Sistig

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Dieser Artikel behandelt eine Gemeinde in Deutschland. Zum deutschen Dramaturgen, Theaterregisseur und Theaterintendanten siehe Alfred Erich Sistig.

50.4919444444446.5180555555556539Koordinaten: 50° 29′ 31″ N, 6° 31′ 5″ O

Sistig
Gemeinde Kall
Höhe: 520–543 m ü. NHN
Fläche: 9,83 km²
Einwohner: 748 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Eingemeindet nach: Kall
Postleitzahl: 53925
Vorwahl: 02445

Sistig ist ein Ortsteil der Gemeinde Kall im Kreis Euskirchen (Nordrhein-Westfalen).

Lage[Bearbeiten]

Sistig liegt im Südwesten der Gemeinde Kall, direkt benachbarte Ortsteile sind Diefenbach, Felser, Frohnrath, Krekel, Rinnen und Steinfelderheistert. Im Norden liegt der Sistiger Wald mit dem Sistiger Venn, im Süden die Sistig-Krekeler Heide, ein Naturschutzgebiet von überregionaler Bedeutung mit zum Teil sehr seltenen Pflanzen, z.B. die Echte Mondraute, Fleischfarbenes Knabenkraut und Breitblättriges Knabenkraut. Mit 748 Einwohnern ist Sistig der viertgrößte Ortsteil der Gemeinde. Sistig befindet sich am äußersten südlichen Ende im Nationalpark Eifel auf einer Höhe von über 500 Metern, etwa 20 Kilometer entfernt von der grünen Grenze zu Belgien.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname »Sistig« leitet sich vermutlich vom lateinischen Zahlwort »sextus« ab. Die römisch-keltische Siedlung dürfte vor ca. 2000 Jahren entstanden sein.

Zumindest im Jahr 1214 muss eine Kapelle in Sistig gestanden haben, weil in einer Urkunde vom Januar 1214 verfügt wird, dass von den Mönchen des Klosters Steinfeld an einem Tag in der Woche eine Hl. Messe gelesen werden müsse. 1792 hatten marodierende französische Truppen versucht, die Kapelle zu verwüsten; den Soldaten stellte sich ein mutiger Sistiger namens Milten Theis entgegen, der dann aber von den Franzosen umgebracht wurde.

In einem Verzeichnis aus dem Jahr 1774 besteht Sistig aus 65 Häusern mit 288 Bewohnern (davon 214 »Kommunikanten« und 74 Kindern). 1773 hatte Sistig eine gewisse Bedeutung für die öffentliche Verwaltung erlangt. So beschreibt Eugen Virmond in seiner "Chronik des Schleidener Oberthales" eine Steuerliste mit Hellenthaler Steuerpflichtigen des "Gräflich Schleidischen Amts Sistig", säuberlich differenziert in Reichstaler, Stüber und Pfennige.

Am 1. Juli 1969 wurde Sistig nach Kall eingemeindet.[2]

Infrastruktur / Dorfleben[Bearbeiten]

In Sistig gibt es einen Kindergarten, eine der beiden Grundschulen der Gemeinde sowie die katholische Pfarrkirche St. Stephanus. Zweiter Pfarrpatron ist der Heilige Quirinus von Neuss , nach dem auch eine Quelle im Ort benannt ist (Quirinusborn).

Bürgerverein, Freiwillige Feuerwehr, Gartenbau-, Karnevals-, Sport- und Musikverein, Jugendklub sowie Pfarrgemeinderat übernehmen wesentliche soziale Aufgaben und Verpflichtungen und setzen sich für eine aktive und sinnvolle Freizeitgestaltung der Sistiger Bürgerinnen und Bürger aller Altersstufen innerhalb einer lebendigen Dorfgemeinschaft ein. Die Vereine bilden einen Verbund aus Einwohnern der unmittelbar benachbarten Dörfer Sistig, Frohnrath und Steinfelderheistert. Höhepunkte des Dorflebens sind neben den kirchlichen Feiertagen der Rosenmontagszug mit Kinderprinzenpaar und die traditionelle Kirmes (am ersten Wochenende im Oktober).

Industrieller Schwerpunkt Sistigs ist die Holzverarbeitung.

Kirche und Pfarrei[Bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche St. Stephanus ist mit modernen Fresken des bekannten Künstlers Ernst Jansen-Winkeln ausgemalt. Die Ausmalung begann zu Beginn des 2. Weltkrieges. Nachdem Jansen-Winkeln als Soldat eingezogen wurde, wurden die Arbeiten unterbrochen und dann nach dessen glücklicher Rückkehr nach Kriegsende wieder fortgesetzt. Thematisch handelt es sich um eine bildliche Interpretation des "Vater-Unser" mit Assoziationen zur jüngsten Geschichte. So finden sich Darstellungen eines Konzentrationslagers,in dem Menschen gequält werden und andere Hinweise auf die Verführungen des Zeitgeist. Adolf Hitler ist einer der Teufel der jüngeren Geschichte; er ist dargestellt, wie er die Bibel verbrennt und wie eine Kirche durch Kriegseinwirkung zerstört wird. Als weitere geschichtliche Gestalten finden sich Karl Marx und Lenin. Dazu aber auch Persönlichkeiten wie Robert Koch, dem Entdecker des Tuberkelbakteriums. Im Jahr 2004 feierte die Pfarrgemeinde ein großes Fest: 100 Jahre neue Pfarrkirche und 200 Jahre eigene Pfarrei. Seit 1978 hat die Pfarrei keinen eigenen Pfarrer mehr. Sie gehört zur GdG Heiliger Hermann-Josef, Kall-Steinfeld. Zur Pfarrei gehören neben Sistig, Frohnrath und Steinfelderheistert auch die Hellenthaler Ortsteile Wollenberg und Eichen.

Kultur[Bearbeiten]

In Sistig lebt der in Bürvenich geborene Essayist, Lyriker, Übersetzer, Herausgeber und Kleinverleger Theo Breuer.

Naturereignisse[Bearbeiten]

Wiebke und weitere schwere Orkane im Januar bis März 1990 zerstörten viele Hektar der rund um Sistig gelegenen Wälder. Im Januar 2007 legte Sturm Kyrill erneut große Teile des Sistiger Walds flach. Am 13. Mai 2007 wurde Sistig von einem Tornado heimgesucht, der neben zahlreichen schweren Schäden an Häusern eine Schneise mit entwurzelten und zerbrochenen Bäumen von der oberen Neustraße bis zum Friedhof schlug.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Ort bzw. als Umgehungsstraße verläuft die von Aachen nach Koblenz führende B 258. Die nächstgelegenen Autobahnanschlussstellen sind Blankenheim und Nettersheim auf der A 1. Bahnanschluss besteht von Kall aus in die Richtungen Köln und Trier. Der Bahnhof kann über das Anrufsammeltaxi (AST) unproblematisch erreicht werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Quellen zur Regionalgeschichte des Kreises Euskirchen, Band 1: Chronik des Schleidener Oberthales, 1896 angelegt von Eugen Virmond; Euskirchen 1996.
  • Karl Vermöhlen (Hg.), Festschrift zum Pfarrjubiläum am 18. Juli 2004. 200 Jahre Pfarrei Sistig und 100 Jahre Pfarrkirche St. Stephanus, Sistig 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinde Kall - Einwohner nach Ortsteilen, abgerufen am 27. Februar 2014
  2.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 100.