Neuf-Brisach

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Neuf-Brisach
Wappen von Neuf-Brisach
Neuf-Brisach (Frankreich)
Neuf-Brisach
Region Elsass
Département Haut-Rhin
Arrondissement Colmar
Kanton Neuf-Brisach (Hauptort)
Gemeindeverband Pays de Brisach.
Koordinaten 48° 1′ N, 7° 32′ O48.0180555555567.5286111111111195Koordinaten: 48° 1′ N, 7° 32′ O
Höhe 194–198 m
Fläche 1,33 km²
Einwohner 2.020 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 1.519 Einw./km²
Postleitzahl 68600
INSEE-Code
Website http://www.neufbrisach.fr

Neuf-Brisach (deutsch Neubreisach, elsässisch (Nei-)Brisach) ist eine französische Gemeinde mit 2020 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im gleichnamigen Kanton im Département Haut-Rhin in der Region Elsass. Sie ist Mitglied im Gemeindeverband Communauté de communes du Pays de Brisach, dessen Sitz sich im benachbarten Volgelsheim befindet.

Erbaut wurde die Stadt Anfang des 18. Jahrhunderts vom Festungsbauer Vauban zusammen mit seinem Geniedirektor Jacques Tarade, der sie als Planstadt im Form eines Achtecks mit zentralem Exerzierplatz, der heute als Marktplatz genutzt wird, und einem schachbrettförmig angelegten Straßennetz als Idealform einer Festungsstadt anlegte. In der Stadt gab es Unterkünfte für die Soldaten und Offiziere, Versorgungseinrichtungen, eine Kirche, Häuser für nicht-militärische Einwohner der verschiedenen Stände sowie eine beeindruckende Anlage aus Mauern, Gräben und Toren um die Stadt.

Da die Stadt in der Ebene angelegt wurde, war es möglich, die Idealform des Festungsbaus umzusetzen. Damit war die Stadtanlage repräsentativ für die Militärarchitektur des Barock, als unter Ludwig XIV. viele befestigte Städte an den französischen Grenzen angelegt wurden (siehe auch Saarlouis).

Die Festung Neuf-Brisach – eines der Meisterwerke Vaubans

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Oberrheinebene etwa drei Kilometer westlich des Rheinseitenkanals und des Rheins, der hier die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland ist, gegenüber der Stadt Breisach in Deutschland. Die Entfernung zum westlich gelegenen Colmar beträgt etwa 15 km. Das Stadtgebiet ist fast vollständig umgeben vom Gemeindegebiet Volgelsheims, im Westen grenzt der Ort Wolfgantzen an Neuf-Brisach. Östlich der Festungsanlagen verlief der alte Rhein-Rhone-Kanal, der auf diesem Streckenabschnitt durch den Rheinseitenkanal seine Bedeutung verloren hat.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem das stark befestigte Breisach wie das benachbarte Elsass im 17. Jahrhundert französisch geworden war, musste es 1697 nach dem Frieden von Rijswijk wieder an Österreich zurückgegeben werden. So wurde für Frankreich eine neue Grenzbefestigung am Rhein notwendig. Also beauftragte Ludwig XIV., der Sonnenkönig, seinen Festungsarchitekten Vauban mit dem Bau einer Gegenfestung zu Breisach. Dieser errichtete 1699 bis 1703 die damals größte Befestigungsanlage nach dem Muster einer barocken Reißbrettsiedlung. Das Baumaterial wurde auf dem eigens hierfür errichteten Schifffahrtskanal Canal de Rouffach (heute: Canal Vauban) aus den Vogesen herangeschafft. Die Kirche wurde allerdings erst 1736, das Rathaus 1758 erbaut, nachdem ein provisorischer Bau abgerissen worden war.

