Gewöhnlicher Natternkopf

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Gewöhnlicher Natternkopf
Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)

Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Gattung: Natternköpfe (Echium)
Art: Gewöhnlicher Natternkopf
Wissenschaftlicher Name
Echium vulgare
L.

Der Gewöhnliche Natternkopf oder Blaue Natternkopf (Echium vulgare) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Im Volksmund wird er „Blauer Heinrich“[1], in Österreich auch „Himmelbrand“, „Starrer Hansl“ oder „Stolzer Heinrich“ genannt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Vorkommen auf einer Wiese im Berliner Stadtzentrum

Der Gewöhnliche Natternkopf blüht von Mai bis Oktober an trockenen bis halbtrockenen Ruderalstellen, auf steinigen Fluren, an sandigen Plätzen und auf Silikattrockenrasen. Er ist verbreitet in ganz Deutschland, Europa und Westasien und ist typisch für Pflanzengesellschaften der nördlich temperierten Breiten.

Erkennungsmerkmale[Bearbeiten]

Er ist eine zweijährige oder mehrjährige krautige Pflanze. Der Gewöhnliche Natternkopf wird 25 cm bis 1 m hoch und besitzt steife Borsten an Stängeln und Blättern. Seine Blüten stehen in Thyrsen mit einfachen Wickeln. Die Blüten sind zuerst männlich, dann weiblich (vormännlich). Die Kronblätter sind 15 mm bis 22 mm lang, zuerst rosa bis violett gefärbt, später werden sie blau bis himmelblau. Charakteristisch ist die trichterförmige Kronröhre mit ungleichen Zipfeln. Die Staubblätter sind ungleich lang und ragen aus der Blüte heraus. Der Griffel ist zweispaltig und zwischen den Klausen grundständig. Der Fruchtknoten ist tief vierspaltig, die Früchte sind in vier Klausen zerfallene Spaltfrüchte.

Ein Mauerfuchs am Gewöhnlichen Natternkopf

Ökologie[Bearbeiten]

Die Trockenpflanze überdauert den Winter als Hemikryptophyt mit Hilfe ihrer Pfahlwurzel.

Die Blüten sind vormännliche „Rachenblumen“, die herausragenden Griffel und Staubblätter dienen als Landeplatz für die Bestäuber. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, vor allem Bienen, Schwebfliegen und Falter, letztere besuchen die Blüten sehr gerne. Es wurden über 40 Schmetterlingsarten als Besucher festgestellt. Der Hauptbesuch der Insekten erfolgt gegen 15 Uhr. Die Blüten vollziehen einen Farbwechsel von rot nach blau. Bienen lernen, dass nur die rosa Blüten reich an Nektar sind. Der graublaue Pollen ist mit 0,01 mm sehr klein. Blütezeit ist von Mai bis Oktober.

Die Spaltfrüchte zerfallen in 4 kleine, glatte Teilfrüchte, sogenannte Klausen. Die Ausbreitung der Samen erfolgt durch Kleb- und Klettwirkung, vom Wind und durch den Menschen.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die Pflanze ist für Tiere durch den Gehalt an Allantoin und durch Pyrrolizidinalkaloide, z. B. Heliosupin, giftig. Beim Menschen besteht kaum Vergiftungsgefahr.

Nutzung[Bearbeiten]

Der Natternkopf ist eine sehr gute Bienenweide. In der Imkerei ist er aufgrund des hohen Zuckergehalts seines Nektars (25 %) und seines sehr hohen Zuckerwerts (1,64 mg Zucker/Tag je Blüte) eine geschätzte Nebentracht.[2] Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von einem Hektar sind Honigerträge bis zu 429 kg pro Blühsaison möglich.[3] Die Art wird auch als Zierpflanze angeboten und ist für Wildpflanzengärten zu empfehlen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fischer, M. A., Adler, W. & Oswald K.: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Linz, 2005, ISBN 3-85474-140-5
  • Dankwart Seidel: Blumen, München 2001, ISBN 3-405-15766-8
  • R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gewöhnlicher Natternkopf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Echium. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 5, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 291.
  2. Helmut Horn, Cord Lüllmann: Das große Honigbuch, Kosmos, Stuttgart 3. Aufl. 2006, S. 30, ISBN 3-440-10838-4
  3. Josef Lipp et al.: Handbuch der Bienenkunde: Der Honig. 3., neubearb. Aufl., Ulmer, Stuttgart 1994, S. 38, ISBN 3-8001-7417-0