Maximilian III. Joseph (Bayern)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Maximilian III. Joseph als Kurfürst

Maximilian III. Joseph Karl Johann Leopold Ferdinand Nepomuk Alexander von Bayern, kurz Max III. Joseph (* 28. März 1727 in München; † 30. Dezember 1777 in München) aus dem Fürstengeschlecht der Wittelsbacher war Kurfürst von Bayern von 1745 bis zu seinem Tode. Da sich Bayern für eine Großmachtpolitik im Stil seiner Vorgänger als zu geschwächt erwies, schloss der Kurfürst schon bald nach seinem Machtantritt einen Sonderfrieden mit Maria Theresia und orientierte sich außenpolitisch an Habsburg. Auch im Siebenjährigen Krieg, in dem Bayern mit Österreich und Frankreich verbündet war, bemühte er sich, so bald wie möglich aus dem Konflikt auszuscheiden, und trug wesentlich zur Neutralitätserklärung des Heiligen Römischen Reiches bei. In der Folge galt – wegen seiner Kinderlosigkeit – sein Hauptaugenmerk der Klärung der Erbfolge in Kurbayern und der Kurpfalz.

Innenpolitisch galt es, die immense Schuldenlast des Landes abzubauen. Er betrieb eine begrenzte Reform der Verwaltung. Wichtiger war die Kodifikation des bayerischen Rechts. Außerdem verfolgte er eine Politik der Wirtschaftsförderung und des Landesausbaus. Als absolutistischer Herrscher versuchte er den Einfluss der Stände zu begrenzen und die Kirche so weit wie möglich unter den Einfluss des Staates zu stellen. Unter seiner Regentschaft wurde die Schulpflicht eingeführt und der Kurfürst erwies sich als Förderer von Kunst und Wissenschaft. Nach seinem Tod brach der Bayerische Erbfolgekrieg aus.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Maximilian Joseph als Kurprinz

Max III. war ein Sohn Kaiser Karls VII. und Maria Amalies von Österreich, der Tochter Kaiser Josephs I.

Er selbst heiratete am 9. Juli 1747 in München die Prinzessin Maria Anna von Sachsen (1728–1797), Tochter König Augusts III. von Polen und seiner Gattin Erzherzogin Maria Josepha von Österreich. Die Ehe blieb kinderlos.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Prägende Jugendjahre erlebte er in Frankfurt am Main am väterlichen Kaiserhof, der nach dem Verlust Bayerns einem Exil glich. Wesentlichen Einfluss auf seine Erziehung hatten der Jesuit Daniel Stadler und der Staatsrechtslehrer Johann Adam von Ickstatt. Stadler blieb über viele Jahre sein Beichtvater und Berater. Auch Ickstatt übte weiterhin einen großen Einfluss auf den Kurfürsten aus. Max III. Joseph studierte an der Universität Ingolstadt.

Sein Vater erklärte an seinem Todestag[1] kraft kaiserlicher Autorität den noch nicht 18-Jährigen Max III. Joseph für volljährig, wodurch dieser die Thronfolge als Bayerischer Kurfürst ohne einen Vormund antreten konnte. Als Vormund wäre der Herzog Clemens Franz oder Max Josephs späterer Schwiegervater, der Kurfürst von Sachsen und König von Polen August III., in Frage gekommen.[2]

Außenpolitik[Bearbeiten]

Nach dem Tod des Vaters mitten im Österreichischen Erbfolgekrieg versuchte der Münchner Hof zunächst, die antihabsburgische und profranzösische Großmachtpolitik fortzusetzen. Man dachte sogar daran, Max III. Joseph seinem Vater als Kaiser nachfolgen zu lassen.[3] Jedoch war Frankreichs Bereitschaft, die Bayerische Politik zu unterstützen, wesentlich geringer als zunächst angenommen.[4] Nachdem österreichische Truppen am 23. März 1745 Bayern angegriffen, handstreichartig Teile Nordbayerns besetzt und am 15. April in der Schlacht bei Pfaffenhofen den bayerischen Verbündeten eine verlustreiche Niederlage bereitet hatten, musste der Kurfürst die Aussichtslosigkeit seiner Ambitionen einsehen und schloss am 22. April mit Maria Theresia den Frieden von Füssen. Damit verzichtete er auf die bisherige Großmachtpolitik und versprach bei der Kaiserwahl Franz Stephan von Lothringen zu wählen. Dafür wurde ihm der vollständige Besitz Bayerns bestätigt. Durch die in einer Geheimklausel vereinbarte Zahlung von 40.000 Gulden an Bayern innerhalb von zwei Wochen war die akute Finanznot des Kurfürstentums fürs Erste entschärft.[5]

