Meersalz

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Meersalz in Dakar (Senegal)
Grobe Meersalzkristalle (Bildkantenlänge 2 cm)
Mittlere Gewichtsanteile der Ionen der Meeressalze im Meerwasser

Meersalz ist aus Meerwasser in Salzgärten oder durch andere Verfahren gewonnenes Salz.

Im Meersalz sind neben Natriumchlorid auch noch geringe Mengen bzw. Spuren von anderen Stoffen enthalten, unter anderem Salze von Kalium, Magnesium und Mangan. Auch Steinsalz ist nichts anderes als Meersalz, das vor Millionen von Jahren durch Austrocknen von großen Meeren entstand.

Entstehung und Gewinnung[Bearbeiten]

Die Salinität liegt im Meerwasser bei etwa 3,5 Prozent, 1000 Gramm entsprechend 976 ml Meerwasser enthalten damit 35 Gramm Salz. Die Ostsee enthält durchschnittlich 1,2 Prozent, die Nordsee 3,0 Prozent, das Mittelmeer 3,8 Prozent und das Tote Meer 28 Prozent Salze. Das Salz ist im Wasser dissoziiert, also in Ionen gespalten. Die Meeressalze haben den Ursprung in der Gesteinsverwitterung. Durch Regenwasser gelangen die Anionen und Kationen ins Grundwasser, in die Fließgewässer und schließlich ins Meer. Je nach Löslichkeit setzen sich beim Verdunsten des Wassers die verschiedenen Salze als Sediment schichtweise auf dem Meeresboden ab.

In Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Afrika, traditionell auch in China, wird Meerwasser an den Küsten in künstlich angelegte flache Becken oder flache Seen geleitet, die Salzgärten. Durch die Wasserverdunstung unter Einfluss von wärmender Sonne und feuchtigkeitsaufnehmendem Wind steigt die Salzkonzentration der verbleibenden Flüssigkeit (Salzlake) an. Nach ausreichender Aufkonzentration wird das Wasser in weitere Becken geleitet, in denen nach weiterer Verdunstung Salz am Grund der Becken auskristallisiert. Diese Becken zeigen oft eine intensiv rote bis violette Färbung durch salzliebende, halophile Bakterien. Durch Entfernung des Restwassers oder Trockenfallen bilden sich Salzschichten, die maschinell oder manuell von den Salzbauern durch Zusammenkratzen „geerntet“ und in Haufen zwischengelagert werden. Meersalz macht geschätzt 30 Prozent der Weltsalzproduktion aus, beim Rest handelt es sich um Steinsalz.

Bewertung als Lebensmittel[Bearbeiten]

Salzblume[Bearbeiten]

Salzblume an der Oberfläche eines Beckens
Verzehrfertiges Fleur de Sel

Die Fleur de Sel (deutsch Salzblume, spanisch Flor de Sal) ist das teuerste Meersalz, es entsteht nur an heißen und windstillen Tagen als hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche und wird in Handarbeit mit einer Holzschaufel abgeschöpft. Es wird an der Algarve, in der Bretagne (Guérande und Noirmoutier), der Charente-Maritime (Ile de Ré) sowie der Camargue gewonnen. Unter dem Namen "Flor de Sal Marina Alta" kommt das Flor de Sal aus der Marina Alta und unter den Namen „Flor de Sal d’es Trenc“ kommt die in Ses Salines auf Mallorca gewonnene Salzblume auf den Markt. Im slowenischen Piran in den Secovlje-Salinen wird die „Fleur de Sel Piranske“ gewonnen. Dieses Erzeugnis kommt immer ungewaschen in den Handel.

Die Salzblume besteht im Mittel aus über 97 % Natriumchlorid, 0,5 % Calciumsulfat, 0,3 % Magnesiumchlorid, 0,2 % Magnesiumsulfat („Bittersalz“) und etwa 0,1 % Kaliumchlorid, der Rest ist verbliebenes Wasser.[1]

Graues Salz[Bearbeiten]

Unterhalb der Salzblume wird das graue Salz (sel gris) abgeschöpft. In den Salzkristallen sind Schwebestoffe aus der Alge Dunaliella salina und Sedimentteilchen eingeschlossen. Diese während der Reifung vom Untergrund der Becken in den Salzgärten eingetragenen Substanzen verleihen diesem Meersalz eine graue Farbe. Die Algen und die Tonschwebstoffe ergeben einen höheren Anteil an Silikaten. Sel gris besitzt eine hohe Restfeuchte und muss in einer rostbeständigen Salzmühle oder im Mörser zerkleinert werden.

Meersalz als Speisesalz[Bearbeiten]

Als Speisesalz kommt vor allem gewaschenes Meersalz in den Handel, das durch Umkristallisation gewonnen wird. Nur aus kleineren Salinen kommt auch ungewaschenes Meersalz in den Verkauf. Meersalz, das durch direktes Eindampfen des Meerwassers gewonnen wird, macht den geringsten Anteil der angebotenen Produkte aus.

„Beim Konsumenten erweckt die Bezeichnung ‚Meersalz‘ fälschlicherweise die Vorstellung, dass dieses Salz in seiner Mineralstoffzusammensetzung den im Meerwasser üblichen Konzentrationsverhältnissen entspricht. Aufgrund des Herstellungsverfahrens und der durch die gestiegenen Reinheitsanforderungen notwendig gewordenen Reinigungsverfahren ist dies aber praktisch nie der Fall. Zudem würde ein solches Salzgemisch, bedingt durch den wesentlich höheren Sulfat- und Magnesiumgehalt, einen leicht bitteren Geschmack aufweisen.“

Schweizerisches Lebensmittelbuch[2]

Meersalz wird von einigen Köchen wegen eines angeblich besseren Geschmacks oder der besonderen Struktur der Kristalle bevorzugt.[3] Ernährungsphysiologisch ist eine Bevorzugung von Meersalz jedoch nicht zu begründen, da es wie anderes Speisesalz zu 95 bis 98 Prozent aus Natriumchlorid besteht und nur geringe Mengen Mineralstoffe, aber dafür bis zu 5 Prozent Wasser als Restfeuchte enthält. Entgegen anders lautenden Werbeaussagen ist kaum Iod oder Iodid enthalten. Demgegenüber ist der Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen je nach Produkt sehr unterschiedlich aber meist so niedrig, dass bei einem Salzkonsum von zwei bis drei Gramm pro Tag (etwa ein halber Teelöffel) kein nennenswerter Beitrag zur Bedarfsdeckung geleistet werden kann. Das gilt auch für Iod, falls es nicht eigens zugesetzt wurde.[3][4]

Aerosole[Bearbeiten]

Meersalz kann an der Oberfläche der Meere mit dem Wasser durch Wind und Wellen versprüht werden, dies sind Aerosole. In Seebädern werden Aerosole zu Heilzwecken eingesetzt. Eingeatmet bringt die Salzluft Linderung bei verschiedenen Leiden wie Asthma. Äußere Anwendung findet Meersalz in Meerwasserbädern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inhaltsangabe für Fleur de Sel, Salins du Midi, Frankreich, 2005.
  2. Kapitel Speisesalz
  3. a b Stiftung Warentest: Speisesalz: das Märchen vom Wundersalz, Test 09/2013
  4. Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (Hg): Gesundheitskost – gesunde Kost? Aachen, 5. Aufl. 1996, S. 110 f.