Rodolfo Esteban Cardoso

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Rodolfo Cardoso
Cardoso, Rudolfo Trainer HSVII 13-14 WP.JPG
Spielerinformationen
Voller Name Rodolfo Esteban Cardoso
Geburtstag 17. Oktober 1968
Geburtsort AzulArgentinien
Größe 178 cm
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
EAC Azul
Estudiantes de La Plata
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1986–1989
1989–1993
1993–1995
1995–1996
1996–2004
1998
1998–1999
Estudiantes de La Plata
FC 08 Homburg
SC Freiburg
Werder Bremen
Hamburger SV
Boca Juniors (Leihe)
→ Estudiantes de la Plata (Leihe)
58 0(6)
125 (15)
63 (28)
32 0(2)
111 (17)
11 0(1)
34 0(5)
Nationalmannschaft
1997–2000 Argentinien 8 0(1)
Stationen als Trainer
2008
2009–2014
2011
2011
2011
2013
2014–
Hamburger SV U19
Hamburger SV II
→ Hamburger SV (Co-Trainer; interim)
→ Hamburger SV (interim)
→ Hamburger SV (Co-Trainer; interim)
→ Hamburger SV (interim)
Hamburger SV Jugend (Techniktrainer)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Rodolfo Esteban Cardoso (* 17. Oktober 1968 in Azul) ist ein ehemaliger argentinischer Fußballspieler und heutiger -trainer.

Karriere als Spieler[Bearbeiten]

Cardoso fing in seiner argentinischen Heimat beim EAC Azul an Fußball zu spielen, ehe er in die Jugendabteilung von Estudiantes de La Plata wechselte. In der Saison 1989/90 zog er nach Deutschland zum damaligen Bundesligisten FC 08 Homburg. Nach Abschluss dieser Spielzeit musste Homburg absteigen und Cardoso spielte mit dem Verein die nächsten drei Jahre in der 2. Bundesliga.

Durchbruch in Freiburg[Bearbeiten]

Im Sommer 1993 unterzeichnete er beim SC Freiburg, der gerade zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die Bundesliga aufgestiegen und auf der Suche nach einem offensiven Mittelfeldspieler war. In seiner ersten Saison konnte nur knapp der Abstieg der Breisgauer abgewendet werden, obgleich Cardoso 10 Tore erzielte. Doch bereits im darauf folgenden Jahr überraschte das Team unter Trainer Volker Finke, als der dritte Platz in der Tabelle erreicht wurde und Cardoso eine überragende Rolle einnahm. In dieser Saison 1994/95 gelangen dem Spielgestalter 16 Tore in 30 Partien, darunter zwei Treffer beim 5:1-Heimerfolg gegen Bayern München.[1]

Karriereknick in Bremen und Hamburg[Bearbeiten]

Aufgrund dieser Leistungen fiel Cardoso den Top-Teams der Bundesliga auf, und Cardoso entschied sich für einen erneuten Vereinswechsel. Zur Saison 1995/1996 wechselte er für sechs Millionen DM an die Weser zu Werder Bremen. Dort kam er jedoch auch aufgrund von Verletzungen (Cardoso fiel gleich nach seinem Wechsel in der Vorbereitungszeit mehrere Wochen wegen einer Adduktoren-Zerrung und einer Hüftprellung aus) nicht wie gewohnt zum Einsatz.

Nach nur 15 Monaten in Bremen wollte Cardoso im Oktober 1996 einen Neuanfang wagen, als er beim Hamburger SV, der von Felix Magath trainiert wurde, unterschrieb. Er wurde zunächst für 700.000 Mark ausgeliehen und im Mai 1997 für drei Millionen Mark gekauft. Doch auch hier konnte er nicht mehr an seine Torgefährlichkeit aus seiner Freiburger Zeit anknüpfen, in 28 Spielen gelangen ihm nur zwei Tore. Der neue Trainer Frank Pagelsdorf plante nicht mehr mit Cardoso und sortierte ihn aus. Deshalb wurde Cardoso in der Winterpause der Spielzeit 1997/98 an den hoch verschuldeten argentinischen Traditionsverein Boca Juniors für rund 360.000 Mark verliehen. Nachdem einige Monate später ein Verkauf an die Argentinier angedacht war, konnte der Verein die vom HSV geforderte Ablösesumme von 1,8 Millionen Mark nicht bezahlen. Daraufhin wurde Cardoso nach nur einem halben Jahr bei Boca Juniors an Estudiantes de La Plata weiterverliehen.[2]

Auch der Vereinsführung von Estudiantes wurde Cardoso nach einem Jahr vom Hamburger Sportdirektor Holger Hieronymus zum Kauf angeboten. Doch auch dieser Club konnte den Transfer nicht finanzieren. Schließlich wurde erfolglos versucht, Cardoso an Klubs in Mexiko und Griechenland zu vermitteln.[3] Zwar zeigten sich auch Vereine wie Eintracht Frankfurt, Cardosos Ex-Verein SC Freiburg und Arminia Bielefeld interessiert, doch war keiner der Clubs bereit, auf das Hamburger Angebot in Höhe von 1,5 Millionen Mark einzugehen.

Unverhofftes Comeback[Bearbeiten]

Nachdem es nicht gelungen war, Cardoso an einen anderen Verein zu vermitteln, kehrte er zum HSV zurück.[4] Doch gelang ihm dort ein unverhofftes Comeback: Er entwickelte sich zum Leistungsträger und Publikumsliebling. In seiner Comeback-Saison (1999/2000) bestritt er 28 Spiele, erzielte acht Tore und führte die Mannschaft in die Qualifikation zur Champions League. Weitere fünf Jahre lang spielte er für den HSV, wurde aber von vielen Verletzungen geplagt. Er unterzog sich insgesamt vier Operationen, drei davon am linken Knie. 2000 erreichte er mit dem HSV den dritten und 2003 den vierten Tabellenplatz. Während dieser Zeit gewann er auch seinen einzigen Titel in seiner Karriere, den Ligapokal 2003, als man im Finale Borussia Dortmund mit 4:2 besiegte. Nachdem er aufgrund mehrerer Muskelfaserrisse in der Saison 2003/04 nur noch auf neun Einsätze in der Profimannschaft gekommen war, wechselte er im März 2004 in die Amateurmannschaft der Hamburger. Dort hatte er sieben Einsätze und markierte einen Treffer.

Insgesamt absolvierte Cardoso 220 Bundesligaspiele und schoss dabei 47 Tore.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Der Mittelfeldspieler hatte acht Einsätze in der Nationalmannschaft von Argentinien und war Teilnehmer bei der Copa América 1997 in Bolivien.

Karriere als Trainer[Bearbeiten]

Cardoso leitete nach seinem Karriereende im Jahre 2004 die Fußball-Schule Norderstedt bei Hamburg. Beim Hamburger SV fungierte er zunächst als U-19-Cheftrainer.

Ab Januar 2009 war er Cheftrainer der zweiten Mannschaft (U-23) des HSV. Nach der Entlassung von Armin Veh am 13. März 2011 übernahm er interimsweise bis Saisonende den Posten des Co-Trainers. Zur neuen Saison kehrte er zur U-23 zurück.

Trotz fehlender Trainerlizenz wurde Cardoso nach der Entlassung von Michael Oenning im September 2011 interimistisch Chef-Trainer der Profimannschaft.[5] Bei seinem ersten Spiel führte er den HSV am 23. September 2011 gegen den VfB Stuttgart zum ersten Sieg der Saison.[6] Nachdem der DFB eine weitere Tätigkeit Cardosos als Cheftrainer aufgrund der fehlenden Fußballlehrerlizenz nicht genehmigte, wurde er im Oktober 2011 für ein Spiel Co-Trainer an der Seite des Sportdirektors und neuen Interimstrainers Frank Arnesen.[7]

Anfang Juni 2013 begann Cardoso den Fußballlehrer-Lehrgang des DFB an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln neben seiner Tätigkeit als Trainer.[8] Am 17. September 2013 unterbrach er diesen, um die Erstligaelf des Hamburger SV nach der Entlassung von Thorsten Fink vorübergehend als Interimstrainer mit U-19-Trainer Otto Addo zu betreuen.[9] Zusammen verlor das Trainergespann zwar das Nordderby gegen Werder Bremen mit 0:2, führte das Team aber mit einem 1:0-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth ins Achtelfinale des DFB-Pokal. Sein zum Saisonende auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert.[10]

Im August 2014 kehrte Cardoso als Techniktrainer zum HSV zurück; er arbeitet im Nachwuchsbereich mit den Altersklassen U-15 bis U-19.[11]

Privatleben[Bearbeiten]

2006 wurde Cardoso wegen Verursachen eines tödlichen Autounfalls in Hamburg einer fahrlässigen Tötung und einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt. Er hatte einem Motorradfahrer (der allerdings zu schnell fuhr) die Vorfahrt genommen; dieser verstarb vier Tage später im Krankenhaus.[12]

Cardoso lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Erfolge als Spieler[Bearbeiten]

  • Ligapokal:
  • Bundesliga:
    • 2× Platz 3 1995 mit SC Freiburg sowie 2000 mit Hamburger SV
    • 1× Platz 4 2003 mit Hamburger SV

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leistungsdaten von Cardoso auf www.transfermarkt.de
  2. „Cardoso tanzte beim HSV nur einen Sommer“, welt.de
  3. „Cardoso tanzte beim HSV nur einen Sommer“, welt.de
  4. Der Mann, den keiner haben will, Hamburger Morgenpost vom 29.Juni 1999
  5. Der HSV trennt sich von Michael Oenning
  6. Cardoso hat Gastauftritt beim HSV genossen, Mitteldeutsche Zeitung, 24. September 2011
  7. Frank Arnesen ist neuer Teamchef beim HSV
  8. 60. Lehrgang zum Fußball-Lehrer startet in Hennef
  9. Der HSV trennt sich von Thorsten Fink
  10. U23: Zinnbauer übernimmt ab Sommer von Cardoso
  11. Neue Ausrichtung in der Ausbildung und im Campus-Bau, Offizielle Internetpräsenz des Hamburger SV, veröffentlicht und abgerufen am 27. August 2014
  12. 9.000 Euro Strafe für Cardoso