Ducati

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Dieser Artikel behandelt den Motorradhersteller Ducati, weitere Bedeutungen unter Ducati (Begriffsklärung).
Ducati Motor Holding S.p.A.
Logo Ducati
Logo bis 2008
Rechtsform S.p.A.
Gründung 1926
Sitz Bologna, Italien
Leitung Giampiero Paoli (Vorsitzender)
Gabriele Del Torchio (CEO)
Mitarbeiter 1.134 (2006)
Umsatz 403,2 Mio EUR (2008)
Produkte MotorräderVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.ducati.de

Die Ducati Motor Holding S.p.A. ist ein italienischer Motorradhersteller mit Sitz im Bologneser Stadtteil Borgo Panigale und Unternehmenstochter der Audi AG.[1][2]

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Das Ducati-Werk in Borgo Panigale im Jahr 2002.
Werkseinfahrt
Desmodromische Ventilsteuerung an einer Ducati.

Das Unternehmen wurde 1926 von Antonio Ducati in Bologna gegründet. Die Società Scientifica Radiobrevetti Ducati produzierte zunächst Bauteile für Radios. Ducati hatte drei Söhne Bruno, Adriano und Marcello, die im Unternehmen ihrem Vater halfen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam im Jahr 1946 die Fertigung des Fahrradhilfsmotors Cucciolo hinzu. Dies fand bereits ohne Mitwirkung der Familie Ducati unter staatlicher Verwaltung statt. Noch im selben Jahrzehnt begann die eigene Entwicklung kompletter Fahrzeuge.

1953 wurde das Unternehmen in die Ducati Elettronica S.p.A. und den Motorradhersteller Ducati Meccanica S.p.A. aufgeteilt. Im folgenden Jahr trat Fabio Taglioni als Chefkonstrukteur in dessen Dienste.

Ab 1983 kooperierte Ducati auf Grund anhaltend schlechten Geschäftsverlaufs mit dem italienischen Zweiradhersteller Cagiva, der im Jahr 1985 Ducati ganz übernahm. Im folgenden Jahr ging der langjährige Chefkonstrukteur Fabio Taglioni in den Ruhestand. Massimo Bordi stieg zu seinem Nachfolger auf und führte mit der Paso und der 851 für die Marke wegweisende Konstruktionen ein.

Cagiva wurde selbst 1996 zahlungsunfähig und verkaufte 51 Prozent von Ducati an die amerikanische Texas Pacific Group, die 1998 die Marke ganz übernahm. 2005 übernahm die italienische Investindustrial Gesellschaft die Anteile der Texas Pacific Group.

Design, Konstruktion und Fertigung der Modelle erfolgen bis heute in Bologna.

Am 18. April 2012 gaben Audi und der bisherige Eigentümer Investindustrial in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Audi AG 100 % der Anteile an der Ducati Motor Holding S.p.A. übernehmen wird. Audi teilte weiterhin mit, dass Ducati nach Freigabe durch die Kartellbehörden in den Audi Konzern und damit auch in die Volkswagen Group integriert werden soll.[3]

Technik[Bearbeiten]

Nach den Hilfsmotoren war die 1955 vorgestellte Gran Sport das erste Ducati-Motorrad, deren Viertaktmotor mit einer obenliegenden Nockenwelle mit Königswellen-Antrieb ausgestattet war.

Der Vierzylinder-Prototyp Apollo von 1963 hatte erstmals einen 90°-V-Motor mit in Fahrtrichtung liegenden und stehenden Zylindern, wie es später für Ducati-Motoren typisch wurde und wie er in den aktuellen MotoGP-Maschinen eingesetzt wird.

Der Name Ducati ist untrennbar mit dem Begriff Desmodromik verknüpft, einem zwangsgesteuerten Ventiltrieb, der derzeit von keinem anderen Hersteller eingesetzt wird. Entwickelt wurde die Desmodromik seit Mitte der 50er Jahre für den Einsatz in Rennmaschinen, die Ducati Mark 3 D war 1969 das erste Serienmotorrad der Welt mit dieser Technik.

Mit der Ducati 750 GT begann 1970 die Ära der V-Zweizylinder mit 90° Zylinderwinkel, von Ducati selbst, wegen der nach vorn geneigten Zylinder, „L-Twin“ genannt.

1974 wurde die Produktion der Einzylindermodelle eingestellt, mit denen Ducati sowohl im Straßenrennsport als auch im Geländerennsport erfolgreich gewesen war. Die 1977 vorgestellte Ducati Pantah leitete die Ablösung der Königswellen zum Nockenwellenantrieb durch Zahnriemen ein.

Die vollständig verkleidete Ducati Paso war 1986 das erste Modell mit umgekehrter Anordnung der Ein- und Auslasskanäle des stehenden Zylinders. Die Platzierung beider Vergaser zwischen den Zylindern ermöglichte erstmals eine zentrale Airbox.

1987 wurde mit der Ducati 851 der Grundstein für die Modellreihen der Superbikes mit wassergekühlten Motoren, vier Ventilen pro Zylinder und elektronischer Benzineinspritzung gelegt. Ein Zweizylinder mit den Fahrleistungen der 851 war bis dahin nicht vorstellbar. Ducati dominierte mit ihr bald die Superbike-Rennklasse. Die Ducati 916, die 1994 neue Maßstäbe im Motorraddesign setzte, führte diese Erfolgsserie fort.

Ab 1993 wurde die Ducati Monster zu einem Erfolgsmodell, dessen steigende Stückzahlen die Marke in den Kreis der bekannten europäischen Motorradhersteller aufrücken ließ.

Motoren[Bearbeiten]

Auf Basis des ersten V-2-L-Twin der Pantah wurden über die Jahre verschiedene Weiterentwicklungen vorgenommen, um höhere Leistungen und die Einhaltung strengerer Abgasnormen zu ermöglichen:

  • Desmodue: Zwei-Ventiler mit Desmodromik, luftgekühlt, 40° Ventilwinkel
    Modelle: 600 SS und M, 750 und 900 SS/M, 800SS, Multistrada 620, Monster 620 695 696 803 992
  • Desmodue DS: Neukonstruktion mit Doppelzündung (Double Spark - DS), neuem Ventiltrieb und Kurbelwelle mit nun vollständigem Massenausgleich.
    Modelle: 1000DS, Multistrada 1000, 1000S, Monster S2R 1000 und 1100, SportClassic GT 1000, Sport 1000, 1000S, Hypermotard 1100, 1100S
  • Desmotre Double Spark: Drei-Ventiler mit Wasserkühlung, Mechanik der DS - Modell: ST3
  • Desmoquattro Testastretta: Vier-Ventiler mit Wasserkühlung, 25° Ventilwinkel
    Modelle: 999, 749, Monster S4R, S4RS
  • Testastretta Evoluzione: Gleiche Auslegung, mit gesteigertem Hubraum und Leistung
    Modelle: 848, 1098, 1198/S

Rennsport[Bearbeiten]

Logo von Ducati Corse
MotoGP-Weltmeister 2007: Casey Stoner
Dreifacher Superbike-Weltmeister auf Ducati: Troy Bayliss

Ducati engagiert sich mit seiner Rennabteilung Ducati Corse seit Jahrzehnten aktiv im Motorradrennsport. Die Hauptsäule des aktuellen Engagements bildet das Ducati MotoGP Team in der MotoGP-Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft. Zwischenzeitlich unterhielt Ducati auch ein Werksteam in der Superbike-Weltmeisterschaft.

Generaldirektor von Ducati Corse ist seit dem Jahr 2003 der Italiener Filippo Preziosi.

Motorrad-WM[Bearbeiten]

Nachdem Ducati bereits 1958 und 1959 an der Motorrad-Weltmeisterschaft in der 125-cm³-Klasse teilgenommen und 1958 mit Alberto Gandossi sogar den Vizeweltmeister gestellt hatte, stieg man zur Saison 2003 werksseitig in die MotoGP-Klasse der Motorrad-WM ein. Bereits im ersten Jahr gelang Loris Capirossi in Katalonien der Debüt-Sieg. Nach kontinuierlicher Steigerung in den folgenden Jahren gelang dem Australier Casey Stoner 2007 der erste Fahrer-WM-Titel.