Nach dem Ausfall Frankreichs als Geldgeber war Bayern auf Subsidien aus Österreich, England und den Niederlanden angewiesen. Auf Vermittlung Maria Theresias schloss es daher im Jahr 1746 mit den Seemächten Subsidienverträge mit zehnjähriger Laufzeit.[6] Dies zwang es außenpolitisch ganz auf die Seite Österreichs und seiner Verbündeten. Bayern musste ein Hilfskorps stellen, das bis zum Frieden von Aachen 1748 in den Niederlanden eingesetzt war.

Ab 1754 verfolgte Bayern eine Politik der Wiederannäherung an Frankreich[7], die nach dem Auslaufen der Verträge mit England und Holland 1756 zum Vertrag von Compiègne führte. Darin verpflichtete sich Bayern gegen Subsidien von jährlich 300.000 Gulden, dem Reich keine Truppen gegen Frankreich zur Verfügung zu stellen und sich um die Neutralität des Reiches im Falle eines Krieges zwischen Frankreich und Österreich zu bemühen.[8] Der neu gewonnene außenpolitische Handlungsspielraum ging jedoch noch im selben Jahr durch das Renversement des alliances mit dem Zusammengehen Österreichs und Frankreichs wieder verloren.[6] An eine eigenständige Außenpolitik war angesichts der finanziellen Lage und eines nur schwachen Heeres kaum zu denken.

Maximilian III. agierte während des Siebenjährigen Krieges an der Seite Frankreichs und Österreichs vorsichtig. Eine nachhaltige Schwächung Preußens war nicht im bayerischen Interesse, bot dieses Land doch das einzige Gegengewicht zur Habsburger Monarchie. Er bemühte sich, soweit möglich, sich aus den Kriegshandlungen heraus zu halten. Abgesehen von den Kreistruppen, stellte er nur eine kleine Truppe von 4000 Mann. Die Hilfstruppe holte der Kurfürst 1758/1759 wieder zurück und bemühte sich darum, aus dem Konflikt auszuscheiden. Er trug zusammen mit Karl Theodor von der Pfalz dazu bei, dass sich das Reich für neutral erklärte. Dies gelang allerdings erst als Frankreich und Großbritannien Frieden miteinander geschlossen hatten. Gegenüber Preußen erklärte er sich 1762 für neutral und das Reich beschloss im Februar 1763 die Neutralität gegenüber beiden kriegsführenden Seiten. Dies war einer der Faktoren, die zum Frieden von Hubertusburg führten. Eine klare Wendung gegen Österreich war damit nicht verbunden. Der Kurfürst verheiratete auch seine Schwester Maria Josepha mit Joseph II. Durch den frühen Tod von Maria Josepha 1767 hatte die Heirat keine unmittelbaren politischen Auswirkungen, verstärkte aber den potentiellen Erbanspruch Habsburgs im Fall des Aussterbens der Wittelsbacher Kurlinie.

Nachdem klar war, dass er und seine Frau keine Nachkommen haben würden, wurde die Regelung der Erbfolge zu Gunsten der pfälzischen Linie des Hauses Wittelsbach zur zentralen Aufgabe des Kurfürsten. Es gelang schließlich alle Linien des Hauses Wittelsbach zu einem gemeinsamen Abkommen zu bewegen. Im Jahr 1771 wurde vereinbart, dass Bayern und die Pfalz als Ganzes dem jeweiligen Haupt einer der überlebenden Linien zufallen sollten.

Innenpolitik[Bearbeiten]

Maximilian III. Joseph von Bayern, Gemälde um 1776

Vor allem nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges widmete er seine Aufmerksamkeit der inneren Konsolidierung Bayerns.

