Teufelsmauer (Harz)

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Felswand der Teufelsmauer, hier die Mittelsteine bei Weddersleben
Mittelsteine bei Weddersleben
Hamburger Wappen bei Timmenrode
Teufelssessel auf der Teufelsmauer
Gedenktafel für Carl Löbbecke
Felsformation Hamburger Wappen bei Timmenrode

Die Teufelsmauer im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt ist eine aus harten Sandsteinen der oberen Kreide bestehende Felsformation im nördlichen Harzvorland, die auf etwa 20 km Länge von Ballenstedt über Rieder und Weddersleben bis nach Blankenburg (Harz) verläuft. Zahlreiche herausragende Einzelfelsen tragen Eigennamen. Die Teufelsmauer bei Weddersleben wird auch Adlersklippen genannt.

Viele Sagen und Mythen haben sich gebildet, um die Besonderheit dieses Ortes erklärbar zu machen. Er wurde daher bereits 1833 sowie 1852 durch den Landrat unter Schutz gestellt, um den Abbau des begehrten Bausandsteins zu unterbinden. Die Teufelsmauer bei Weddersleben ist seit 1935 auch als Naturschutzgebiet gesichert und zählt damit zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands.

Der Harznordrand mit der Teufelsmauer wurde 2006 in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope aufgenommen.[1]

Verlauf[Bearbeiten]

Silbergrasrasen an der Teufelsmauer bei Weddersleben
Teufelsmauer aus der Ferne
Luftbild von der Teufelsmauer bei Weddersleben
Großer Gegenstein bei Asmusstedt
Detail der Teufelsmauer nahe Thale

Die Felsrippe der Teufelsmauer tritt im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt zwischen Ballenstedt im Südosten und Blankenburg (Harz) im Nordwesten auf 20 km Länge an drei Stellen zu Tage. Sie beginnt mit den Gegensteinen nordwestlich von Ballenstedt. Ihre Fortsetzung findet sich in der Teufelsmauer nördlich Neinstedts und südlich Wedderslebens, wo sich auf 2 km Länge von Südosten nach Nordwesten der Königstein, die Mittelsteine und die Papensteine aneinanderreihen; zwischen Neinstedt und Weddersleben fließt die Bode als weithin größter Fluss der Gegend durch die Felsformation. Nach Nordwesten hin, vorbei an Warnstedt, setzt sich der felsige Höhenzug zwischen Timmenrode und Blankenburg mit dem Hamburger Wappen, der Gewittergrotte, dem Froschfelsen und dem Heidelberg (331,5 m ü. NHN), Großvaterfelsen (317,1 m ü. NHN) und Großmutterfelsen fort.

Geologie[Bearbeiten]

Die Felsklippen der Teufelsmauer werden von harten Sandsteinen verschiedener Epochen der oberen Kreidezeit gebildet. Den überwiegend tonig-kalkigen Schichten der oberen Kreide sind festere Sandsteine (Involutus- und Heidelberg-Sandstein) sowie Kalksteine eingeschaltet. Durch Silifizierung infolge eindringender Kieselsäure kam es außerdem zu einer extremen Verhärtung der Sandsteine, die aber auf wenige Meter der damals horizontal lagernden Schichten beschränkt ist.

Die Gesteinsschichten wurden wie alle Schichten am Harznordrand durch die bis zur Kreidezeit andauernde Heraushebung des Harzes steil gestellt oder überkippt, so dass die Schichtoberflächen heute nach unten weisen. Eine Schichtlücke zwischen Lias und der unteren Kreide und die bis zum Muschelkalk übergreifende, diskordante Lagerung der oberen Kreide belegen Aktivitäten zu verschiedenen Zeiten, die vor allem an der Harznordrandverwerfung stattfanden.

Durch die anschließende Abtragung der weicheren Gesteinspartien wurden die harten Gesteinsschichten zu markanten Schichtrippen, die mit bis zu 20 m hohen Felsen ihre Umgebung überragen. Einige Teile wurden durch die Wirkung der Flüsse bzw. durch eiszeitliche Gletscher zerstört. Deshalb weist die Teufelsmauer heute verschiedene Lücken auf.

Die einzelnen Segmente der Teufelsmauer entstammen nicht selben Alters. Die Gegensteine bei Ballenstedt sind aus einer verkieselten Sandsteinschicht der Emscherepoche (Involutus-Sandstein) herausgewittert. Die steilstehenden Schichtrippen bei Blankenburg bestehen aus quarzitischen und steilgestellten Heidelberg-Sandsteinen des Santon, ebenso wie die herausragende Schichtrippe der Teufelsmauer bei Weddersleben. Sie erreicht mit dem Mittelstein (185,2 m ü. NHN) und dem Königsstein (184,5 m ü. NHN) ihre größten Höhen und liegt damit etwa 50 m über der Bode.

