Kap Arkona

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kap Arkona (Begriffsklärung) aufgeführt.
Kap Arkona
Kap Arkona von Nordwesten (2007)
Kap Arkona von Nordwesten (2007)
Gewässer Ostsee

Geographische Lage

54° 40′ 35″ N, 13° 26′ 16″ O54.676513.437861111111Koordinaten: 54° 40′ 35″ N, 13° 26′ 16″ O
Kap Arkona (Mecklenburg-Vorpommern)
Kap Arkona
Kap Arkona von Süden (2012)
Kap Arkona von Süden (2012)

Kap Arkona ist eine 43 Meter hohe, aus Kreide und Geschiebemergel bestehende Steilküste auf der Halbinsel Wittow im Norden der Insel Rügen. Das Flächendenkmal Kap Arkona gehört neben dem Fischerdorf Vitt zur Gemeinde Putgarten und ist eines der beliebtesten Ausflugsziele auf Rügen mit jährlich circa 800.000 Besuchern.

Am Kap befinden sich zwei Leuchttürme, ein Peilturm, zwei Militärbunker, die slawische Jaromarsburg und einige touristische Gebäude (Restaurants, Kneipen, Souvenirläden). Aufgrund der geologischen Beschaffenheit und der Wettereinflüsse kommt es am Kap vorwiegend im Winter immer wieder zu teilweise großen Abbrüchen.

Kap Arkona wird oft als der „nördlichste Punkt Rügens“ bezeichnet, was jedoch nicht stimmt. Ungefähr einen Kilometer weiter nordwestlich befindet sich eine Stelle der Steilküste, Gellort genannt, die noch etwas weiter nördlich gelegen ist. Direkt am Fuße des Gellorts liegt der 165 Tonnen schwere Findling Siebenschneiderstein, auf Plattdeutsch Söbenschniedersteen. Das Kap bietet einen eindrucksvollen Anblick der Insel, sowohl vom Land als auch vom Wasser aus.

Leuchttürme und Peilturm[Bearbeiten]

Hauptartikel: Leuchtturm Kap Arkona
Luftbild von Kap Arkona
Aussicht vom Peilturm

Der kleinere der beiden Leuchttürme wurde 1826/27 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel in Backsteinbauweise erbaut und 1828 in Betrieb genommen. Er ist 19,3 m hoch und hat eine Feuerhöhe von 60 m ü. NN. Die Räume des dreigeschossigen Turms nutzte man als Dienst- und Lagerräume. Er wird auch Schinkelturm genannt. Am 31. März 1905 wurde er außer Dienst gestellt. Er ist nach dem Travemünder Leuchtturm der zweitälteste Leuchtturm an der deutschen Ostseeküste.

Der größere Turm wurde 1901/02 direkt neben dem alten Turm erbaut und am 1. April 1905 in Betrieb genommen. Er ist 35 m hoch und hat eine Feuerhöhe von 75 m ü. NN. Er ist aus Ziegelsteinen errichtet und steht auf einem achteckigen Granitsockel. Die Leuchteinrichtung bestand 90 Jahre lang aus zwei Kohlebogenlampen und wurde 1995 gegen eine Halogenmetalldampflampe ausgetauscht. Durch sie und die rotierende Dreifachoptik sendet die Laterne des Turmes alle 17 Sekunden drei Blitze aus.

Hauptartikel: Peilturm Kap Arkona
Peilturm mit dem Burgwall der Jaromarsburg dahinter

Der ehemalige Marinepeilturm wurde 1927 in Ziegelbauweise erbaut und diente als Seefunkfeuer. Von 1911 bis 1925 waren entsprechende, damals wegweisende Versuche vorausgegangen, durch die Abstrahlung gerichteter Funkwellen die Navigation – speziell für die 1909 eingerichtete Eisenbahn-Fährlinie Sassnitz–Trelleborg – zu verbessern. Zu diesem Zweck waren innerhalb der Jaromarsburg große Antennenfelder errichtet worden. Die Fundamente der dazugehörigen Funkbetriebsstelle sind im Innenraum der Wallanlage bis heute erhalten. Die technischen Einrichtungen des Peilturms wurden 1945 zerstört.

Alle drei Türme wurden Anfang der 1990er Jahre saniert und sind für Besucher zur Besichtigung geöffnet. Im alten Leuchtturm befindet sich heute ein Museum und eine Außenstelle des Standesamtes. Hier geschlossene Ehen werden auf Wunsch durch eine kleine Tafel im Boden vor dem Turm verewigt. Der Peilturm wird als Kunstmuseum und Atelier genutzt. Auf jedem Turm befindet sich eine Aussichtsplattform, von welchen man einen ungehinderten Blick über Rügen und insbesondere die Halbinsel Wittow hat. Bei klarem Wetter kann man sogar bis zur dänischen Insel Møn blicken.