Der Kurfürst bemühte sich um Verbesserungen im Staatsapparat. So wurde 1750 eine Hofratsordnung erlassen, die Geheime Konferenz wurde 1764 wieder eingeführt. Mit der Schaffung des auswärtigen Departements wurde ein Schritt hin zu einem Fachministerium vollzogen. Dennoch kam es nicht zu einer umfassenden Verwaltungsreform. Der konsequente Schritt zu Ressortministern oder gar zum Posten eines leitenden Ministers wurde nicht vollzogen. Zwar hörte der Kurfürst auf Berater, aber grundsätzlich hielt er an der unmittelbaren Herrschaft des Fürsten fest.

Von großer Bedeutung war die Rechtskodifizierung sowohl des Bürgerlichen Rechts als auch des Strafrechts unter Leitung des Ratskanzlers Wiguläus von Kreittmayr. Auch für diese Reform war das Hauptmotiv die erhoffte Kostenersparnis durch kürzere Verfahren und größere Rechtssicherheit.[9] Mit dem Codex Maximilianeus Bavaricus Criminalis bekam Bayern ein in formaler Hinsicht zwar bahnbrechendes Strafgesetzbuch, das in einen allgemeinen und einen besonderen Teil gegliedert war und in dem elementare Strafrechtsbegriffe wie Versuch, Beihilfe und Mittäterschaft in bis dahin nicht gekannter Klarheit definiert wurden. Inhaltlich war der Codex jedoch rückwärtsgewandt und stand damit im Gegensatz zur vorsichtigen, durch die Gedanken der Aufklärung inspirierten Strafrechtsmodernisierung in Preußen und Österreich.[10] Die Folter wurde nicht abgeschafft, ebenso wenig Delikte wie Hexerei und Häresie. Unter den je nach Delikt unterschiedlichen Formen der Todesstrafe fanden sich weiterhin die besonders grausamen Hinrichtungsmethoden des Verbrennens bei lebendigem Leib und des Räderns.[11]

Angesicht der schlechten finanziellen Lage des Landes lag das Hauptaugenmerk auf der Förderung der Wirtschaft. Schon 1747 gründete Max III. die Nymphenburger Porzellanmanufaktur, die durch Franz Anton Bustelli schon sehr bald Weltruhm erlangte. Hinzu kamen eine planvolle Bevölkerungspolitik, die etwa ein Auswanderungsverbot beinhaltete, das auch in der Wirtschaftskrise der 1770er-Jahre nur für die Armen gelockert wurde,[12] und eine Politik des Landesausbaus. So wurden bisher nicht nutzbare Moorgebiete trockengelegt. Zur besseren Planung des Regierungshandelns wurde 1752/60 eine Landesaufnahme durchgeführt. Seit 1771 wurde die Dachsbergische Volksbeschreibung begonnen. Damit wurde erstmals eine systematische Bevölkerungs- und Gewerbestatistik für Bayern angefertigt. Als 1770 eine Missernte eine große Hungersnot hervorrief, ließ der Kurfürst zur Linderung der Not Getreide aus Hofgütern verteilen, nahm Kredite in Holland auf und veräußerte sogar einen Teil der Juwelen der Schatzkammer. Mit Unterstützung der Landstände gelang es dem Kurfürsten die immensen Staatsschulden zumindest teilweise abzutragen und die Staatsfinanzen zu konsolidieren.

Maximilian III. stand als absolutistisch orientierter Fürst den überkommenen ständischen Privilegien ablehnend gegenüber. Diese Haltung zeigte sich auch gegenüber der katholischen Kirche. Er war persönlich fromm und ließ etwa 1747 durch seinen Geistlichen Rat die Oberammergauer Passionsspiele verbieten mit der Begründung, „daß das größte Geheimnis unserer heiligen Religion nun einmal nicht auf die Schaubühne gehört“. Seine Frömmigkeit hinderte ihn nicht, die Kirche soweit möglich unter staatlichen Einfluss zu stellen. Der kirchliche Rat wurde 1768 zu einer Verwaltung der staatlichen Kirchenhoheitsrechte ausgebaut. Außerdem bemühte sich der Kurfürst um eine Besteuerung des Kirchenbesitzes. Der Jesuitenorden wurde 1773 aufgehoben.

