Kandersteg

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Kandersteg
Wappen von Kandersteg
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Frutigen-Niedersimmentalw
BFS-Nr.: 0565i1f3f4
Postleitzahl: 3718
UN/LOCODE: CH KAN
Koordinaten: 618124 / 14951046.4966647.6747191174Koordinaten: 46° 29′ 48″ N, 7° 40′ 29″ O; CH1903: 618124 / 149510
Höhe: 1'174 m ü. M.
Fläche: 134,58 km²
Einwohner: 1236 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 9 Einw. pro km²
Website: www.3718.ch
Kandersteg

Kandersteg

Karte
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Kandersteg ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental des Kantons Bern in der Schweiz.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort Kandersteg liegt am Ende des Kandertals auf 1'174 m ü.M. In der Gemeinde leben rund 1'230 Einwohner auf einer Fläche von 134,58 km², womit Kandersteg bezüglich der Fläche die viertgrösste Gemeinde (vierundzwanziggrösste der Schweiz) im Kanton Bern ist. Allerdings sind aufgrund der alpinen Lage nur etwa 30 % der Fläche nutzbar. Höchster Punkt: Balmhorn, 3'698 m, Tiefster Punkt: Bühl, 1'150 m

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1764 1799 1818 1880 1900 1920 1940 1950 1970 1980 1990 2000
Einwohner 197 244 206 406 445 777 835 913 957 959 1'062 1'131

Sprachen[Bearbeiten]

Sprache ist Deutsch, genau genommen Chanderstägertütsch, ein spezieller Dialekt des Berner Oberlands mit Anlehnungen an den Walliser Dialekt.

Konfession[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Legislative ist die zweimal jährlich stattfindende Gemeindeversammlung, welche vom Gemeindepräsidenten geleitet wird.

Exekutive ist der Gemeinderat mit sieben ehrenamtlichen Mitgliedern inkl. Gemeinderatspräsident.

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2011 betrugen: SVP 34,9 %, BDP 32,1 %, SP 11,7 %, FDP 6,6 %, GPS 4,4 %, glp 4,3 %, SD 1,5 %, EDU 1,4 %, EVP 1,1 %, CVP 0,6 %.[2]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wirtschaftlich ist Kandersteg ganzjährig vom Tourismus geprägt. Daneben existieren landwirtschaftliche und baugewerbliche Betriebe sowie die Lötschbergbahn als Verkehrsbetrieb. Die Erwerbstätigen sind auf folgenden Sektoren beschäftigt: Land- und Forstwirtschaft (5 %), Handwerk und Baugewerbe (21 %) und Handel, Gastgewerbe, Dienstleistungen (74 %).

Tourismus[Bearbeiten]

Die Region Kandersteg mit Oeschinensee

Der Tourismus in Kandersteg ist besonders auf Familien ausgerichtet. Kandersteg hat 19 Hotels mit rund 1'000 Betten und 800 Ferienwohnungen mit 2'000 Betten, einen Campingplatz und 22 Restaurants.

Im Sommer sind mehrere Bergbahnen in Betrieb. Zahlreiche Wandermöglichkeiten über bequeme Wanderwege bis hin zu hochalpinen Klettersteigen stehen Gästen und Einheimischen offen. Zahlreiche Mountainbike-Routen runden das Freizeitangebot ab. Der Ort selbst bietet ein geheiztes Schwimmbad, Tennisplätze, Wellness-Angebote und eine Kletterwand.

Im Winter stehen in der Skiregion Kandersteg sechs Transportanlagen (Oeschinen und Sunnbühl) und 100 km Langlaufloipen zur Verfügung.

Die beliebtesten Ausflugsziele sind der Oeschinensee, Sunnbühl (Gemmipass), das Gasterntal (Kandergletscher), Allmenalp, Ueschinen, Blausee (Fischzucht) und der Tierpark Riegelsee (letztere beiden liegen auf dem Gebiet der Gemeinde Kandergrund).

Kandersteg gehört zum erweiterten UNESCO-Weltnaturerbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.

Verkehr[Bearbeiten]

Auf der Strasse gelangt man von Spiez (Autobahn A6 von Bern) über Frutigen nach Kandersteg. Hier besteht eine Verbindung per Autoverlad nach Goppenstein im Kanton Wallis sowie während der Ferienzeiten nach Iselle in Italien.

Eisenbahnanschlüsse nach Bern und Brig bestehen mit der Lötschbergbahn.

Kandersteg verfügt über einen Ortsbus und eine Busverbindung nach Frutigen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname geht auf einen alten Übergang über die Kander zurück, der zum Gemmi- und Lötschenpass führte. Diese Pässe ermöglichten bereits den Römern die Alpenüberquerung vom Wallis ins Berner Oberland. Die früheste erhaltene Erwähnung findet Kandersteg 1374 als Übernachtungsgelegenheit an der von Italien über den Lötschenpass kommenden Gewürzhandelsroute. Vom Handelsverkehr über die Gemmi zeugt auch das Zollhaus im Schwarenbach.

Der Bau der ersten Dorfkirche wurde 1511 begonnen. Das berühmteste Haus im Kandertal ist das reichverzierte Ruedi-Haus, erbaut 1753 für den Landsvenner Peter Germann.

Kandersteg gehörte bis 1850 zur Gemeinde Frutigen und bildete danach mit Kandergrund die Gemeinde Kandergrund. 1908 wurde Kandersteg eine eigenständige Gemeinde, das ursprüngliche Gemeindegebiet Kandergrund von total 16'665 ha wurde aufgeteilt: 3'207 ha gingen an Kandergrund und 13'458 ha erhielt Kandersteg.

Der Bau des Lötschbergtunnels von 1906 bis 1913 schuf eine wichtige Nord-Süd-Verbindung und bildete die Grundlage für den noch heute viel genutzten Autoverlad der Lötschbergbahn. Der Anschluss an das Bahnnetz förderte den Tourismus; viele der heutigen Hotels und Pensionen wurden in dieser Zeit gebaut. Vor dem Ersten Weltkrieg verfügte Kandersteg bereits über 30 Hotels und Pensionen mit insgesamt mehr als 1'300 Betten.

1923 gründete der Pfadfinderweltverband WOSM mit dem Pfadfinderzentrum Kandersteg eine der ersten dauerhaften internationalen Begegnungsstätten für Pfadfinder. Auf dem Gelände des Zentrums treffen heutzutage jedes Jahr rund 10'000 Pfadfinder zusammen.

In den 1980er-Jahren wurde der Schweizer Regierungsbunker, genannt Führungsanlage K20 (Kaverne 20), auf dem Gebiet der Gemeinde Kandersteg errichtet.[3]

1991 wurde in Kandersteg das theravada-buddhistische Kloster Dhammapala gegründet.

Bilder[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • AG Heimatbuch: Kandersteg Natur – Geschichte – Menschen. Altels Verlag, 2001

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kandersteg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://www.wahlarchiv.sites.be.ch/wahlen2011/target/NAWAInternetAction.do@method=read&sprache=d&typ=21&gem=565.html abgerufen am 16. Juli 2012
  3. Michael Soukop: Schutz vor Atomkrieg: Tief im Schweizer Bunkerberg.