Pektolith

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Pektolith
Pectolite-112882.jpg
Pektolith aus Bergen Hill, New Jersey, USA
Chemische Formel

Ca2Na[Si3O8OH]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.DG.05 (8. Auflage: VIII/F.18) nach Strunz
65.02.01.04 nach Dana
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin triklin-pinakoidal; 1[1]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P1 (Raumgruppen-Nr. 2)
Farbe Farblos, Weiß, Grauweiß, Gelblich, Rosa, Meerblau (Larimar)
Strichfarbe weiß
Mohshärte 4,5 bis 5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,84 bis 2,90 ; berechnet: 2,87 [2]
Glanz Glas- bis Seidenglanz
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Spaltbarkeit vollkommen nach {100} und {001}
Bruch uneben, splittrig
Habitus nadelig bis faserig
Zwillingsbildung selten, Zwillingsachse [010], Verwachsungsebene {100}
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,594 bis 1,610 ; nβ = 1,603 bis 1,614 ; nγ = 1,631 bis 1,642 [3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,037 [3]; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 50° bis 63° ; berechnet: 42° bis 60° [3]
Pleochroismus nicht bekannt
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Wollastonit, Bustamit
Besondere Kennzeichen Tribolumineszenz

Das Mineral Pektolith, gelegentlich auch Pectolit(h) bzw. Pecktolit geschrieben oder unter der synonymen Bezeichnung Gonsogolit, Schizolite, Stellite und Alaska Jade bekannt, ist ein Kettensilikat aus der Wollastonit-Gruppe, das an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein kann, insgesamt aber wenig verbreitet ist.

Pektolith kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca2Na[Si3O8OH][4] und entwickelt häufig faserige bis stängelige Kristalle in paralleler oder radialstrahliger Anordnung.

Bekannt ist vor allem die als Schmuckstein verwendete, blauweiß gewolkte Varietät Larimar.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Wasserklarer, durchsichtiger Pektolith aus der Grube Poudrette, Mont Saint-Hilaire, Rouville, Montérégie, Québec, Kanada

Reiner Pektolith ist farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine grauweiße, gelbliche, rosa oder selten auch blaugrüne Farbtönung annehmen, wobei die Transparenz entsprechend bis zur Undurchsichtigkeit abnimmt. Sichtbare Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, nadelige und faserige Aggregate dagegen eher Perl- oder Seidenglanz.

In seinen Eigenschaften ist Pektolith dem Wollastonit und dem Bustamit sehr ähnlich.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Pektolith an dem als „Sano“ bezeichneten Hang des Monte Baldo in der Nähe der Gemeinde Mori in der italienischen Provinz Trient (Region Trentino-Südtirol) und beschrieben 1828 durch Franz von Kobell, der das Mineral nach den altgriechischen Worten πηκτός pektos für „geronnen“ oder „aus verschieden Teilen entstanden“ und λίθος lithos für Stein benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Pektolith zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Bustamit, Cascandit, Denisovit, Ferrobustamit, Foshagit, Jennit, Serandit, Vistepit und Wollastonit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Pektolith ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Kettenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 3-periodischen Einfach- und Mehrfachketten“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bustamit, Cascandit, Ferrobustamit, Sérandit, Tanohatait und Wollastonit die unbenannte Gruppe 9.DG.05 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Pektolith in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“. hier ist er zusammen mit dem namensgebenden Wollastonit und den weiteren Mitgliedern Bustamit, Ferrobustamit, Serundit, Cascundit und Denisovit die „Wollastonitgruppe“ mit der System-Nr. 65.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=3“ bildet.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Varietät Larimar aus der Dominikanischen Republik

Larimar ist eine blau-weiß gewolkte Varietät des Pektolith, die bisher (Stand: 2010) nur an zwei Fundorten nachgewiesen werden konnte: In einem umgewandelten, ultrabasischen Vulkanit auf der Halbinsel Barahona in der Dominikanischen Republik und am „Fittà“ bei Soave in Italien. Larimar hat nichts mit dem ebenfalls auf Hispaniola vorkommenden blauen Bernstein zu tun, der mitunter in den gleichen Betrieben in Puerto Plata und in gleicher Weise verarbeitet wird wie Pektolith.

Larimar wurde erst 1974 entdeckt (dass der Larimar bereits den Ureinwohnern der Insel bekannt gewesen sein soll, ist eine Legende) und wird seit Anfang der 1980er Jahre als Schmuckstein kommerziell genutzt. Gegenüber dem weißen Pektolith ist der Larimar härter (bis 6 auf der Mohs'schen Skala) und tritt ausschließlich in dichten, feinkristallinen Aggregaten auf. Die himmelblaue Farbe beruht auf geringen Spuren von Vanadium (nicht auf Kupfer, da es nachweislich Cu-freie Larimare gibt); daneben kommen grünliche Abarten vor, deren Farbe vermutlich nur auf Gitterfehler zurückzuführen ist.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Sphärolithischer, rosafarbener Pektolith aus New Jersey, USA

Pektolith bildet sich entweder primär in Nephelin-Syeniten oder hydrothermal in Spalten, Klüften oder Drusen basaltischer Eruptivgesteine. Er tritt häufig in Paragenese mit verschiedenen Zeolithen, Datolith und Prehnit auf.

Insgesamt konnte Pektolith bisher (Stand: 2011) an rund 300 Fundorten nachgewiesen werden.[3] Neben seiner Typlokalität Monte Baldo wurde das Mineral in Italien noch an mehreren Orten im Aostatal, Ligurien, Piemont, Trentino-Südtirol und Venetien sowie im Malencotal (Val Malenco) in der Provinz Sondrio (Lombardei) und in der Gemeinde Castelnuovo di Val di Cecina (Toskana) gefunden.

In Deutschland trat Pektolith unter anderem im Schwarzwald und am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg; bei Gladenbach und Steinperf in Hessen; im Sauerland in Nordrhein-Westfalen sowie bei Niederkirchen, Bisterschied und Wolfstein in Rheinland-Pfalz.

Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Pektolithfunde ist unter anderem West Paterson im Passaic County (New Jersey) in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), wo nadelige und kugelförmige Aggregate von bis zu 18 cm Durchmesser zutage traten. Bis zu 5 cm lange, prismatische Kristalle konnten am Mont Saint-Hilaire in der kanadischen Provinz Québec geborgen werden.[5]

Weitere Fundorte sind Australien, Brasilien, China, Dänemark, die Dominikanischen Republik, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Irland, Japan, Kanada, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Polen, Russland, Schweden, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, das Vereinigten Königreich (Großbritannien) sowie weitere Orte in den bereits erwähnten Ländern Kanada und USA.


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Pektolith kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 7,98 Å; b = 7,02 Å; c = 7,02 Å; α = 90,5°; β = 95,1° und γ = 102,5° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Verwendung[Bearbeiten]

In Silber gefasster Larimar-Cabochon
Larimar als Trommelstein

Der Pektolith selbst hat keine unmittelbare wirtschaftliche Bedeutung. Seine Varietät Larimar ist allerdings aufgrund seines blau-weißen, wolkigen Aussehens ein recht beliebter Schmuckstein, dessen Farbenspiel am besten im Cabochon-Schliff zur Geltung kommt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Pectolite (englisch)
  2. Handbook of Mineralogy - Pectolite (englisch, PDF 74,4 kB)
  3. a b c d Mindat - Pectolite (englisch)
  4. a b  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
  5.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 242.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pectolite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien