Sitzendorf an der Schmida
| Sitzendorf an der Schmida | ||
|---|---|---|
|
|
||
| Basisdaten | ||
| Staat: | Österreich | |
| Bundesland: | Niederösterreich | |
| Politischer Bezirk: | Hollabrunn | |
| Kfz-Kennzeichen: | HL | |
| Fläche: | 61,83 km² | |
| Koordinaten: | 48° 36′ N, 15° 56′ O48.59972222222215.94244Koordinaten: 48° 35′ 59″ N, 15° 56′ 24″ O | |
| Höhe: | 244 m ü. A. | |
| Einwohner: | 2.153 (1. Jän. 2012) | |
| Bevölkerungsdichte: | 35 Einw. pro km² | |
| Postleitzahl: | 3714 | |
| Vorwahl: | 02959 | |
| Gemeindekennziffer: | 3 10 43 | |
| NUTS-Region | AT125 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Hauptplatz 20 3714 Sitzendorf an der Schmida |
|
| Website: | ||
| Politik | ||
| Bürgermeister: | Leopold Hummer (ÖVP) | |
| Gemeinderat: (2010) (21 Mitglieder) |
||
| Lage der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida im Bezirk Hollabrunn | ||
| (Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria) | ||
Sitzendorf an der Schmida ist eine Marktgemeinde mit 2153 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im westlichen Weinviertel in Niederösterreich.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Sitzendorf an der Schmida liegt an der Schmida. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 61,83 Quadratkilometer. 6,59 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Die Katastralgemeinde Sitzendorf ist der Hauptort der gleichnamigen Großgemeinde und per Stichtag 1. September 2004 mit 823 Einwohnern (davon 165 mit Zweitwohnsitz) auch der größte Ort.
|
Gliederung
|
Nachbargemeinden:
| Eggenburg | Zellerndorf | Guntersdorf |
| Maissau | Grabern | |
| Ravelsbach | Ziersdorf | Hollabrunn |
Geschichte [Bearbeiten]
Über die Zeit bis zum Jahre 1794 gibt es in der Gemeinde selbst keine Dokumente, weil bei einem Großbrand am 20. März 1790 alle Unterlagen der Pfarre und der Gemeinde vernichtet wurden.[1] Die Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt kann daher nur aus Unterlagen rekonstruiert werden, die außerhalb der Gemeinde aufbewahrt werden. Das älteste vorhandene Protokoll im Gemeindearchiv ist mit 11. November 1793 datiert. Seither existieren Protokolle und Dokumente lückenlos und wurden im Beitrag zur Ortsgeschichte von Leo Maria Trapp, in der Ortsgeschichte von Ferdinand Mayer und zuletzt im Heimatbuch von Peter Aichinger-Rosenberger aufgearbeitet.
In dem von den deutschen Herrschern gemeinsam mit den österreichischen Markgrafen im 11. Jahrhundert gegen die Mährer und Ungarn eroberten niederösterreichischen Landesviertel wurden Schenkungen an verschiedene Grafengeschlechter gemacht. Darunter waren auch die aus dem bayrischen Chiemseegau stammenden Sieghardinger, die vor allem den Raum von Sitzendorf, Frauendorf und Pillichsdorf wirtschaftlich erschlossen.
Etwa um 1020 wurde von Graf Sieghard V. vom Chiemgau (auch Sicco oder Sizzo genannt) der Ort Sitzendorf als Angerdorf oder Kirchweiler gegründet. Von diesem Sicco oder Sizzo leitet sich auch der Name des Ortes, zuerst Sicindorf, dann Sizendorff und schließlich Sitzendorf ab. Von den weit gespannten Besitz- und Herrschaftsrechten der Sieghardinger zeugen auch Ortsnamen wie Siezenheim (bei Salzburg), Sitzenhart (Katastralgemeinde von Sitzendorf an der Schmida), Sitzenberg oder Sieghartskirchen.
