Sepiolith

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Sepiolith
Sepiolite-477763.jpg
Hellrosa bis weißer Sepiolith aus Quincy-sur-Cher nahe Bourges, Frankreich (Sichtfeld 7 mm)
Andere Namen
  • Meerschaum
Chemische Formel

Mg8[(OH)2|Si6O15]2·(4+8)H2O[1]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.EE.25 (8. Auflage: VIII/H.33) nach Strunz
74.03.01b.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) Pncn (Raumgruppen-Nr. 52)
Farbe weiß, grauweiß, gelblichweiß
Strichfarbe weiß
Mohshärte 2 bis 2,5[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: > 2 (trockene, poröse Massen schwimmen auf Wasser); berechnet: 2,26
Glanz matter Fettglanz
Transparenz undurchsichtig bis schwach durchscheinend
Spaltbarkeit n.d.
Bruch uneben
Habitus erdige, massige, selten auch feinfaserige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,498 bis 1,522; nβ = 1,507 bis 1,553; nγ = 1,527 bis 1,579[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,029 bis 0,057[4]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 20° bis 70°; berechnet: 18°[4]
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Alabaster

Das Mineral Sepiolith, allgemein auch als Meerschaum bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Magnesiumsilikat mit der chemischen Zusammensetzung Mg8[(OH)2|Si6O15]2·(4+8)H2O[1]. Nach seiner Kristallstruktur gehört es zu den Schichtsilikaten. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und wurde bisher nur in Form erdiger oder massiger, knolliger selten auch feinfaseriger Mineral-Aggregate von weißer, grauweißer oder gelblichweißer Farbe gefunden.

Nicht mit dem Mineral zu verwechseln ist die Pflanze Seemoos, die auch als Meerschaum bezeichnet wird.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Sepiolith hat theoretisch, berechnet nach der möglichen Packungsdichte der Elementarzelle, eine Dichte von 2,26 g/cm³. Das Mineral ist allerdings oft sehr porös, enthält also ähnlich wie Bims viel Luft, was seine Dichte soweit verringern kann, dass es schwimmfähig wird.

Vor dem Trocknen ist die Meerschaumknolle wachsweich und fühlt sich fettig an. Durch die Berührung mit Wasser schäumt sie wie Seife und wurde deshalb schon von den Griechen für Reinigungszwecke verwendet. Zur Pfeifenherstellung eignet sich diese Knolle ausgezeichnet, da sie leicht zu bearbeiten und wegen der porösen Struktur sehr saugfähig ist. Das Mundstück wird allerdings aus anderen Materialien gefertigt, da die Zunge an Sepiolith kleben bleiben würde.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Die Entstehung des Namens Meerschaum wird unterschiedlich erklärt. Eine Deutung geht von der levantinischen Handelsbezeichnung mertscavon aus. Die österreichischen Händler, die seinerzeit den Meerschaummarkt kontrollierten, hätten das unaussprechliche Wort so eingedeutscht. Eine Verbindung mit „Schaum“ ist für das weißliche, manchmal auch gelblich oder leicht grau getönte und dabei poröse Mineral jedenfalls naheliegend.

Duden gibt als Herkunft eine Lehnübersetzung von lateinisch spuma (maris) an, ursprünglich eine Bezeichnung für Korallen.[5]

Autor des wissenschaftlichen Namens Sepiolith (zu griechisch sepion „Tintenfisch“) ist Ernst Friedrich Glocker, der 1847 meinte nachweisen zu können, dass Meerschaum aus Ablagerungen fossiler Muscheln und Fischknorpeln entstanden sei. Auch an die Ähnlichkeit mit der weißen porösen Masse des Sepia-Schulps erinnert der Name.

Als Typlokalität gilt der alte Magnesit-Steinbruch „Bettolino“ in der italienischen Gemeinde Baldissero Canavese (piemontesisch Bausser).[6]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehört der Sepiolith zur allgemeinen Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“. Mit der Überarbeitung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage wurde auch diese Abteilung präziser unterteilt nach der Struktur der Verbindung und das Mineral steht jetzt entsprechend in der Unterabteilung der „Einfachen tetraedrischen Netze aus sechsfach-Ringen, verbunden über oktaedrische Netze oder Bänder“.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Sepiolith in die Abteilung der „Schichtsilikate: modulierte Lagen mit verbundenen Streifen“ und dort zusammen mit Falcondoit und Loughlinit in die „Palygorskit-Sepiolithgruppe (Sepiolith-Untergruppe)“.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Handstück aus weißem Sepiolith aus der türkischen Provinz Eskişehir (Größe: 3" x 2,5" x 2,5"; entspricht 7,62 x 6,35 x 6,35 cm)
Poliertes Sepiolith-Handstück aus demselben Fundort (Größe: 5,7 x 4,4 x 2,7 cm)

