Wiesensteig

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wiesensteig
Wiesensteig
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wiesensteig hervorgehoben
48.5616666666679.6252777777778592Koordinaten: 48° 34′ N, 9° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Göppingen
Höhe: 592 m ü. NHN
Fläche: 23,4 km²
Einwohner: 2013 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 86 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73349
Vorwahl: 07335
Kfz-Kennzeichen: GP
Gemeindeschlüssel: 08 1 17 058
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 25
73349 Wiesensteig
Webpräsenz: www.wiesensteig.de
Bürgermeister: Gebhard Tritschler
Lage der Stadt Wiesensteig im Landkreis Göppingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Esslingen Landkreis Heidenheim Landkreis Reutlingen Rems-Murr-Kreis Ostalbkreis Ostalbkreis Adelberg Aichelberg (Landkreis Göppingen) Albershausen Bad Boll Bad Ditzenbach Bad Überkingen Birenbach Böhmenkirch Börtlingen Deggingen Donzdorf Drackenstein Dürnau (Landkreis Göppingen) Eislingen/Fils Heiningen (Landkreis Göppingen) Ebersbach an der Fils Eschenbach (Württemberg) Eschenbach (Württemberg) Gammelshausen Geislingen an der Steige Gingen an der Fils Göppingen Gruibingen Hattenhofen (Württemberg) Heiningen (Landkreis Göppingen) Hohenstadt Kuchen (Gemeinde) Lauterstein Mühlhausen im Täle Ottenbach (Württemberg) Rechberghausen Salach Schlat Schlierbach (Württemberg) Süßen Uhingen Wäschenbeuren Wangen (bei Göppingen) Wiesensteig Zell unter AichelbergKarte
Über dieses Bild
Blick auf Wiesensteig

Wiesensteig ist eine Stadt im Landkreis Göppingen (Regierungsbezirk Stuttgart) in Baden-Württemberg, ganz im Südosten der Region Stuttgart.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Wiesensteig liegt im oberen Filstal in 575 bis 750 Meter Höhe im Landkreis Göppingen. Am Rand der Stadt verläuft der Albaufstieg der A 8 in Richtung Ulm.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Wiesensteig gehören die Stadt Wiesensteig, die Höfe Bläsiberg, Eckhöfe, Heidental, Reußenstein und Ziegelhof und die Häuser Lämmerbuckel und Papiermühle sowie die abgegangenen Ortschaften Michelnbuch und Schafhaus.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Gruibingen im Norden, Mühlhausen im Täle im Nordosten, Drackenstein im Osten, Hohenstadt im Südosten, Westerheim (Alb-Donau-Kreis) im Süden, Römerstein (Landkreis Reutlingen) im Südwesten sowie Lenningen im Westen und Neidlingen (beide Landkreis Esslingen) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Wiesensteig wird erstmals 861 in einer Urkunde erwähnt, als dort ein Benediktinerkloster gegründet wurde, aus dem 1103 ein Chorherrenstift entstand, das bis zur Säkularisation 1803 bestand. Die Siedlungsspuren reichen jedoch bis in die Steinzeit zurück.

Das Stadtrecht besitzt der Ort bereits seit 1356. Es unterstand damals den Grafen von Helfenstein. Seit 1512 war die Herrschaft Wiesensteig innerhalb des Heiligen Römischen Reiches dem Schwäbischen Reichskreis zugeordnet.

Graf Ulrich XVII von Helfenstein (1524-1570) und sein Bruder Sebastian († 1564) führten 1555 das lutherische Bekenntnis in Wiesensteig ein. 1562/63 fand in der Herrschaft Wiesensteig eine große Hexenverfolgung statt, bei der mindestens 63 Frauen und Männer als „Hexen und Unholde“ hingerichtet wurden[3]. 1567 kehrte Graf Ulrich XVII zum katholischen Bekenntnis zurück und vollzog eine Gegenreformation[4].

1648 wurde das Städtchen von schwedischen Soldaten beinahe völlig niedergebrannt. Nach dem Aussterben der Helfensteiner 1627 fällt die Reichsgrafschaft Wiesensteig (über drei Erbtöchter) zu zwei Dritteln 1642 durch Kauf an Kurbayern und zu einem Drittel an die Fürsten von Fürstenberg, die ihren Anteil 1752 ebenfalls an Kurbayern veräußern. Durch einen Gebietstausch kommt die Stadt 1806 an das Königreich Württemberg und wird Sitz des Oberamts Wiesensteig.

Hauptstraße mit Blick auf die Stiftskirche St. Cyriakus

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerentwicklung zwischen 1837 und 2010.

