Volker Finke

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Volker Finke

Finke als Trainer des SC Freiburg (2006)

Spielerinformationen
Geburtstag 24. März 1948
Geburtsort Nienburg/WeserDeutschland
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
0000–1969
1969–1974

TSV Havelse
Hannoverscher SC
TSV Stelingen
TSV Berenbostel
Stationen als Trainer
1974–1986
1986–1990
1990–1991
1991–2007
2009–2010
2011
2013–
TSV Stelingen
TSV Havelse
1. SC Norderstedt
SC Freiburg
Urawa Red Diamonds
1. FC Köln (interim)
Kamerun
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Volker Finke (* 24. März 1948 in Nienburg/Weser) ist ein deutscher Fußballtrainer. Er trainierte 16 Jahre lang ohne Unterbrechung den SC Freiburg und ist damit Rekordhalter im deutschen Profifußball. Aktuell ist er Nationaltrainer von Kamerun.

Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Abitur diente Finke für drei Jahre in der Bundeswehr, absolvierte die Offizierausbildung und beendete 1969 seine Dienstzeit als Leutnant im Artillerieregiment 4. Nach dem Studium war Finke bis 1990 Studienrat für Sport, Sozialkunde und Mathematik an der Albert-Schweitzer-Schule in Nienburg/Weser.

Spielerkarriere[Bearbeiten]

Finkes erste Station als Spieler war bis 1969 der TSV Havelse. Danach wechselte er zum Hannoverschen SC, bei dem er bis 1974 aktiv war, zuletzt in der drittklassigen Landesliga Niedersachsen.

Trainerkarriere[Bearbeiten]

TSV Stelingen[Bearbeiten]

1974 wechselte Finke als Spielertrainer zum TSV Stelingen in der 1. Kreisklasse. Er führte den Verein mit fünf Aufstiegen bis in die Landesliga (1984, damals 5. Liga).

TSV Havelse[Bearbeiten]

1986 kehrte Finke als Trainer zurück zum TSV Havelse (wo er früher selbst aktiv spielte) in die Oberliga Nord. Vier Jahre später führte er das Team zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Im Oktober 1990 (der TSV Havelse belegte einen Abstiegsplatz) ließ er sich auf eigenen Wunsch beurlauben, da er „nicht mehr in der Lage sei, das TSV-Team zu motivieren“.[1] Hintergrund waren Streitigkeiten mit der Vereinsführung und das Interesse des Lokalrivalen Hannover 96, Finke als Trainer zu verpflichten.[2] Da Havelse Finke zunächst nur beurlaubte und drohte, gegen eine Vertragsunterschrift Finkes bei Hannover gerichtlich vorzugehen, kündigte Finke seinen Vertrag fristlos, weil er sich vom Havelser Vorstand öffentlich beleidigt fühlte.[1] Finke erreichte dadurch zwar die Auflösung seines Vertrages, Präsidium und Verwaltungsrat von Hannover 96 entschieden sich allerdings für das Konzept von Michael Lorkowski vom 1. SC Norderstedt.[3] Finke übernahm daraufhin den Trainerposten Lorkowskis bei Norderstedt.

SC Freiburg[Bearbeiten]

Nach einer Saison beim 1. SC Norderstedt in der Oberliga Nord wurde Finke vom damaligen Präsidenten des SC Freiburg, Achim Stocker, „entdeckt“. Zum 1. Juli 1991 wechselte er schließlich nach Freiburg in die 2. Bundesliga und schaffte mit dem SC 1993, 1998 und 2003 jeweils den Aufstieg in die 1. Bundesliga sowie 1995 und 2001 die Qualifikation für den UEFA-Pokal.

