Mathias Kneißl

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Mathias Kneißl vor seiner Exekution, Anfang 1902

Mathias Kneißl (* 12. Mai 1875 in Unterweikertshofen; † 21. Februar 1902 in Augsburg; genannt Kneißl Hias, Räuber Kneißl oder auch Schachenmüller-Hiasl) war ein bekannter bayerischer Räuber.

Leben[Bearbeiten]

Er war das älteste von sechs Kindern armer Gastwirtsleute, die 1886 die Schachermühle bei Sulzemoos erwarben. Mit 16 wurde er das erste Mal eingesperrt, weil Mitglieder seiner Familie als Opferstockdiebe verdächtigt wurden. Sein Vater starb 1892, als ihn die Polizei abtransportierte. Daraufhin ging Kneißl mit seinen Brüdern auf Raubzüge. 1893 wurde er zum zweiten Mal verhaftet. Sein jüngerer Bruder Alois hatte bei einem Festnahmeversuch einen Polizisten angeschossen und starb nach vier Jahren im Gefängnis an Tuberkulose. Mathias Kneißl wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung im Februar 1899 arbeitete er als Schreiner in Nußdorf am Inn.

Nach einem halben Jahr wurde Kneißl auf Drängen des Gendarmeriekommandanten Adam Saalfrank von seinem Meister entlassen, da seine Kollegen sich weigerten, mit ihm länger zusammenzuarbeiten. Er fand darauf wegen seines schlechten Leumunds keine feste Anstellung mehr.

Das beschossene Auermacheranwesen bei Egenhofen kurz nach der Festnahme von Kneißl, 1901
Der schwer verletzte Mathias Kneißl (Mitte) nach der Festnahme mit zwei Krankenpflegern, 1901
Mathias Kneißl nach seiner Festnahme im Krankenbett, 1901

Zusammen mit einem Komplizen unternahm er daraufhin erneut Einbrüche. Zwei Jahre lang wurde er von der Polizei gesucht. Nachdem sein Komplize gefasst worden war, setzte er schwer bewaffnet seine Raubzüge alleine fort, wobei er hauptsächlich Einödhöfe aufsuchte. Bei einem Festnahmeversuch kam es am 30. November 1900 in Irchenbrunn bei Altomünster zu einem Schusswechsel, bei dem zwei Polizisten so schwer verletzt wurden, dass sie später starben. Drei Monate später, im März 1901, wurde er im Aumacheranwesen in Geisenhofen bei Egenhofen von 60 Polizisten gestellt. Diese beschossen das Haus, wobei Kneißl durch einen Treffer in den Unterleib schwer verletzt wurde.

Der Prozess[Bearbeiten]

Vom 14. bis 19. November 1901 fand vor dem Schwurgericht Augsburg der Prozess gegen ihn statt. Kneißl hatte sich wegen zweier Mordtaten, versuchten Totschlags sowie wegen schweren Raubes und räuberischer Erpressung zu verantworten. Bei der Gerichtsverhandlung, die von der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde, soll er gesagt haben: „Ich kann kein Unrecht leiden. Ich kann mich nicht beugen, lieber geh' ich selber zugrunde.“

Kneißl gab alle ihm zur Last gelegten Verbrechen zu, verneinte aber eine Tötungsabsicht gegenüber den beiden von ihm erschossenen Polizisten. Die Geschworenen befanden ihn für schuldig wegen Mordes, wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit tödlichem Ausgang, wegen räuberischer Erpressung und wegen schweren Raubes.

Der Gerichtshof verurteilte ihn daraufhin auf Antrag des Staatsanwalts wegen Mordes zum Tode und wegen der anderen Straftaten zu 15 Jahren Zuchthaus sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Berühmt ist Kneißl für das angebliche Zitat „De Woch fangt scho guat o“ bei der Urteilsverkündung. Oft wird behauptet, er habe dies am Tag seiner Hinrichtung ausgesprochen, doch das war ein Freitag.

