Zugnummer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zu Zugnummer bei Festzügen siehe Festzug #Startreihenfolge beim Festzug

Zugnummern werden von allen Eisenbahnen verwendet, um verschiedene Zugfahrten (an einem gegebenen Tag) zu unterscheiden.

Geschichte[Bearbeiten]

In den Anfängen der Eisenbahnen gab es noch keine Zugnummern, da zu dieser Zeit eine überschaubare Anzahl von Zügen auf einer Strecke verkehrte. Mit der Ausdehnung der Netze wurde eine genaue Zuordnung eines Zuges zu einer Fahrordnung unerlässlich, denn nur so konnte man sich über die Zugfolge verständigen. Aus diesem Grund darf eine Zugnummer in einer Region auch nur einmal verwendet werden. Bei größeren Bahnverwaltungen gab es bis zum Fahrplanwechsel Dezember 2010 mitunter auch Doppelbelegungen, so konnte es bis dahin bei der Deutschen Bahn beispielsweise sowohl in Süddeutschland als auch in Norddeutschland einen RE 33333 geben. Die Zugnummer wurde auch wichtig, um eine Telegrafenmeldung kurz zu halten. Um die Fehlerwahrscheinlichkeit einer falschen Zugnummernmeldung zusätzlich zu minimieren, wurde eingeführt, dass in der einen Fahrrichtung gerade und in der anderen Fahrrichtung ungerade Zugnummern verwendet werden. Dieses System der Zugnummernvergabe wurde immer weiter verbessert und systematisiert.

Gegenwart[Bearbeiten]

Heutige Stellwerke können dank der geregelten Zugnummerngebung automatisch Fahrwege stellen, beziehungsweise sogar Fahrwege verweigern. Dies ist beispielsweise in der Schweiz bei den SIM-Zügen (Simplon-Inter-Modal, kombinierte Züge mit 4 Meter Eckhöhe) der Fall, welche nur über bestimmte Strecken und Gleise fahren dürfen. Bei dieser Zugnummer verweigern die elektronischen Stellwerke einen ungültigen (weil nicht für SIM freigegebenen) Fahrweg.

Normalerweise lässt sich aus einer heutigen Zugnummer erkennen, um was für einen Zug es sich handelt:

  • Welcher Zuggattung (EC, Regionalzug, Güterzug usw.) er angehört,
  • in welcher Verkehrsbeziehung (Start und Zielort) er steht,
  • in welche Fahrrichtung er verkehrt, so werden nach Süden und Osten ungerade Nummern vergeben, in der Gegenrichtung gerade.

So bilden normalerweise Zugnummernpaare auch Zugpaare. Die Zuordnung der Züge zu Zugpaaren kann variieren; in Deutschland werden Zugpaare gewöhnlich durch aufeinanderfolgende Nummern gebildet, wobei die gerade Zahl die niedrigere ist. Bei den polnischen Staatsbahnen werden Zugpaare oft auch durch Vertauschung von Ziffern gebildet.

Die Züge einer Linie werden chronologisch durchnummeriert, gerade Nummern für die eine Richtung und ungerade aus dem gleichen Nummernbereich für die andere. Gelegentlich, vor allem bei Fernverkehrslinien, werden die Züge einer Richtung absteigend nummeriert. So haben die Eurocitys von Zürich nach München z. B. die Nummern 191 bis 197, diejenigen der Gegenrichtung aber in absteigender Reihenfolge 196 bis 190.

Zugpaar[Bearbeiten]

Viele planmäßige Reisezüge haben ein „Gegenstück“, mit dem sie ein Zugpaar bilden. Zugpaare sind Züge gleicher Gattung und auf gleicher Linie, allerdings in entgegengesetzter Fahrtrichtung.

Bei der Nummerierung von Zugpaaren galten in Deutschland früher folgende Regeln:

  • Die Zugnummer ist in Ost-West-Richtung bzw. Süd-Nord-Richtung gerade.
  • Bei Zügen, die in der Gegenrichtung verkehren, ist diese Nummer ungerade.
  • Die gerade Nummer ist in der Regel die niedrigere. Daher begann die Nummerierung der Eurocity-Züge mit der „2“, die „1“ wurde nicht verwendet.

Beispielsweise hatte der ICE von Innsbruck über Kufstein, München und Nürnberg nach Berlin die Nummer 108, sein Gegenstück in umgekehrter Richtung die Nummer 109.

In Deutschland ist die Vergabe der einzelnen Zugnummern aus dem von DB Netz zugewiesen Zugnummernbereich dem trassenbestellenden Eisenbahnverkehrsunternehmen überlassen, so dass diese Regeln nur noch selten angewendet werden. Im Sonderzugbereich oder bei kurzfristig angemeldeten Zügen werden die Zugnummern durch die DB Netz automatisch aus einem Bereich freier Zugnummern vergeben, bei der auf die vorgenannten Regeln keine Rücksicht genommen wird.

