Markus-Passion (J. S. Bach)

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Die Markus-Passion, BWV 247, ist eine oratorische Passion von Johann Sebastian Bach, die das Leiden und Sterben Jesu Christi nach dem Evangelium nach Markus zum Thema hat. Während das Libretto von Picander in einer Gedichtsammlung vollständig erhalten ist, gilt die Musik als verschollen, im Gegensatz zur vollständig erhaltenen Matthäus-Passion und Johannes-Passion; die Lukas-Passion gilt als weitestgehend nicht authentisch.

Die Markus-Passion wurde am Karfreitag am 23. März 1731 in Leipzig uraufgeführt. Vor kurzem wurde zudem nachgewiesen, dass Bach diese Passion selber mindestens noch einmal, nämlich am Karfreitag des Jahres 1744, in einer überarbeiteten Version (Spätfassung) aufgeführt hat. Dazu fügte er neben der Änderung kleinerer Textpassagen zwei weiteren Arien hinzu.[1]

Obwohl die Musik verschollen ist, kann das Werk durch das vollständig erhaltene Libretto der Frühfassung von 1731 und der Spätfassung von 1744 bis zu einem gewissen Grade rekonstruiert werden. Im Gegensatz zu den beiden anderen authentischen erhaltenen Passionen war die Markus-Passion wohl eine Parodie, d. h., Bach verwendete Sätze von bereits zuvor komponierten Werken wieder, beispielsweise aus zwei geistlichen Kantaten (Widerstehe doch der Sünde, BWV 54; Laß Fürstin, laß noch einen Strahl, BWV 198). Zwei Choräle aus der Markus-Passion wurden im Weihnachtsoratorium wiederverwendet. So fehlen jedoch noch einige Arien, welche bei Rekonstruktionsversuchen aus anderen Werken Bachs genommen werden. Die Rezitative sind jedoch verschollen, so dass einige Rekonstruktionsversuche die Rezitative aus Markus-Passionen anderer Komponisten gebrauchen, z. B. der Reinhard Keiser zugeschriebenen. Bach selbst führte die Keiser zugeschriebene Passion mindestens zweimal auf.

Zu den zahlreichen Rekonstruktionsversuchen zählen u. a. jene von Diethard Hellmann (1964/1976), Gustav Adolf Theill (1978), Andor Gomme (1997), Rudolf Kelber (1998), Ton Koopman (1999), Johannes Koch (1999; basierend auf Hellmans Version von 1976) und Alexander Ferdinand Grychtolik (2007 nach dem Text der Frühfassung von 1731 sowie 2010 als Erstveröffentlichung nach dem Text der Spätfassung von 1744).

Neben diesen Rekonstruktionsversuchen stellt die moderne Ergänzung Und ich erzähle (1993) von Otfried Büsing, nach Texten von Walter Jens (Neuübertragung des Markus-Evangeliums), eine weitere Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dem Bachschen Fragment dar.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Tatjana Schablina, „Texte zur Music“ in St. Petersburg – Weitere Funde, in: Bach-Jahrbuch 2009, S. 11–48.

Weblinks[Bearbeiten]