Der Vorsitzende, Oberlandesgerichtsrat Anton Rebholz, bat in einem Brief seinen Minister, das über Kneißl verhängte Todesurteil nicht vollstrecken zu lassen, was der Minister aber ablehnte. Kneißl wurde am Freitag, den 21. Februar 1902, morgens, kurz nach 7 Uhr, mit der Guillotine hingerichtet. Sein Scharfrichter war Franz Xaver Reichhart.[1]

Nachleben[Bearbeiten]

Kneißl galt schon zu Lebzeiten als Volksheld. Das Volk, vor allem die Kleinbauern und Gütler, sahen in seinem räuberischen Leben etwas Revolutionäres, ein Aufbegehren gegen die Obrigkeit. Es entstanden so Spottgedichte und Lieder[2] wie die Kneißl-Moritat, die vom Kiem Pauli vertont wurde.

Ein vielstrophiges Kneißl-Lied beginnt mit den Versen:

„I bi vo Weikatshofa,
I sag's ganz unscheniert,
Mei Vata war a Müller,
da Paschkoliniwirt.
Mei Muatta war a Zweigerl
vom Paschkolini-Kern,
Sie liabt bis heut no allerweil
die junga Burschn gern.“

[3]

Auch in jüngerer Zeit ist der Kneißl Hias noch ein Begriff und sein Leben Vorlage mehrerer künstlerischer Bearbeitungen: Reinhard Hauff inszenierte 1970 den Film Mathias Kneißl mit Hans Brenner in der Titelrolle. Georg Ringsgwandl schrieb eine Kneißl-Ballade. Am Münchner Volkstheater war die Geschichte von Mathias Kneißl in der Regiefassung von Christian Stückl bis zum Mai 2007 zu sehen. Der Film mit dem Titel Räuber Kneißl des bayerischen Regisseurs Marcus H. Rosenmüller über das Leben des Mathias Kneißl hatte am 24. Juni 2008 beim 26. Filmfest München Premiere und kam am 21. August 2008 in die deutschen Kinos. Die Hauptrolle übernahm Maximilian Brückner, der auch schon am Münchner Volkstheater von 2004 bis 2007 den Mathias Kneißl spielte. Sein Bruder Florian, der die Rolle von Kneißls Bruder Alois ebenfalls schon am Münchner Volkstheater spielte, spielt ihn auch im Film.

Die Legendenbildung um Kneißl ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erzählungen um Matthias Klostermayr, den Bayerischen Hiasl, entstanden. Die Journalistin Ulrike Frick bezeichnete Kneißl als „Rebellen und Volkshelden“ sowie als „Voralpen-Robin-Hood“.[4]

In der nur wenige Kilometer vom Geburtsort Kneißls entfernten Gemeinde Maisach braut die dortige Brauerei ein Räuber-Kneißl-Bier und richtete ein Räuber-Kneißl-Museum in ihren Räumlichkeiten ein.[5]

Seit 1991 ist eine Oldtimer-Rallye („Räuber-Kneißl-Classic's“) nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

  • Otto Göttler und Sepp Raith: Aufbegehren führt zu Kopfverlust. Die Lieder aus dem Programm über das Leben und Sterben des Mathias Kneißl. 2004, Audio-CD (LC 07975)
  • Verfilmung Mathias Kneißl von Hans Brenner im Jahr 1970, mit Gustl Bayrhammer und Ruth Drexel
  • Biografische Verfilmung Räuber Kneißl (2008) von Marcus H. Rosenmüller
  • Animationskurzfilm Drei Knödel für Kneissl der Hochschule für Film- und Fernsehen Potsdam-Babelsberg & FR-Entertainment (2010)
  • Hörspiel Mutter Kneißl Bayrischer Rundfunk 1976, 98 Minuten Stereo von Fritz Meingast. Regisseur Wolf Euba. Mit Elfie Pertramer und Hans Brenner

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mathias Kneißl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Matthias Blazek: Scharfrichter in Preußen und im Deutschen Reich 1866–1945. ibidem, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8382-0107-8, S. 91.
  2. Hans Englmann: Das Kneißl-Lied. In: Amperland, 1971, S. 182.
  3. Text nach Die Chronik Bayerns. Chronik Verlag, 3. Aufl., 1994.
  4. Western aus Bayern: Mit düsterem Heiligenschein. In: Münchner Merkur. 21. August 2008, S. 18.
  5. Räuber-Kneißl-Museum.