Zugnummernschema Europa[Bearbeiten]

Für die internationalen EC (inkl. ICE) und Schnellzüge sind die Nummern 1–499 reserviert.

Diese reichen heute nicht mehr aus, und somit werden noch zusätzliche Nummern verwendet. Diese werden aber nur in Absprache der beteiligten Bahnverwaltungen vergeben. Im Verkehr mit einigen osteuropäischen Bahnverwaltungen kommt es grundsätzlich zu einem Nummernwechsel an der Grenze.

Die kommende Spezifikation TSI OPE [1], die gerade von der Europäische Eisenbahnagentur (ERA) erarbeitet wird, soll die Vergabe von Zugnummer europaweit vorschreiben. Da die Technik von Stellwerken und Reservierungsystemen in allen EU-Ländern, mit Ausnahme Großbritanniens, für fünfstellige numerische Zugnummern ausgelegt ist, gilt es mit diesem Zahlenbereich auszukommen. Es soll deshalb drei Nummernbereiche geben:

  • Ein Nummernbereich für internationale Züge, die mehrere Grenzen überschreiten
    • Nummern aus diesem Bereich können nur einmal für ganz Europa verwendet werden
  • Ein Nummernbereich für Züge, die nur eine Grenze überschreiten
    • Nummern aus diesem Bereich können einmal pro Grenze vergeben werden (und in den unter dieser Nummer befahrenen Ländern nicht ein weiteres Mal)
  • Ein Nummernbereich für inländische Züge
    • Nummern aus diesem Bereich können einmal pro Land verwendet werden

Nummernschema Deutschland[Bearbeiten]

Die Zugnummer ist in Deutschland fünfstellig und wird von DB-Netz vergeben.

Zum 30. Mai 1999 wurde im Zuge der Einführung der sogenannten „Transportleistungsrechnung“ ein neues Zugnummernschema eingeführt.[2]

Mit der Einführung des neuen Zugnummernsystems zum 11. Dezember 2005 wurden die Zugnummern folgendermaßen aufgeteilt[3]:

  • 00002–499 DB internationaler Fernregelverkehr
  • 00500–999 DB nationaler Fern-Taktverkehr (ICE)
  • 01000–1099 DB ICE-Sprinter-Verkehr und ICE-Taktverkehr
  • 01100–1499 DB Fernverkehr, Saisonzüge, Autozüge, Nachtzüge
  • 01500–1699 DB Fernverkehr, Taktverkehr (ICE-T)
  • 01700–1999 DB Fernverkehr, Wochenendzüge
  • 02000–2499 DB Fernverkehr, nationaler Taktverkehr (IC)
  • 02500–2599 DB Fernverkehr, Doppel- und Baufahrpläne
  • 02600–2799 DB Fernverkehr, geplanter Entlastungsverkehr
  • 02800–2999 DB Fernverkehr, Ad-hoc-Verkehre
  • 03000–4999 DB Regio, IRE/RE (3xxx mit Neigetechnik)
  • 05000–9399 DB Regio, S-Bahnen und einzelne internationale Verkehre
  • 09400–9499 DB Fernverkehr, HGV mit SNCF (Thalys-Züge)
  • 09500–9999 DB Regio, S-Bahnen und einzelne internationale Verkehre, HGV mit ICE und TGV nach Frankreich
  • 10000–12999 DB Regio, RE- und RB-Züge, Externe EVU
  • 13000–13069 DB Fernverkehr, internationale Sonderzüge
  • 13070–13849 DB Fernverkehr, DB Rail Charter, DB AutoZug international und Charterverkehr
  • 13850–39999 DB Regio, RE- und RB-Züge, Externe EVU, internationale Züge
  • 40000–64499 Güterzüge (DB Schenker Rail), Externe EVU, Leerfahrten (Lr)
  • 64500–69369 DB Schenker Rail, Triebfahrzeugfahrten (Tfzf) mit Streckenlok
  • 69650–69749 DB Schenker Rail, Lokzüge
  • 69750–69999 DB Schenker Rail, Militärzüge
  • 70000–71499 DB Regio, Sonderverkehre
  • 71500–77499 DB Regio, Leerfahrten (Lr)
  • 77500–77649 DB Fernverkehr, AutoZug Sylt
  • 77650–77679 DB Fernverkehr, PbZ-Züge
  • 77680–78779 DB Fernverkehr, Leerfahrten (Lr)
  • 78760–78779 DB Fernverkehr, Versuchs- und Probefahrten
  • 78780–78799 DB Fernverkehr, Lokzüge zentrale Transportleitung
  • 78800–79019 DB Fernverkehr, Leerfahrten (Lr)
  • 79020–79049 DB Fernverkehr, Schulungs- und Messfahrten
  • 79050–79899 DB Fernverkehr, Leerfahrten (Lr)
  • 79800–79899 DB Fernverkehr, DB-Museum
  • 80000–99850 Güterzüge (DB Schenker Rail), Externe EVU, sonstige Züge

