Rafael Merry del Val

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Rafael Kardinal Merry del Val, Kardinalstaatssekretär in Cappa magna

Rafael Kardinal Merry del Val y Zulueta (* 10. Oktober 1865 in London, England; † 26. Februar 1930 im Vatikan) war Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche.

Leben[Bearbeiten]

Rafael Merry del Val y Zulueta 1897 als Apostolischer Delegat in Kanada

Rafael Merry del Val y Zulueta entstammte einer spanischen Familie, die bis 1878 in England ansässig war. Seine Schul- und Studienjahre verbrachte er in Slough, Namur, Brüssel, Durham und Rom. Er erwarb das Lizentiat in Kanonischem Recht und promovierte sowohl in Katholischer Theologie als auch in Philosophie.

1887 gehörte er der Päpstlichen Delegation an, die anlässlich des goldenen Thronjubiläums von Königin Victoria nach Großbritannien entsandt wurde. 1888 empfing er in Rom das Sakrament der Priesterweihe und arbeitete anschließend zwei Jahre lang als persönlicher Sekretär von Erzbischof Luigi Galimberti, dem Apostolischen Nuntius für Deutschland und Österreich-Ungarn. Nach weiterführenden Studien wurde er 1891 als „Päpstlicher Geheimkämmerer de numero participantium“ Mitglied der Päpstlichen Familie.

Ab 1893 arbeitete er in Wien, ab 1896 war er Sekretär der Päpstlichen Kommission für die Überprüfung der Gültigkeit der anglikanischen Weihen. In den Jahren 1897 und 1898 versah er die Aufgabe des Apostolischen Delegaten in Kanada. 1898 ernannte ihn Papst Leo XIII. zum Berater der römischen Kurie für Fragen des Index der verbotenen Bücher, ein Jahr darauf übertrug er ihm die Leitung der Päpstlichen Diplomatenakademie.

Grab in den Grotten von St. Peter in Rom

1900 wurde Rafael Merry del Val y Zulueta zum Titularerzbischof von Nicaea erhoben. Die Bischofsweihe spendete ihm am 6. Mai 1900 der damalige Kardinalstaatssekretär, Mariano Kardinal Rampolla del Tindaro.

Merry del Val leitete in den folgenden Jahren mehrere päpstliche Gesandtschaften. Im Konklave nach dem Tod Leos XIII. 1903 fungierte er als Konklavesekretär und erwarb sich das Vertrauen des darin gewählten Pius X., der ihn – noch bevor er ihn als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Prassede in das Kardinalskollegium aufnahm –, zu seinem Staatssekretär ernannte und ihm die Leitung der Präfektur des Päpstlichen Palastes übertrug.

Zur Zeit des heiligen Papstes Pius X. war Merry del Val, zusammen mit dem Kirchenhistoriker Umberto Benigni der hervorragende Kämpfer gegen den Modernismus. 1904 wurde del Val Präsident der Päpstlichen Kommission für die Koordination von Wohlfahrtsfragen der Kirche. 1911 bis 1912 war er Camerlengo des Heiligen Kardinalskollegiums, ab 1912 leitete er die Verwaltung der Dombauhütte des Petersdoms. Im Jahr 1914 wurde Rafael Merry del Val y Zulueta zum Sekretär des Heiligen Offiziums berufen und überdies Präsident der Akademie für katholische Religion in Rom. Darüber hinaus leitete er als Päpstlicher Legat mehrere bedeutende Gesandtschaften in Italien und im Ausland.

Beim Konklave vom 2. bis 6. Februar 1922, das schließlich Pius XI. zum Papst wählte, gehörte del Val zu den „frommen Eiferern“ („zelanti“).

Er erlag am 26. Februar 1930 einer Blinddarmentzündung und wurde im Petersdom von Kardinal Pacelli beigesetzt. Der Seligsprechungsprozess für Rafael Merry del Val y Zulueta wurde am 26. Februar 1953 eröffnet. Berühmtheit erlangten seine Fremdsprachenkenntnisse: Er beherrschte insgesamt 63 Fremdsprachen (inklusive Dialekte), die meisten davon fließend.

Otto Hierl-Deronco porträtierte ihn im Vatikan mehrfach, in Lebensgröße, am Schreibtisch und als Brustbild mit dem Kardinalshut, der jedem Kardinal nur einmal vom Papst bei der Ernennung aufgesetzt wurde (1913). Bekannt wurde das Doppelporträt Papst Pius X. mit seinem Staatssekretär, denn seit Mitte des 16. Jahrhunderts war es keinem Künstler mehr erlaubt worden, den Papst mit Kardinälen zusammen zu porträtieren.

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Giuseppe dalla Torre: The Cardinal of charity. Memorial discourse on the work and virtues of the late Cardinal Raphael Merry del Val; New York 1932
  • Pio Cenci: Il Cardinale Raffaele Merry del Val; Rom 1933
  • Vigilio Dalpiaz: Attraverso una porpora. Il cardinale Merry del Val; Turin 1935
  • Rafael Figueroa Ortega: Una gloria de la iglesia. El Cardenal Rafael Merry del Val; Mexiko 1937
  • Girolamo dal Gal: Il cardinale Merry del Val. Segretario di Stato del Beato Pio X; Rom 1953
  • Mary Bernetta Quinn: Give me souls. A life of Raphael Cardinal Merry del Val; Westminster 1958
  • Girolamo dal Gal: The spiritual life of Cardinal Merry del Val; New York 1959
  • Marie-Cecilia Buehrle: Rafael Cardinal Merry del Val; London 1957
  • Jean LeBlanc: Dictionnaire biographique des évêques catholiques du Canada. les diocèses catholiques canadiens des Églises latine et orientales et leurs évêques; repères chronologiques et biographiques, 1658–2002; Ottawa 2002; S. 242–245

Werke[Bearbeiten]

  • Pius X. Erinnerungen und Eindrücke seines Staatssekretärs; Basel 19544

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Mariano Rampolla del Tindaro Kardinalstaatssekretär
1903–1914
Domenico Ferrata
Mariano Rampolla del Tindaro Erzpriester des Petersdoms
1914–1930
Federico Kardinal Tedeschini
Domenico Kardinal Ferrata Sekretär des Heiligen Offiziums
1914–1930
Donato Raffaele Kardinal Sbarretti Tazza