wcǐmiŋ]; anhören?/i; Hán Nôm: 胡志明; * 19. Mai 1890 in Kim Lien; † 2. September 1969 in Ba Vì) war ein vietnamesischer Revolutionär und Politiker, Premierminister (1945–1955) und Präsident (1945–1969) der Demokratischen Republik Vietnam.

Nach mehreren Stationen im Ausland, darunter Paris und Moskau, gehörte Hồ Chí Minh 1930 in Hongkong zu den Gründern der Kommunistischen Partei Indochinas, aus der später die Kommunistische Partei Vietnams hervorging. 1941 wurde er in Vietnam zum Anführer der neu gegründeten Việt Minh, die im Zweiten Weltkrieg gegen die japanischen Besatzer und die mit ihnen verbündeten Franzosen kämpfte. Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit am 2. September 1945 ging der Kampf um Vietnam jedoch weiter: zuerst im Indochinakrieg gegen Frankreich (1946–1954), dann im Vietnamkrieg (1955–1975), dessen Ende Hồ Chí Minh nicht mehr erlebte.

1976 wurde Vietnam wiedervereinigt. Saigon, die frühere Hauptstadt von Südvietnam, wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.

Name[Bearbeiten]

„Hồ Chí Minh“ war ursprünglich nur einer seiner zahlreichen Decknamen. Er gab sich zu dieser Zeit als chinesischer Journalist aus, behielt den Namen aber später.

Da Hồ Chí Minh bis zu seiner Präsidentschaft viel im Untergrund arbeitete sowie seit seiner ersten Abreise aus Vietnam von der französischen Sûreté (der Sicherheitspolizei) und anderen Geheimdiensten verfolgt wurde, verwendete er ständig neue Namen. Es wird vermutet, dass ihm bis zu 50 Pseudonyme zugerechnet werden können.[1] Erschwert wird die Forschung dadurch, dass Ho zeitlebens äußerst geheimnisvoll mit seinen Namen und seiner Vergangenheit umging: Selbst zu dem Decknamen „Nguyen Ai Quoc“, unter dem er ein bekanntes Komintern-Mitglied in Moskau und Paris gewesen war, wollte er sich später jahrelang nicht bekennen.

Die bekanntesten und wichtigsten sind: Sein Kindername Nguyễn Sinh Cung (阮生恭); der Name während seiner Schulzeit und seiner ersten Schiffsreisen um die Welt: (tự, ) Nguyễn Tất Thành (阮必成, Nguyễn muss [sein Ziel] erreichen). Nach dem Ersten Weltkrieg, als er in Frankreich politisch aktiv wurde, tat er dies unter dem Namen: Nguyễn Ái Quốc (阮愛國, Nguyễn liebt das [Vater]land oder: „Nguyen der Patriot“); und schließlich seit 1942 Hồ Chí Minh (胡志明, Hồ klarer Wille). In Vietnam wird er auch heute noch Bác Hồ (伯胡, Onkel Hồ) genannt. Weitere Pseudonyme waren unter anderem Lý Thụy (李瑞), Hồ Quang (胡光) und Tống Văn Sơ bzw. Sòng Wénchū (宋文初).

Leben[Bearbeiten]

Geburt[Bearbeiten]

Nguyen Sinh Cung wurde vermutlich am 19. Mai 1890 in dem kleinen Dorf Kim Lien in der mittelvietnamesischen Provinz Nghe An geboren. Hồ Chí Minh gab später im Laufe seines Lebens immer wieder verschiedene Geburtsdaten an, die von 1894 bis 1903 reichen. Das Jahr 1890 gilt mittlerweile als die „offizielle“ Version, die zwar noch immer von einigen Forschern angezweifelt wird, aber aufgrund einiger bekannter Ereignisse aus der Kindheit als plausibel angesehen werden kann.

Auch über den Tag seiner Geburt besteht in der Forschung Uneinigkeit. Es ist gut möglich, dass der 19. Mai absichtlich mit jenem Datum zusammenfällt, an dem 1941 der Việt Minh gegründet wurde. Da im ländlichen Vietnam zudem oft keine Aufzeichnungen über Geburtstage gemacht wurden, ist ebenso denkbar, dass Hồ Chí Minh seinen Geburtstag selbst nicht kannte.[2]

Kindheit und Jugend in Vietnam[Bearbeiten]

Hồs Vater Nguyen Sinh Sac war ein konfuzianischer Gelehrter, der es bis zum Äquivalent einer Doktorprüfung schaffte, was für Angehörige der Landbevölkerung durchaus ungewöhnlich war. Sac schlug jedoch lange Zeit bewusst nicht den Weg einer bürokratischen Laufbahn ein, sondern blieb für ein bescheidenes Gehalt Lehrer in seiner Heimatregion. Für Sinh Sac war dies auch eine Form des Protests gegen die französische Okkupation. Da er stark vom Konfuzianismus geprägt war, lehnte Sinh Sac aber eine Auflehnung gegen die eigentliche vietnamesische königliche Obrigkeit oder gar Ideen wie eine Revolution vehement ab. Er überwarf sich später deswegen mit seinem Sohn.