Zu den Fahrplanwechseln seit 2010 wurde das Zugnummernsystem (vor allem im Bereich der fünfstelligen Zugnummern) erneut mehrfach geändert.

Die Zugnummer 884 wird seit dem ICE-Unglück von Eschede von der DB Fernverkehr nicht mehr benutzt.

Zuordnung der Zugnummern nach Fernverkehrslinie[Bearbeiten]

Daneben existiert seit der Anfangszeit der Intercity noch ein anderes System, welches sich noch in den heutigen ICE-Linien widerspiegelt. Die Zehnerstelle (Dekade) der Zugnummern werden im Fernverkehr nach der befahrenen Linie vergeben.

  • Dekade 0 kennzeichnet Nord-Süd-Züge der ICE Linie 43 (Dortmund–Köln–Frankfurt–Mannheim–Basel) sowie einen Teil der Nord-Süd-Züge der ICE Linie 28 (Hamburg–Berlin–Leipzig–Nürnberg–München)
  • Dekade 1 kennzeichnet Nord-Süd-Züge der ICE Linie 42 (Dortmund–Köln–Frankfurt–Mannheim–Stuttgart–Ulm–München) sowie einen Teil der Nord-Süd-Züge der ICE Linie 28 (Hamburg–Berlin–Leipzig–Nürnberg–München) und Züge der ICE Linie 79 (Frankfurt–Köln–Aachen–Brüssel)
  • Dekade 2 kennzeichnet Nord-Süd-Züge der ICE Linie 41 (Essen–Köln–Frankfurt–Nürnberg–München) sowie ICE Linie 78 (Frankfurt–Köln–Amsterdam) und ICE Linie 91 (Dortmund–Köln–Frankfurt–Nürnberg–Passau–Wien)
  • Dekade 3 kennzeichnet Nord-Süd-Züge der ICE Linie 25 (Bremen–Hannover–Kassel–Würzburg–München)
  • Dekade 4 kennzeichnet West-Ost-Züge der ICE Linie 10 (Köln–Dortmund–Hannover–Berlin) sowie einen Teil der Züge der ICE Linie 50 (Frankfurt Flughafen–Erfurt–Leipzig–Dresden)
  • Dekade 5 kennzeichnet West-Ost-Züge der ICE Linie 10 (Köln–Wuppertal–Hannover–Berlin) sowie einen Teil der Züge der ICE Linie 50 (Wiesbaden–Frankfurt–Erfurt–Leipzig–Dresden)
  • Dekade 6 wird derzeit innerhalb von Deutschland in keiner ICE-Linie verwendet
  • Dekade 7 kennzeichnet Nord-Süd-Züge der ICE Linie 20 (Hamburg–Hannover–Frankfurt–Mannheim–Basel) und ICE Linie 12 (Berlin–Braunschweig–Frankfurt–Mannheim–Basel)
  • Dekade 8 kennzeichnet Nord-Süd-Züge der ICE Linie 25 (Hamburg–Hannover–Kassel–Würzburg-München)
  • Dekade 9 kennzeichnet Nord-Süd-Züge der ICE Linie 11 (Berlin–Braunschweig–Frankfurt–Mannheim–Stuttgart–Ulm–München)

Mittlerweile gibt es aber auch zahlreiche Abweichungen bei Einzelzügen von diesem ursprünglich eingeführtem System.

Beispiele zur Vergabe von Zugnummern in Deutschland[Bearbeiten]

  • 2803
    • 28 = Ad-hoc-Verkehr (kurzfristiger Ersatzzug)
    • 03 = Vierter Ersatzzug, der am entsprechenden Verkehrstag im Fahrplan eingetragen wurde

Nummernschema Schweiz[Bearbeiten]

Die Zugnummer ist bis zu fünfstellig, im elektronischen Anzeigeverfahren werden die kurzen Nummern mit Nullen vor der eigentlichen Zugnummern auf fünf Stellen gebracht. Grundsätzlich sind die ungeraden Nummern in West-Ost- oder Nord-Süd-Richtung anzutreffen, da sie nach dem Streckenschema vergeben werden. Allerdings kann es zu Abweichungen von der Himmelsrichtung kommen. Das heutige System mit den Zugsnummer 1–39'999 für Personenzüge und ab 40'000 für Güterzüge, wurde zusammen mit dem Neuen Reisezug-Konzept im Sommer 1982 eingeführt. Es löste das Zugsnumerierungskonzept aus dem Jahr 1963 ab, welches nicht EDV-tauglich war, und auch nicht mehr den internationalen Vorgaben entsprach[4].

