Honda VFR 1200 X

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Honda
Paris - Salon de la moto 2011 - Honda - Crosstourer - 001.jpg
Modellcode SC70, Farbcode Candy Prominence Red
VFR 1200 X
Hersteller: Honda
Verkaufsbezeichnung Crosstourer
Produktionszeitraum ab 2012
Klasse Motorrad
Bauart Reiseenduro
Motordaten
flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertakt-V-Motor, querliegende Kurbelwelle, eine obenliegende, je eine kettengetriebene Nockenwelle (SOHC), vier über Tassenstößel und Rollenkipphebel betätigte Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung mit Ölkühler, PGM-FI elektronische Benzineinspritzung, geregelter Katalysator, Sekundärluftsystem, E-Starter
Hubraum (cm³) 1237
Leistung (kW/PS) 95 kW (129 PS) bei 7750 min-1
Drehmoment (N m) 126 Nm bei 6500 min-1
Höchstgeschwin-
digkeit
 (km/h)
209
Getriebe 6 Gänge
Antrieb Kardanantrieb
Bremsen vorn Ø 310 mm Doppelscheibenbremse mit Dreikolbenbremszangen
hinten Ø 256 mm Einscheibenbremse mit Dreikolbenbremszange
Radstand (mm) 1595
Maße (L × B × H, mm): 2285 × 915 × 1335
Sitzhöhe (cm) 85
Leergewicht (kg) 275
Vorgängermodell Honda XL 1000 V Varadero

Vorlage:Infobox Motorrad/Wartung/Parameter

Die Honda VFR 1200 X ist ein Motorrad der Honda Motor Co., Ltd. Die Reiseenduro wurde am 13. November 2011 auf der Zweiradmesse EICMA in Mailand präsentiert und löste die Honda XL 1000 V Varadero ab. Das Schwestermodell der unter dem Namen Crosstourer vermarkteten VFR 1200 X ist die VFR 800 X Crossrunner. Der Modellcode lautet SC70.

Technik[Bearbeiten]

Motor[Bearbeiten]

Der Crosstourer wird von einem flüssigkeitsgekühlten Vierzylindermotor mit 1237 cm³ Hubraum angetrieben, der von dem Sporttourer VFR 1200 F abstammt, jedoch um 32 kW (44 PS) leistungsreduziert ist. Der quer eingebaute V-Motor hat einen Zylinderbankwinkel von 76 Grad und einen Hubzapfenversatz von 28 Grad. Der Viertaktmotor ist den Anforderungen einer Reiseenduro angepasst und erzeugt eine Nennleistung von 95 kW (129 PS). Das maximale Drehmoment von 126 Nm wird bei einer Drehzahl von 6500 min-1 erreicht. Jeder Zylinderkopf hat vier Ventile, die von einer oben liegenden Nockenwelle über Tassenstößel bzw. Kipphebel betätigt werden.

Das Motorrad beschleunigt in 4,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine elektronisch abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Der Durchzug von 50 auf 120 km/h gelingt in 7,4 Sekunden. Der Kraftstoffverbrauch beträgt 6,1 Liter auf 100 km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 km/h. Der Kraftstofftank fasst 21,5 Liter und ermöglicht eine Reichweite von 364 km.

Drive-by-Wire-Technik[Bearbeiten]

Die Motorsteuerung (eng. Engine Control Unit, ECU) steuert Einspritzdruck, Einspritzdauer und Zündung in Abhängigkeit von Drehzahl, eingelegtem Gang und der Temperatur. Zusätzlich werden die Signale für die Stellmotoren der Drosselklappen über eine Steuereinheit ausgewertet, die der Potentiometer am Gaszug generiert. Diese Technik, die ohne Bowdenzüge auskommt, wird Drive-by-Wire oder in diesem Fall Throttle-by-Wire genannt. Gleichzeitig steuert die ECU in Abhängigkeit von der Drosselklappenstellung den Stellmotor für die Klappe in der oberen Mündung des Endschalldämpfers, die zwischen einer Drehzahl von 5000 bis 6000/min öffnet und für eine schlagartige Leistungsentfaltung sorgt.

Doppelkupplungsgetriebe[Bearbeiten]

Wie auch bei der VFR 1200 F ist für die VFR 1200 X ein Doppelkupplungsgetriebe (eng. Dual Clutch Transmission, DCT) wahlweise lieferbar. Im Unterschied zum Pkw wählt das Getriebe nicht auf der lastfreien Getriebewelle den nächsten Gang vor, sondern schaltet erst, wenn der Fahrer oder die Automatikfunktion den Befehl dazu gibt. Ein Schaltvorgang dauert mit 500 ms deutlich länger als die 200 ms bei aktuellen Autos mit Doppelkupplungsgetriebe,[1] jedoch kann das Honda-DCT bei plötzlicher Gaswegnahme und anschließendem Herunterschalten schneller reagieren als das Doppelkupplungsgetriebe eines Pkw.

Kardanantrieb[Bearbeiten]

In die Einarmschwinge ist der wartungsarme Kardanantrieb integriert. Der Schwingendrehpunkt ist oberhalb und hinter dem vorderen Kreuzgelenk der Kardanwelle positioniert, die Welle verläuft folglich nicht exakt parallel zur Längsachse des Schwingenarms. Ein Schiebestück am homokinetischen Gelenk vor dem Tellerradgehäuse sichert beim Ein- und Ausfedern des Hinterrades den notwendigen Längenausgleich der Kardanwelle. Insgesamt drei Ruckdämpfer wurden im Antriebsstrang integriert: auf der Welle, zwischen Kupplung und Getriebeausgangswelle und vor dem Kardangelenk. Die Einarmschwinge stützt sich über eine progressive Hebelanlenkung und ein Zentralfederbein am Rahmen ab.

Farbvarianten[Bearbeiten]

Die Maschine wird 2012 in vier Lackierungsvarianten angeboten:

  • Digital Silver Metallic
  • Pearl Sunbeam White
  • Pearl Cosmic Black
  • Candy Prominence Red

Marktsituation[Bearbeiten]

Nachfolgend eine Aufstellung von Motorrädern mit vergleichbarer Motorcharakteristik und Fahrwerksgeometrie:

Hersteller Name Motor Hubraum kW PS Nm
KTM 1190 Adventure V2 1195 110 150 125
Ducati Multistrada 1200 V2 1198 110 150 119
Triumph Tiger Explorer R3 1215 101 137 121
Honda VFR 1200 X Crosstourer V4 1237 95 129 126
Aprilia ETV 1200 Caponord V2 1197 94 128 116
Benelli TreK 1130 R3 1131 92 125 112
BMW R 1200 GS (K50) B2 1170 92 125 125
Kawasaki KLE 1000 Versys R4 1043 87 118 102
Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré R2 1199 81 110 114
BMW R 1200 GS Adventure (K51) B2 1170 92 125 125
Moto Guzzi Stelvio 1200 V2 1151 77 105 113

Kritiken[Bearbeiten]

„Während wir uns beim kleineren Crossrunner noch schwergetan haben mit der Einsortierung und uns der Cross-over-Gedanke nicht ganz nachvollziehbar erschien, tun wir uns beim Crosstourer nun deutlich leichter. Ja, hier steht das »X« für Multifunktion, denn das schmale 19-Zoll-Vorderrad, die respektablen Federwege und die Kreuzspeichenräder sind glaubhafte Indizien für das bisschen an Adventure, was jeder SUV-Kunde gerne sehen möchte.“

– Tourenfahrer[2]

„Allerdings wurde der 76-Grad-V4 für den Crosstourer-Einsatz deutlich überarbeitet, mit zahmeren Steuerzeiten, längeren und dünneren Ansaugstutzen sowie kürzeren und dünneren Krümmern und einem Dreikammer-Schalldämpfer auf Durchzug getrimmt. Mit Erfolg, denn die aus der VFR bekannte Lustlosigkeit speziell im unteren Drehzahlbereich ist passé. Der V4 mit 28 Grad Hubzapfenversatz, Big-Bang-Zündfolge und je einer obenliegenden Nockenwelle, die über Tassenstößel und Rollenkipphebel die Ventile steuert, marschiert vom ersten Meter an kernig und mit sattem V4-Sound los und entfaltet seine Leistung über den gesamten Drehzahlbereich so gleichmäßig wie berechenbar.“

Stefan Kaschel: Motorrad[3]

„Honda bezeichnet die neue Crosstourer ehrlicherweise als Straßen-Enduro, was bei einem Leergewicht von 275 Kilogramm auch gut ist. Auf Schotterstrecken und Feldwegen kann sie noch leicht bewegt werden, schweres Gelände ist aber ihre Sache nicht mehr. Richtig wohl fühlt sie sich aber auf Asphalt.“

Fabian Hoberg: n-tv[4]

„Nun ist aus der Crosstourer kein Africa-Twin-Ersatz geworden, immerhin kann sie aber mit einer verheißungsvollen Mixtur locken: als technisches Kleinod ein V4-Motor mit 76 Grad Zylinderwinkel und 28 Grad Hubzapfenversatz. Das macht den Antrieb zu einem echten Seelenschmeichler: Druckvoll, kultiviert und geschmeidig marschiert die Honda los, von einem tollen Klang unterlegt, harmoniert aber bei weitem nicht mit dem Fahrgefühl, das hölzern und steif bleibt.“

Jörg Lohse, Peter Mayer, Thomas Schmieder: Motorrad BMW Spezial[5]

„Honda hat ein «SUV» auf täuschende Drahtspeichenräder gestellt, eine Tourenmaschine mit gediegenem Komfort und nur geringfügig verlängerten Federwegen. Rase-Enduro und 1200er-V4-Antrieb scheinen nicht wirklich miteinander vereinbar zu sein.“

Maik Schwarz: MO – Motorrad Magazin[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Honda VFR – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gernot Goppelt: Honda VFR mit Doppelkupplungsgetriebe. In: Heise online. 10. Mai 2010, abgerufen am 11. November 2012.
  2. Tourenfahrer, Ausgabe April 2012, Seite 20
  3. Stefan Kaschel: Der neue Tourer von Honda. In: Motorrad. 1. März 2012, abgerufen am 3. September 2013.
  4. Fabian Hoberg: Honda Crosstourer greift an. In: n-tv. 25. April 2012, abgerufen am 3. September 2013.
  5. Jörg Lohse, Peter Mayer, Thomas Schmieder: Die Meute hetzt den Wolf. In: Motorrad BMW Spezial, Ausgabe 2/2012, S. 30.
  6. Maik Schwarz: Reise und Enduro. In: MO – Motorrad Magazin, Ausgabe Juni 2013, S. 22.