1743 widerstand die Festung einem Angriff der Österreicher. Außer diesem Ereignis spielte die Stadt nie eine Rolle in der europäischen Geschichte, nicht einmal in der regionalen Geschichte. Im Deutsch-französischen Krieg wurde Neuf-Brisach mit seiner Garnison von 5.500 Mann von deutschen Truppen der 4. Reserve-Division (ca. 15.000 Mann) unter General Wilhelm von Schmeling belagert. Die Belagerung währte vom 7. Oktober bis 10. November 1870 und endete mit der Kapitulation durch den französischen Kommandanten Lieutenant-colonel de Kerhor, dabei wurden 4.700 Mann und 100 Offiziere in deutsche Kriegsgefangenschaft überführt. Die Stadt war während der Belagerung einem neuntägigen Artilleriebeschuss ausgesetzt, was starke Zerstörungen verursachte. Von 280 Gebäuden wurden 60 völlig zerstört, 70 stark und 135 teilweise beschädigt, lediglich 15 Gebäude blieben unversehrt. Die Festungswerke wurden – mit Ausnahme der bastionierten Türme 3 und 5 sowie dem Straßburger und Colmarer Tor, die jeweils stark beschädigt wurden – nur leicht in Mitleidenschaft gezogen.[1] Während des Bombardements fand die Zivilbevölkerung in den Kasematten Schutz, so dass „kein Mann, keine Frau und kein Kind getötet oder verwundet worden war“.[2] Die Stadt wurde später wieder aufgebaut, wobei die Anlage militärisch jedoch bedeutungslos blieb. Man brach eine Bahnlinie durch den Festungswall. Die Stadt hatte aber, eingeengt durch die Festungsanlagen und die Garnison mit ihren Kasernenbauten, keine Entwicklungsmöglichkeiten. Sie ist heute zwar Hauptort eines Kantons (15.000 Einwohner), die Entwicklung findet aber in den benachbarten Gemeinden Biesheim und Volgelsheim statt. Seit der Auflösung der Garnison 1992 ist Neuf-Brisach fast reine Wohngemeinde für Pendler nach Colmar und in den Breisgau.

Heute besteht zwischen Breisach und Neuf-Brisach eine Rheinbrücke für den Straßenverkehr, die 1878 als Eisenbahnbrücke in Betrieb genommen worden war.

Neuf-Brisach – das Rathaus
Bevölkerungsentwicklung
1790 1851 1905 1936 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
1667 3893 3522 2150 2127 2580 2579 2205 2092 2207 2397

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus dem Bürgermeister (Maire), drei Beigeordneten und 15 weiteren Ratsmitgliedern. Maire ist Richard Alvarez.

Stadtgestalt[Bearbeiten]

Luftbild von Neuf-Brisach
Stadtplan Neuf-Brisach
Eindruck von den Festungsanlagen heute
Neuf-Brisach – die Kirche

Die Festungsstadt Neuf-Brisach ist geometrisch angelegt. Sie entspricht dem sogenannten bastionierten System, das Vauban verfeinert und in Neuf-Brisach zu seinem Gipfelpunkt gebracht hat. Die Verteidigung der Anlage besteht aus zwei Wällen; Einem Kampfwall, bestehend aus dem sanft ansteigenden Vorgelände, dem Glacis mit dem gedeckten Weg für die Infanterie, sowie diversen Vorwerken mit Artillerie (Kontergarden, Halbmonde, Zangenwerke), einem Sicherheitswall, versteckt hinter den Kampfwerken liegend, bestehend aus acht bastionierten Türmen und den Zwischenwällen. Die bastionierten Türme, als Schlüssel zur Nahverteidigung, werden durch die Kontergarden gegen Beschuss gedeckt. Die Geschütze des Kampfwalls bestreichen das Vorfeld vor dem Glacis. Das Glacis selbst wird mit Infanteriewaffen verteidigt. Erst nach Einnahme des Kampfwalls kann der Feind an den Sicherheitswall gelangen. Da dieser von außen nicht zerstört werden kann, sieht sich der Angreifer einer unbeschädigten Verteidigungsanlage gegenüber. Jeder bastionierte Turm verteidigt die beiden benachbarten Türme und wird von diesen verteidigt. Jeder Turm besitzt vier Geschütze auf einer Terrasse und vier weitere Geschütze in Kasematten. Der Zwischenwall ist gebrochen bzw abgesetzt, um vier zusätzliche Geschütze, zwei oben auf dem Wall sowie zwei in Kasematten zur Verteidigung der bastionierten Front (Teilstück des Walls zwischen zwei bastionierten Türmen) zu ermöglichen.

Neuf-Brisach wurde als Achteck angelegt, das an jeder Spitze einen bastionierten Turm besitzt. 20 Poternen (Durchgänge durch den Wall) und vier Prunktore ermöglichen schnelle Truppenbewegungen. Die moderne Festung ist niedrig, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Im Gegensatz zu mittelalterlichen Burgen, die oft auf schwer zugänglichen Höhen errichtet wurden, platzierte man die modernen Festungen an den Haupteinfallsstraßen. Die Infanterie konnte die Festungen wohl umgehen, nicht aber ihr Tross. Eine schwere Kanone wog immerhin an die zwei Tonnen. Eine Batterie von zehn 24-Pfündern verschoss an einem Tag zwölf Tonnen Kugeln und sechs Tonnen Pulver. Für den Transport dieses Kriegsgerätes waren feste Straßen erforderlich. Außerdem waren in der Stadt zwei Kavallerie-Regimenter stationiert, um auch eine weitläufige Umgehung zu stören.

Die Straßen sind um ein Quadrat rechtwinklig angeordnet. Die Häuserblöcke (50 x 50 m) sind gleich groß, ein zentraler Platz von 2 x 2 Blocks ist als Exerzier- und Appellplatz freigelassen. Alles in dieser Kleinstadt, selbst die Kirche, ist der militärischen Absicht untergeordnet. Der Marktplatz mit Rathaus befindet sich in Randlage zur Place d'Armes. Vier Tore liegen an den vier von der Place d'Armes wegführenden Straßen. Die Kasernen befanden sich rund um die Stadt hinter den Wällen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Befestigungsanlagen gehören seit 2008 zusammen mit anderen Werken in ganz Frankreich zum UNESCO-WeltkulturerbeFestungsanlagen von Vauban“.

Neben den Befestigungsanlagen und der erhaltenen Stadtstruktur gibt es ein Vauban-Museum im Belfort-Tor, das über die Stadtbaugeschichte informiert.

Luftbild der Befestigungsanlage von Neuf-Brisach

Partnerschaft[Bearbeiten]

Mit der französischen Gemeinde Meilhan-sur-Garonne in Aquitanien ist Neuf-Brisach seit 1988 partnerschaftlich verbunden. Diese Partnerschaft geht auf die Evakuierung von Einwohnern Neuf-Brisachs im Jahr 1939 zurück, die wie in vielen elsässischen Gemeinden aus Angst vor einem deutschen Einmarsch erfolgte.

Seit dem Jahr 2000 gibt es eine sehr lebendige Partnerschaft mit der benachbarten deutschen Schwesterstadt Breisach am Rhein. Kurioserweise nehmen dabei beide Partnerstädte den Namen Br(e)isach für sich in Beschlag. So bezeichnen die Elsässer Neuf-Brisach in der Regel nur als Brisach im Unterschied zu Vieux Brisach (bzw. elsässisch/alemannisch Altbrisach), während die deutsche Seite es mit der Unterscheidung Breisach/Neubreisach genau umgekehrt hält.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Wolff, Paul. 1874. Geschichte des Bombardements von Schlettstadt und Neu-Breisach im Jahre 1870. Berlin: F.Schneider & Co. S.60-70.
  2. Brockhoff, Franz. 1903. Geschichte der Stadt und Festung Neubreisach im Elsaß. Neubreisach. (Repr. {Nachdr.} Freiburg 2000). S.230.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neuf-Brisach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien