Loßburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Loßburg
Loßburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Loßburg hervorgehoben
48.4113888888898.4530555555556666Koordinaten: 48° 25′ N, 8° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Freudenstadt
Höhe: 666 m ü. NHN
Fläche: 79,26 km²
Einwohner: 7388 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 93 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72290
Vorwahl: 07446
Kfz-Kennzeichen: FDS, HOR
Gemeindeschlüssel: 08 2 37 045
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 50
72290 Loßburg
Webpräsenz: www.lossburg.de
Bürgermeister: Christoph Enderle
Lage der Gemeinde Loßburg im Landkreis Freudenstadt
Landkreis Böblingen Landkreis Calw Landkreis Rastatt Landkreis Rottweil Landkreis Tübingen Ortenaukreis Zollernalbkreis Alpirsbach Bad Rippoldsau-Schapbach Baiersbronn Dornstetten Empfingen Eutingen im Gäu Freudenstadt Glatten Grömbach Horb am Neckar Loßburg Pfalzgrafenweiler Schopfloch (Schwarzwald) Schopfloch (Schwarzwald) Seewald Waldachtal WörnersbergKarte
Über dieses Bild

Loßburg ist ein Luftkurort und eine Gemeinde im Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung von Loßburg entspringt die Kinzig, die nach 93 km bei Kehl in den Rhein mündet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gesamtgemeinde Loßburg besteht aus den acht Ortsteilen Loßburg, Betzweiler, Lombach, Schömberg, Sterneck, 24-Höfe, Wälde und Wittendorf mit insgesamt 64 Dörfern, Weilern, Zinken, Höfen und Häusern.

→ Siehe auch: Liste der Orte im Landkreis Freudenstadt

Die offizielle Benennung der Ortsteile mit Ausnahme des Ortsteils Loßburg erfolgt in der Form „Loßburg – …“. In den Ortsteilen mit Ausnahme des Ortsteils Loßburg zudem sechs Ortschaften im Sinne der baden-württembergisch Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet, wobei die Ortsteile Betzweiler und Wälde zu einer Ortschaft zusammengefasst werden. In einigen Ortschaften wird die Unechte Teilortswahl entsprechend angewandt, das heißt das Wahlgebiet zur Wahl des Ortschaftsrats ist in mehrere Wohnbezirke gegliedert.

Im Gebiet des Ortsteils Lombach liegt die Wüstung Stehelinshof zu Vischach.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Loßburger Gebiet unterstand ursprünglich offensichtlich den Grafen von Sulz. Durch die Heirat einer Tochter des Grafen Berthold von Sulz mit Walther von Tiersberg († 1235, Linie Tiersberg / Geroldseck) muss der Besitz an die Geroldsecker übergegangen sein. Der Sohn Walther (2), jetzt von Geroldseck genannt, heiratete 1252 Heilika von Finstingen.[3] Um diese Zeit bauten die Geroldsecker, die späteren Hohengeroldsecker mit ihrer Burg zwischen Schuttertal und Kinzigtal, die „Loseburch“ mit dem als Stadt geplanten Ort. Eine Stadtrechtsverleihung liegt allerdings nicht vor. Nach einer dendrochronologischen Untersuchung eines Eichenbalkens der Burg Loßburg lag die Bauzeit zwischen 1252 und 1273.[4]

Vom Kinzigursprung zogen die Geroldsecker einen Wassergraben (ahd. losi) zu ihrer neuen Burg und bauten die Höhenburg entsprechend ihrer Stammburg Lahr zur Wasserburg aus. Adolf Bach leitet Ortsnamen mit Loose oder Losen von „losi“ (= Wasserabzugsgraben) ab. Dr. Schöck, Leiter der Landesstelle für Volkskunde in Stuttgart, sieht eine solche Ableitung auch für Loßburg zutreffend.[5] Der Ort ist erstmals 1282 als „Loseburch“ urkundlich erwähnt worden und erhielt 1301 das Marktrecht.
siehe auch Burg Loßburg

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Der von der Kinzig abgeleitete Wassergraben, heute Mühlbach genannt, lieferte einst für den Ort eine nur geringe Wassermenge. Daher wurden in den Verkündungen zu Loßburg aus dem Jahre 1539 strenge Regelungen für den Wasserverbrauch der Kinzig erlassen. Die Bestimmungen gehen auf Verfügungen der Geroldsecker aus dem 15. Jahrhundert zurück. Es wurde ein besonderer Wasserschöpfplatz angelegt, um alle gleich, d.h. gerecht zu behandeln. Eine Teuchelleitung gab es damals noch nicht. Das Wasser soll bis Samstagmittag zur Mühle gehen und von keinem „armen Mann“ genommen werden, um die Wiesen zu bewässern. Die Herrschaft besaß dafür das Vorrecht für vier Wochen. Der Wassergraben soll einen halben Schuh tief gehalten werden. Im Ort dürfen im Graben keine Windeln gewaschen werden. Waschwasser soll in einen Kübel geschöpft werden. Danach soll das übriggebliebene Wasser nicht weggeschüttet, sondern in den Nebenbach geleitet werden. Davon können dann die Sprachhäuser (Abtritte, Aborte) und die Schweineställe gereinigt werden.[6]

Amtszugehörigkeit[Bearbeiten]

Die Geroldsecker verpfändeten ihre Herrschaft 1468 an das Haus Württemberg, das somit Landesherr wurde. Grundeigentümer war ab 1501 das Kloster Alpirsbach. In den Bauernkriegen spielte der Loßburger Bauernführer Thomas Maier eine große Rolle, er wurde nach der Böblinger Schlacht 1525 enthauptet.

Die in Württemberg durchgeführte Reformation führte zur Säkularisierung des Klosters Alpirsbach. Loßburg kam so zum neugeschaffenen Klosteramt Alpirsbach. Im Zuge der Verwaltungsneugliederung Württembergs kam der Ort Anfang des 19. Jahrhunderts zum Oberamt Freudenstadt, dem Vorläufer des heutigen Landkreises.

Religionen[Bearbeiten]

Seit der Reformation ist Loßburg evangelisch geprägt, dennoch gibt es auch in Loßburg eine Römisch-Katholische Kirche, benannt nach dem Heiligen St. Martin. Neben den Gemeinden gibt es auch eine Ortsgruppe der Liebenzeller Gemeinschaft. Außerdem findet man ein neuapostolisches Gotteshaus.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1938: Eingemeindung von Rodt
  • 1. Januar 1971: Vereinigung von Betzweiler und Wälde zur neuen Gemeinde Betzweiler-Wälde
  • 1. September 1971: Eingemeindung von Sterneck
  • 1. Juli 1974: Eingemeindung von Vierundzwanzig Höfe, Lombach, Schömberg und Wittendorf
  • 1976: Umgemeindung von Hardthöfle (zuvor Alpirsbach) nach Loßburg
  • 1. Januar 2007: Eingemeindung von Betzweiler-Wälde

Mit Bürgerentscheid vom 26. März 2006 entschied sich die Bürgerschaft der Gemeinde Betzweiler-Wälde, die am 1. Januar 1971 aus den Orten Betzweiler und Wälde entstanden war, mehrheitlich für eine Eingemeindung nach Loßburg. Die Eingliederung Betzweiler-Wäldes erfolgte dann zum 1. Januar 2007.[7]

Politik[Bearbeiten]

Wappen auf Tafel am Ortseingang

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2014 ergab folgende Sitzverteilung:

FWV 12 Sitze
CDU 3 Sitze
SPD 3 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Blau auf einem grünen Hügel ein silberner Turm, darüber der weiße / silberne Buchstabe 'L'. Der grüne Schildfuß ist als heraldisches Beizeichen zu werten.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Von wirtschaftlicher Bedeutung ist unter anderem der Tourismus. Loßburg, Rodt und Ödenwald sind als Luftkurorte anerkannt.

Verkehr[Bearbeiten]

Loßburg liegt an der Bundesstraße 294 (BrettenFreiburg) und an der Kinzigtalbahn (FreudenstadtHausach). Direktverbindungen gibt es Richtung Freudenstadt und Offenburg. Die Kreisstadt Freudenstadt ist sieben Kilometer entfernt.

Bildung[Bearbeiten]

Im Bildungszentrum Loßburg gibt es eine Grundschule, eine Hauptschule mit Werkrealschule und eine Realschule. Außerdem gibt es noch eine gemeinsame Grundschule für die Ortsteile Wittendorf und Lombach.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Arburg ist ein Hersteller von Kunststoff-Spritzgießmaschinen und der entsprechenden Zusatzausstattungen mit Niederlassungen in insgesamt 70 Ländern. Im Stammwerk in Loßburg arbeiten über 1.650 Mitarbeiter.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Loßburg liegt am Kinzigtäler Jakobusweg, der von Rottenburg am Neckar über Schutterwald nach Straßburg an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei führt. Besondere Anziehungspunkte für Touristen in Loßburg sind:

  • Die Burgruine Sterneck
  • Die „Historische Heimbachmühle“, eine Mühle aus dem 13. Jahrhundert (heute Hotelgasthof) in Betzweiler
  • Die „Alte Kirche“ (heute Café und Gasthaus) in Unterbrändi (Sterneck)
  • Der „Vogteiturm“, ein 35 m hoher Aussichtsturm unweit nordwestlich des Ortes

Museen[Bearbeiten]

Loßburg verfügt über ein Schwarzwald- und Heimatmuseum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • 1901, 3. April, Rudi Paret (im Ortsteil Wittendorf), † 31. Januar 1983 in Tübingen, deutscher Islamwissenschaftler und Koranübersetzer.
  • 1902, 18. Januar, Ernst Huber (im Ortsteil Sterneck), † unbekannt, Politiker (NSDAP), Landtags- und Reichstagsabgeordneter

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Der Lautenspieler, Musiker und Komponist Ben Salfield lebte in Loßburg als Kind.

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

Motorradgottesdienst[Bearbeiten]

Jeden Juli findet auf dem EC-Lebenshof in Sterneck ein Gottesdienst für Motorradfahrer mit schätzungsweise 200 Besuchern statt.

Naturschutzgebiet Heimbachaue[Bearbeiten]

Zwischen den Ortsteilen Betzweiler und Wälde liegt das Naturschutzgebiet Heimbachaue. Zahlreiche vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere haben hier einen Schutz und Lebensraum gefunden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Loßburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Quellen für den Abschnitt Gemeindegliederung:
    Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 647–652
    Hauptsatzung der Gemeinde Loßburg vom 9. Januar 2007 (PDF; abgerufen am 21. August 2008)
  3. Vgl. Bühler, Christoph, Die Herrschaft Geroldseck, Stuttgart 1981, S, 140-142 und S. 168f
  4. Vgl. Hofmann, Jutta, Gutachten "Jahrringlabor Hofmann, Nürtingen, Auftragsnummer 190391 und 190392, in: Gemeindearchiv Loßburg, und Saile, Hans, Geschichtlicher Abriss von Loßburg und seinen Teilorten, Freudenstadt 1999, S. 18
  5. Vgl. Bach, Adolf, Deutsche Namenkunde, Bd. II/1, § 299, Heidelberg 1981.
  6. Quellennachweis: Hauptstaatsarchiv Stuttgart: A 470, Bü 73, fol. 1-7; H 102/2, Bd. 10, fol. 18-19
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007