Magnesit

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Magnesit
Magnesite-121892.jpg
Magnesit aus der Serra das Éguas, Brumado, Bahia, Brasilien (Größe: 11,4 x 9,2 x 3,6 cm)
Chemische Formel

Mg[CO3]

Mineralklasse Carbonate und Nitrate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
5.AB.05 (8. Auflage: V/B.02) nach Strunz
14.01.01.02 nach Dana
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditrigonal-skalenoedrisch; 3 1 2/m[1]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) R3c (Raumgruppen-Nr. 167)
Farbe farblos, weiß, gelblich, bräunlich bis schwarz
Strichfarbe weiß
Mohshärte 4 bis 4,5
Dichte (g/cm3) 3,1
Glanz Glasglanz, matt
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Spaltbarkeit vollkommen
Bruch muschelig
Habitus rhomboedrische, prismatische Kristalle; erdige, massige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex ω = 1,700; ε = 1,509[2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,191[2]; einachsig negativ

Magnesit ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“. Er kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Mg[CO3][3] und entwickelt rhomboedrische, prismatische Kristalle, aber auch erdige, massige Aggregate in weißer, gelblicher, bräunlicher bis schwarzer Farbe. Auch farblose Kristalle sind bekannt.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Magnesit ist, wie die meisten Carbonate, in Säuren unter CO2-Abgabe löslich. Im Vergleich zum Calcit löst er sich allerdings nur in Pulverform in warmen Säuren.[4]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Magnesit wurde nach seinem metallischen Bestandteil Magnesium benannt. Erstmals gefunden und beschrieben wurde es 1808 durch Karsten.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Magnesit noch zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Carbonate [CO3]2- ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Calcit, Gaspéit, Otavit, Rhodochrosit, Siderit, Smithsonit, Sphärocobaltit und Vaterit die „Calcit-Gruppe“ mit der System-Nr. V/B.02 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Magnesit in die Klasse der Carbonate und Nitrate (die Borate bilden hier eine eigene Klasse) und dort ebenfalls in die Abteilung der „Carbonate ohne weitere Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den Elementgruppen, deren Vertreter in den Mineralen enthalten sind, so dass Magnesit entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Erdalkali- (und andere M2+) Carbonate“ zu finden ist, wo es ebenfalls in der „Calcit-Gruppe“ mit der System-Nr. 5.AB.05 einsortiert ist.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Magnesit wie die veraltete Strunz’sche Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Carbonate“ ein. Hier ist er zusammen mit Calcit, Siderit, Rhodochrosit, Sphärocobaltit, Smithsonit, Otavit und Gaspéit in der „Calcitgruppe (Trigonal: R3c)“ mit der System-Nr. 14.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Carbonate mit einfacher Formel A+CO3“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Pinolit- bzw. „Eisblumen“-Magnesit aus den Tauern (Österreich)

Einzige bisher bekannte „echte“ Varietät ist der eisenhaltige Breunnerit oder auch Mesitinspat.[3]

Allgemein werden Magnesite jedoch gern entsprechend ihrer Kristallentwicklung in die „Varietäten“ Kristallmagnesit (auch Spat- oder Pinolitmagnesit, veraltet auch Pinolenstein) und Dichter bzw. Massiger Magnesit (auch Gelmagnesit) eingeteilt.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Magnesit (goldbraun) und Dolomit (weiß) aus dem Azcárate-Steinbruch, Eugui, Esteríbar, Navarra, Spanien (Größe: 10,2 cm × 6,7 cm)

Magnesit bildet sich überwiegend hydrothermal, metasomatisch oder metamorph. Gelegentlich findet er sich aber auch in magmatischen Gesteinen. Spat- bzw. Pinolitmagnesite bilden sich vorwiegend in Talk- und Chloritschiefern, sowie in Dolomitgesteinen. Dichter Magnesit, der zunächst ähnlich dem Opal von gelartiger Beschaffenheit ist, später aber in eine mikrokristalline Struktur übergeht, findet sich dagegen eher in Serpentingesteinen.

Bis zu einem Meter große Kristalle wurden schon im Dolomitgestein in Brumado und Bahía (Brasilien) gefunden. Meist liegen die Kristallgrößen jedoch im Zentimeterbereich.

Weitere Fundorte sind unter anderem Nangarhar in Afghanistan; Zentral- und Ost-Ägypten; Biskra in Algerien; Princess-Elizabeth-Land in der Ostantarktis; Salta in Argentinien; Gegharkunik in Armenien; Äthiopien; mehrere Regionen in Australien; Departamento Cochabamba in Bolivien; die Regionen Antofagasta und Atacama in Chile; mehrere Provinzen in der Volksrepublik China; Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen in Deutschland; mehrere Regionen in Frankreich; Finnland; einige Provinzen in Griechenland; Kitaa in Grönland; Java (Insel) in Indonesion; verschiedene Regionen in Italien; Honshū und Shikoku in Japan; mehrere Regionen in Kanada; Kasachstan; Katanga in der Demokratischen Republik Kongo; Korea; Madagaskar; Mexiko; Nepal; mehrere Regionen in Norwegen; viele Regionen in Österreich; Eugui in Spanien; Slowakei; Böhmen und Mähren in Tschechien; Borsod-Abaúj-Zemplén und Pest in Ungarn; sowie viele Regionen der USA.[5]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Magnesit kristallisiert isotyp mit Calcit im trigonalen Kristallsystem in der Raumgruppe R3c (Raumgruppen-Nr. 167) mit den Gitterparametern a = 4,633 Å und c = 15,15 Å sowie sechs Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

massiger Magnesit als Roh- und Trommelstein

als Rohstoff[Bearbeiten]

Aufgrund seiner hohen Temperaturbeständigkeit bis etwa 3000 °C[6] ist Magnesit ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung von feuerfesten Sintermagnesit-Ziegeln, mit denen unter anderem Hochöfen, Konverter zur Stahlerzeugung und andere Schmelzöfen ausgekleidet werden. Die Ziegel werden bei hohen Temperaturen bis etwa 1800 °C in Brennöfen gebrannt, wodurch kristallines Magnesiumoxid (MgO) entsteht.[7] Zusätzlich besitzen diese Ziegel gute Wärmespeichereigenschaften, so dass sie als Speicherkerne unter anderem in Nachtspeicherheizungen und Elektrokaminen verwendet werden.[8]

Wird Magnesit bei niedrigeren Temperaturen bis etwa 800 °C gebrannt, bleibt ein Teil als Carbonat erhalten (d. h. es wird nicht die stöchiometrisch mögliche Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2) abgegeben). Die so entstandene „kaustische Magnesia“ bleibt reaktionsfähig und wird, mit Füllstoffen vermengt, zu „Sorelzement“ verarbeitet und zur Herstellung von feuerfesten Baumaterialien und Isoliermassen verwendet.[7]

Das thermische Zersetzungsverhalten des Magnesites wird durch die unterschiedlichen Eigenschaften des Rohstoffes, der angewendeten Verfahrenstechnik und den physikalischen und chemischen Abläufen bestimmt.[9]

als Schmuckstein[Bearbeiten]

Magnesit ist mit einer Mohshärte von 4 bis 4,5 für die kommerzielle Verwendung als Schmuckstein eigentlich zu weich. Unter Sammlern hat ein klarer, facettierter Magnesit dennoch einen gewissen Wert.[10]

Das Mineral dient allerdings ebenso wie der vom Aussehen ähnliche Howlith als Grundlage für Türkis. Blau gefärbt und zum Schutz vor Beschädigungen stabilisiert kann vor allem der begehrte und teure Matrix-Türkis nachgeahmt werden, der oft unter dem Namen Turkenit in den Handel kommt.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 113.
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 569.
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 63.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Magnesit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Webmineral - Magnesite
  2. a b Mindat - Magnesite
  3. a b  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  4.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 569.
  5. Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat Mindat
  6.  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 701.
  7. a b  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 64.
  8. Elektrokamine als Tag oder Nachtstromheizung
  9.  Eckehard Specht, Hartmut Kainer, Rudolf Jeschar: Die Reaktions- Porendiffusions- und Wärmeleitfähigkeitskoeffizienten verschiedener Magnesite und ihr Einfluss auf die Zersetzungszeit. Radex-Rundschau, Radentheim 1986, S. 248-268.
  10.  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 230.
  11.  Bernhard Bruder: Geschönte Steine. Neue Erde Verlag, 2005, ISBN 3-89060-025-5, S. 78-79.