Im Jahr 1748 hat er die Rechte der Städte und Märkte eingeschränkt. Er war auch bestrebt, die Reichsstädte Regensburg und Augsburg zumindest wirtschaftlich zu integrieren. Mit der Landschaftsverordnung als Vertretung der Stände lag der Kurfürst in einem Dauerkonflikt. Von seinem ehemaligen Lehrer Ickstatt beraten, versuchte er zweimal vergeblich, dieses Gremium aufzuheben. Die Widerstände waren so groß, dass Ickstatt zeitweise sogar den Hof verlassen musste. Ein Hauptgrund für das Scheitern war, dass Maximilian III. finanziell von den Ständen abhängig war.

Förderer der Künste und Wissenschaften[Bearbeiten]

Maximilian III. Joseph als Gründer der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Maximilian III. war ein Freund der Künste und Förderer der Wissenschaften. Allerdings war er im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht in der Lage große neue Bauvorhaben zu finanzieren. Im Wesentlichen musste er sich darauf beschränken ältere Bauten wiederherzustellen oder deren Bau abzuschließen. In diesem Zusammenhang entstand mit dem Cuvilliés-Theater ein Meisterwerk des Rokoko. Für seine begrenzten Ressourcen spricht, dass eine Anstellung Wolfgang Amadeus Mozarts vom Kurfürst, der selbst musikalisch war und komponierte, aus Kostengründen abgelehnt wurde. Von nachhaltiger Bedeutung war die Gründung der Akademie der Bildenden Künste München, die Einführung der allgemeinen Schulpflicht und die Gründung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er trug damit dazu bei, dass die Aufklärung in Bayern an Bedeutung gewann.

Tod[Bearbeiten]

1777 starb Kurfürst Max III. Joseph der „Vielgeliebte“ an den Pocken. Er wurde in der Theatinerkirche zu München beigesetzt. Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Gnadenkapelle von Altötting.

Mit ihm starb die bayrische Linie des Hauses Wittelsbach aus. Nach kurzem Bayerischen Erbfolgekrieg, der Bayern das Innviertel kostete, trat die Pfälzer Linie der Wittelsbacher seine Nachfolge an.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maximilian III Joseph, Elector of Bavaria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Alois Schmid: Max III. Joseph und die europäischen Mächte. Die Außenpolitik des Kurfürstentums Bayern von 1745–1765. Oldenbourg, München 1987, ISBN 3-486-53631-1, S. 151, DNB 870533517 (Digitalisat, abgerufen am 29. September 2013).
  2.  Schmid: Max III. Joseph. München 1987, S. 34 f..
  3.  Schmid: Max III. Joseph. München 1987, S. 150 ff..
  4.  Schmid: Max III. Joseph. München 1987, S. 78.
  5.  Max Spindler, Andreas Kraus (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte. 2. überarbeitete Auflage. Band 2. Das alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, Beck, München 1988, ISBN 3-406-32320-0, S. 1200, DNB 880371927 (Digitalisat, abgerufen am 29. September 2013).
  6. a b Sebastian Frank: 1756 VII 21 Neutralitäts- und Subsidienvertrag von Compiègne. In: Europäische Friedensverträge der Vormoderne online. Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz, abgerufen am 23. September 2013.
  7.  Schmid: Max III. Joseph. München 1987, S. 311 ff..
  8.  Spindler: Handbuch der bayerischen Geschichte. München 1988, S. 1203.
  9.  Hans Rall: Kreittmayr. Persönlichkeit, Werk und Fortwirkung. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte (ZBLG). Nr. 42, Beck, München 1979, S. 51 (Digitalisat, abgerufen am 29. September 2013).
  10.  Rall: Kreittmayr. München 1979, S. 50.
  11.  Rall: Kreittmayr. München 1979, S. 52.
  12.  Winfried Müller: Max III. Joseph. In:  Alois Schmid und Katharina Weigand (Hrsg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48230-9, S. 273 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)..
Vorgänger Amt Nachfolger
Karl I. Albrecht Kurfürstentum BayernKurfürstentum Bayern Kurfürst von Bayern
1745–1777
Karl II. Theodor