Rocco und seine Brüder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Rocco und seine Brüder
Originaltitel Rocco e i suoi fratelli
Produktionsland Italien, Frankreich
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1960
Länge 177 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Luchino Visconti
Drehbuch Suso Cecchi D’Amico
Pasquale Festa Campanile
Massimo Franciosa
Enrico Medioli
Luchino Visconti
Produktion Goffredo Lombardo
Musik Nino Rota
Kamera Giuseppe Rotunno
Schnitt Mario Serandrei
Besetzung

Der Film Rocco und seine Brüder (italienischer Originaltitel: Rocco e i suoi fratelli) von Luchino Visconti aus dem Jahre 1960 gehört zu dessen Trilogie über Süditalien. Der in Schwarzweiß gedrehte Film gehört zur Spätphase des italienischen Neorealismus. Er nimmt Personen und Motive des Buches Il ponte della Ghisolfa von Giovanni Testori auf.

Handlung[Bearbeiten]

Die Witwe Rosaria Parondi kommt mit ihren vier Söhnen Rocco, Simone, Ciro und Luca in den 1950er Jahren aus Lukanien im Süden Italiens nach Mailand, wo Vincenzo, der älteste der Brüder, schon seit einiger Zeit lebt. Luca ist als einziger noch im Teenageralter, während die anderen bereits erwachsen sind. Gleich am ersten Abend überwirft sich Rosaria mit der Familie der Verlobten Vincenzos. Die Familie Parondi muss in eine ärmliche Sozialwohnung ziehen. Sie hofft, dass Vincenzo ihnen eine Arbeit verschaffen kann. Bald werden Simone und Rocco von Vincenzo in den Boxsport eingeführt, aber nur Simone, der Stärkere, wird von einem ehemaligen Boxer „entdeckt“. Als Simone sich in Nadia, eine Prostituierte, verliebt, diese aber seinen Bruder Rocco vorzieht, wird Simone zum erbarmungslosen Rivalen Roccos. Er vergewaltigt Nadia vor den Augen Roccos und schlägt diesen bewusstlos. Schließlich ermordet er Nadia aus Eifersucht und verletzter Eitelkeit. Dies führt zum Zerfall der Familie. Die Familie, einst Grundpfeiler der süditalienischen Tradition und Lebensweise, verliert in der Großstadt ihre Funktion und ihren Zusammenhalt. Zitat: „Wir sind Feinde geworden“.

Produktion[Bearbeiten]

Drehorte waren neben Mailand die norditalienische Gemeinde Bellagio, die westitalienische Hafenstadt Civitavecchia und der Lago di Fogliano, ein Küstensee südlich von Rom.[2] In der Szene, in der Rocco Nadia verlässt, dient das Dach des Mailänder Doms mit dem Blick auf die Stadt als Kulisse. Für den Regisseur gestalteten sich die Dreharbeiten schwierig. Bereits erteilte Drehgenehmigungen wurden mehrfach von diversen Stadtverwaltungen widerrufen. So musste er auf eigentlich ungeeignete Orte ausweichen.[3]

Selbst die italienische Version wurde größtenteils synchronisiert, jedoch nicht von den Darstellern selbst.[3]

Rezeption[Bearbeiten]

Rocco und seine Brüder wurde 1960 bei den Filmfestspielen in Venedig zwar preisgekrönt, aber erst 1993 wurde der Film in einer restaurierten Fassung in voller Länge zum ersten Mal in Deutschland (im ZDF) gezeigt. Bereits die Weltpremiere des Films erfolgte mit Schnitten, weil ihm schockierende Brutalität und Pessimismus vorgeworfen wurden. Trotzdem wurde Viscontis Film ein kommerzieller Erfolg in Italien, der wegen seiner kraftvollen und überzeugend gespielten Emotionen nicht nur für den Durchbruch Alain Delons, sondern auch für die weitere Anerkennung Viscontis als Regisseur sorgte.

Zwei Jahre später arbeiteten Luchino Visconti, Alain Delon und Claudia Cardinale in Der Leopard erneut zusammen.

Am 27. September 2008 wurde die aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzte Bühnenfassung in der Jahrhunderthalle Bochum uraufgeführt, in einer Koproduktion von Toneelgroep Amsterdam und RuhrTriennale unter der Regie von Ivo van Hove.