Die erste urkundliche Nennung Sitzendorfs als Ort und auch als Pfarre stammt aus dem Jahre 1141, als am 24. September Bischof Reginbert von Passau die Pfarrkirche Groß in der heutigen Stadtgemeinde Hollabrunn weihte und ihr den Zehent zu Großnondorf der Gemeinde Guntersdorf verlieh, das zur Pfarre von Sitzendorf gehörte.
Im 13. Jahrhundert gelangte das Patronat und die Vogtei der Kirche von Sitzendorf durch die Grafen von Ortenberg als Erben der Sieghardinger an das Bayerische Kloster Baumburg und war seither Zentrum der klösterlichen Besitzungen in der Gegend.[2] Die Tatsache, dass in Sitzendorf – etwa im Wappen der Gemeinde – immer wieder der „Passauer Wolf“ zu finden ist, hat hier wohl ihren Ursprung.
Nun begann eine sehr bewegte Geschichte, und viele bekannte Geschlechter wechselten als Besitzer der grundherrschaftlichen Rechte.
Schon früh traten als Lehnsherren die im benachbarten Waldviertel ansässigen, ursprünglich hochfreien Kuenringer auf. In die Zeit ihrer Herrschaft fällt der Bau einer Wasserburg sowie die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte Anlage des rechteckigen Hauptplatzes von Sitzendorf.[3]
Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]
Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 2208 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 2170 Einwohner, 1981 2380 und im Jahr 1971 2738 Einwohner.
Politik [Bearbeiten]
- Bürgermeister der Marktgemeinde ist Leopold Hummer von der ÖVP. Amtsleiter ist Gerhard Eser.
- Gemeinderat: Die Gemeinderatswahl vom 14. März 2010 ergab folgende Mandatsverteilung im Gemeinderat: ÖVP 15, SPÖ 6, andere keine Sitze.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 69, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 233.
Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 935. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 43,8 Prozent.
Die Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida ist Mitglied des Landschaftsparks Schmidatal.
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
- Die im Kern spätgotische Pfarrkirche hl. Martin mit weitem dreischiffigem dreichorigem Kirchenbau hat bemerkenswerte Netzrippengewölbe. In der Pfarrkirche befindet sich die Grabplatte des Hanns von Wulfestorff aus dem Jahre 1504.
- Historischer Hauptplatz und drei unter Denkmalschutz stehende Gebäude:
- Gebäude Hauptplatz Nr. 13: ehemaliges Kranken- und Waisenhaus aus 1520 mit mächtigem gotischen Erker
- Gebäude Hauptplatz Nr. 10: Jugendstil-Villa mit Eckturm aus 1912 mit Dekor in Formen der Wiener Werkstätte
- Gebäude Am Patergraben Nr. 2: ehemaliger protestantischer Pfarrhof des 16. Jhd.
- Keltenausstellung: im Gemeindeamt von Sitzendorf befindet sich ein Schauraum zu den Ausgrabungen der Keltensiedlung am Sandberg (Dauerausstellung). Besichtigung vormittags während der Öffnungszeiten des Gemeindeamtes
- Archäologische Ausgrabungen auf dem Sandberg nordöstlich von Roseldorf (größte bekannte Keltensiedlung)
- Kreisgrabenanlagen in Pranhartsberg
- Biotop in Pranhartsberg mit Lehrpfad „Orchideen“
- Kellergassen in allen Katastralgemeinden
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Personen mit Beziehung zur Gemeinde [Bearbeiten]
- Ritter Hanns von Wulfestorff (1504 in Sitzendorf an der Schmida), war um 1500 Lehnsherr in Sitzendorf an der Schmida, Feldhauptmann unter Kaiser Friedrich III.
- Pater Arnold Janssen (1837–1909), deutscher Missionar, Gründer der Steyler Missionare, wurde 2003 heiliggesprochen, erhielt Ende des 19. Jhd. von der Gemeinde das Heimatrecht
- Martin Wölfl, später Rektor der Wiener Universität, war von 1482 bis 1492 Pfarrer in Sitzendorf
- Hiltigund Schreiber (* 1939), Kunsthistorikerin
- Gerhard Schreiber (1939–2010), Hofrat, Forscher und Sammler von Volkskunst, insbesondere für Krippen und Krippendarstellungen
- Artur Rosenauer (* 1940 in Sitzendorf an der Schmida), österreichischer Kunsthistoriker
- Milan Ráček (* 1943 in Zlín), Schriftsteller
- Irena Ráček (* 1948 in Stupné), Malerin
Ehrenbürger [Bearbeiten]
- Josef Blöch, † Bürgermeister
- Emmerich Czermak, † Minister a.D.
- Dolezalek Josef, † Dechant
- Engelbert Dollfuß, † Bundeskanzler
- Johann Eichinger, † Präs. Bds.wirtschaftsrat
- Ferdinand Fiala, † Pfarrer u. Dechant
- Anton Fiedler, † Vizebürgermeister
- Alois Fischer, † Landtagspräsident
- Freiherr Pachner von Eggentorf, † KK Bezirkshauptmann
- Freiherr von Hohenbruck, † KK Bezirkshauptmann
- Jakob Fried, † Spiritualprovisor
- Erwin Schönborn-Buchheim, †
- Eduard Hartmann, † Landeshauptmann
- Richard Held, † KK Statthaltereirat
- Josef Kühschelm, † Landtagsabgeordneter, Dechant
- Johann Laba, † Herrschaftl. Verwalter
- Gottfried Marschall, † Weihbischof
- Andreas Maurer, † Landeshauptmann
- Ferdinand Mayer, † Bürgermeister
- Josef Mum, † Bürgermeister
- Philipp Perko, † Gemeindearzt
- Walter Rathpoller, Pfarrer
- Josef Reither, † Landeshauptmann
- Johann Rieder, † Pfarrer (40 J. Priester)
- Josef Schöffl, † NÖ Landesausschuss
- Anton Schöpfleuthner, † Kanonikus
- Carl Semsch, † Landesregierungsrat
- Johann Waltner, † Landesrat a.D.
- Michael Wittmann, † Dechant
- Johann Wöber, † Gemeinderat
- Eduard Zankl, † Oberlehrer
- Johann Kähsmayer, † Oberschulrat
- Bonaventura Diem, † Altbürgermeister
- Erwin Plewan, † Architekt
- Leopold Autherieth, † Geistlicher Rat
- Walter Edhofer, † Hofrat
- Leopold Kurz, † OSR, VS Dir. i.R.
- Ferdinand Mayer, † Altbürgermeister
Literatur [Bearbeiten]
- Markt Sitzendorf - Ein Beitrag zur Ortsgeschichte von Leo Maria Trapp, Kooperator. Mit kirchl. Druckgenehmigung Eggenburger Buchdruckerei, 1919
- Handschriftliche Ortschronik`` von Ferdinand Mayer (Bürgermeister) im Archiv des Gemeindeamtes.
-
- Band 1 aus dem Jahre 1964: Rückblick bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.
- Band 2 aus dem Jahre 1964: 1923 bis 1963
- Band 3 aus dem Jahre 1980: 1964 bis 1980
- Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida „Daheim in Sitzendorf“, ISBN 3-200-00577-7 herausgegeben von Mag. Peter Aichinger-Rosenberger 2006 im Auftrag der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida.
- Baumburg an der Alz herausgegeben von Walter Brugger, Anton Landersdorfer und Christian Soika im Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7954-1710-9
Einzelnachweise [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
Alberndorf im Pulkautal | Göllersdorf | Grabern | Guntersdorf | Hadres | Hardegg | Haugsdorf | Heldenberg | Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg | Hollabrunn | Mailberg | Maissau | Nappersdorf-Kammersdorf | Pernersdorf | Pulkau | Ravelsbach | Retz | Retzbach | Schrattenthal | Seefeld-Kadolz | Sitzendorf an der Schmida | Wullersdorf | Zellerndorf | Ziersdorf