Die Zugnummern werden von der SBB-Infrastruktur wie folgt vergeben (gültig bis 11. Dezember 2010).

  • 00001–199 EC-Züge (auch ICE und Cisalpino)
  • 00200–499 internationale Züge
  • 00500–1099 IC-Züge
  • 01100–1399 internationale Schnellzüge
  • 01400–2599 IR-Züge
  • 02600–3999 RE-Züge
  • 04000–8999 Regionalzüge
  • 09000–9099 Schnellzüge (Jailtrain/Gefangenenzug)
  • 09100–9699 TGV
  • 09700–9999 Regionalzüge
  • 10000–10999 Doppelführung zu Stammzügen mit gleichem Halteort
  • 11000–12999 S-Bahnzüge
  • 13000–13799 Internationale Agentur- und Autoreisezüge
  • 13800–13999 Dienstzüge im Grenzbereich Basel
  • 14000–23999 S-Bahnzüge
  • 24000–27999 Dienstzüge (z. T. Lokzüge)
  • 28000–29999 Autotunnelzüge
  • 30000–39999 Extrazüge
  • 40000–43599 Internationale Güterzüge des Kombinierten Verkehrs. Klassierung gemäß UIC-Merkblatt 419-2
  • 43600–43699 Internationale Güterzüge mit Profilüberschreitung (SIM-Züge)
  • 43700–43999 Internationale Güterzüge des Kombinierten Verkehrs. Klassierung gemäß UIC-Merkblatt 419-2
  • 44000–49999 Internationale Güterzüge. Klassierung gemäß UIC-Merkblatt 419-2
  • 50000–55999 Ferngüterzüge
  • 59000–59899 Ferngüterextrazüge
  • 59900–59999 Ferngüterextrazüge mit Lademasüberschreitung
  • 60000–61849 Nahgüterzüge, inkl. Rangierbewegungen auf Strecke
  • 61850–61999 Lokzüge Grenzbereich Basel
  • 62000–65999 Nahgüterzüge, inkl. Rangierbewegungen auf Strecke
  • 66900–69999 Extrazüge des Kombinierten Verkehrs mit Lademasüberschreitung (SIM-Extrazüge)
  • 70000–75999 Ganzzüge (Blockzug)
  • 80000–85999 Güterzüge geführt mit Triebfahrzeugen des Rangierdienstes (reduzierte Geschwindigkeit), inkl. Rangierbewegungen auf Strecke
  • 90000–90499 Cargo Express-Züge
  • 90500–90999 Postzüge
  • 91000–95999 Lokzüge
  • 96000–96999 Züge im Grenzbereich
  • 99000–99599 Lokzüge im Grenzbereich Basel

In den meisten Nummernlücken sind noch Extrazüge eingeteilt, die die Aufzählung unübersichtlich machen würden.

Nummernschema ehemalige Sowjetunion[Bearbeiten]

Bei den Bahnen der ehemaligen Sowjetunion werden die Zugnummern mehrfach vergeben (auch innerhalb einer Bahnverwaltung), wobei sich die Zugläufe von Zügen mit gleicher Nummer nicht berühren. Zur Unterscheidung von Schnellzügen mit gleicher Nummer werden für den internen Gebrauch Buchstaben angefügt. In vereinfachter Form gilt folgendes Nummernschema (mit russischer Bezeichnung in Klammern):

  • 0001–699 Schnellzüge (пассажирские поезда)
  • 0801–898 Nahverkehrszüge mit erhöhtem Komfort (электро- и дизель-поезда повышенной комфортности)
  • 0901–948 Post- und Gepäckzüge (почтово-багажные поезда)
  • 0951–969 Güterzüge mit Personenbeförderung (грузопассажирские поезда)
  • 2001–3900 Güterzüge (грузовые поезда)
  • 2001–3900 Nahverkehrszüge (пригородные поезда)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

(Liste Deutscher Zugnummern, mit zusätzlicher Feineinteilung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.era.europa.eu/Core-Activities/Interoperability/Pages/Documents.aspx
  2. Meldung Neue Zugnummern. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 6, Jahrgang 1999, ISSN 1421-2811, S. 226
  3. Eisenbahn-Kurier, Heft 2, 2006, S. 6
  4. SBB Nachrichtenblatt 9/1980