Laumontit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Laumontit
Laumontite-ck31aa.jpg
Laumontit aus dem „Himalaya Pegmatit“ am Gem Hill, San Diego County, Kalifornien (Größe: 4,5 x 3 x 2,3 cm)
Andere Namen
  • Lomonit
  • Laumonit
  • Leonhardit
Chemische Formel

Ca[Al2Si4O12]·4H2O[1]

Mineralklasse Silikate und Germanate - Gerüstsilikate
09.GB.10 (8. Auflage: VIII/J.22) nach Strunz
77.01.01.04 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) C2/m (Raumgruppen-Nr. 12)
Farbe farblos, weiß bis grau, rosa, gelblich, bräunlich bis goldbraun
Strichfarbe weiß
Mohshärte 3 bis 4
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,23 bis 2,41; berechnet: 2,25[3]
Glanz Glasglanz, Perlglanz auf den Spaltflächen
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {010} und {110}[3]
Bruch uneben bis muschelig; spröde
Habitus prismatische bis säulige Kristalle mit viereckigem Querschnitt; radialstrahlige, faserige, massige Aggregate
Häufige Kristallflächen {110}, {201}, Streifung nach [001][4]
Zwillingsbildung nach {100}[3]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,502 bis 1,514; nβ = 1,512 bis 1,522; nγ = 1,514 bis 1,525[5]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,012[5]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 26° bis 47° (gemessen); 34° bis 44° (berechnet)[5]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten löslich in verdünnter Salzsäure, schmilzt vor dem Lötrohr
Besondere Kennzeichen weiße Fluoreszenz unter UV-Licht

Laumontit ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Er kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung ist Ca[Al2Si4O12]·4H2O[1], ist also chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calcium-Silikat. Gelegentlich kann ein Teil des Aluminiums durch Beryllium (Be) ersetzt sein[6]. Strukturell gehört Laumontit zu den Gerüstsilikaten und dort zur Gruppe der Zeolithe.

Laumontit entwickelt meist prismatische bis säulige Kristalle mit viereckigem Querschnitt, findet sich aber auch in Form radialstrahliger, faseriger und massiger Mineral-Aggregate. In reiner und unverwitterter Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von polykristalliner Ausbildung sowie durch den Verlust von Kristallwasser (Dehydratisierung) kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue, rosa, gelbliche oder bräunliche bis goldbraune Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Laumontit gibt bereits in trockener Umgebung mit der Zeit einen Teil seines Kristallwassers ab und sollte daher in luftdichten Behältern aufbewahrt werden. Dehydrierter Laumonit ist brüchig und kann schon unter geringer mechanischer Belastung zerfallen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Laumontit 1785 von dem französischen Mineralogen Gillet de Laumont (1747–1834)[7] in einem Blei-Bergwerk nahe der französischen Gemeinde Huelgoat (Bretagne). Beschrieben und benannt wurde das Mineral 1803 durch Abraham Gottlob Werner nach seinem Entdecker, jedoch zunächst in der Schreibweise Lomonit, um die französische Aussprache lautmalerisch wiederzugeben[8]. 1805 übernahm Robert Jameson Werners Beschreibung und Name in seinem Werk System of Mineralogy.[9]

Durch René-Just Haüy wurde die Schreibweise des Mineralnamens 1809 erneut geändert in Laumonit[10], bis schließlich Karl Cäsar von Leonhard 1821 die bis heute gültige Schreibweise Laumontit prägte.[11]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Laumontit zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate), mit Zeolithen“, wo er zusammen mit Boggsit, Dachiardit-Ca, Dachiardit-Na, Direnzoit, Edingtonit, Ferrierit-K, Ferrierit-Mg, Ferrierit-Na, Gottardiit, Mordenit, Mutinait und Terranovait die Untergruppe der „Faserzeolithe II“ mit der System-Nr. VIII/J.22 innerhalb der Zeolithgruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Laumontit ebenfalls in die Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten von einfach verbundenen Vierer-Ringen“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.GB.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Laumontit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er zusammen mit Analcim, Hsianghualith, Pollucit und Wairakit in der Gruppe „Analcim und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Als Leonhardit wird eine durch teilweisen Wasserverlust undurchsichtige und weiß angelaufene Varietät von Laumontit benannt. Benannt wurde sie 1843 durch Johann Reinhard Blum zu Ehren von Karl Cäsar von Leonhard (1779–1862).[12]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Heulandit (rosa), Laumontit (weiß) und Prehnit (grün) aus dem Passaic County, New Jersey (USA)
Knapp 10 Zentimeter langer Laumontitkristall aus der „Pine Creek Mine“, Inyo County, Kalifornien
Pseudomorphose von Prehnit nach Laumontit aus Mumbai, Maharashtra, Indien (Größe: 12,1 x 12,0 x 3,7 cm)

Wie andere Zeolithe, bildet sich auch Laumonit in Klüften von Basalt, Andesit, Granit oder verschiedenen metamorphen Gesteinen. Darüber hinaus wird Laumontit auch in hydrothermalen, kalkhaltigen Ablagerungen gebildet. Als Begleitminerale können weitere Zeolithe, aber auch Apophyllite und Chlorite, Calcit, Datolith, Heulandit und/oder Stilbit auftreten.