Basierend auf dem Filmklassiker gibt es auch ein abendfüllendes Handlungsballett in zwei Akten (I fratelli – Die Brüder), das Mauro Bigonzetti 2006 für das Stuttgarter Ballett schuf und das auch in der Saison 2010/2011 wieder auf dem Spielplan stand.

Charakterisierung der Hauptpersonen[Bearbeiten]

Rosaria ist die mütterliche Autorität und Mittelpunkt der Familie Parondi; sie muss auch den verstorbenen Vater für die „Jungens“, wie sie in der deutschen Fassung genannt werden, ersetzen. Für sie ist wie für Rocco die Familie und deren Zusammenhalt das Allerwichtigste.

Vincenzo ist der älteste Sohn der Familie Parondi. Er ist aus Lukanien in den wohlhabenden Norden nach Mailand gezogen und gründet dort eine eigene Familie. Er versucht seinen Brüdern Arbeit zu verschaffen und bringt seine Brüder Simone und Rocco in Berührung mit dem Boxsport.

Simone ist der physisch Stärkste, aber psychisch labilste der Brüder. Geblendet von der „Glitzerwelt“ der Großstadt, lebt er über seine Verhältnisse und erliegt der Illusion von schnellem Reichtum. Er ist besessen von Nadia, einer Prostituierten, und dem Bild, das sie für ihn verkörpert. Durch mehrere Diebstähle und den Mord an Nadia lädt er Schuld auf sich und bewirkt letztlich den Zerfall der Familie.

Rocco versucht, die Einheit der Familie zu bewahren; er ist sensibel, naiv und opferbereit. Zu Gunsten seines Bruders Simone verzichtet er auf Nadia und nimmt für ihn sogar einen riesigen Kredit auf. Anfangs arbeitet er in einer Wäscherei und ist dann der weniger leidenschaftliche, aber schließlich erfolgreichere Boxer. Trotz allem, was er durch Simone erlitten hat, steht er ihm zur Seite, weil er sein Bruder ist.

Ciro erhält nach der Schulausbildung eine feste Stelle in der Autofabrik Alfa Romeo und ist - wie Rocco - in die Gesellschaft integriert. Er erkennt, dass es von einem bestimmten Moment an sinnlos wird, Simone zu unterstützen, weil dieser durch sein Verhalten die Familie ruiniert. Schließlich zeigt er ihn an und spaltet dadurch die Familie. Er gibt seine Sicht der Dinge an seinen jüngsten Bruder Luca weiter.

Luca, der jüngste Parondi, verkörpert die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er möchte mit Rocco, der eine starke Verbundenheit mit der alten Heimat erkennen lässt, dorthin zurückkehren. Bei einem Gespräch darüber mit Ciro ist dieser skeptisch. Es bleibt offen, ob der Rückweg angetreten wird.

Nadia nutzt ihren Körper als Existenzgrundlage, reagiert dabei zuerst abgeklärt und selbstbewusst. Rocco durchbricht ihren Schutzpanzer, macht sie glücklich, aber auch verletzlich; sie beginnt jetzt eine Ausbildung als Stenotypistin. Nach der Enttäuschung durch Rocco, der sich zugunsten seines Bruders Simone von ihr zurückzieht, nimmt sie ihre frühere Tätigkeit wieder auf. Sie will den immer tiefer sinkenden Simone zerstören und bezahlt dafür mit ihrem Leben.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1960 erhielt der Regisseur Luchino Visconti für seinen Film Rocco e i suoi fratelli beim Filmfestival in Venedig den Silbernen Löwen und den Sonderpreis der Jury.

1961 erhielt Goffredo Lombardo, der Produzent von Rocco e i suoi fratelli, den „David di Donatello“ für die beste Filmproduktion (zusammen mit Dino De Laurentiis).

1962: Auszeichnung als bester europäischer Film beim Bodil Festival, Kopenhagen.

Kritiken[Bearbeiten]

„Ein ausdrucksstarkes, tragisch überhöhtes Sozialdrama, angesiedelt zwischen dem Neorealismus von Viscontis Frühwerken und der ausladenden Epik seiner späteren Familienporträts.“

Lexikon des internationalen Films[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag bei der FSK
  2. IMDb Drehorte
  3. a b IMDb Trivia
  4. Rocco und seine Brüder im Lexikon des Internationalen Films