Martin Greif

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Dichter Martin Greif. Zum US-amerikanischen Autor und Hochschullehrer Martin Greif siehe Martin Greif (Autor), zum deutschen Schauspieler Martin Greif siehe Martin Greif (Schauspieler).
Martin Greif 1898.jpg
Martin Greif, gemalt von Hans Thoma
Ankündigung des Trauerspiels „Agnes Bernauer“
Martin Greif, Porträt in der Martin-Greif-Stube in Speyer
Inschriftentafel in der Webergasse 1 in Speyer

Martin Greif (eigentlich Friedrich Hermann Frey; * 18. Juni 1839 in Speyer; † 1. April 1911 in Kufstein) war ein deutscher Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Hermann Frey war der Sohn des Regierungsdirektors Max Frey (vormals Kabinettsrat des Königs Otto von Griechenland) und dessen Gattin Adelheid Friederike Ehrmann, Tochter des Speyerer Kreismedizinalrates Christian Ehrmann (genannt Stellwag), dem Adoptivsohn des Mediziners und Goethefreundes Johann Christian Ehrmann. Die Mutter war in ihrer Jugend von dem späteren Speyerer Bischof und Kölner Kardinal Johannes von Geissel als Hauslehrer betreut worden.[1]

Der Vater wurde nach München versetzt, wohin die Familie übersiedelte. Nach dem Abitur trat Martin Greif in das bayrische Militär ein, wurde 1859 Offizier, nahm aber 1867, um ganz seiner Neigung zur schönen Literatur folgen zu können, seinen Abschied und ließ sich als freier Schriftsteller in München nieder, von wo aus er Reisen nach England, in die Niederlande, nach Spanien, Dänemark, Italien und andere Ländern unternahm. Bereits 1862 hatte er den Dichter Friedrich Rückert in Neuses besucht.[2]

Durch Vermittlung Eduard Mörikes erschienen 1868 bei Cotta Gedichte unter dem Pseudonym Martin Greif, das er seit 1882 auch als bürgerlichen Namen führen durfte. 1869 zog er nach Wien, wo durch Vermittlung Heinrich Laubes viele seiner Stücke mit Erfolg am Burgtheater aufgeführt wurden. Nach Laubes Weggang vom Burgtheater ging Greif nach München zurück und schrieb vaterländische Stücke für das bayerische Hof- und Nationaltheater.

Nach langem Leiden starb Greif im Alter von 71 Jahren im Krankenhaus in Kufstein. Sein Grabmal, 1912 von dem Bildhauer Hermann Lang geschaffen, ist auf dem Friedhof der Kirche St. Peter und Paul in Zangberg (Ortsteil Palmberg) in der Nähe von Ampfing (bei Mühldorf am Inn) erhalten.

Zahlreiche Gedichte von Martin Greif wurden vertont.[3] Sein Drama über Agnes Bernauer gehört bis heute zum Repertoire des Bayerischen Laientheaters, z.B. in Vohburg an der Donau.[4]

In Bayern und der Pfalz sind zahlreiche Straßen nach Martin Greif benannt, u.a. in München, Regensburg und Ludwigshafen am Rhein. 2011 wurde in Speyer mit der Martin-Greif-Stube ein kleines Literaturmuseum zu Leben und Werk des Dichters eingerichtet.

Martin Greifs Onkel war Speyerer Kreisarchivar und Maler Peter Gayer (1793-1836), sein Cousin dessen Sohn Karl Gayer (1822-1907), Professor der Forstwirtschaft und Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität in München.[5]

Urteile[Bearbeiten]

In einer zeitgenössischen Rezension des Stückes Conradin schließt sich Hermann Bahr dem Urteil von Richard M. Meyer an:

„ich kann an 'solcher Dilettantenarbeit' höchstens 'die löbliche Gesinnung schätzen'“

Hermann Bahr: Neues Wiener Tagblatt, 36 (1902) #62, 8. (4. März 1902)

Zu einem völlig anderen Urteil über Greifs Arbeit kommt die neuzeitliche Literaturwissenschaftlerin Katharina Junk. Sie schreibt hinsichtlich seiner italienischen Gedichte:[6]

Greifs Italienlyrik besitzt einen fast volksliedhaften Charakter, wozu die einfachen Reim- und Versstrukturen und die Klarheit der Sprache beitragen. Zudem offenbart sich die Naturlyrik als ein bisher kaum beachtetes Element seines schriftstellerischen Könnens. Italienische Szenerien zeigen sich dabei zumeist als Orte der Trauer, des Übersinnlichen und des Memento Mori.