Archäologie[Bearbeiten]

Archäologisch lassen sich Spuren der Altsteinzeit, der Linienbandkeramik und der Bronzezeit nachweisen.

Böden[Bearbeiten]

Aus dem Sand der Sandsteine sind nährstoffarme Rohböden vom Typ der Sand-Syroseme und Regosole entstanden.

Flora[Bearbeiten]

Die Sandböden werden mit Blauschwingel-Silbergras-Sandmagerrasen besiedelt, der Pioniervegetation offener, besonnter Sandflächen außerhalb der Küstenbereiche. Die Rasen sind stellenweise reich an bunt blühenden Kräutern wie Sand-Thymian (Thymus serpyllum), Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) und Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum). In den offenen Sandflächen haben sich stellenweise auch Arten der Ackerbegleitflora und von Straßenrändern angesiedelt. Die Vegetation wird außerdem gekennzeichnet durch zahlreiche Wärmezeiger wie Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare), Gewöhnliche Besenrauke (Descurainia sophia) und Steinweichsel (Prunus mahaleb) sowie viele subkontinental verbreitete Arten wie Graukresse (Berteroa incana), Feld-Mannstreu (Eryngium campestre), Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) und Gemüsespargel (Asparagus officinalis). Die Sandsteinfelsen selbst weisen einen leichten Bewuchs mit Krustenflechten auf.

Wandern und Klettern[Bearbeiten]

Die Felsbänder der Teufelsmauer sind jeweils durch Wanderwege erschlossen. Sie gehören zu den Attraktionen der Städte Thale und Blankenburg. Den Klippenweg vom Hamburger Wappen bis zum Großvaterfelsen ließ 1853 der Blankenburger Bürgermeister Carl Löbbecke anlegen, zu dessen Andenken an einem Felsen eine gusseiserne Gedenktafel errichtet wurde; dieser Wegabschnitt trägt auch den Beinamen Löbbeckestieg. Der Abschnitt Timmenrode–Blankenburg des Europäischen Fernwanderwegs E11 verläuft entlang der Felsformation.

Zum Schutz geschützter Pflanzenarten sind im Naturschutzgebiet Teufelsmauer Maßnahmen zur Besucherlenkung notwendig geworden. Die Felsbereiche sind von den Wanderwegen aus zu erleben, die vielerorts mit Barrieren gesichert sind.

An einer Stelle der Teufelsmauer zwischen Neinstedt und Weddersleben gibt es mit Nr. 188[2] (51.75601388888911.087333333333) eine Stempelstelle im System der Harzer Wandernadel; weitere Stempelstellen entlang der Mauer befinden sich bei Timmenrode am Hamburger Wappen (Nr. 74) und bei Blankenburg unterhalb des Großvaterfelsen am Gasthaus Großvater (Nr. 76[3]51.78610.967138888889).

Mehrere der Felsen der Teufelsmauer bei Blankenburg sind zum Klettern freigegeben.

Sagen von der Teufelsmauer[Bearbeiten]

Aus der Sammlung der Brüder Grimm[Bearbeiten]

„Auf dem nördlichen Harze, zwischen Blankenburg und Quedlinburg, siehet man südwärts vom Dorfe Thale eine Felsenfläche, die das Volk: des Teufels Tanzplatz nennt und nicht weit davon Trümmer einer alten Mauer, denen gegenüber nordwärts vom Dorfe sich ein großes Felsenriff erhebt. Jene Trümmer und dieses Riff nennt das Volk: Teufelsmauer. Der Teufel stritt lange mit dem lieben Gott um die Herrschaft der Erde. (eigentlich: Der Teufel baute sie, um sich mit Gott die Welt zu theilen. Da ihm aber dazu eine bestimmte Zeit anberaumt worden war, und die ganze Mauer innerhalb der Frist nicht fertig wurde, so warf der Böse aus Zorn, am Nichts gearbeitet zu haben, einen großen Theil des Werkes wieder um, so daß nur hin und wieder einzelne Stücke stehen blieben.) Endlich wurde eine Teilung des damals bewohnten Landes verabredet. Die Felsen, wo jetzt der Tanzplatz ist, sollten die Grenze scheiden und der Teufel erbaute unter lautem Jubeltanz seine Mauer. Aber bald erhub der nimmersatte neuen Zank, der damit endigte, daß ihm noch das am Fuß jenes Felsens belegene Tal zugegeben wurde. Darauf türmte es noch eine zweite Teufelsmauer.“

