Polnische Regierung

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Die Polnische Regierung (poln.: Rada Ministrów) – ist das Kabinett, das die Exekutivmacht in der Republik Polen ausübt. Sie wird von einem Ministerpräsidenten (polnisch Prezes Rady Ministrów, kurz Premier) und einem Ministerrat ausgeführt, die vom Staatspräsidenten ernannt werden und mit diesem gewisse Kompetenzen (Landesverteidigung, Außenpolitik) teilen, aber dem Parlament verantwortlich sind.

Regierungen der Dritten Polnischen Republik[Bearbeiten]

Erster Ministerpräsident der Dritten Polnischen Republik, Tadeusz Mazowiecki
Waldemar Pawlak
Jerzy Buzek

Der Übergang vom kommunistischen Regime zur Dritten Polnischen Republik, fand 1989 mit Hilfe des Runden Tisches statt, an dem neben den Vertretern der bisher regierenden kommunistischen PVAP, Vertreter der oppositionellen Gewerkschaft Solidarność, der katholischen Kirche sowie anderer gesellschaftlicher Gruppen teilnahmen.

Regierung von Tadeusz Mazowiecki[Bearbeiten]

Am 24. August 1989 wurde Tadeusz Mazowiecki zum ersten Ministerpräsidenten der Dritten Republik und damit zum ersten nichtkommunistischen Regierungschef der Nachkriegszeit gewählt. Von den 23 Mitgliedern der Regierung waren nur vier Vertreter der kommunistischen PVAP. Am 14. Dezember 1990 trat er von diesem Amt zurück.

Regierung von Jan Bielecki[Bearbeiten]

Nachfolger von Tadeusz Mazowiecki wurde für einige Monate Jan Bielecki, der sich in den 80er Jahren als wirtschaftspolitischer Berater der Gewerkschaft Solidarność hervorgetan hatte. Er unterstützte die Reformen seines Finanzministers Leszek Balcerowicz. Außenpolitisch setzte er auf enge Zusammenarbeit mit Deutschland. Er handelte mit Bundeskanzler Helmut Kohl den Deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag aus, den die beiden am 17. Juni 1991 unterzeichneten. Am 5. Dezember 1991 war seine Amtszeit beendet.

Regierung von Jan Olszewski[Bearbeiten]

Ihm folgte im Amt des Ministerpräsidenten Jan Olszewski (23. Dezember 1991 bis 5. Juni 1992), der in den 80er Jahren als Rechtsberater für die Solidarność tätig war. In der Zeit von 1990 bis 1992 war er gleichzeitig Stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarność.

Regierung von Hanna Suchocka[Bearbeiten]

Am 5. Juni 1992 wurde Waldemar Pawlak vom Staatspräsidenten Lech Wałęsa zum Ministerpräsidenten ernannt, konnte jedoch keine funktionsfähige Regierung bilden.

Ihm folgte vom 11. Juli 1992 bis 25. Oktober 1993 Hanna Suchocka. Im Mai 1993 scheiterte sie jedoch an einem Misstrauensvotum von den Abgeordneten der Gewerkschaft Solidarność, die mit der beschleunigten Liberalisierung der Wirtschaft nicht einverstanden waren. Der Staatspräsident Wałęsa löste das Parlament auf und setzte Neuwahlen an.

Regierung von Waldemar Pawlak[Bearbeiten]

Waldemar Pawlak übernahm wieder als Ministerpräsident die Koalitionsregierung aus PSL und SLD und regierte vom 26. Oktober 1993 bis 1. März 1995.

Regierung von Józef Oleksy[Bearbeiten]

Sein Nachfolger wurde Józef Oleksy, der vom 4. März 1995 bis 26. Januar 1996 regierte. Er kam aus der kommunistischen Partei PZPR, war in der Endphase der Volksrepublik Polen Minister für die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Solidarność. 1996 trat er zurück, nachdem er in den Verdacht einer Zusammenarbeit mit dem sowjetischen beziehungsweise russischen Geheimdienst geriet. Bald darauf stellten sich die Vorwürfe jedoch als haltlos heraus.

Regierung von Włodzimierz Cimoszewicz[Bearbeiten]

Vom 15. Februar 1996 bis 17. Oktober 1997 war Włodzimierz Cimoszewicz Ministerpräsident einer sozialdemokratischen Regierung.

Regierung von Jerzy Buzek[Bearbeiten]

Nach den Parlamentswahlen 1997 wurde Jerzy Buzek zum Ministerpräsidenten. Er regierte vom 17. Oktober 1997 bis 19. Oktober 2001. Dabei führte er zunächst eine Koalition der gemäßigt konservativen Akcja Wyborcza Solidarność (AWS) und der liberalen Unia Wolności (UW). Nach dem Ausscheiden der Unia Wolności aus der Regierung im Jahr 2000 leitete er eine AWS-Minderheitsregierung.

Innerhalb seiner Amtszeit wurde u.a. die Neustrukturierung der polnischen Regionen in 16 neue Woiwodschaften durchgeführt und der Beitritt Polens zur NATO erreicht.

Die Politik Buzeks zielte auf eine rasche Hinführung Polens zur Europäischen Union ab. Dabei hatte seine Regierung erhebliche Schwierigkeiten, die dafür notwendigen Maßnahmen innenpolitisch durchzusetzen. Der Popularitätsverlust führte zu Konflikten innerhalb der Regierungspartei AWS, die daraufhin 2001 eine herbe Wahlniederlage erlitt.

Regierung von Leszek Miller[Bearbeiten]

Leszek Miller

Vom 19. Oktober 2001 bis zum 2. Mai 2004 regierte Leszek Miller. Die Regierungszeit war durch zahlreiche Korruptionsaffären geprägt. Unmittelbar nach dem EU-Beitritt Polens trat Miller am 2. Mai 2004 zurück. Zuvor hatten 20 Abgeordnete Millers sozialdemokratische Partei (SLD) verlassen und damit die Basis für die Minderheitsregierung weiter geschmälert.

Regierung von Marek Belka[Bearbeiten]

Marek Belka

Als Nachfolger wurde der ehemalige Finanzminister Marek Belka ernannt, der die Minderheitsregierung bis zum Ende des Legislaturperiode führte und nach den Parlamentswahlen im September 2005 durch eine konservative Regierung der PiS abgelöst wurde.

Regierung von Kazimierz Marcinkiewicz[Bearbeiten]

Am 10. November 2005 wurde eine Minderheitsregierung der PiS unter dem Ministerpräsidenten Kazimierz Marcinkiewicz das Vertrauen des Sejm ausgesprochen. Am 5. Mai 2006 bildete er mit der klerikal-nationalistischen LPR und der linkspopulistischen Bauernpartei Samoobrona eine Koalition, die im Sejm über eine Mehrheit verfügte. Die Vorsitzenden der beiden Koalitionspartner wurden zu stellvertretenden Ministerpräsidenten gewählt.[1] Am 7. Juli 2006 kündigte Marcinkiewicz jedoch seinen Rücktritt als Ministerpräsident an, welcher am 10. Juli 2006 erfolgte.

Regierung von Jarosław Kaczyński[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kabinett Kaczyński

Nach dem Rücktritt Marcinkiewicz´ am 7. Juli 2006 ließ sich der Zwillingsbruder des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński, der PiS-Vorsitzende Jarosław Kaczyński, zum Ministerpräsident der Koalitionsregierung wählen. Jarosław Kaczyńskis nationalkonservativer politischer Kurs führte zu einer internationalen Isolation Polens, die bei dem Treffen des Europäischen Rates im Juni 2007 in einer Abstimmungsniederlage bei den Verhandlung des Reformvertrages gipfelte. Gleichzeitig verschärften sich die Spannungen zwischen den Koalitionspartnern in der Regierung, mehrere Minister der LPR und Samoobrona wurden von Kaczyński entlassen. Im August 2007 erklärte Kaczyński die Koalition für gescheitert und kündigte Neuwahlen für den 21. Oktober 2007 an. Am 7. September 2007 beschloss der Sejm seine Selbstauflösung.

Regierungen von Donald Tusk[Bearbeiten]

Donald Tusk bei der Karlspreis-Verleihung
Hauptartikel: Kabinett Tusk I und Kabinett Tusk II

Aus den Parlamentswahlen vom Oktober 2007 ging die die liberalkonservative PO als haushoher Sieger hervor.[2]

Seit November 2007 bilden die liberalkonservative PO und ihr Koalitionspartner, die gemäßigte Bauernpartei PSL, die Regierung unter dem Ministerpräsidenten Donald Tusk.[3]

Regierung von Ewa Kopacz[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kabinett Kopacz

Verweise[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Polnische Regierung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Zusammensetzung der Regierung unter Kaczyński. Homepage der Regierung (poln.)
  2. Wahlergebnisse laut Staatlicher Wahlkommission (poln.) (PDF)
  3. Zur Zusammensetzung der Regierung von Donald Tusk (engl.)