Saint-Pol-de-Léon

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Saint-Pol-de-Léon
Wappen von Saint-Pol-de-Léon
Saint-Pol-de-Léon (Frankreich)
Saint-Pol-de-Léon
Region Bretagne
Département Finistère
Arrondissement Morlaix
Kanton Saint-Pol-de-Léon (Chef-lieu)
Koordinaten 48° 41′ N, 3° 59′ W48.685277777778-3.986388888888944Koordinaten: 48° 41′ N, 3° 59′ W
Höhe 0–57 m
Fläche 23,43 km²
Einwohner 6.804 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 290 Einw./km²
Postleitzahl 29250
INSEE-Code
Website http://www.saintpoldeleon.fr/

Kathedrale Saint-Paul Aurélien

Saint-Pol-de-Léon (bretonisch Kastell Paol, „Paulsburg“) ist eine Gemeinde im Département Finistère in der Bretagne in Frankreich. Ihre 6804 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) nennen sich Saintpolitains. Saint-Pol-de-Léon ist Hauptort des gleichnamigen Kantons.

Auf die See ausgerichtet besitzt Saint-Pol-de-Léon bedeutende Zeugnisse der sakralen Baukunst. Als Bischofssitz bis zur französischen Revolution hat sie eine Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert und zudem eine Kirche, deren fast 80 m hoher Turm der höchste der Bretagne ist. Als „Hauptstadt des Gemüseanbaus“ exportiert sie jedes Jahr Tausende Tonnen verschiedener Gemüsesorten nach ganz Europa.

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Der Name der Gemeinde bezieht sich auf einen der sieben legendären Kirchengründer der Bretagne, den Heiligen Paulinus Aurelianus. Der Namensteil Léon leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen Wort Legio ab. Zu gallisch-römischer Zeit war eine römische Legion in der Gegend stationiert. Der Name wurde schließlich auf die gesamte Gegend übertragen. Die historische Provinz „Diözese Léon“ war bis ins 18. Jahrhundert eine der Provinzen der Bretagne. Bis heute lebt der Name in der Bezeichnung der Küstenlinie des Arrondissement Morlaix als Côte du Léon weiter.

Gallo-römische Festung[Bearbeiten]

Das Gebiet des heutigen Saint-Pol war bereits in der Urgeschichte besiedelt. Funde zeugen von einer militärischen Präsenz der Römer im 3. Jahrhundert. Wie aus den ältesten Schriften hervorgeht, war der Ort von einem „Erdwall von beeindruckender Höhe“ umgeben.

Bischofssitz[Bearbeiten]

Im 6. Jahrhundert stieg der Klostersitz zum Bistum auf, der neue Name lautete Kastell Paol. Der Ort dehnte sich nunmehr über die alte, enge gallo-römische Umwallung aus. Im 15. Jahrhundert etablierte sich die Stadt als geistiges und kulturelles Zentrum der Region. Sie zählte zu jener Zeit 2.000 Einwohner. Der Hafen von Pempoul hatte seine Blütezeit erreicht. Befestigte Tore sollten der Stadt bis ins 18. Jahrhundert Schutz bieten.

Im 18. Jahrhundert wurde die Architektur der Stadt durch das Wirken der Bischöfe des Léon nachhaltig geprägt. Der neue Bischofspalast wurde 1706 fertiggestellt und 1750 vergrößert. Das ehemalige Großseminar stammt aus dem Jahr 1708, das Kollegium geht auf das Jahr 1788 zurück.

Die Französische Revolution[Bearbeiten]

Mit der Französischen Revolution wurde der Bischofssitz aufgelöst. Die Situation der Stadt, die ein Bistum, ein reiches Kapitel, ein Kollegium, drei Glaubensgemeinschaften, ein Rückzugshaus und 15 Pfrundhäuser verlor, wurde als katastrophal beschrieben. Ein Jahrhundert des kulturellen und wirtschaftlichen Niedergangs brach an. „Saint-Pol ist heute eine tote Stadt“, schrieb Flaubert auf seiner Durchreise im Jahr 1847.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Bau der Eisenbahn im Jahr 1883 trug erheblich zum Aufschwung des Gemüseanbaus bei. 1890 war Saint-Pol der wichtigste Handelsplatz Frankreichs für die Ausfuhr von Gemüse (Artischocken, Blumenkohl und andere). Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war Saint-Pol unangefochten die Hauptstadt des Gemüse produzierenden „Ceinture Dorée“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen, Hafen „Pempoul“

Bauwerke[Bearbeiten]