In der Saison 2005/06 verpasste er mit Freiburg als Vierter nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Nach einer weniger erfolgreichen Hinrunde gaben Volker Finke und der SC Freiburg am 14. Dezember 2006 bekannt, dass Finke den Verein nach 16 Jahren am Saisonende verlassen werde. Durch eine anschließende Siegesserie (bestes Rückrundenteam) wurde am Ende noch Platz 4 erreicht, der Aufstieg nur knapp verpasst. Dies gab den Fans und Befürwortern Finkes, die sich teilweise in einer Bewegung namens „Wir sind Finke“ organisierten, Auftrieb. Sie versuchte, eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu erzwingen, auf der die Trainerfrage diskutiert und der Vorstand zum Einlenken gedrängt werden sollte, um Finke weiter in Freiburg zu halten. Das Anliegen scheiterte jedoch, da statt der nach der Satzung des SC Freiburg erforderlichen 25 % der Vereinsmitglieder nur etwa 15 % einen Antrag auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung stellten. Nachfolger von Volker Finke wurde Robin Dutt.

Mit den 16 Jahren, die er ununterbrochen denselben Verein trainierte, ist Finke Rekordhalter im deutschen Profifußball. Außerdem ist er der einzige Trainer im deutschen Profifußball, der mit einem Verein dreimal auf- und wieder abgestiegen und trotzdem im Amt geblieben ist.

Urawa Red Diamonds[Bearbeiten]

Als Nachfolger seines entlassenen Landsmanns Gert Engels übernahm Finke das Traineramt der Urawa Red Diamonds aus der japanischen J. League zur Saison 2009. Finke, der einen Zweijahresvertrag erhielt, brachte seine Freiburger Co-Trainer Karsten Neitzel und Ibrahim Tanko mit in den Assistenzstab ein.

In seiner ersten Saison belegte er mit den Red Diamonds den sechsten Rang in der Liga.

Als der Verein am vorletzten Spieltag auf dem neunten Tabellenplatz stand, gab die Vereinsführung Ende November 2010 bekannt, den zum Jahresende 2010 auslaufenden Vertrag mit Finke nicht zu verlängern.[4]

Kamerunische Fußballnationalmannschaft[Bearbeiten]

Seit Mai 2013 ist Finke Trainer der kamerunischen Fußballnationalmannschaft.[5] Unter ihm qualifizierte sich die Mannschaft für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Karriere als Manager[Bearbeiten]

1. FC Köln[Bearbeiten]

Am 18. Dezember 2010 gab der 1. FC Köln bekannt, dass Finke als Nachfolger des im November entlassenen Michael Meier verpflichtet wurde. Finke übernahm den beim FC neu geschaffenen Posten des Sportdirektors am 1. Februar 2011 und band sich bis Sommer 2013 vertraglich an den Club.[6] Nach dem überraschendem Rücktritt des Trainers Frank Schaefer am 27. April 2011 bekleidete Finke zusätzlich dessen Amt bis zum Saisonende. Die Mannschaft gewann die verbleibenden drei Spiele[7] und sicherte damit den Klassenerhalt. Finke konnte dann Ståle Solbakken als neuen Trainer gewinnen. Am 10. März 2012 wurde Finkes Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Als Grund hierfür wurden unterschiedliche Auffassungen im Club über die Weichenstellungen im Bereich Fußball angegeben.[8]

Fernsehkommentator[Bearbeiten]

Während der Euro 2008 kommentierte Finke zusammen mit Bernard Thurnheer einige Partien im Schweizer Fernsehen.

Film[Bearbeiten]

  • 1994 Volker Finke, Fußballtrainer in Freiburg, Nikofilm, Regie: Matthias Keilich

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kicker Sportmagazin Nr. 84 vom 15. Oktober 1990, S. 50
  2. Kicker Sportmagazin Nr. 83 vom 11. Oktober 1990, S. 19 ff.
  3. Kicker Sportmagazin Nr. 85 vom 18. Oktober 1990, S. 20
  4. Going a separate way from Team Manager Finke. Urawa Red Diamonds. 29. November 2010. Abgerufen am 1. Dezember 2010.
  5. Finke neuer Kamerun-Trainer, in: transfermarkt.de, vom 23. Mai 2013
  6. Bundesliga-Comeback von Volker Finke. Kicker. 18. Dezember 2010. Abgerufen am 20. Dezember 2010.
  7. Schaefer tritt zurück, Finke übernimmt
  8. „Ich war der Bad Guy“, faz.net, 11. März 2012