Jaromarsburg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jaromarsburg
Luftbild von Jaromarsburg und Peilturm

Die Jaromarsburg war vom 9.[1] bis ins 12. Jahrhundert eine Kultstätte der Ranen, eines slawischen Stammes, gewidmet ihrem Gott Swantewit. An der äußersten Spitze des Kaps gelegen, war sie von drei Seiten durch die Steilküste und von der Landseite durch einen 25 Meter hohen Burgwall geschützt.

Der innerhalb des Walls gelegene Tempel übernahm nach der Zerstörung von Rethra im Jahre 1068 dessen Bedeutung als religiöses Zentrum der Slawen Mecklenburgs. Im Jahr 1168 eroberte der dänische König Waldemar I. im Zuge der Christianisierung die Burganlage und zerstörte den Tempel.

Von der Spitze Arkonas sind in den letzten Jahrhunderten immer wieder Teile ins Meer gestürzt, weshalb von der Jaromarsburg heute fast nur noch der Burgwall sichtbar ist.

Königstreppe und Veilchentreppe[Bearbeiten]

Königstreppe

Einige Meter westlich vom Kap Arkona befindet sich die Königstreppe, die mit 230 Stufen 42 Meter Steilküste überwindet. Der schwedische König Friedrich I. – Rügen gehörte damals zu Schweden – ließ während des Schwedisch-Russischen Krieges 1741–1743 in der Nähe der heutigen Treppe eine Feuerbake zur Warnung der Bevölkerung errichten. Damals wurde die Stelle noch Königssteig genannt.

Für den Empfang des Dampfbootes Hercules mit der kaiserlich-russischen Chronometerexpedition ließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. – Rügen war jetzt preußisch – 1833 einen Anleger und eine Treppe errichten[2]. Von der Stelle aus wurde 1865 das erste Telegrafenkabel durch die Ostsee nach Schweden verlegt. Durch den Aufschwung der Rügenschen Seebäder nahm auch der Tourismus am Kap Arkona zu. Viele Reisende kamen mit Ausflugsdampfern, welche am Anleger am Fuße der Treppe festmachten. Der Anleger wurde allerdings bei der Sturmflut 1953 vollständig zerstört. Die neue Königstreppe wurde 1995 an historischer Stelle nach einjähriger Bauzeit fertiggestellt. Seit Dezember 2012 ist die Königstreppe gesperrt.

Südlich der Reste des Walls der Jaromarsburg befindet sich die Veilchentreppe, ein Abstieg zum Strand, der von Arkona nach Vitt reicht. Den Namen hat die Treppe von den Veilchen, die im Frühling um die Treppe herum wachsen.

Bunker am Kap Arkona[Bearbeiten]

In direkter Nachbarschaft zu den beiden Leuchttürmen befinden sich zwei Bunker. Der kleinere, ältere Bunker stammt noch aus Zeiten der Wehrmacht und beherbergte zu DDR-Zeiten eine Dienststelle der 6. Grenzbrigade Küste. Er wird allgemein als Arkona-Bunker bezeichnet.

Der größere, neuere Bunker wurde von 1979 bis 1986 errichtet und diente der auf dem Bug stationierten 6. Flottille der Volksmarine und der Vereinigten Ostseeflotte (VOF) als Gefechtsstand. Von einem Hauptmittelgang mit zwei Zugängen ausgehend befinden sich mehrere autarke Einzelbunker mit einer Gesamtfläche von 2000 m². Konkret sind dies drei große Bunker (Typ FB-75) und neun kleine (Typ FB-3), die aus Fertigbetonteilen (FB = Fertigteil-Bunker) gefertigt wurden. Die Typ-FB-75-Bunker hatten eine Zwischenetage, auf der die Schlafplätze untergebracht waren, sowie einen Notausgang. Jeder einzelne Bunker besitzt zum Hauptgang eine bzw. zwei Luftschleusen. Über allem liegt eine 3 bis 5 Meter hohe Erdüberschüttung, aus welcher Dutzende Lüftungsrohre ragen.

Im Jahr 1985 wurde zum 30. Jahrestag der Nationalen Volksarmee (NVA) eine Luftaufnahme vom Kap Arkona mit der Bunkerbaustelle im Hintergrund im Bildband „Soldaten des Volkes“ gezeigt und der Bunker somit enttarnt (enttarnt bedeutet, dass der Standort des Bunkers öffentlich gemacht wurde). Wie die Abbildung in den Bildband kommen konnte, ist nicht klar, er wurde aber bereits drei Tage nach Erscheinen wieder aus dem Verkehr gezogen. Eine spätere Neuauflage des Bildbandes enthielt das Luftbild nicht mehr.

50 bis 70 Soldaten der Volksmarine taten hier ab 1986 drei- bis viermal im Jahr im Rahmen von Flottenmanövern für zwei bis drei Tage ihren Dienst. Die Standardbelegschaft betrug vier Mann. Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Wiedervereinigung, wurde die Anlage stillgelegt.

Die Bunker wurden von der Gemeinde Putgarten erworben und sukzessive renoviert. Der Arkona-Bunker beherbergt heute eine Kunstgalerie und der NVA-Bunker eine Ausstellung mit damaligen Bunkereinrichtungsgegenständen sowie eine Fotoserie über die Volksmarine.