Datum Einwohner
1837 1496
1907 1327
17. Mai 1939 1683
13. September 1950 2063
27. Mai 1970 2632
31. Dezember 1983 2490
31. Dezember 2000 2350
31. Dezember 2005 2312
31. Dezember 2010 2138

Politik[Bearbeiten]

Zusammen mit Mühlhausen im Täle, Drackenstein, Gruibingen und Hohenstadt bildet die Stadt seit 1972 den Gemeindeverwaltungsverband Oberes Filstal mit Sitz in Wiesensteig.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Zum hauptamtlichen Bürgermeister wurde 2010 Gebhard Tritschler (parteilos) gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt „in Rot ein aus goldenem Fünfberg wachsender silberner Elefant“. Der erste Beleg stammt aus dem Jahre 1482 von einem Abdruck eines Stadtsiegels, das einen aus einem schrägen Vierberg wachsenden Elefanten zeigt, dem Wappentier der früheren Stadtherren, den Grafen von Helfenstein. Während der wachsende Elefant stets in allen folgenden Darstellungen (so z. B. der ersten farbigen Abbildung aus dem Jahre 1560) des Stadtwappens zu finden ist, änderte sich die Zahl der Kuppeln zwischen einer und fünf. In einem Fall tritt der Elefant sogar direkt aus dem Schildrand hervor. Seit dem Jahre 1930 steht jedoch der Fünfberg als Wappenmotiv fest. Bis 1958 waren die Flaggenfarben grün-rot. Da diese Kombination aber gegen die Heraldischen Farbregeln verstößt, wurden am 4. Februar 1959 die Farben weiß-rot vom Innenministerium verliehen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Albaufstieg mit der Malakoffbrücke
Von Wiesensteig aus führt die Schwäbische Albstraße über den Lämmerbuckel nach Westerheim

Über die Landesstraße 1200 hat Wiesensteig Anschluss an die Bundesstraße 466 und die Bundesautobahn 8. Wiesensteig liegt an der Schwäbischen Albstraße. Oberhalb des Ortes führt der Albaufstieg der Autobahn A 8 vorbei.

Von 1903 bis 1968 war Wiesensteig durch die Tälesbahn von Geislingen an der Steige an das Schienennetz der Bahn angebunden. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIIb.[5]

Bildung[Bearbeiten]

Mit der Franz-Xaver-Messerschmidt-Schule verfügt Wiesensteig über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Brunnen und Fachwerkhaus

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Wiesensteig im 16. Jahrhundert, Titelblatt einer kreisgeschichtlichen Quellensammlung von 1964
Kreuzkapelle oberhalb von Wiesensteig
  • Residenzschloss der Helfensteiner (1551)
  • Stiftskirche St. Cyriakus (1466) mit historischer WEIGLE-Orgel von 1849
  • Marktplatz mit Elefantenbrunnen und Fachwerkhäusern
  • Kreuzkapelle nördlich von Wiesensteig auf der Albhochfläche. Der Fußweg zur Kapelle ist von Kreuzwegstationen gesäumt
  • Ruine Reußenstein, etwa 5 km nordwestlich von Wiesensteig
  • US-Militärfunkturm Wiesensteig (Geografische Koordinaten: 48° 33′ 45″ N, 9° 38′ 25″ O48.56259.6402777777778)
  • Richtfunkumlekturm
Richtfunkreflektor Wiesensteig

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Filsursprung, etwa zwei Kilometer südwestlich von Wiesensteig

Sport[Bearbeiten]

TSV Obere Fils[Bearbeiten]

Der TSV Obere Fils wurde am 24. Juni 1972 durch den Zusammenschluss der beiden Vereine TSV Wiesensteig und dem TSV Mühlhausen gegründet. Sportstätten sind das Vereinsheim am Sportplatz in Wiesensteig, die Schulturnhalle und die alte Turnhalle im Ortszentrum von Wiesensteig. Es werden auch die Gemeindehalle und der alte Sportplatz in Mühlhausen genutzt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • 1704, 1. Juni, Johann Baptist Straub, † 15. Juli 1784 in München, bedeutender Bildhauer des oberbayerischen Rokoko
  • 1736, 6. Februar, Franz Xaver Messerschmidt, † 19. August 1783 in Pressburg, Bildhauer
  • 1932, 15. März, Erno Seifriz, † 4. April 2012, Musikdidaktiker, Musikhistoriker und Chorleiter
  • 1949, 20. Dezember, Franz Steinle Jurist, Sportfunktionär (Präsident des Deutschen Ski-Verbandes)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wiesensteig in alten Bildern. Bearbeitung und Zusammenstellung Franz Naumann. Geiger, Horb am Neckar , 1990, ISBN 3-89264-475-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiesensteig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 345–347.
  3. Warhafftige unnd Erschreckliche Thatten und handlungen der LXIII. Hexen unnd Unholden, so zu Wisenstaig, mit dem Brandt gericht worden seindt, o. O. [Nürnberg: Friedrich Gutknecht] 1563.
  4. Vgl. Siegfried Hermle: Reformation und Gegenreformation in der Herrschaft Wiesensteig unter besonderer Berücksichtigung des Beitrags von Jakob Andreae (Quellen und Forschungen zur württembergischen Kirchengeschichte 14), Stuttgart: Calwer 1996.
  5.  Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96, Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.