Fahrertitel[Bearbeiten]

Superbike-WM[Bearbeiten]

In der Superbike-Weltmeisterschaft konnte man seit Eröffnung der Serie im Jahr 1988 14 Fahrer- und 15 Konstrukteurs-Weltmeisterschaften feiern. In einigen Jahren waren die Ducati so dominant, dass sie die ersten vier Positionen im Gesamtklassement belegen konnten. Zum Saisonende 2010 beendete Ducati seine direkten Aktivitäten.[4]

Fahrertitel[Bearbeiten]

Ducatisti[Bearbeiten]

Selten gleicht eine Ducati der anderen. Fast alle Ducatis werden von ihren Besitzern mehr oder weniger verschönert und umgebaut (besonders Kupplungsdeckel und Auspuffanlagen). Die Fans der Marke sind häufig sehr engagiert und die Besitzer von Ducati-Maschinen haben sich weltweit unter anderem in sogenannten D.O.C. (Ducati Owners Clubs) zusammengeschlossen. Diese Clubs organisieren Treffen, Ausfahrten und Stammtische. Einige betreiben auch eigene Webseiten. Auf der Ducati-Homepage sind für Interessierte Kontaktadressen aufgeführt.

Modelle[Bearbeiten]

Die Gliederung erfolgt nach dem Antrieb der Nockenwellen über Königswellen, Steuerkette, Zahnriemen oder Zahnräder, in der zeitlich eingesetzten Reihenfolge:

750-cm³-Königswellen-V2-Rundmotor.

Viertakt-Motoren mit Königswelle für den Nockenwellenantrieb[Bearbeiten]

Die Ducati Gran Sport markiert 1955 mit ihrem 100-, 125- und 175-cm³-Viertakter den Einstieg in die Einzylinder-Königswellen-Ära, die erst 1974 mit dem Auslaufen der 450er endet.

1970 wird mit der 750 GT erstmals eine Ducati mit V-Motor vorgestellt, die seinerzeit auch leistungsmäßig der japanischen Konkurrenz überlegen war. 1976 läutet die 900 SD die Zeit der erfolgreichen Sportmodelle ein.

Viertakt-Motoren mit Kette für den Nockenwellenantrieb[Bearbeiten]

Nur für kurze Zeit wurden ab 1975 Parallel-Twins eingesetzt, deren obenliegende Nockenwelle von einer Kette angetrieben wurde. Leistung und Zuverlässigkeit dieser Modelle gerieten in die Kritik, und es wurden nur geringe Stückzahlen folgender Modelle erzielt:

  • Ducati GTV 350/500
  • Ducati GTL 350/500
  • Ducati 350/500 Sport Desmo

Eine Kombination aus Stirnradkaskade und Kettentrieb dient ab 2012 im V-2-Motor der Ducati 1199 Panigale dem Nockenwellenantrieb. Hierbei wurde im jeweiligen Zylinderkopf eine Zwischenwelle angetrieben, die über Stirnräder die zwei obenliegenden Nockenwellen dreht: dies erinnert an einen umgekehrten Weller-Trieb.

Viertakt-Motoren mit Nockenwellenantrieb über Zahnriemen[Bearbeiten]

Mit der Pantah 500 wird 1977 erstmals der V-Motor mit Zahnriemenantrieb vorgestellt – eine Bauweise, die bis heute die Basis der Ducati-Modelle darstellt. Die erste Ducati mit Pantah-Motor kam 1979 auf den Markt.

Ducati Pantah[Bearbeiten]

Ducati Paso[Bearbeiten]

  • Ducati 907 i.e.
  • Ducati 906 Paso
  • Ducati 750 Paso

Ducati Racing[Bearbeiten]

Ducati Superbike[Bearbeiten]

Ducati Monster[Bearbeiten]

  • Ducati S4 / S4R / S4R Testastretta / S4Rs
  • Ducati S2R / S2R 800 / S2R 1000
  • Ducati M1000
  • Ducati M1000S i.e.
  • Ducati M1100 (ab 2009, Grundkonzept von M696)
  • Ducati M900
  • Ducati M800
  • Ducati M750
  • Ducati M796 (ab 2010, Grundkonzept von M1100)
  • Ducati M696 (ab 2008, komplette Neuentwicklung)
  • Ducati M695
  • Ducati M620
  • Ducati M600
  • Ducati M400 (Japan)
  • Ducati M1100 evo (2011–2013)
  • Ducati M1200 (S) (ab 2014)

Ducati Supersport[Bearbeiten]

Die eigentliche Namensgebung von Ducati war für die (älteren) Vergasertypen so, dass "SS" nach der Hubraumgröße stand (z. B. 600 SS). Für die Einspritzermodelle (i.e. Injectione Electronico, ab Baujahr 1998) wurde diese Nomenklatur umgedreht, diese Modelle nannten sich dann beispielsweise SS 1000. Die untenstehende Liste spiegelt dies nicht vollständig wider.

Ducati Sporttouring[Bearbeiten]

Ducati Multistrada[Bearbeiten]

  • Ducati Multistrada 620
  • Ducati Multistrada 1000 DS
  • Ducati Multistrada 1000s DS
  • Ducati Multistrada 1100
  • Ducati Multistrada 1100S
  • Ducati Multistrada 1200 (s)(ABS)

Ducati Hypermotard[Bearbeiten]

  • Ducati Hypermotard 796
  • Ducati Hypermotard 1100
  • Ducati Hypermotard 1100 S
  • Ducati Hypermotard 1100 EVO
  • Ducati Hypermotard 1100 EVO SP
  • Ducati Hypermotard 821
  • Ducati Hyperstrada 821

Ducati SportClassic[Bearbeiten]

  • Ducati GT1000
  • Ducati Sport1000 / Sport1000 Biposto
  • Ducati Sport1000S
  • Ducati PaulSmart1000LE (Limited Edition)
  • Ducati MH900e (Mike Hailwood Tribute Bike)

Ducati Streetfighter[Bearbeiten]

  • Ducati Streetfighter 848
  • Ducati Streetfighter
  • Ducati Streetfighter S

Ducati Diavel[Bearbeiten]

  • Ducati Diavel Dark
  • Ducati Diavel Carbon
  • Ducati Diavel AMG
  • Ducati Diavel Cromo
  • Ducati Diavel Strada

Vierzylinder-Motoren mit Nockenwellenantrieb über Zahnräder[Bearbeiten]

1963 hatte es mit dem Projekt Apollo einen V4-Motor von Ducati mit 1.240 cm³ Hubraum und 100 PS gegeben, der aber über das Versuchsstadium nicht hinaus kam.

Auf Basis des neuen Viertakt-Reglements in der MotoGP-Klasse wurde 2002 ein neues, leistungsstarkes V4-Zylinder-Modell vorgestellt und ab 2003 eingesetzt. Ab dem Sommer 2007 war mit der Desmosedici RR auch eine stückzahlmäßig limitierte, straßenzugelassene Sonderserie mit dieser Technik im Angebot.

Ducati Racing[Bearbeiten]

Ducati Superbike[Bearbeiten]

Ducati-Fahrräder[Bearbeiten]

Im Rahmen eines Markentransfers stellt Bianchi von Ducati entworfene Fahrräder her, die unter der Marke Ducati vertrieben werden. Die angebotenen Renn- und Crossräder sowie Mountainbikes sind im gehobenen Preisbereich angesiedelt.

Automobile[Bearbeiten]

Ducati entwickelte 1958 ein vierrädriges Auto, das Baptiste DU 4 genannt wurde.[5] Es war ein Coupé mit vier Sitzen. Auffällig waren die gewölbte Frontscheibe und die Panorama-Heckscheibe. Für den Antrieb sorgte ein V4-Motor mit 250 cm³ Hubraum und 16 PS Leistung. Alternativ stand ein größerer Motor mit 350 cm³ Hubraum und 18 PS zur Verfügung. Das Gewicht von Motor, Vierganggetriebe und Differenzial ist mit lediglich 48 kg angegeben. Der Motor war vorne im Fahrzeug montiert und trieb die Vorderräder an. Lediglich einige Prototypen entstanden.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ducati-Motorräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein Spielzeug für den Chef, abgerufen am 20. April 2012
  2. spiegel.de:Audi kauft Ducati
  3. Informationen auf Ducati.com Acquisition of Ducati Motor Holding by Audi Group; 18. April 2012
  4. Falko Schoklitsch: Kein WSBK-Werksteam 2011 – Konzentration auf Produkt-Entwicklung in: Motorsport Magazin vom 27. August 2010. Abgerufen am 25. Juni 2011.
  5. a b Linz, Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie.

44.517511.2675Koordinaten: 44° 31′ 3″ N, 11° 16′ 3″ O