Cung (Hồ Chí Minh) wurde von Zeitgenossen als wissbegieriger, gelehriger Schüler beschrieben, der schon in jungen Jahren eine Abneigung gegen die französische Besatzung zeigte, aber darüber hinaus weitgehend unpolitisch blieb. Mit Eintritt in das Schulalter erhielt er von seinen Eltern den Namen „Nguyen Tat Thanh“.

Bei einer Bauerndemonstration gegen die Steuern und die Lebensumstände unter dem Kolonialregime in der Königsstadt Huế, in die der Vater mit den Söhnen schließlich 1906 gezogen war, schloss sich Tat Thanh den Bauern an, um zwischen Vietnamesen und Franzosen zu dolmetschen. Thanh besuchte zu diesem Zeitpunkt eine französische Schule. Da weder Bauern noch Obrigkeit zu Zugeständnissen bereit waren, endete die Demonstration im Kugelhagel französischer Soldaten. Thanh wurde als „Aufrührer“ am folgenden Tag der Schule verwiesen.[3]

Reisen in Europa und in die Vereinigten Staaten[Bearbeiten]

Vermutlich durch dieses Ereignis erst recht politisiert, zog Nguyen Tat Thanh erst nach Sàigòn und heuerte schließlich auf einem französischen Dampfer an, um Frankreich zu sehen. Noch immer hatte er keine konkrete Vorstellung, wie und in welcher Weise man gegen die Kolonialherrschaft vorgehen könne. Vereinzelte vietnamesische Intellektuelle stritten schon damals über einen „gewaltsamen“ und einen „reformistischen“ Weg. Tat Thanh erklärte damals Begleitern, er wolle die Okkupatoren besser verstehen lernen und müsse dazu Frankreich kennenlernen. 1911, im Alter von 21 Jahren, verließ Nguyen Tat Thanh Vietnam.

Über seine Reisezeit liegt vieles im Dunkeln. Neben mehreren kurzen Stationen in Frankreich lebte er sowohl einige Zeit in New York und Boston als auch in England. In London arbeitete er dabei als Küchengehilfe im Carlton-Hotel unter dem Küchenchef Auguste Escoffier.[4] Vermutlich 1917 kehrte er nach Frankreich zurück. Ab 1919 ist sein Leben wieder besser dokumentiert, da die französische Geheimpolizei seine Spur aufgenommen hatte.[5]

Politische Sozialisation in Frankreich[Bearbeiten]

Hồ Chí Minh, 1921. In seiner Pariser Zeit wurde er unter dem Namen Nguyen Ai Quoc bekannt.

In Paris schloss sich Nguyen Tat Thanh der Sozialistischen Partei Frankreichs an und gründete die „Association des Patriotes Annamites“ (= Gemeinschaft der annamitischen Patrioten), einen Verein, der sich an Vietnamesen richten sollte, die in Frankreich leben. Das waren zu dieser Zeit etwa 50.000, überwiegend Arbeiter. Der Begriff „Annam“ anstatt „Vietnam“ wurde vermutlich verwendet, um der Regierung zu signalisieren, dass es sich hier nicht um eine Anti-Kolonie-Bewegung handele.

Die Gründung fiel in eine Zeit, in der im Zuge der Vorschläge des US-Präsidenten Woodrow Wilson sich zahlreiche koloniale Organisationen in der Hoffnung auf verbesserte politische Mitsprache zusammenschlossen. Am 18. Juni 1918 veröffentlichte die Association eine Petition, in der Nguyen Tat Thanh forderte, Wilsons Ideen müssten auch für die französischen Kolonien in Indochina verwirklicht werden. Der Ton der Petition war moderat; der Begriff „Unabhängigkeit“ kam nicht vor. Tat Thanh schrieb den Text vermutlich nicht allein, sollte aber für die folgenden drei Jahrzehnte als jener „Nguyen Ai Quoc“ („Nguyen der Patriot“) bekannt werden, dessen Name unter der Petition stand.[6] – Der Text erregte Aufsehen, blieb jedoch sowohl national als auch bei den Friedensverhandlungen von Versailles folgenlos.