Rezension von Martin Greifs Italiengedichten im Web

Josef Steinbichler vom Heimatverein Töging am Inn schreibt in einem Zeitungsartikel zum 100. Todestag des Dichters:[7]

Greif ist, was seine Verse anbelangt, gleich neben Mörike zu stellen. Seine Verse haben einen Klang, gleichsam aus der Seele geschöpft, wie wir ihn nur bei diesem Altmeister der poetischen Lyrik vorfinden. Es ist die hohe Kultiviertheit der Sprache, die den auf den ersten Blick bescheiden wirkenden Strophen etwas Ewiges verleiht. Wir müssen aber auch zugeben, dass von den etwa 1100 Versen, die in dem im Jahr 1909 erschienenen „Buch der Lyrik“ zu finden sind, nur vielleicht der zehnte Teil heute noch bestehen kann. Gelegenheitsgedichte wie der „Lobgesang auf den Sieg von Sedan“ haben begreiflicherweise nur noch geschichtlichen Wert. Doch von den anderen Versen geht ein Zauber aus, der einen nicht mehr loslässt.

Jubiläumsartikel im Töginger Stadtblattl, Nr. 291, vom Januar 2011

Alois Weichslgartner sagt in seinem Buch „Schreiber und Poeten“:[8]

Im liedhaften Stimmungsbild, ohne Pathos und ohne Sentimentalität, bot er seine besten Leistungen. Was er als Dichter erreichen wollte entsprach den Bildern seiner Malerfreunde Wilhelm Trübner, Karl Haider und Hans Thoma, die alle Portraits von Martin Greif angefertigt haben.

Alois Weichslgartner, "Schreiber und Poeten", Bayerland-Verlag 2001, Seite 99

Werke[Bearbeiten]

  • Die Schlacht von Leipzig, München, 1863; Komplettes Werk online
  • Frühlingssturmlieder, München, 1864; Komplettes Buch online
  • Hans Sachs, Augsburg 1866; Komplettes Werk online
  • Gedichte, Stuttgart 1868; Gedichtband in neuerer Auflage online
  • Corfiz Ulfeldt, der Reichshofmeister von Dänemark, Trauerspiel in fünf Acten mit einem Vorspiel. Gärtner, Bamberg 1873, 200 S.
  • Walther's Rückkehr in die Heimath, Innsbruck 1874,
  • Deutsche Gedenkblätter. Metzler, Stuttgart 1875, 51 S.
  • Nero. Trauerspiel in 5 Acten. Bloch, Berlin 1877, 152 S. (Sammlung dt. Bühnenwerke, Nr. 19)
  • Marino Falieri oder Die Verschwörung des Dogen zu Venedig. Trauerspiel in fünf Akten. Wallishausser´sche Buchhandlung, Wien 1879, 155 S.
  • Prinz Eugen, Kassel 1880
  • Agnes Bernauer, der Engel von Augsburg, Leipzig 1894
  • Conradin, aufgeführt im Kaiserjubiläums-Stadttheater in Wien, 3. März 1902
  • Neue Lieder und Mähren, Leipzig 1908

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Thiele: Greif, Martin. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 29 (Digitalisat).
  • Albert van Geelen: Martin Greif als Dramatiker in seinen Beziehungen zu Laube und zum Burgtheater unter Wilbrandt und Dingelstedt. Wächter-Verl., Graz u.a. 1934.
  • Fritz Kastner: Martin Greif. Bibliographie zu seinem Leben und Werk. Pfälzische Landesbibliothek, Speyer 1959.
  • Laurenz Kiesgen: Martin Greif. Hesse u. Becker, Leipzig 1905.
  • Wilhelm Kosch: Martin Greif in seinen Werken. Amelang, Leipzig 1907.
  • Simon M. Prem: Martin Greif. Versuch zu einer Geschichte seines Lebens und Dichtens mit besonderer Rücksicht auf seine Dramen und seiner Stellung in der deutschen Litteratur. Renger, Leipzig 1892.
  • Jocza Savits: Martin Greifs Dramen. Eine Studie. Engl, München 1911.
  • Dr. C. Stemplinger: Martin Greif als Lyriker; in: Alte und Neue Welt; Illustriertes katholisches Familienblatt, 33. Jahrgang, Sammelband 1898/99, 10. Heft, Seite 626- 628

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Martin Greif – Quellen und Volltexte
 Commons: Martin Greif – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu Geissels Wirken im Hause Ehrmann
  2. Zum Besuch Greifs bei Rückert, unter dem Jahr 1862
  3. Webseite mit Gedichten von Martin Greif und Hinweisen auf die Künstler die sie vertonten
  4. Zur langjährigen Aufführungstradition des Theaterstückes von Martin Greif in Vohburg
  5. Zur Verwandtschaft Greif und Gayer
  6. Katharina Junk über Martin Greifs Italiengedichte
  7. Bebilderter Gedenkartikel zu Martin Greif (auf Seite 17 des PDF-Dokuments; 6,9 MB)
  8. Auszug aus dem Buch "Schreiber und Poeten" von Alois Weichslgartner, Bayerland Verlag 2001