Lensahn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lensahn
Lensahn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lensahn hervorgehoben
54.21944444444410.88333333333317Koordinaten: 54° 13′ N, 10° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Ostholstein
Amt: Lensahn
Höhe: 17 m ü. NHN
Fläche: 27,7 km²
Einwohner: 5038 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 182 Einwohner je km²
Postleitzahl: 23738
Vorwahlen: 04361, 04363
Kfz-Kennzeichen: OH
Gemeindeschlüssel: 01 0 55 027
Adresse der Amtsverwaltung: Eutiner Straße 2
23738 Lensahn
Webpräsenz: www.lensahn.de
Bürgermeister: Klaus Winter (CDU)
Lage der Gemeinde Lensahn im Kreis Ostholstein
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Lensahn ist eine Gemeinde im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein. Die hauptamtlich verwaltete Gemeinde führt die Verwaltungsgeschäfte für das gleichnamige Amt durch, dem sie auch angehört. Zur gleichnamigen Yacht siehe Lensahn (Schiff).

Geschichte Lensahns[Bearbeiten]

Die älteste Urkunde, die Lensahns Existenz beweist, stammt aus dem Jahr 1222. In ihr wird der Name „Linsane“ in einem Kaufvertrag erwähnt und „Rotbertus de Linsane“ als Zeuge genannt. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und bedeutet übersetzt so viel wie „Bewohner des unbebauten Neulandes“.[2] Versuche einer Ableitung des Ortsnamens aus der niederdeutschen Sprache konnten sich nicht durchsetzen. Der alte Name „Linsane“ sollte demnach „ein mit Leinsaat bestelltes Feld“ kennzeichnen.[3] 1245 war dann der Baubeginn der backsteingotischen Dorfkirche als Gründung der Schauenburger Landesherren. Ein gewisser Eggert von Heesten wurde 1440 der erste urkundlich genannte Besitzer von Lensahn. Zehn Jahre später 1450 erwarb Hartwig von Buchwald das Gut Lensahn, der wiederum zehn Jahre danach von Mathias von Ratlau abgelöst wurde.

Mehrere Pestepidemien werden in den Kirchenchroniken erwähnt und auch die Hinwendung zum lutherischen Glauben wird ab 1542 bestätigt, da die Reformation in den Herzogtümern Lensahn insgesamt 36 Hufe (zusammen mit Wendisch-Lensahn und Beschendorf) bescheinigt.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Im Jahre 1622 wurde die Glocke „Petrus“ gegossen – sie läutet heute noch im Turm der Kirche. Kaiserliche Truppen unter Tilly plünderten und verwüsteten 1628 Lensahn, das 1633 mit Detlef Ratlow zu Lensahn abermals einen neuen Besitzer erhielt. Noch einmal wurde Lensahn 1643 durch eine schwedische Besatzung heimgesucht.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Eine Einquartierung während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) hatte für das nunmehr kleine Dorf keine negativen Folgen.

St. Katharinen

Der 1760 amtierende Pastor Hartmann machte Lensahn zum holsteinischen Heiratsparadies und warb gleichzeitig für die Einführung der Kartoffel. 1769 gingen Koselau, Sebent, Lübbersdorf, Kuhof, Kremsdorf, Bollbrügge, Sütel und Sievershagen in den Besitz der großherzoglichen Familie über (sogenannte „jüngere Fideikommißgüter“). 1795 ließ Herzog Peter Friedrich Ludwig Arbeits- und Industrieschulen (Handarbeitsunterricht für die weibliche Jugend) in Lensahn und Beschendorf gründen. Zur Vorbereitung auf die Entlassung aus der Leibeigenschaft wurde in praktischen Fertigkeiten wie Spinnen, Stricken, Stopfen, Nähen etc. unterrichtet.

Mit dem Ende der Leibeigenschaft in Lensahn gründete Pastor Petersen im Jahre 1798 eine Ökonomische Lesegesellschaft (also eines Verein zur Beschaffung landwirtschaftlicher Fachliteratur). Die Hufner wurden Zeitpächter und erhielten Pachtverträge, die alle Rechte und Pflichten genau regelten.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahre 1828 erfolgte die Gründung des Wagrischen Landwirtschaftlichen Vereins in Lensahn, daraus wurde dann 1834 der Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftliche Generalverein. Außerdem wurde von 1832–1848 der Bau der Chaussee von Eutin nach Lensahn vorangetrieben. In den Revolutionsjahren 1848/1849 erhob sich Schleswig-Holstein gegen die dänische Regierung, in Lensahn wurde eine Kampfgenossenschaft gebildet. Doch erst nach dem Deutschen Krieg 1867 wurden die Herzogtümer Schleswig und Holstein in das Königreich Preußen eingegliedert. Die Einführung der allgemeinen preußischen Wehrpflicht von drei Jahren führte zur verstärkten Auswanderung in die USA. 1890 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Lensahn.

WILAG, Standard Super von 1948, Bakelitgehäuse

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

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1945 wurden die Lensahner Reichsgetreidehalle und die angrenzende Rübenschnitzelfabrik Ausweichstelle der GEMA (Nachrichtenmittelversuchskommando Kiel/Pelzerhaken, GEMA-Werke Berlin) Ende Mai als Rüstungsbetrieb aufgelöst. Im Juni 1945 wurden die Mechanischen Werkstätten Lensahn (MWL) gegründet, danach die Willisen-Apparatebau Gesellschaft (WILAG) als Nachfolgefirmen (unter anderem Herstellung von Radios, ab 1946 in Gebäuden am Grünen Hirsch).[4] Nach dem Konkurs der WILAG 1949 übernahm die Greiling-Zigarettenfabrik das im Bau befindliche Fabrikgebäude der WILAG und stellte am Grünen Hirsch Zigaretten her. Es folgte eine Strumpfhosenfabrikation von Opal am selben Ort, danach begann Transcodan, heute Codan, mit der Fertigung und dem Vertrieb von medizinischen Einmal-Übertragungssystemen am Grünen Hirsch.

Politik[Bearbeiten]

Von den 21 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2008 zehn Sitze, die SPD sechs, die Wählergemeinschaft FWV drei und die FDP hat zwei Sitze. Bürgervorsteher ist Volker Bäuerle (CDU).

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt und halb gespalten. Oben in Blau ein goldenes Damwildgeweih auf dem Schädelknochen, unten rechts in Rot eine goldene Ähre, links die beiden Oldenburger Balken rot in Gold.“[5]

Das Lensahner Wappen wurde erst 1950 genehmigt. Während die goldene Ähre den früher vorwiegend landwirtschaftlichen Charakter der Gemeinde andeutet, bezieht sich das Damwildgeweih auf die früher bedeutenden Damwild-Bestände im Lensahner Umkreis. Da Lensahn über mehrere Jahrhunderte Bestandteil der gottorfischen und später oldenburgischen Fideikommissgüter war, wurden zur Erinnerung daran die roten Querbalken in Gold aus dem Oldenburger Schild entnommen.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Lensahn ist Sitz des deutschen Medizinbedarfsunternehmens CODAN.

Lensahn ist Sitz des deutschen Medizinunternehmens Gynemed, einem der führenden Unternehmen in der Reproduktionsmedizin.

Die VR Bank Ostholstein Nord - Plön eG ist mit ihrem Verwaltungszentrum in Lensahn vertreten.

Landwirtschaftsmuseum Museumshof Lensahn[Bearbeiten]

Historische Landwirtschaft und altes Handwerk sind die Schwerpunkte des Museums. Das Hauptgebäude beherbergt alte Geräte der Hauswirtschaft und Werkzeuge. In der Maschinenhalle und der Feldscheune sind landwirtschaftliche Geräte (1850–1960) wie Trecker, Mähdrescher und Feldbearbeitungsgeräte zu besichtigen. Auf dem Hofplatz befinden sich ein Brunnen aus dem Jahr 1797 sowie Geräte zum Ausprobieren, beispielsweise Schleifsteine, Mahlsteine, ein Balken zum Durchbohren mit Muskelkraft. Heimische Haustiere lassen sich streicheln. Es werden alle Getreidesorten und auch Tabak, Senf und Hanf angebaut. Bauerngarten und Kräuterspirale laden zum Staunen ein. Der Naturlehrpfad mit über 362 verschiedenen Arten von Waldbäumen, Büschen und 236 verschiedenen alten Obstbaumsorten (alle im Hochstamm) auf 2,4 km Länge führt unter anderem zu Teichbiotopen, zum Steingeschiebegarten und dem Duft- und Färbergarten.

Sport[Bearbeiten]

Lensahn ist Austragungsort eines Ultratriathlon-Wettbewerbes. 1998, 2000, 2003 und 2007 fand in dessen Rahmen die Weltmeisterschaft der International Ultratriathlon Association (IUTA) über die Dreifach- Langdistanz statt, 2001 die Europameisterschaft[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Lensahn geboren[Bearbeiten]

Mit Lensahn verbunden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Stock: Lensahn – Geschichte eines Dorfes. Chronik der Gemeinde Lensahn. Lensahn 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lensahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Laur, Wolfgang: Die Ortsnamen in Schleswig-Holstein mit Einschluss der nordelbischen Teile von Groß-Hamburg und der Vierlande, Schleswig 1967, S. 140f.
  3. Oldekop, Henning: Topographie des Herzogtums Holstein, Band I., Kiel 1908, S. 95.
  4. Zeitreise: Röhrenradios aus Lensahn, Sendung des Norddeutschen Rundfunks vom 16. Januar 2011, gesehen 15. Februar 2011
  5. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  6. Schlothfeld, Hans: Schleswig-Holsteinische Kreis- und Ortswappen, Neumünster 1960, S. 60
  7. Ergebnisarchiv Int. Triple-Ultra-Triathlon Lensahn 1992–2007 (PDF; 29 kB)