Sage von den drei Elfen[Bearbeiten]

„Einst hatte ein Kriegsmann als Dank für seine Dienste ein Stück Land hinter Thale, zur Teufelsmauer hin, erhalten. Das rodete er im Schweiße seines Angesichts. Fast hatte er sein Tagewerk vollbracht. Die Stämme lagen kreuz und quer, welk hingen die Zweige. Nur noch drei Bäume standen gegen den Abendhimmel und er war zu müde, noch Hand an sie zu legen. Wie er jedoch im Einschlummern begriffen war, schien es ihm, als vernähme er Jammern und Wehklagen und er sah kleine Frauengestalten, durchschimmernd wie Nebelwölkchen, in den Zweigen, die barmten, dass sie nun auch ihr Leben verlieren sollten wie ihre Schwestern. ‚Euch soll kein Leid geschehen‘, rief er und hielt sein Wort. Als jedoch viele Jahre später ein Nachfahre auch diese Bäume abhackte, dorrte der Boden aus, und der Wind trug ihn davon und mit ihm den Reichtum. So ergeht es all jenen, die die kleinen Geister nicht achten wollen und nichts weiter sehen als nur sich selbst und ihre Habgier.“

Sage vom Teufel und Hahn[Bearbeiten]

Die Sage vom „Teufel und Hahn“ im Harzvorland findet sich in zwei Varianten:

Die erste Variante der Sage lässt eine Marktfrau mit Hahn aus Cattenstedt, einem kleinen Dorf bei Blankenburg, kommen: „Gott und Teufel stritten sich um den Besitz der Erde; sie einigten sich, Gott sollte das fruchtbare Flachland behalten, der Teufel das erzhaltige Harzgebirge bekommen, wenn er bis zum ersten Hahnenschrei eine Grenzmauer fertig hätte. Er baute sie bis zum Harzrande. Als noch ein Stein fehlte kräht der Hahn, den eine Marktfrau aus Cattenstedt, die auf dem Weg nach Blankenburg war, im Korb hatte. Die Arbeit war vergeblich und der Teufel zerschlug wütend sein Werk.“

Die zweite Variante lässt die Bäuerin aus Timmenrode kommen: „Vor grauer Zeit kam der Teufel mit dem Herrn überein, Gütertrennung vorzunehmen. Der Harz aber sollte sein Herrschaftsbereich sein. So wetteten sie miteinander, dass er das Gebiet haben dürfe, wenn es ihm gelänge, in einer einzigen Nacht eine Mauer darum zu ziehen, hoch schwer und eisern wie die Bauwerke der Kaiser. Gesagt, getan, das Mauerwerk wuchs in der Dunkelheit. Da ließ der Herr eine Bäuerin aus Timmenrode mit ihrem Hahn im Korb zu Markte gehen und sie über einen kleinen Kiesel stolpern. Da reckte der Hahn im Korb den Hals und begann zu krähen. Der Teufel glaubte, die Nacht sei zu Ende und schleuderte vor Wut den Schlussstein gegen das Bauwerk, so dass nur noch Bruchstücke stehenblieben.“

Diesen beiden Formen der Nordharzer Teufelsmauersage mit Wette und Hahn stehen mehrere Versionen aus dem niederbayrischen Donaugebiet gegenüber.

Teufelsmauer im Film[Bearbeiten]

Die eigentümliche Felsformation war bereits Kulisse für zahlreiche – insbesondere im Mittelalter angesiedelte – Filme wie etwa Die Päpstin, 1½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde, Hans Röckle und der Teufel, Black Death oder Der Medicus.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Joachim Franzke: Klassische Quadratmeile der Geologie – Der Harznordrand und die Teufelsmauer. In: Ernst-Rüdiger Look, Ludger Feldmann (Hrsg.): Faszination Geologie. Die bedeutende Geotope Deutschlands, E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, S.36f.
  2. Harzer Wandernadel: Stempelstelle 188 – Teufelsmauer (bei Weddersleben) auf harzer-wandernadel.de
  3. Harzer Wandernadel: Stempelstelle 76 – Gasthaus Großvater auf harzer-wandernadel.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teufelsmauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.757511.083055555556Koordinaten: 51° 45′ N, 11° 5′ O