Neurussland

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Dieser Artikel behandelt die historische Region Neurussland; zur 2014 bestehenden ukrainischen Separatistenregion siehe Neurussland (Separatistenregion).
Neurussland 1800
Das Gebiet vor dem Entstehen Neurusslands, 1648, (Süden oben) mit einem breiten Streifen von «Loca deserta» („verlassenen Gegenden“). Am linken Kartenrand links Asow. "Meotis Palus" ist das Asowsche Meer

Neurussland (russisch Новороссия, Noworossija) ist ein historisches Gebiet, das vor allem den Süden der heutigen Ukraine mit dem historischen Gebiet Bessarabien, teilweise auch die Ostukraine sowie Teile Südrusslands umfasst, die am Asowschen und am Schwarzen Meer liegen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Provinz Neurussland wurde nach dem Zurückdrängen der Osmanen und Krimtataren im Jahr 1765 etabliert und bestand bis 1789. Vor der Eingliederung ins Russische Reich war das Gebiet Neurusslands lange Zeit unter Polen-Litauen, dem Osmanischen Reich und dem Russischen Reich umstritten gewesen. Dies und die regelmäßigen Überfälle der Tataren der Nogaier-Horde sowie der Krimtataren hatten zur Folge, dass insbesondere die südlichen Steppengebiete nur gering besiedelt wurden („Wildes Feld“). Der nordwestliche Teil der Provinz war dagegen bereits seit dem 16. Jahrhundert wieder von Ukrainern besiedelt gewesen, die dort kurzfristig auch einen Kosakenstaat errichteten. Von dort überfielen und verwüsteten sie ihrerseits das Hinterland der osmanisch-tatarischen Küstenstädte. Gegen sie war das Eyâlet Silistrien eingerichtet worden, dem auch ukrainische Gebiete angehörten, die später als Neurussland an Russland fielen.

Die Kolonisierung Neurusslands erfolgte unter der Führung von Fürst Potjomkin, der von der Zarin Katharina der Großen beinahe unbeschränkte Kompetenzen erhielt. Das Land wurde an russische Grundbesitzer verteilt, die Bauern aus Zentralrussland mitbrachten. Es wurden viele neue Städte gegründet, darunter Odessa, Noworossijsk, Sewastopol, Jekaterinoslaw (heute: Dnipropetrowsk), Alexandrowsk/Olexandriwsk (heute: Saporischschja), Mykolajiw, Cherson und andere.

Die Hauptstadt Neurusslands war zunächst Krementschuk, wobei aber das neu gegründete Jekaterinoslaw letztendlich das Verwaltungszentrum werden sollte. Eine besondere Rolle fiel auch dem Aufbau der Hafenstädte zu, weil Russland auf seinem Drang zu den Meerengen eine leistungsfähige Flotte im Schwarzen Meer brauchte, um die Osmanen weiter zurückzudrängen. Bei der Erschaffung der Ukrainischen SSR durch die Bolschewiki wurde dieser der Großteil des ehemaligen Neurusslands angeschlossen, wobei im Rahmen der bolschewistischen Nationalitätenpolitik der traditionelle Name der Region verboten wurde. 1954 wurde der Ukraine auch die Halbinsel Krim übergeben, die bis dahin unter der Verwaltung der Russischen SFSR stand.

Als Folge des politischen Umsturzes im Zuge des Euromaidans und der damit verbundenen Proteste in der Südost-Ukraine erfuhr der Begriff in der jüngsten Zeit eine erneute Verbreitung. Aktuell tritt unter diesem historischen Namen die konföderative Union der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk und der Volksrepublik Lugansk.

Einwanderungspolitik[Bearbeiten]

Die Vormundschaftskanzlei für ausländische Ansiedler in Sankt Petersburg war bis ins Jahr 1766 für die Verwaltung der nichtrussischen Ansiedler zuständig. Danach entstand das Saratower Fürsorgekontor für ausländische Ansiedler in Saratow. Dieser Ansatz bewährte sich und so entstand 1799 das Neurussland-Fürsorgekontor für ausländische Ansiedler und 1803 ein Kontor unter der Leitung des Herzogs von Richelieu für die Siedler im Gebiet von Odessa. 1804 übernahm er zusätzlich noch die Leitung des Neurussland-Fürsorgekontors. Im Jahr 1818 beaufsichtigte das Neurussland-Fürsorgekontor 84 Kolonien mit 17.000 Bewohnern und das Kontor in Odessa 44 Kolonien mit 15.500 Bewohnern.

1818 wurde die Verwaltung der Siedler reorganisiert und das Fürsorgekomitee für ausländische Ansiedler in Südrussland in Cherson gegründet, welches drei Niederlassungen in den Gouvernements Jekaterinoslaw (heute: Dnipropetrowsk), Cherson (mit Odessa) und Bessarabien hatte, welche jeweils die wirtschaftlichen und rechtlichen Probleme in ihrem Gebiet regelten. Das Komitee bestand bis 1871 bis zur Abschaffung der Privilegien für die Kolonisten. Siedler wurden unter anderem auch im deutschsprachigen Raum angeworben, daraus entstanden die in verstreuten Ortschaften lebenden Schwarzmeerdeutschen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]