Kathedrale Saint-Paul-Aurélien
Notre-Dame du Kreisker
 
  • Die romanisch-gotische Kathedrale (12. bis 16. Jahrhundert) ist Paul Aurélien geweiht, dem ersten Bischof von „Léon“ im 6. Jahrhundert, die Orgel aus dem 17. Jahrhundert wurde von Robert Dallam gebaut. Die Kathedrale Saint-Paul Aurélien zeigt einerseits noch einzelne Überreste romanischer Baukunst und ist zum anderen ein Beweis für den prägenden Einfluss der normannischen Kunst auf die Architektur der Bretagne gegen Ende des 13. Jahrhunderts. An der Stelle einer romanischen Kirche, von der einige Spuren noch vorhanden sind, wurde dieses Bauwerk schrittweise errichtet. Die Westfassade mit ihren zwei Türmen und das Kirchenschiff aus Kalkstein („Calcaire de Caen“) verdeutlichen die Verwandtschaft von Baumaterial und Stil mit der Normandie. Das Querschiff und der Chorraum stammen aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Chorumgang und die Kapelle wurden im 16. Jahrhundert fertiggestellt.
  • Die Kapelle Notre-Dame du Kreisker wurde im 14. und 15. Jahrhundert erbaut. Ihr 78 Meter hoher Turm ist der höchste in der ganzen Bretagne und war Vorbild für viele andere bretonische Kirchtürme. Sébastien Le Prestre de Vauban, der bekannte französische General und Festungsbaumeister, bezeichnete diesen Turm als das gewagteste Gebäude, das er jemals gesehen habe. Der Einfluss der normannischen (Saint-Pierre de Caen) und englischen Formen ist sehr deutlich zu erkennen. Nachdem Napoleon 1807 per Dekret schon seine Zerstörung angeordnet hatte, konnte der bedeutendste unter den Kirchtürmen der Bretagne (14./15. Jahrhundert) doch noch gerettet werden. Als Rechtfertigung wurde seine Rolle für die Seeschifffahrt angeführt.
  • Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert
  • Burg und Park Kernevez
  • Das Rathaus ist der 1706 unter dem Episkopat von Bourdonnaye erbaute „Neue Bischofspalast“. Das Gebäude ist ein Beispiel für die Prägung des Stadtbilds im 18. Jahrhundert durch die Bischöfe des „Léon“ das Bild ihrer Stadt. Es wurde 1750 vergrößert und enthält eine schöne monumentale Treppe mit einigen Gemälden aus dem Louvre.
  • Das „Prebendale“-Haus (Pfrundhaus) ist eine prachtvolle Residenz aus dem 16. Jahrhundert, von einem reichen kirchlichen Würdenträger errichtet, dessen Titel auch die Einhebung von Pfründen umfasste. Der Baustil wird als bretonische Renaissance bezeichnet. Außen fällt eine ebenso findige wie gelungene Mischung an Dachelementen auf: An Kanten symbolisieren die Verzierungen mit einem Löwen und einem Drachen die Doppelzugehörigkeit des Hausherrn zur Stadt und zur Kirche - der Löwe ist das Emblem des Léon, der Drache eine Hommage an Saint-Paul Aurélien.
  • Megalithen von Boutouiller

Küste und Strände[Bearbeiten]

An einem 13 km langen Küstenstreifen tragen einige Strände und kleine Buchten von Saint-Pol-de-Léon poetische Namen wie „Tahiti“, „Petit Nice“ (Klein-Nizza), „Sainte-Anne“. Entdecken kann man sie vom Aussichtspunkt des Stadtparks „Champ de la Rive“ aus, der von einem großen Granitkreuz aus dem Jahre 1901 überragt wird. Von hier überblickt man

  • die kleine Insel „Sainte-Anne“, ein Naturdenkmal, wo die Karmeliten bis zum 18. Jahrhundert wie Einsiedler lebten und der riesige Fels mit starken Kanonen bestückt war
  • die Burg vom Stier („Château du Taureau“), von Franz I. erbaut und von Vauban befestigt
  • die Felsformation von der Pointe de Primel
  • die Küste um Lannion
  • die „Sept-Îles“ (7 Inseln)

Vom „Champ de la Rive“ aus sieht man die Fährschiffe nach Großbritannien und Irland, die Umrisse der im 6. Jahrhundert erbauten Kapelle Notre-Dame de Callot, die Halbinsel von Trégondern mit ihrer Kapelle samt achteckigem Taubenhaus. Die großen Passagierfähren der Brittany Ferries begegnen hier den kleinen, reaktionsschnellen Kuttern aus Carantec mit ihren Segeln.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Mit der deutschen Stadt Vechta in Niedersachsen besteht eine Städtepartnerschaft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saint-Pol-de-Léon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien