Ich armer Mensch, ich Sündenknecht

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Bachkantate
Johann Sebastian Bach 1746.jpg
Ich armer Mensch, ich Sündenknecht
BWV: 55
Anlass: 22. Sonntag nach Trinitatis
Entstehungsjahr: 1726
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Solokantate
Solo: T
Chor: S A T B
Instr: Ft Oa 2Vn Va Bc
Text
unbekannt
Liste der Bachkantaten

Ich armer Mensch, ich Sündenknecht (BWV 55) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den 22. Sonntag nach Trinitatis, den 17. November 1726.

Geschichte und Worte[Bearbeiten]

Bach schrieb die Kantate, seine einzige erhaltene Solo-Kantate für Tenor, in seinem vierten Jahr in Leipzig für den 22. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 17. November 1726 erstmals auf.[1]

Die vorgeschriebenen Lesungen waren Phil 1,3–11 LUT und Mt 18,23–35 LUT, das Gleichnis vom Schalksknecht. Der unbekannte Textdichter betont, vom Evangelium ausgehend, in der ersten Arie den Gegensatz "Er ist gerecht, ich ungerecht". Die Sätze 3 und 4 beginnen beide mit den Worten Erbarme dich. Der Schlusschoral ist die sechste Strophe von Werde munter mein Gemüte von Johann Rist (1642). Bach benutzte den Vers ein weiteres Mal in seiner Matthäus-Passion, nach der Arie Erbarme dich, in der Petrus bereut, Jesus verleugnet zu haben.

Besetzung und Aufbau[Bearbeiten]

Die Kantate ist gesetzt für Tenor-Solisten, vierstimmigen Chor im Schlusschoral, Traversflöte, Oboe d'amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

1. Arie: Ich armer Mensch, ich Sündenknecht
2. Recitativo: Ich habe wider Gott gehandelt
3. Aria: Erbarme dich! Laß die Tränen dich erweichen
4. Recitativo: Erbarme dich! Jedoch nun tröst ich mich
5. Choral: Bin ich gleich von dir gewichen

Musik[Bearbeiten]

Ein dichter polyphoner Satz von Flöte, Oboe d'amore und zwei Violinen, ohne Viola, begleitet die erste Arie. Die Motive scheinen (nach John Eliot Gardiner) die unsicheren Schritte und die Verzweiflung des Dieners zu illustrieren, der vor seinen Herrn zitiert wird.[1] Die zweite Arie ist ebenso ausdrucksvoll, begleitet von einer virtuosen Flöte. Das erste Rezitativ ist secco, das zweite durch Haltetöne der Streicher bereichert.

Den abschließenden Choral, Text und Melodie setzte Bach auch in seiner Matthäuspassion ein, dort in einem komplexeren vierstimmigen Satz. Der Text erscheint in Bachs Werken nur an diesen beiden Stellen, während die Melodie häufiger vorkommt, zum Beispiel als Abschluss beider Teile der Kantate Herz und Mund und Tat und Leben.

Gardiner schließt aus dem Autograph, dass zumindest die drei letzten Kantatensätze früher komponiert wurden, vielleicht in Weimar als Teile einer verlorenen Passion.[1]

Einspielungen[Bearbeiten]

LP / CD
DVD

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c John Eliot Gardiner: Cantatas for the Twenty-second Sunday after Trinity All Saints, Tooting (englisch) solideogloria.co.uk. 2000. Abgerufen am 25. Oktober 2010.

Weblinks[Bearbeiten]