Anfahrt[Bearbeiten]

Vor der Gemeinde Putgarten befindet sich ein großer Parkplatz, auf welchem sämtliche Autos und Busse abgestellt werden müssen. Von dort gelangt man entweder zu Fuß (1,8 km), per Pferdekutsche oder per Kap-Arkona-Bahn zum Kap. Auch mit dem Fahrrad lassen sich die Sehenswürdigkeiten sehr gut erreichen.

Die Kap-Arkona-Bahn fährt seit 1993 von Putgarten zum Kap Arkona bzw. zum Fischerdorf Vitt. Sie fährt nicht – wie der Name vermuten lässt – auf Schienen, sondern auf Rädern auf normaler Straße. Die wie eine Dampflok aussehenden Zugfahrzeuge fahren seit 1996 mit umweltfreundlichem Gasantrieb.

Es verkehren auch täglich Schiffe der Reederei Ostsee-Tour von Binz und Sassnitz zum Kap Arkona.

Sonstiges[Bearbeiten]

Folgende Schiffe wurden nach der Steilküste getauft:

Am 2. Weihnachtsfeiertag 2011 kam es zu einem größeren Abrutsch von Geröllmassen direkt am Kap Arkona, der ein zehnjähriges Mädchen begrub und dessen Mutter schwer verletzte. Die wochenlange Suche nach dem Kind wurde am 8. Januar 2012 durch die Suchtrupps aufgegeben, bevor am 31. Januar 2012 die Kindesleiche am Fuße des Kaps aufgefunden wurde.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima von Kap Arkona entspricht dem mecklenburg-vorpommerschen Küstenklima. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,9 °C. Die Niederschläge betragen 521 mm im Jahr. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit liegt durch die Meereslage sehr hoch.

Arkona
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
35
 
2
-2
 
 
27
 
2
-2
 
 
34
 
4
0
 
 
34
 
8
3
 
 
37
 
13
7
 
 
48
 
17
11
 
 
57
 
19
14
 
 
58
 
20
14
 
 
51
 
16
11
 
 
44
 
12
8
 
 
53
 
7
3
 
 
43
 
4
0
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Arkona
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,9 2,0 4,3 8,0 12,8 17,3 19,2 19,5 16,3 12,0 7,1 3,7 Ø 10,4
Min. Temperatur (°C) -1,7 -1,6 0,1 2,7 7,2 11,4 13,6 14,0 11,4 7,8 3,4 0,0 Ø 5,7
Niederschlag (mm) 35,1 26,6 33,7 33,6 37,4 48,4 56,8 58,3 50,9 44,1 52,8 42,8 Σ 520,5
Sonnenstunden (h/d) 1,2 2,1 3,8 5,9 8,4 8,7 8,4 7,9 5,5 3,5 1,7 1,2 Ø 4,9
Regentage (d) 9 8 9 8 8 8 9 8 9 9 11 10 Σ 106
Luftfeuchtigkeit (%) 87 87 85 83 81 80 81 81 82 84 85 86 Ø 83,5
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,9
-1,7
2,0
-1,6
4,3
0,1
8,0
2,7
12,8
7,2
17,3
11,4
19,2
13,6
19,5
14,0
16,3
11,4
12,0
7,8
7,1
3,4
3,7
0,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
35,1
26,6
33,7
33,6
37,4
48,4
56,8
58,3
50,9
44,1
52,8
42,8
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Best: Geheime Bunkeranlagen der DDR. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02332-6.
  • Peter Feist: Der Burgwall am Kap Arkona (= Der historische Ort. H. 1 Mecklenburg-Vorpommern, Rügen). K-und-K-Kunsthandel, Kai Homilius Verlag Berlin 1995, ISBN 3-931121-00-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kap Arkona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kap Arkona – Reiseführer

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Torsten Kempke: Skandinavisch-slawische Kontakte an der südlichen Ostseeküste im 7. bis 9. Jahrhundert, in Ole Harck, Christian Lübke (Hrsgg.): Zwischen Reric und Bornhöved. Die Beziehungen zwischen den Dänen und ihren slawischen Nachbarn vom 9. bis ins 13. Jahrhundert (Forschungen zur Geschichte und Kultur des Östlichen Mitteleuropa, Bd. 11), Stuttgart 2000, S. 9-22, hier S. 14. Zur Datierung der slawischen Landnahme auf Rügen jüngst auch Heike Reimann, Fred Ruchhöft, Cornelia Willich: Rügen im Mittelalter. Eine interdisziplinäre Studie zur mittelalterlichen Besiedlung auf Rügen (Forschungen zur Geschichte und Kultur des Östlichen Mitteleuropa, Bd. 36), Stuttgart 2011, S. 42 ff.
  2. Die Kaiserlich-russische Chronometer-Expedition in der Ostsee zwischen Pulkowa, Moskau und Warschau im Jahre 1833
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Dieser Artikel wurde am 24. September 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.