Sepiolith bildet sich hydrothermal durch Umwandlung von Serpentinit. Begleitminerale sind unter anderem Dolomit, Loughlinit, Magnesit, Montmorillonit, Opal, Palygorskit und Serpentinit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Sepiolith an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2013) rund 200 Fundorte[7]. Neben seiner Typlokalität „Bettolino“ trat das Mineral in Italien noch weiteren Orten in der Region Canavese (Piemont), in der „Monteneve Mine“ (Schneeberg Mine) im Passeiertal (Trentino-Alto Adige), bei Serrazzano in der Gemeinde Pomarance (Toskana) sowie an einigen Fundpunkten in der Provinz Vicenza (Venetien) auf.

Zu den klassischen Fundorten zählt allerdings die Türkei, genauer die Provinz Eskişehir mit seinen tertiären Tonerde-Lagerstätten. Eine weitere bekannte Lagerstätte von Sepiolith befindet sich in Tansania. Dieser ist als „Amboseli-Meerschaum“ bekannt und einige Millionen Jahre jünger als sein türkischer Verwandter. „Amboseli-Meerschaum“ ist schwerer, meist gröber strukturiert und hat eine graue Tönung.

In Deutschland trat das Mineral bisher am Peterleinstein bei Kupferberg und in den Steinbrüchen „Heß“ bei Wurlitz (Rehau) und „Haidberg“ bei Zell in Bayern, am Rother Kopf nahe Gerolstein in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel sowie bei Schneeberg im sächsischen Erzgebirge auf.

In Österreich konnte Sepiolith unter anderem am Hüttenberger Erzberg und der Millstätter Alpe in Kärnten, am Totenkopf in den Salzburger Hohen Tauern sowie an mehreren Orten in Niederösterreich und der Steiermark gefunden werden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Ronco Bedretto im Kanton Tessin.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, China, der Dominikanischen Republik, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indonesien, Israel, Japan, Kanada, Kenia, Kolumbien, Madagaskar, Malaysia, Mexiko, Marokko, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südkorea, Tschechien, Ungarn, Venezuela, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[8]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Sepiolith kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pncn (Raumgruppen-Nr. 52) mit den Gitterparametern a = 13,405 Å; b = 27,016 Å und c = 5,2750 Å[9] sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle[2].

Verwendung[Bearbeiten]

Der Pfeifenkopf besteht aus Meerschaum

Sepiolith wird vor allem zur Herstellung von Meerschaumpfeifen abgebaut. Es dient aber auch zur Herstellung von Schmuckstücken wie Armbändern, Halsketten und anderem.

Früher war Wien die Metropole der Meerschaumpfeifenerzeugung, bekannte Hersteller sind Andreas Bauer, Leopold Weiss und Strambach.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Türkei haben dazu geführt, dass Meerschaum nicht mehr als Rohmaterial exportiert werden darf. Er muss in türkischen Werkstätten zu Pfeifen oder Schmuck verarbeitet werden. Nur sogenannte Halbfabrikate dürfen das Land verlassen, um in anderen Ländern mit einem Mundstück versehen und poliert zu werden.

Aus gemahlenem Meerschaum (meist aus Fehlproduktion oder Resten), Kalk und Bindemittel werden Pressmeerschaumpfeifen (Massa-Meerschaum oder auch Wiener-Meerschaum genannt) hergestellt. Kleine Meerschaumstücke werden auch statt der verbreiteteren Aktivkohle für die Herstellung von Pfeifenfiltern verwendet. Aufgrund seiner porösen Struktur nimmt es zudem Flüssigkeiten sehr gut auf und wird deshalb auch als Katzenstreu verwendet. Als weitere Anwendung von sogenannten Meerschaumstaub gilt die Entfernung von Fettflecken im Haushalt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste der Minerale

Literatur[Bearbeiten]

  • E. F. Glocker: Ordo XIII. Argillitae. II. Argillitae pingues. 15. Sepiolithus., In: Generum et Specierum Mineralium, Secundum Ordines Naturales Digestorum Synopsis, Apud Eduardum Anton (1847), S. 185-195 (PDF 540,6 kB)
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 765.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 260.
  •  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. 13. Auflage. BLV Verlags GmbH, 1976/1989, ISBN 3-405-16332-3, S. 248.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sepiolite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 682.
  2. a b Webmineral - Sepiolite
  3. Sepiolite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 72,8 kB)
  4. a b c Mindat - Sepiolite
  5. Vgl. Meerschaum bei Duden online
  6. Mineralienatlas:Typlokalität Bettolino
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Sepiolith
  8. Fundortlisten für Sepiolith beim Mineralienatlas und bei Mindat
  9. American Mineralogist Crystal Structure Database - Sepiolite (englisch, 2007)