Hohenthurn

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Hohenthurn
Wappen von Hohenthurn
Hohenthurn (Österreich)
Hohenthurn
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Villach-Land
Kfz-Kennzeichen: VL
Fläche: 27,23 km²
Koordinaten: 46° 33′ N, 13° 40′ O46.55653055555613.659191666667620Koordinaten: 46° 33′ 24″ N, 13° 39′ 33″ O
Höhe: 620 m ü. A.
Einwohner: 823 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 30 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9613
Vorwahl: 0 42 56
Gemeindekennziffer: 2 07 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Draschitz 33
9613 Hohenthurn
Website: www.hohenthurn.at
Politik
Bürgermeister: Florian Tschinderle (ÖVP)
Gemeinderat: (2009)
(11 Mitglieder)
6 ÖVP, 2 SPÖ, 2 WG/VS, 1 FPK
Lage der Gemeinde Hohenthurn im Bezirk Villach-Land
Arnoldstein Arriach Bad Bleiberg Feistritz an der Gail Feld am See Ferndorf Finkenstein am Faaker See Fresach Hohenthurn Nötsch im Gailtal Paternion Rosegg Sankt Jakob im Rosental Stockenboi Treffen am Ossiacher See Velden am Wörther See Weißenstein Wernberg (Kärnten) Afritz am See Villach KärntenLage der Gemeinde Hohenthurn im Bezirk Villach-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Hohenthurn, im Hintergrund der Dobratsch
Hohenthurn, im Hintergrund der Dobratsch
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Hohenthurn (slowenisch: Straja vas) ist eine zweisprachige[1] [2] Gemeinde mit 823 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Villach-Land in Kärnten.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Hohenthurn liegt im Unteren Gailtal sowie an den Nordhängen der Karnischen Alpen im Südwesten Kärntens. Im Norden bildet die Gail die Gemeindegrenze, im Osten die Gailitz.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Hohenthurn besteht aus den beiden Katastralgemeinden Dreulach (Drevlje) und Hohenthurn (Straja vas) und umfasst folgende sechs Ortschaften (Einwohnerzahlen Stand 31. Oktober 2011[3]):

  • Achomitz (Zahomec), 86
  • Draschitz (Drašče), 191
  • Dreulach (Drevlje), 131
  • Göriach (Gorje), 101
  • Hohenthurn (Straja vas), 224
  • Stossau (Štasava), 84

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nötsch im Gailtal
Feistritz an der Gail Nachbargemeinden Arnoldstein
Malborghetto Valbruna Tarvis

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf Hohenthurn
Pfarrhof und Pfarrkirche in Göriach
Skisprunganlagen in Achomitz

Vom 10. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. befand sich nahe Dreulach eine hallstattzeitliche Höhensiedlung. Später stand dort ein römischer Wehrturm, der um 200 n. Chr. zerstört wurde. Hohenthurn wurde 1253 als Göströsdorf erstmals urkundlich erwähnt.

Seit der Besiedlung des Gebietes durch die Karantaner-Slawen im 6. Jhdt. und der Errichtung des karantanischen Staatswesens im 7. Jahrhundert ist das Gebiet des gesamten Unteren Gailtales und von Hohenthurn eng mit der slowenischen Kulturgeschichte verbunden und war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend slowenischsprachig. Das Untere Gailtal ist bekannt für seine einzigartiges, ursprünglich slowenisches Brauchtum (das selbst zahlreiche überregionale Einflüsse inkultureiert hat) und das nunmehr eine zweisprachige regionale Identität aufweist.

Die Gemeinde Hohenthurn konstituierte sich im Jahr 1850, zu der noch die Katastralgemeinden Maglern/Megvarje, Seltschach/Sovče und Feistritz an der Gail/Bistrica na Zilji zählten. Maglern (1865) und Seltschach (1877) kamen später zur Gemeinde Arnoldstein, 1906 verselbständigte sich Feistritz an der Gail als eigenständige Ortsgemeinde. 1973 wurde Feistritz an der Gail wieder eingemeindet, 1991 nach einer Volksbefragung erneut selbständig.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Laut Volkszählung 2001 hat die Gemeinde Hohenturn 857 Einwohner. Davon gehören 8,3 % der slowenischsprachigen Volksgruppe an.

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 92 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 3 % und zum Islam 2 %, 2,5 % sind ohne religiöses Bekenntnis. Noch im Jahr 1924 wurden alle Pfarren im Unteren Gailtal slowenisch geführt, lediglich zwei Filialkirchen in den Schlössern Wasserleonburg und Bodenhof wurden deutsch geführt.[4]

Die katholische Pfarre Göriach/Gorje, zu der Hohenthurn zählt, wird zweisprachig, deutsch-slowenisch, geführt. [5] [6]

Der slowenische Dialekt von Hohenthurn/Straja vas zählt typologisch zur slowenischen Dialektgruppe des sogenannten Gailtaler Dialektes (ziljsko narečje oder ziljščina). Kennzeichnend sind zahlreiche phonetische, morphologische und lexikalische Archaismen.[7] [8] [9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Hohenthurn
  • Kirche Hl. Cyriacus in Hohenthurn, urkundlich 1261, gotischer Bau
  • Pfarrkirche Mariae Namen in Göriach, 1312 oder 1316 gestiftet, spätgotischer Bau 1489-1516

Vereine[Bearbeiten]

  • Der Katholische slowenische Bildungsverein Zilja (Gail) (slow. Katoliško slovensko izobraževalno društvo Zila) für Achomitz und Umgebung wurde 1904 zur Festigung der slowenischen Identität gegründet. Initiatoren waren Franz Schaubach und Franz Grafenauer, der erste langjährige Präsident war Franc Kriegl, vulgo Krieglč, sein Nachfolge wurde sein Sohn Niko Kriegl. Die Versammlungen wurden im Gasthaus Hrepec abgehalten, eine Vereinsbibliothek wurde geführt, ein Tamburizza-Orchester eingerichtet und ein reiches Theaterleben unter der Leitung von Marija Zwitter konnte bis zum Verbot des Vereins durch die Nazis gedeihen und weithin ausstrahlen. Nach dem Krieg wurde der Verein unter dem Namen Slovensko prosvetno društvo Zila wiedergegründet.
  • Der zweisprachige Sportverein Achomitz/Športno društvo Zahomc[10] brachte die Schispringer Karl Schnabl (Olympiasieger Großschanze 1976) und Franz Wiegele hervor.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Laut Arbeitsstättenzählung 2001 gibt es 18 Arbeitsstätten mit 66 Beschäftigten in der Gemeinde und 284 Auspendler. Es gibt 108 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (davon 16 im Haupterwerb), die zusammen 2.089 ha bewirtschaften (1999).

Nicht unbedeutend ist der Fremdenverkehr, bedingt durch die Nähe zum Schigebiet Nassfeld sowie dem Faaker und Pressegger See.

Die Verkehrserschließung erfolgt über die Südautobahn (A 2), die Gailtal Straße (B 111) und die Landesstraße L 27a. In der Gemeinde gibt es vier Freiwillige Feuerwehren.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Hohenthurn hat 11 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:

Direkt gewählter Bürgermeister ist seit 2003 Florian Tschinderle (ÖVP).

Wappen[Bearbeiten]

Der namensgebende hohe Turm im Wappen von Hohenthurn wurde heraldisch als bezinnter Turm dargestellt, ist also nicht dem Kirchturm von Hohenthurn nachempfunden; er könnte aber auch auf den römischen Wachturm auf der Dert anspielen. Das Muster des Ornaments im Schildhaupt ist einem Keramikfund aus der mittleren Bronzezeit nachempfunden und soll damit die Bedeutung der prähistorische Siedlung zum Ausdruck bringen.

Das Wappen von Hohenthurn wurde der Gemeinde am 24. November 1993 verliehen und hat folgende Blasonierung:

„In silbernem Schildhaupt in Schattenfarbe vier allseits anstoßende gestürzte, mit je fünf Ringen belegte Sparren, unten begleitet von halben Spitzen außen und drei ganzen mit je einem Ring belegten Spitzen innen; darunter in Grün ein vierzinniger silberner, teilweise schwarz gefugter Turm mit je einer schwarzen hochrechteckigen Fensteröffnung vorne oben und hinten unten.“[11]

Die Fahne ist Grün-Weiß mit eingearbeitetem Wappen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Franc Schaubach (* 3. Dezember 1881 in Draschitz/Drašče; † 6. August 1954 in Črnomelj), slowenischer Jurist und Politiker, zwischen 1927 und 1929 Bürgermeister von Groß-Maribor.[12][13]
  • Johann Schnabl (* 26. Dezember 1827 Achomitz/Zahomec; † 24. Jänner 1904 Ahomitz), prononcierter Slowene, ab 1850 über 20 Jahre Bürgermeister von Hohenthurn/Straja vas[14]
  • Johann Schnabl, vulgo Hrepec (* 7. September 1897 in Feistritz an der Gail/Bistrica na Zilji; † 11. Juli 1964 in Ahomitz), prononcierter Slowene, Kandidat der Koroška slovenska stranka (Kärntner slowenischen Partei), 1928-1938 Bürgermeister von Hohenthurn/Straja vas[15]
  • Karl Schnabl (* 1954), Schispringer
  • Franz Wiegele (* 1965), Schispringer

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hohenthurn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340-362.
  2. A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25-38.
  3. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  4. Pfarrkarte der Diözese Gurk, 1924
  5. http://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/pfarre/C3042/
  6. Liste der Pfarren im Dekanat Hermagor/Šmohor
  7. Fran Ramovš: Kratka zgodovina slovenskega jezika. Ljubljana 1936.
  8. Tine Logar: Slovenska narečja. Ljubljana 1975
  9. Tine Logar: Koroška slovenska narečja In: Enciklopedija Slovenije 5 (Kari–Krei), Ljubljana 1991.
  10. Sportverein Achomitz/Športno društvo Zahomc
  11. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 140
  12. Danijel Grafenauer: Življenje in delo Julija Felaherja in koroški Slovenci. (Phil.Diss.) Maribor 2009, S. 160-161
  13. Avguštin Malle: Schaubach, Franc. In: Enciklopedija Slovenije, Band 11 (Savs-Slovenska m), Ljubljana 1997, S. 11
  14. Peter Wiesflecker: Hohenthurn, Geschichte eines Lebensraumes und seiner Menschen. Klagenfurt 2009, S. 212, 217-218, 350.
  15. Peter Wiesflecker: Hohenthurn, Geschichte eines Lebensraumes und seiner Menschen. Klagenfurt 2009, S. 231-235.