Irische Regierung

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Die Irische Regierung (irisch: Rialtas na hÉireann) ist das Kabinett, das die Exekutivmacht in der Republik Irland ausübt. Die Regierung wird durch einen Premierminister (den sog. Taoiseach) und einen Vize-Premierminister (den sog. Tánaiste) angeführt. Der Taoiseach wird durch den irischen Präsidenten eingesetzt, nachdem er vom Unterhaus (Dáil Éireann) ernannt wurde. Der Präsident ernennt daraufhin die übrigen Regierungsminister auf Vorschlag des Taoiseach (und Zustimmung des Dáil). Die Regierung benötigt das Vertrauen des Dáil um im Amt zu bleiben.

Überblick[Bearbeiten]

Die irische Verfassung ist etwas ungewöhnlich für eine republikanische Verfassung, da sie den Präsidenten nicht zum nominellen Staatsoberhaupt erklärt, sondern die Exekutivgewalt explizit der Regierung zuspricht. Laut Verfassung muss die Regierung aus 7 bis 15 Ministern bestehen, die allesamt dem Parlament (Oireachtas) angehören müssen. Es dürfen nicht mehr als zwei Minister aus den Reihen des Oberhauses stammen und der Taoiseach (nominelles Regierungsoberhaupt, Ministerpräsidenten), der Tánaiste (Vize-Ministerpräsidenten) und der Finanzminister müssen aus dem Unterhaus stammen.

Die Regierung wird vom Generalstaatsanwalt beraten, der formell zwar nicht Teil der Regierung ist, aber an den Regierungsbesprechungen teilnimmt; dergleichen gilt für den Staatsminister des Taoiseach (Minister of State at the Department of the Taoiseach). Die einzelnen Regierungsmitglieder werden ebenfalls durch Staatsminister (Minister of State) unterstützt, die aber weder Teil der Regierung sind noch an den Treffen teilnehmen.

Für den Fall, dass der Taoiseach nicht mehr das Vertrauen der Mehrheit im Dáil Éireann besitzt, muss entweder das Unterhaus auf Vorschlag des Taoiseach aufgelöst werden, oder der Taoiseach selbst muss zurücktreten. Der Präsident kann allerdings den Auflösungswunsch des Unterhauses vom Taoiseach ablehnen und somit den Taoiseach zum Rücktritt zwingen. Der Rücktritt eines Taoiseach gilt gleichzeitig für die komplette Regierung - in jedem Fall bleiben allerdings die Tagesgeschäfte in den Händen der zurückgetretenen Minister, bis Nachfolger gewählt sind.

Die Exekutivmacht der Regierung umfasst einige Einschränkungen:

  • Der Staat kann keinen Kriegszustand erklären ohne die Zustimmung des Dáil Éireann
  • Staatsverträge müssen vom Dáil ratifiziert werden
  • Die Regierung muss im Einklang mit der Verfassung handeln

Falls die Regierung ihren verfassungsmäßigen Pflichten nicht nachkommt oder nicht in ihrem Sinne handelt, kann dies durch eine gerichtliche Verfügung eingeklagt werden. Minister, die einer solchen Verfügung nicht nachkommen, können wegen Missachtung des Gerichts verurteilt und eingesperrt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Regierung in der heutigen Form geht auf das Jahr 1937, als die Verfassung von Irland in Kraft trat, und auf den Ministers and Secretaries Act aus dem Jahr 1924 zurück, in denen detailliert die Aufgaben und der Status der Regierung beschrieben ist. Vorläufer der Regierung in der heutigen Form war der Exekutivrat des irischen Freistaats (1922–1937).

Eine Reihe von Regierungsposten und Ministerien aus der Vergangenheit existieren heute (wegen Umbenennungen oder Zusammenlegungen) nicht mehr. Dies sind im Einzelnen:

  • Kommunikationsminister (Minister for Communications)
  • Arbeitsminister (Minister for Labour)
  • Postminister (Minister for Posts and Telegraphs)
  • Minister des öffentlichen Dienstes (Minister for the Public Service)
  • "Nachschub"-Minister im 2. Weltkrieg (Minister for Supplies)

Der "Minister ohne Geschäftsbereich" (Minister without portfolio) ist prinzipiell möglich, wurde aber seit 1977 nicht mehr eingesetzt.

Seit den 1990er-Jahren bestanden alle Regierungen aus Koalitionen von zwei oder mehr Parteien. Die Position des Tánaiste wird in diesem Fall von der zweitgrößten Koalitionspartei gestellt.

Liste der aktuellen Ministerien[Bearbeiten]

  • Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und die Marine (Minister for Agriculture, Food and the Marine)
  • Ministerium für Kunst, Kulturerbe und die Gaeltacht (Minister for Arts, Heritage and the Gaeltacht)
  • Ministerium für Kinder und Angelegenheiten der Jugend (Minister for Children and Youth Affairs)
  • Ministerium für Kommunikation, Energie und Rohstoffe (Minister for Communications, Energy and Natural Resources)
  • Bildungs- und Wissenschaftsministerium (Minister for Education and Skills)
  • Ministerium für Arbeit, Unternehmen und Innovation (Minister for Jobs, Enterprise and Innovation)
  • Ministerium für Umweltschutz, Gemeinschaft und kommunale Verwaltung (Minister for the Environment, Community and Local Government)
  • Finanzministerium (Minister for Finance)
  • Ministerium des Auswärtigen und für Handel (Minister for Foreign Affairs and Trade)
  • Gesundheitsministerium (Minister for Health)
  • Ministerium für Verteidigung sowie Ministerium für Justiz und Gleichstellung (Minister for Defence, for Justice and Equality)
  • Ministerium für Staatsausgaben und Reform (Minister für Public Expenditure and Reform)
  • Ministerium für Sozialen Schultz (Minister for Social Protection)
  • Ministerium für Verkehr, Tourismus und Sport (Minister for Transport, Tourism and Sport)[1]

Derzeitige Regierung (Wahl 2011)[Bearbeiten]

In Irland besteht derzeit eine Koalition aus zwei Parteien: Fine Gael (76 Abgeordnete) und Labour Party (37 Abgeordnete). Das Kabinett von Ministerpräsident Enda Kenny wurde am 9. März 2011 vereidigt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufteilung der Ministerien in Irland. Abgerufen am 2. Januar 2012.
  2. Neue irische Regierung 2011. Abgerufen am 24. Januar 2011.
  3. Minister in Irland. Abgerufen am 10. März 2011 (PDF; 2,5 MB).

Weblinks[Bearbeiten]