Als die Sozialisten sich in einen moderaten Flügel um Léon Blum und einen radikalen Flügel mit Marcel Cachin spalteten, sympathisierte Nguyen Ai Quoc mit den Radikalen. Seine Zeitgenossen bemerkten später, Ai Quoc habe zu diesem Zeitpunkt noch praktisch nichts über Marxismus oder den Unterschied zwischen Zweiter und Dritter Internationale gewusst. Seine Sympathie für Sozialdemokratie und Marxismus speiste sich aus der Antipathie gegen die europäischen Kolonialherrscher, deren Herrschaft aus seiner Sicht auf Kapitalismus und Imperialismus beruhten. Erst der Kontakt mit Lenins Schriften zu dieser Zeit machte Nguyen Ai Quoc zu einem Anhänger der marxistischen Revolution. Auf dem Zweiten Komintern-Kongress 1920 hatte Lenin erklärt, im Kampf gegen den Kapitalismus müssten sich die kommunistischen Parteien mit den demokratisch-antikolonialen Strömungen in den Kolonien verbünden: Die Macht der kapitalistischen Staaten basiere auf dem wirtschaftlichen Vorteil durch ihre Kolonien. Er traf damit einen Nerv bei Nguyen Ai Quoc.

In der Zeitung L’Humanité veröffentlichte Nguyen Ai Quoc mehrere kritische Artikel gegen die Ergebnisse der französischen Kolonialherrschaft in Indochina und warb unter den französischen Sozialisten fortan heftigst darum, das Thema der Kolonien zu forcieren.[7] Als die radikale Fraktion unter der Führung von Cachin schließlich 1920 sich zur ersten französischen kommunistischen Partei zusammenschloss, gehörte Nguyen Ai Quoc zu den Gründungsmitgliedern. 1922 gründete er die „Union Intercoloniale“, einen Bund, der Mitglieder aus den Kolonien vereinen sollte.[8] Die Union erwies sich wegen der unterschiedlichen Interessen ihrer weltweiten Mitglieder als wenig effektiv.

In dieser Zeit hatte er eine Beziehung mit der französischen Sozialistin Marie Brière. Sein politisches Projekt begann insgesamt zu stagnieren: Nguyen Ai Quoc kam zu der Einsicht, dass trotz ihrer Lippenbekenntnisse weder die französischen Kommunisten noch die Presse die Kolonialfrage ausreichend berücksichtigten. 1923 folgte er deswegen schließlich einer Einladung der Komintern nach Moskau.

Als Revolutionär in Moskau, Kanton und Hongkong[Bearbeiten]

In der UdSSR verfolgte er weiterhin seinen Ansatz, die bäuerliche Bevölkerung in den Kolonien als zentralen Baustein einer Weltrevolution zu verteidigen. Er ließ sich dafür in mehrere Gremien wählen und begann seine Ausbildung an der „Stalinschule“ (der Kommunistischen Universität Moskau).[9] Auf dem fünften Komintern-Kongress im Juni 1924 unterstrich er öffentlich seine Sichtweise und verglich die Kolonien mit dem „Kopf der Schlange des Kapitalismus“: Das „Gift“ und die „Lebensenergie“ der westlichen Länder lägen in ihren Kolonien, nicht in den Mutterländern. Gleichzeitig seien die Bauern vor Ort zu schwach und zu unorganisiert und benötigten dringend die Hilfe der Kommunistischen Internationalen, so Ho Chi Minh.[10]

Nguyen Ai Quocs Rede schlug sich nicht in einer veränderten Politik Moskaus nieder, aber führte zumindest dazu, dass die kommunistischen Führer der Kolonie-Frage mehr Aufmerksamkeit widmeten und verstärkt auch asiatische Schüler an die Stalinschule holten. Nguyen Ai Quoc selbst wurde in der UdSSR endgültig zu einer bekannten Persönlichkeit. Er traf während dieser Zeit unter anderem auf Bucharin, Ernst Thälmann, Zhou Enlai, Chiang Kai-shek und den Inder M. N. Roy.

1925 und 1926 organisierte er politischen Unterricht für vietnamesische Jugendliche an der Whampoa-Militärakademie in Kanton, die 1924 von der Kuomintang eröffnet worden war. Er gab auch selbst Kurse in sozialistischer Politik für die jungen Vietnamesen, die wenige Jahre später an der Begründung der kommunistischen Bewegung in Vietnam mitwirkten.

Im Oktober 1926 heiratete er im Alter von 36 Jahren eine katholische Chinesin, die 21-jährige Hebamme Tăng Tuyết Minh. Sie lebten ein halbes Jahr zusammen, bis er im April 1927 China verließ.[11] Die Ehe wurde später von den vietnamesischen Kommunisten geheim gehalten, da sie nur schlecht in das idealisierte Bild ihres „Vaters der Nation“ passte.

Nach Angaben des ehemaligen deutschen Kommunisten und späteren Sozialdemokraten Erich Wollenberg war Ho entscheidend beteiligt an der Herstellung einer Anleitung für kommunistische Aufstände, die 1928 in Moskau gedruckt wurde (Der bewaffnete Aufstand. Versuch einer theoretischen Darstellung), aber im Impressum Zürich aufwies, um das Werk als legalen Druck erscheinen zu lassen. Der Autorentitel „A. Neuberg“ steht gleichfalls für Ho, ebenso aber auch für Hans Kippenberger und Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski.

Nach langen Aufenthalten bei Kommunisten in Moskau und einer Ausbildung durch die Kommunistische Internationale zog er nach Hongkong, wo er 1930 die Kommunistische Partei Indochinas gründete, die heutige Kommunistische Partei Vietnams (KPV).

Zweiter Weltkrieg, Unabhängigkeit Vietnams[Bearbeiten]

Hồ Chí Minhs Wohnhaus in Hanoi

1941 kehrte Ho nach Vietnam zurück. Er war an der Gründung der Việt Minh beteiligt und wurde zu ihrem Anführer. Im Zweiten Weltkrieg leitete er ihre militärische Operationen gegen die japanischen Besatzungstruppen und gegen die mit den Japanern verbündeten Franzosen. Während des fünfmonatigen Kampfes gegen die japanische Besatzung von März bis zum 15. August 1945 wurden die Việt Minh offizielle Verbündete der Alliierten und vom Office of Strategic Services (OSS) logistisch unterstützt. Ho wurde unter dem Decknamen Lucius für diese Zeit in die Dienste des OSS aufgenommen.[12]

Nach der Kapitulation Japans leitete Hồ die Augustrevolution, die in der Ausrufung der Unabhängigkeit Vietnams von Frankreich 2. September 1945 endete. Zugleich wurde Hồ Chí Minh Premierminister (bis 1955) und Präsident der Demokratischen Republik Vietnam.

Gemäß der Potsdamer Konferenz vom Juli 1945 besetzten ab September 1945 britische und nachfolgend französische Truppen Südvietnam, wobei es zu heftigen Kämpfen mit den Việt Minh kam. Obwohl fünf Monate später der französische General Leclerc den Sieg verkündete, kontrollierten die Việt Minh weiterhin große Teile des Südens, vor allem auf dem Land. Währenddessen wurde Vietnam nördlich des 17. Breitengrads von der Besatzungsmacht Nationalchina ausgebeutet. Nachdem Frankreich mit China ein Übereinkommen getroffen hatte, stand auch die Besetzung Nordvietnams durch französische Truppen bevor. Um einen gleichzeitigen Kampf gegen Franzosen und Nationalchinesen zu vermeiden, handelte Ho mit dem Abgesandten de Gaulles, Jean Sainteny, am 6. März 1946 einen Kompromiss aus. Danach erkannte Frankreich Vietnam als „freien“ Staat innerhalb der Französischen Union an, während Ho zusicherte, für die nächsten fünf Jahre die französische Kontrolle Nordvietnams anzuerkennen.[13] Er begründete dies mit den Worten:

„Was mich angeht, ziehe ich es vor, fünf Jahre französischen Mist zu riechen, als für den Rest meines Lebens chinesischen zu essen.“[14]

Indochinakrieg[Bearbeiten]

Hồ Chí Minh 1957 bei einem Staatsbesuch in der DDR mit Matrosen der DDR-Volksmarine in Stralsund

1946 versuchten die Franzosen, Vietnam wieder zu besetzen. Am 23. November bombardierten sie Hải Phòng, wobei 6000 Zivilisten ums Leben kamen. Daraufhin gab Ho dem Druck der Hardliner innerhalb der Việt Minh nach, und der landesweite Kampf gegen die französische Kolonialherrschaft nahm seinen Anfang.[15] Der Indochinakrieg dauerte bis 1954 an.

Vietnamkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Indochinakrieg ging der Kampf um die Vereinigung und Befreiung Vietnams ununterbrochen weiter. Auch im Vietnamkrieg (1955 bis 1975) gehörte Hồ Chí Minh zu den treibenden Kräfte bei den Versuchen, Nordvietnam und Südvietnam wiederzuvereinigen. 1965 griffen die USA in den Krieg ein und unterstützten das Regime in Südvietnam. Hồ Chí Minh richtete die Trường-Sơn-Straße für den heimlichen Materialtransport von Nord- nach Südvietnam ein. Dieses Netz von militärischen Versorgungwegen wurde im Westen als Ho-Chi-Minh-Pfad bekannt.

Hồ Chí Minh starb am 2. September 1969 in Ba Vì, heute Verwaltungsgebiet Hanoi, im Alter von 79 Jahren an Herzversagen. Da an diesem Tag der vietnamesische Unabhängigkeitstag ist, verlegte die kommunistische Führung das Todesdatum auf den 3. September, was erst in den 1980er Jahren korrigiert wurde.

Wirkung[Bearbeiten]

Bedeutung[Bearbeiten]

Briefmarke der DDR aus dem Jahr 1970

Hồ Chí Minh erlangte mit seinem Einsatz für die Befreiung Vietnams auch über Vietnam und Asien hinaus einen weltweiten Bekanntheitsgrad. Zusammen mit Mao Zedong und dem argentinisch-kubanischen Revolutionär Che Guevara gilt er bis heute als einer der bedeutendsten Praktiker des modernen Guerillakampfes. Ebenso wie für viele internationale Befreiungsbewegungen galt er auch für die aufständischen Studenten der westlichen Industriegesellschaften Mitte bis Ende der 1960er Jahre als wichtige Symbolfigur und revolutionäres Vorbild (vgl. auch Außerparlamentarische Opposition und Deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre). Der 'Schlachtruf' Ho-Ho-Ho-Chi-Minh! war ein Kennzeichen vieler Demonstrationen der 1968er Bewegung.

Durch seinen bescheidenen, die marxistisch-leninistische Theorie in die eigene tägliche Praxis umsetzenden Lebensstil (er lebte in einer Hütte neben dem Regierungsgebäude), der Forderung nach politischer Partizipation der Bauern und nach Gleichberechtigung von Mann und Frau wurde er zur personifizierten Revolution und glaubwürdigen nationalen Vaterfigur.[16]

Die US-Zeitschrift Time Magazine zählte ihn 1998 zu den 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts.[17]

Personenkult[Bearbeiten]

Eine Gruppe von Kriegsveteranen vor dem Hồ-Chí-Minh-Mausoleum

Hồ Chí Minh war für einen einfachen Lebensstil, Bescheidenheit und Integrität bekannt, und war sowohl während seiner Präsidentschaft wie auch nach seinem Tod das Zentrum eines großen Personenkults. In Hanoi wurde ein Mausoleum im Stil des Lenin-Mausoleums errichtet, wo sein einbalsamierter Leichnam gegen seinen Willen ruht (er wollte, dass seine Leiche verbrannt und die Asche in Nord-, Mittel- und Südvietnam vergraben wird). Das Mausoleum wurde 1975 eingeweiht und steht in der Nähe des Platzes, an dem Hồ Chí Minh am 2. September 1945 die Unabhängigkeitserklärung öffentlich verlas.

1976 bekam die Stadt Saigon den Namen Ho-Chi-Minh-Stadt.

Kritik[Bearbeiten]

Hồ Chí Minh wird auch kritisch in seiner Person und der Schuld an Todesopfern in Vietnam hinterfragt. So wird im Schwarzbuch des Kommunismus die Anzahl der Ermordeten in Vietnam, die seinem Verschulden zuzurechnen seien, auf eine Million Menschen geschätzt.[18] Ebenso durch einen Dokumentationsfilm über Hồ Chí Minh, „Ho Chi Minh – Mensch und Mythos“,[19] von CLS Video und dem Produzenten Nguyen Huu Le.

