Klinoklas

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Klinoklas
Clinoclase-Cornwallite-Strashimirite-289142.jpg
Tiefblau glänzende Kristall-Aggregate von Klinoklas auf einer blaugrünen Matrix aus Cornwallit und Strashimirit (Gesamtgröße: 4,5 x 2,9 x 1,1 cm)
Andere Namen
  • Abichit
  • Aphanesit
  • Siderochalcit
  • Strahlerz
Chemische Formel

Cu3[(OH)3|AsO4][1]

Mineralklasse Phosphate und Arsenate
8.BE.20 (8. Auflage: VII/B.13) nach Strunz
41.03.01.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe Dunkelgrünblau bis fast Schwarz
Strichfarbe Bläulichgrün
Mohshärte 2,5 bis 3
Dichte (g/cm3) 4,38 bis 4,42[2]
Glanz Glasglanz bis Perlglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}[2]
Bruch uneben; spröde
Habitus nadelige Kristalle; radialstrahlige, nierige Aggregate; krustige Überzüge
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,730; nβ = 1,870; nγ = 1,910[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,180[3]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 30°; berechnet: 52°[3]

Klinoklas, bergmännisch auch als Strahlerz oder unter den synonymen Bezeichnungen Abichit, Aphanesit und Siderochalcit bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Cu3[(OH)3|AsO4][1], ist also chemisch gesehen ein basisches Kupfer-Arsenat.

Klinoklas ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt nur kleine, tafelige oder feinnadelige bis prismatische Kristalle bis etwa einem Zentimeter Länge. Meist findet er sich in Form radialstrahliger, rosettenförmiger oder nieriger Mineral-Aggregate und krustiger Überzüge. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig. Seine Farbe variiert zwischen einem dunklen Blaugrün bis fast Schwarz, auch seine Strichfarbe ist blaugrün.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Großaufnahme von durchsichtig blauen, nadeligen Klinoklaskristallen aus Wheal Gorland, Cornwall, England (Bildbreite: 1,8 mm)

Erstmals entdeckt wurde Klinoklas im Bergwerk „Wheal Gorland“ bei St Day in Cornwall (England) und beschrieben 1830 von Breithaupt, der das Mineral in Anlehnung an seine vollkommene Spaltbarkeit in Richtung der Basis nach den griechischen κλίυειυ [klinein] für neigen und κλαυ [klasein] für brechen benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Klinoklas zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur allgemeinen Abteilung der „Wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Cornetit und Gilmarit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Klinoklas ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings inzwischen präziser unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen und dem Verhältnis zwischen den weiteren Anionen und dem Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen (OH, etc.) : RO4 > 2 : 1“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 8.BE.20 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Klinoklas in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er als Namensgeber der „Klinoklasgruppe“ mit der System-Nr. 41.03.01 und den weiteren Mitgliedern Gilmarit und Lapeyreit innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)3(XO4)Zq“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Die Verbindung Cu3[(OH)3|AsO4] ist dimorph, das heißt sie kommt in der Natur neben der monoklin kristallisierenden Modifikation Klinoklas noch als trikline Modifikation Gilmarit vor.[2]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

radialstrahlig-nadeliger Klinoklas aus der Typlokalität St Day, Cornwall
Schuppiges Klinoklas-Aggregat aus der „Majuba Hill Mine“, Antelope, Pershing County, Nevada, USA (Größe: 2,2 x 2,2 x 1,1 cm)

Klinoklas bildet sich als typisches, wenn auch seltenes Sekundärmineral in der Oxidationszone arsenreicher, basischer Kupfererz-Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Cornubit, Cornwallit, Konichalcit und Olivenit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Klinoklas an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher (Stand: 2010) rund 110 Fundorte bekannt.[4] Neben seiner Typlokalität Wheal Gorland fand sich Klinoklas in Cornwall noch bei Carharrack, Redruth, St Ives, im Bergbaurevier St Just und bei Tavistock (Devon) gefunden werden.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Klinoklasfunde sind unter anderem die „Horný Bartolomej Mine“ bei Novoveská Huta (Vorderhütten) im Okres Spišská Nová Ves (Slowakei) und die „Majuba Hill Mine“ bei Antelope im Pershing County von Nevada (USA)

In Deutschland fand man Klinoklas unter anderem im Schwarzwald (Baden-Württemberg), Odenwald (Hessen), Siegerland (Nordrhein-Westfalen) und im Erzgebirge (Sachsen).

In Österreich wurde das Mineral bisher nur an der Gratlspitze und auf einer alten Halde bei Mockleiten nahe Rattenberg in Tirol gefunden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bulgarien, Chile, China, der Demokratischen Republik Kongo, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Marokko, Mexiko, Namibia, Portugal, Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[5]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Klinoklas kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 7,26 Å; b = 6,46 Å; c = 12,38 Å und β = 99,5° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Clinoclase – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 449.
  2. a b c Clinoclase, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 66 kB)
  3. a b c Mindat - Clinoclase
  4. Mindat - Anzahl der Fundorte für Klinoklas
  5. Fundortliste für Klinoklas beim Mineralienatlas und bei Mindat