Josef (Sohn Jakobs)

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Israel-Karte von 1695

Zwölf Stämme Israels

Josef (auch Joseph), hebr.יוֹסֵףyōsēf, (Bedeutung: ER (Gott) fügt hinzu) ist im Tanach als der zweitjüngste Sohn des Erzvaters Jakob, Stammvater der Zwölf Stämme Israels. Die Josefserzählung (Gen 37,ff EU) erzählt seine Geschichte und stellt den Übergang von den Vätergeschichten im 1. Buch Mose zur Geschichte Israels im 2. Buch Mose her, die mit der Erwählung Moses beginnt.

Die gleiche Geschichte findet sich teilweise wörtlich als zehnseitiger Abschnitt in der zwölften Sure des Korans wieder. Die gesamte zwölfte Sure ist Yusuf (so lautet sein arabischer Name) gewidmet.

Josefsüberlieferung[Bearbeiten]

Josef wird von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (12. Jahrhundert)

Hier werden die erzählerischen Inhalte der biblischen Josefsüberlieferung referiert. Die literaturkritische Auseinandersetzung damit findet sich unter Josefsgeschichte.

Im Tanach ist Josef vor Benjamin einer von zwei Söhnen, die Jakob mit Rachel bekommt. Geboren wird Josef wie seine zehn älteren Halbbrüder in Harran in der heutigen Türkei. Sein Name wird abgeleitet von der hebräischen Zeitform יְהוֹסִיף, yəhossif, „er fügt hinzu“, insofern seine Mutter Rachel bei seiner Geburt ausruft: „Gott fügt mir noch einen Sohn hinzu.“

Josef ist der Lieblingssohn Jakobs, weil er ihm im hohen Alter geboren wurde. Jakob schenkt ihm deshalb einen bunten Rock. Seine zehn Halbbrüder werden darüber so böse, dass sie mit Josef kein freundliches Wort mehr reden können. Hinzu kommt, dass Josef zwei Träume hat, in denen sich seine Familie vor ihm verneigt. Darüber ärgern sich seine Brüder noch mehr. Als Josef eines Tages von seinem Vater zu den Herden seiner Brüder geschickt wird, um nach dem Rechten zu sehen, nutzen diese die Gelegenheit, um Josef loszuwerden. Sie werfen ihn in eine Zisterne. Zuerst wollen sie ihn töten, doch dann verkaufen sie Josef für zwanzig Silberstücke an ismaelitische Sklavenhändler, die vorbeiziehen. Diese verkaufen den jetzt siebzehnjährigen Josef in Ägypten an Potifar, den Oberaufseher der Leibwache und Kämmerer des Pharao in Ägypten. Ihrem Vater senden die Brüder den bunten Rock Josefs in Lammblut getaucht. Jakob trauert lange um den vermeintlich toten Sohn.

Friedrich Overbeck: Verkauf Josefs an die ägyptischen Händler, Freskenzyklus der Casa Bartholdy, Berlin, Alte Nationalgalerie (1816–17)
Josef wird von Potiphars Frau verklagt (Rembrandt van Rijn, 1655).

In Ägypten ist Gott auf Josefs Seite und lässt ihm all seine Arbeit gelingen. Schnell macht Josef im Hause Potifars Karriere und wird dessen höchster Diener. Um Josefs willen segnet Gott das Haus von Potifar. Aus diesem Grund lässt Potifar Josef in allen Dingen freie Hand. Josef ist ein attraktiver Mann und Potifars Frau verliebt sich in ihn. Seitdem bedrängt sie ihn täglich, doch Josef bleibt seinem Gott treu:

„Wie könnte ich da ein so großes Unrecht begehen und gegen Gott sündigen?“

Genesis 39,9, Einheitsübersetzung

Aus Rache verklagt sie Josef deshalb fälschlicherweise des Übergriffes, woraufhin Potifar ihn ins Gefängnis werfen lässt. Auch im Gefängnis ist Gott bei Josef. Bald ist er der Assistent des Gefängniswärters, der ihm – wie zuvor schon Potifar – in allen Dingen freie Hand lässt. Einige Jahre später werden der Mundschenk und der Bäcker des Pharao ebenfalls ins Gefängnis geworfen. Eines Nachts träumen beide einen merkwürdigen Traum. Josef, der ihnen die Träume deuten kann, bittet den Mundschenk, beim Pharao für ihn ein gutes Wort einzulegen, was dieser verspricht. Die Träume erfüllen sich wie vorhergesagt, doch der Mundschenk vergisst sein Versprechen. Zwei Jahre darauf träumt der Pharao ebenfalls zwei sehr ungewöhnliche Träume, die ihm keiner seiner Wahrsager deuten kann. Jetzt erinnert sich der Mundschenk wieder an Josef, der nun zum Pharao gerufen wird, um dessen Träume zu deuten. Josef erklärt, dass Ägypten sieben reiche, landwirtschaftlich ertragreiche Jahre bevorstehen und sieben Jahre mit Dürre. Er gibt dem Pharao den Rat, die sieben fruchtbaren Jahre zu nutzen, um für die Dürreperiode zu sammeln. Der Pharao ist überwältigt:

„Finden wir einen Mann wie diesen hier, einen, in dem der Geist Gottes wohnt?“

Genesis 41,38, Einheitsübersetzung

Er ernennt Josef daraufhin zum obersten Verwalter und seinem Stellvertreter, beschenkt ihn reich und lässt ihn zum Vater des Landes ausrufen:

„[...] ohne dich soll niemand seine Hand oder seinen Fuß regen in ganz Ägypten.“

Genesis 41,44, Einheitsübersetzung

Josef erhält den Ehren-Namen Zafenat-Paneach und wird vom Pharao mit Asenath, der Tochter des Hohenpriesters Potifera von On verheiratet. On ist ein alter Name für Heliopolis, die Stadt, wo der ägyptische Sonnengott verehrt und angebetet wurde. Josef wird also zum Schwiegersohn des Sonnenpriesters. Asenath gebiert Josef zwei Söhne: Manasse und Ephraim. Josefs Vater Jakob beansprucht diese Söhne kurz vor seinem Tod für sich selbst, als seine eigenen.

„Jetzt sollen deine beiden Söhne, die dir in Ägypten geboren wurden, bevor ich zu dir nach Ägypten kam, mir gehören. Ephraim und Manasse sollen mir soviel gelten wie Ruben und Simeon. Die Nachkommen aber, die du erst nach ihnen gezeugt hast, sollen dir gehören; nach dem Namen ihrer Brüder soll man sie in ihrem Erbteil benennen.“

Genesis 48, 5–7, Einheitsübersetzung

In den sieben ertragreichen Jahren sammelt Josef alle Vorräte in die Kornhäuser des Pharao. Als die angekündigte Dürre eingetreten ist, verkauft Josef den Ägyptern das gesammelte Korn. Als das Geld aufgebraucht ist, tauscht er Getreide gegen das Vieh, später gegen das Land der Ägypter und anschließend macht er diese zu Leibeigenen des Pharao. Er führt ein Gesetz ein, dass die Ägypter weiterhin das Feld bebauen, als Gegenleistung jedoch 20 % des Ertrags an den Pharao entrichten sollen.

Die Hungersnot erreicht auch die Nachbarländer, die daraufhin nach Ägypten kommen, um bei Josef Getreide zu kaufen. Unter ihnen sind auch Josefs Brüder. Josef gibt sich ihnen nicht zu erkennen, sondern will prüfen, ob sie sich geändert haben und bezichtigt sie deswegen der Spionage. Er sperrt seine 10 Halbbrüder für drei Tage ins Gefängnis, behält anschließend Simeon im Kerker zurück und schickt die übrigen Brüder mit dem gewünschten Getreide wieder heim. Erst wenn sie auch den jüngsten der Brüder, Benjamin, zu ihm brächten, würde er ihnen glauben und Simeon wieder freigeben. Als das Korn aufgebraucht ist, lässt Jakob nach vielem Zureden seinen jüngsten Sohn Benjamin mit den Brüdern nach Ägypten reisen. Josef hält Wort, gibt Simeon frei und lädt die Brüder anschließend zum Essen ein. Besonders verwunderlich erscheint ihnen, dass sie ihrem Alter nach am Tisch platziert werden. Nach einer reichhaltigen Mahlzeit – bei der Benjamin die fünffache Portion bekommt – bekommen die Brüder das gewünschte Getreide. Als sie jedoch nach Hause aufbrechen, beschuldigt Josefs Hausverwalter die Brüder, seinen Herrn bestohlen zu haben. In Benjamins Sack findet sich tatsächlich der silberne Becher des zweitmächtigsten Mannes in Ägypten. Dieser droht nun, den Jüngsten ins Gefängnis zu werfen, doch die Brüder setzen sich für ihn ein und beteuern seine Unschuld. Juda erklärt die Familiengeschichte und bietet sich selbst als Sklaven an Benjamins Statt an. Als Josef das hört, kann er nicht länger an sich halten, sondern fängt laut zu weinen an und gibt sich seinen Brüdern zu erkennen. Er ordnet an, dass sein Vater Jakob und sein Gefolge, die Hebräer, nach Ägypten kommen sollen. Hier verbringt Jakob seine letzten Jahre. Vor seinem Tod segnet Jakob die Söhne von Josef und Asenat, Manasse und Ephraim, wobei er den jüngeren Ephraim vor Manasse setzt und sagt, dass Israel mit seinem Namen segnen und sagen werde: Gott mache dich wie Ephraim und Manasse. Nach dem Tod des Vaters fürchten Josefs Halbbrüder seine Rache. Doch wieder zeigt sich Josefs Edelmut:

„Als man ihm diese Worte überbrachte, musste Josef weinen. Seine Brüder gingen dann auch selbst hin, fielen vor ihm nieder und sagten: Hier sind wir als deine Sklaven. Josef aber antwortete ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Stelle? Ihr habt Böses gegen mich im Sinne gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: viel Volk am Leben zu erhalten. Nun also fürchtet euch nicht! Ich will für euch und eure Kinder sorgen. So tröstete er sie und redete ihnen freundlich zu.“

Genesis 50,17–21, Einheitsübersetzung

Josef selbst wird 110 Jahre alt. Man balsamiert ihn ein und legt ihn in Ägypten in einen Sarg. Später wird der Sarg beim Auszug der Israeliten von Mose aus Ägypten mitgeführt. Nach (Jos 24,32 EU) wird Josef in Sichem auf einem Stück Feld begraben, das Josefs Vater Jakob gekauft hatte. Das Josefsgrab im heutigen Nablus ist eine Gedenkstätte für Juden, Christen und Muslime,

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Friedrich Overbeck: Die sieben mageren Jahre, Freskenzyklus der Casa Bartholdy, Berlin, heute Alte Nationalgalerie (1816–17)

Auffällig ist die thematische Verwandtschaft der Geschichte von Josef und der Frau des Potiphar mit dem ägyptischen Zweibrüdermärchen, das zwischen 1330 und 1200 v. Chr. entstanden ist, sowie dem Phaidra-Stoff der griechischen Mythologie.

Im Islam ist Josef der Prophet Yusuf, dessen Geschichte im Koran beschrieben wird (Sure Yusuf).[1]

Bildende Kunst

In der christlichen Welt wurde die Geschichte Josefs oft typologisch als alttestamentarische Entsprechung von Jesus von Nazaret verstanden. Das Bild, wie die Brüder Josef in den Brunnen werfen, wurde in der Ikonografie oft als Bild der Taufe verstanden. Die Darstellung der Geschichte Josefs in der bildenden Kunst findet sich nur vereinzelt ab dem 4. Jahrhundert. Die Außenwangen der Maximianskathedra aus der Mitte des 6. Jahrhunderts sind mit Szenen aus der Josefslegende geschmückt. Zwei Chorfenster des Erfurter Doms aus dem Jahre 1390 gehören zu den bedeutendsten mittelalterlichen Darstellungen. Mehrere Ereignisse der Josefgeschichte wurden auch durch Rembrandt van Rijn aufgegriffen. Im 19. Jahrhundert entstand ein umfangreicher Freskenzyklus durch die Nazarener Peter von Cornelius, Friedrich Overbeck, Wilhelm von Schadow und Philipp Veit, die sogenannten Fresken der Casa Bartholdy, die auf Putz aufgemalt, später abgetragen wurden und heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin in der Originalaufhängung von 1879 zu sehen sind. Im 20. Jahrhundert griff Marc Chagall die alttestamentliche Erzählung auf.

Literatur

In der frühen Neuzeit verfasste Hugo Grotius eine Tragödie nach der Josefsgeschichte mit dem Titel Sophompaneas, nachdem Daniel Heinsius in seiner Abhandlung De Tragoediae Constitutione (Über den Bau der Tragödie, 1611, 2. Aufl. 1643) von dem Stoff gesagt hatte, dass er ihn zu Tränen rühre.

Im 17. Jahrhundert gestalteten zwei bedeutende barocke Romane die Josefserzählung: Assenat (1670) von Philipp von Zesen sowie Des vortrefflich keuschen Josephs in Egypten Lebensbeschreibung (1671) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Die literarisch bedeutendste Umsetzung des Josef-Stoffes schuf Thomas Mann mit der Roman-Tetralogie Joseph und seine Brüder; aber auch die dramatische Bearbeitung des Stoffes durch den türkischen Dichter Nazim Hikmet als Joseph in Egyptenland (1948) gilt als Schauspiel von internationalem Rang, wurde allerdings in Westdeutschland kaum bekannt.

Herr Joseph und Frau Potiphar ist eine Ballade von Georg Weerth, In der Bar zum Krokodil (1927) ist ein Couplet zum selben Thema von Fritz Löhner-Beda, vertont von Willy Engel-Berger.

Theater, Film, Ballett

1914 wurde das Ballett Josephslegende, op. 63, von Richard Strauss (1864–1949) in Sergei Diaghilevs Ballets Russes in Paris uraufgeführt. Hugo von Hofmannsthal hatte zusammen mit Harry Graf Kessler das Libretto entworfen.

In neuerer Zeit nahm sich Andrew Lloyd Webber in seinem Musical Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat des Themas an.

1982 griff der deutsche Filmproduzent Curt Linda in Shalom Pharao das Thema auf.

1995 verfilmte US-Regisseur Roger Young im Rahmen der TV-Reihe „Die Bibel“ Josefs Lebensgeschichte, mit Ben Kingsley als Potifar, Paul Mercurio als Josef, Martin Landau als Jakob und Lesley Ann Warren in der Rolle von Potifars Frau (Die Bibel – Josef). Der zweiteilige dreistündige Film erhielt den Emmy als Bester Film und Ben Kingsley den Emmy für den Besten männlichen Nebendarsteller.

Gedenktag[Bearbeiten]

31. März im Kalender der Lutherischen Kirche – Missouri-Synode.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. deutsche Übersetzung
  2. 31. März im ökumenischen Heiligenlexikon