Rezeption in der Kunst[Bearbeiten]

Der Komponist Günter Kochan komponierte die Kantate Das Testament von Ho chi Minh (1970) für Sprecher, Kammerorchester und neun Instrumente.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jules Archer: Ho Chi Minh. Legend of Hanoi. Bailey Bros. & Swinfen, New York 1971, ISBN 0-561-00153-7.
  • Pierre Brocheux: Ho Chi Minh. A Biography. Cambridge University Press, Cambridge 2007 ISBN 0-521-85062-2.
  • Pham van Dong: Ho Chi Minh. Ein Mensch, eine Nation, eine Epoche, eine Sache. Verlag der Fremdsprachen, Hanoi 1980.
  • William J. Duiker: Ho Chi Minh. A Life. Hyperion, New York 2001, ISBN 0-7868-8701-X.
  • Martin Großheim: Ho Chi Minh. Der geheimnisvolle Revolutionär. Leben und Legende. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62208-3. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  • Hellmut Kapfenberger: Ho Chi Minh. Eine Chronik. Neues Leben, Berlin 2009, ISBN 978-3-355-01758-9.
  • Jean Lacouture: Ho Chi Minh. A Political Biography. Random House, New York 1968, ISBN 0-394-42899-4.
  • Reinhold Neumann-Hoditz: Ho Tschi Minh. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1971, ISBN 3-499-50182-1.
  • Sophie Quinn-Judge: Ho Chi Minh. The Missing Years 1919–1941. University of California Press, Berkeley 2002, ISBN 0-520-23533-9.
  • Horst Szeponik: Ho Chi Minh – Ein Leben für Vietnam. Biografie. Neues Leben, Berlin 1981.
  • Tran dan Tien: Ho Chi Minh: Der Begründer des Unabhängigen Vietnams. Laufersweiler, Gießen-Wieseck 2000, ISBN 3-89687-295-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ho Chi Minh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manche Autoren gehen von bis zu 75 Namen aus. Siehe z. B. „His Many Names and Travels“ in Vietnam Courier (Mai 1981).
  2. Die Biographien haben einerseits mit den nur spärlichen Informationen aus der Jugendzeit zu kämpfen und leiden andererseits an der vor allem in Vietnam üblichen mythischen Überhöhung, die die Forschung kompliziert. Eine fundierte Biographie ist William J. Duiker: Hồ Chí Minh. A Life, New York 2000. Zu den bekanntesten populärwissenschaftlichen Werken zählt David Halberstam: Ho, New York 1971.
  3. Die Autobiographie unter dem fiktiven Namen Tran Dan Tien: Nhung mau chuyen ve doi hoat dong cua Ho Chu tich ist eine der wichtigsten Quellen für Hos Jugendzeit. Es existiert eine englische Ausgabe unter dem Namen: Glimpses of the Life of Hồ Chí Minh.
  4. Ho erwähnt dieses Ereignis in seiner unter Anonym und in der dritten Person geschriebenen Autobiographie (siehe oben).
  5. Eine ausführliche Analyse der Akten der französischen Geheimpolizei bei Duiker: Ho Chi Minh. A Life. Siehe auch Thu Trang Gaspard: Ho Chi Minh à Paris, Paris 1992, sowie Jean Lacouture: Ho Chi Minh, Paris 1967.
  6. Siehe Gaspard: Ho Chi Minh, S. 64 f. sowie Daniel Hémery: De l’Indochine à Vietnam. Paris, 1990, S. 44. Die Petition unterschrieb Thanh noch mit „Quac“, änderte dies jedoch später in das gebräuchliche „Quoc“.
  7. Beispielsweise in seiner Rede auf dem Kongress in Tours.
  8. Gründungsmanifest der „Interkolonialen Union“.
  9. In einem Text von 1924 über „Die russische Revolution und die Kolonialvölker“ beschreibt Nguyen Ai Quoc die Schule in dem ihm üblichen trockenen, auflistenden Stil.
  10. Exzerpt des Steno-Transkripts der Rede von Nguyen Ai Quoc.
  11. Brocheux, Pierre (2007). Ho Chi Minh: A Biography, Cambridge University Press, S. 39 f. ISBN 0-521-85062-2.
  12. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, C. H. Beck, München 1999, S. 16.
  13. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S. 18 f.
  14. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S. 19 f.
  15. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S. 20.
  16. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S. 44.
  17. „Time 100: Ho Chi Minh“, Time Magazine, 13. April 1998.
  18. S. Courtois, N. Werth, J. L. Panne, A. Paczkowski, K. Bartosek, J. L. Margolin, J. Gauck, Ehrhart Neubert: Das Schwarzbuch des Kommunismus – Unterdrückung, Verbrechen und Terror. Piper Verlag, München 2004, ISBN 3-492-04053-5.
  19. „Ho Chi Minh – Mensch und Mythos“ auf YouTube (englisch mit deutschen Untertiteln).