Als häufige Mineralbildung konnte Laumontit bereits an vielen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 1000 Fundorte als bekannt gelten.[13] Neben seiner Typlokalität Huelgoat trat das Mineral in Frankreich bisher noch bei Cambo-les-Bains in Aquitanien, bei Espira-de-l’Agly (Gemeinde Rivesaltes) in Languedoc-Roussillon, bei Arnave, Salau (Ariège), Port-d'Agrès und im Aure-Tal in Midi-Pyrénées sowie bei Saint-Michel-de-Chaillol in der Provence-Alpes-Côte d’Azur zutage.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Laumontitfunde ist unter anderem die Gruben in den Pandulena Hills in Indien, wo farblose und weiße, nadelige Kristalle von bis zu 38 Zentimetern Länge zutage traten. Ebenfalls aus Indien, genauer aus Poona und Mumbai kennt man Pseudomorphosen von Prehnit nach Laumontit. Immerhin bis zu 15 Zentimeter lange Kristalle konnten in der „Pine Creek Mine“ am Mount Morgan im Inyo County (Kalifornien) geborgen werden.[14]

In Deutschland fand man Laumontit unter anderem in der Grube Clara in Baden-Württemberg, an mehreren Stellen im Bayerischen Wald (Hauzenberg, Waldkirchen), bei Bornberg/Herbornseelbach und Hochstädten (Bensheim) in Hessen, bei Bad Harzburg und Sankt Andreasberg in Niedersachsen, am Clemensberg in Nordrhein-Westfalen, bei Baumholder, am Potschberg und Niederkirchen (Westpfalz) in Rheinland-Pfalz, am Petersberg bei Halle in Sachsen-Anhalt, im Bergbaubetrieb „Willi Agatz“ in Sachsen und bei Weitisberga in Thüringen.

In Österreich wurde Laumontit an vielen Orten in den Hohen Tauern und der Koralpe in Kärnten, am Mitterbachgraben in der Gemeinde Dunkelsteinerwald und an mehreren Orten im Waldviertel in Niederösterreich, im Gasteinertal und Habachtal in Salzburg sowie an einigen Stellen in der Steiermark, Tirol und Oberösterreich gefunden.

In der Schweiz trat das Mineral bisher vor allem in den Kantonen Graubünden (Albignagletscher, Tujetsch), Tessin (Valle Maggia), Uri und Wallis (Binntal, Goms)

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Algerien, der Antarktis, Argentinien, Australien, Aserbaidschan, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Dänemark, Ecuador, auf den Fidschiinseln, in Island, Indonesien, Iran, Italien, Japan, Kanada, Kirgisistan, Kuba, Madagaskar, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Nicaragua, Norwegen, auf den Philippinen, in Polen, Puerto Rico, auf Réunion, in Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Taiwan, Tansania, Thailand, Tschechien, der Türkei, der Ukraine, in Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[15]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Laumonit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 14,72 Å; b = 13,07 Å; c = 7,56 Å und β = 112,0° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Die Kristallstruktur besteht beim Laumontit aus einem [AlO4]- und [SiO4]-Tetraedergerüst mit Vierer-, Sechser- und Zehnerringen, die Kanäle und Käfige parallel [100] bilden.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Bartl, K. F. Fischer: Untersuchung der Kristallstruktur des Zeolithes Laumontit, In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte, 1967, S. 33-42
  • B. M. Madsen, K. J. Murata: Occurrence of Laumontite in the Tertiary sandstones of the central Coast Ranges of California USGS PP 700-D (1970), S. 188-195
  • A. B. Thompson: Laumontite equilibria and the zeolite facies, In: American Journal of Science, Band 269 (1970), S. 267-275
  • Bruce E. Miller, Edward D. Ghent: Laumontite and barian-strontian heulandite from the Blairmore Group (Cretaceous), Alberta, In: The Canadian Mineralogist, Band 12 (1973), S. 188-192 (PDF 456,1 kB)
  • H. Bartl: Strukturverfeinerung von Leonhardit, Ca[Al2Si4O12]·3H2O, mittels Neutronenbeugung, In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte 1990, S. 298-310
  • T. Armbruster, T. Kohler: Re- and dehydration of laumontite: a single crystal X-ray study at 100 K, In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte 1992, S. 385-397
  • Y. Lee, J. A. Hriljac, T. Vogt: Pressure-induced migration of zeolitic water in laumontite, In: Physics and Chemistry of Minerals, Band 31 (2004a), S. 421-428

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laumontite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
  2. Webmineral - Laumontite
  3. a b c Laumontite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 79,1 kB)
  4. a b  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 913.
  5. a b c Mindat - Laumontite
  6.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 792.
  7. Annales des Mines - Francois Pierre Nicolas GILLET de LAUMONT (1747-1834)
  8.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 263.
  9. R. Jameson: Lomonite, In: System of Mineralogy, Band II, Bell and Bradfute Edinburgh, U.K. 1805, S. 539-540 (PDF 100 kB)
  10. R. J. Haüy: Laumonite, In: Tableau Comparatif des Résultats de Cristallographie et de l'Analyse Chimique Relativement à la Classification des Minéraux, Courcier, Paris 1809, S. 195-196 (PDF 100 kB)
  11. K. C. von Leonhard: Laumontit, In: Handbuch der Oryktognosie, Mohr and Winter, Heidelberg 1821, S. 448-449 (PDF 133,4 kB)
  12. Mindat - Leonhardite
  13. Mindat - Anzahl der Fundorte für Laumontit
  14.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 275 (Dörfler Natur).
  15. Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat