Die Päpstin (Film)
| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel | Die Päpstin |
| Originaltitel | Pope Joan[1] |
| Produktionsland | Deutschland, Italien, Spanien[2] |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2009 |
| Länge | 148 Minuten |
| Altersfreigabe | FSK 12[2] |
| Stab | |
| Regie | Sönke Wortmann |
| Drehbuch | Sönke Wortmann Heinrich Hadding |
| Produktion | Martin Moszkowicz Oliver Berben |
| Musik | Marcel Barsotti |
| Kamera | Tom Fährmann |
| Schnitt | Hans Funck |
| Besetzung | |
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Die Päpstin ist ein Historiendrama des Regisseurs Sönke Wortmann aus dem Jahr 2009. Der Film basiert auf dem historischen Roman Die Päpstin der US-amerikanischen Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross aus dem Jahr 1996 und schildert die im Hochmittelalter entstandene Legende von der Päpstin Johanna, die im 9. Jahrhundert den Heiligen Stuhl besetzt haben soll. Die Welturaufführung des Films fand am 19. Oktober 2009 in Berlin statt; Kinostart in Deutschland war am 22. Oktober 2009.
Inhaltsverzeichnis |
Handlung [Bearbeiten]
Im Jahre 814, kurz nach dem Tod Karls des Großen, kommt in Ingelheim am Rhein ein Mädchen namens Johanna zur Welt. Sie ist die Tochter des dortigen Dorfpriesters, der nicht glücklich darüber ist, weiblichen Nachwuchs zu bekommen. Der Vater herrscht mit harter Hand über seine Frau, die heimlich zu Wotan betet, und die gemeinsamen Kinder. Johanna ist schon als junges Mädchen sehr wissbegierig und redegewandt. Sie überredet ihren älteren Bruder Matthias, sie lesen und schreiben zu lehren; als Vorlage dient ihnen dabei die Bibel mit ihren lateinischen Texten. Nach Matthias’ plötzlichem Tod will der Vater seinen zweiten Sohn Johannes zur Domschule in Dorstadt schicken, doch zeigt sich Johanna beim Besuch des Lehrers Aesculapius in Ingelheim wesentlich fähiger im Umgang mit der Heiligen Schrift als ihr Bruder: Sie ist nicht nur in der Lage, den lateinischen Text zu verstehen, sondern bietet außerdem eine einwandfreie Deutung der gelesenen Schrift. Gegen den Willen des Vaters unterrichtet Aesculapius das Mädchen und zeigt ihr literarische Werke wie die Odyssee.
Als ein Gesandter des Bischofs eintrifft, um Johanna an die Domschule zu holen, behauptet ihr Vater, es liege ein Irrtum vor, und lässt stattdessen Johannes mitreiten. Johanna flieht nachts aus ihrem Elternhaus und holt ihren Bruder ein, dessen Begleiter inzwischen ermordet worden ist. Gemeinsam gelangen sie nach Dorstadt, wo Johanna den Bischof mit ihrer forschen Art beeindruckt. Er veranlasst, dass die Geschwister vom Mönch Odo in dessen Klasse aufgenommen werden, obwohl dieser dem Mädchen gegenüber sehr ablehnend auftritt. Unterstützung erhält das Mädchen vom Grafen Gerold, der sie in seinem Haus aufnimmt und sich in die heranwachsende Frau verliebt. Einige Zeit später muss der Graf an der Seite Kaiser Lothars I. in den Krieg ziehen, woraufhin seine Gattin Richilde versucht, sich der Rivalin zu entledigen, indem sie Johanna verheiratet. Während der Vermählung fallen jedoch die Normannen in der Stadt ein und veranstalten ein Gemetzel, bei dem sowohl Johannes als auch Gerolds Frau und Kinder den Tod finden. Johanna überlebt nur, da sie bewusstlos geschlagen und für tot gehalten wird.
Als sie erwacht, deutet sie ihr Überleben als göttliche Fügung und entschließt sich, die Identität ihres ermordeten Bruders anzunehmen. Aus dessen Besitz nimmt sie ein Dokument an sich, mit dem der Bischof angewiesen worden war, Johannes im Falle seines Scheiterns in die Schule des Klosters Fulda zu schicken. Sie kürzt ihre Haare, bindet sich die Brust flach und tritt als „Bruder Johannes Anglicus“ in das Benediktinerkloster ein. Sie beeindruckt die anderen Mönche mit ihren Kenntnissen der Heilkunde und rettet eine ältere Frau und deren Kinder vor einer gefährlichen Infektionskrankheit. Dabei erkennt sie die Begabung deren ältesten Sohnes Arn und ermöglicht ihm den Besuch der Klosterschule. Eines Tages erhält sie Besuch von ihrem vergreisten Vater, der einen tödlichen Schock erleidet, als er erkennt, dass ihm nicht sein Sohn Johannes gegenübersteht. Kurze Zeit später breitet sich das Fieber im Kloster aus, woran auch Johanna erkrankt. Sie widersetzt sich einer körperlichen Untersuchung, und ein älterer Mönch verhilft ihr zur Flucht, damit niemand ihr wahres Geschlecht erkennt.
Zunächst findet Johanna bei Arn Unterschlupf und unterrichtet dessen Tochter Arnalda, beschließt jedoch nach einiger Zeit, sich wieder als Mann zu verkleiden und zu einer Pilgerreise nach Rom aufzubrechen. Dort erwirbt sie sich mit ihren heilkundlichen Kenntnissen bald einen guten Ruf als Medicus und steigert ihr Ansehen noch, als es ihr gelingt, den amtierenden Papst Sergius II. mit pflanzlichen Heilmitteln von der Gicht zu befreien. Der Heilige Vater ernennt sie zu seinem Leibarzt und später zu seinem Nomenklator, ohne zu ahnen, dass es sich um eine Frau handelt. Schließlich bedroht Kaiser Lothar I. den Papst, da dieser seine Wahl nicht vom ihm bestätigen ließ, und zieht mit seinem Heer nach Rom, um Sergius zu unterwerfen. In seinem Gefolge kommt auch Gerold in die Stadt. Durch eine hydraulische Vorrichtung, die Johanna zusammen mit Gerold nach einer alten griechischen Anleitung einst schon einmal in kleinem Maßstab gebaut hatte, schließt sich nun das große Tor des päpstlichen Palastes selbständig vor Lothars Soldaten, was diese als göttliches Zeichen deuten. Lothar muss sich dem Papst beugen. Gerold erkennt Johanna wieder und gesteht ihr seine Zuneigung, doch diese ist zunächst zwischen ihrer weiblichen und männlichen Identität hin- und hergerissen.
Währenddessen spinnt der Gegenpapst Anastasius, der mit Lothar verbündet ist, eine Intrige, an deren Ende der Mord an Papst Sergius stehen soll. Der Anschlag ist erfolgreich, weshalb sich das Volk versammelt, um durch Akklamation einen Nachfolger zu wählen. Da Johanna und Gerold davon ausgehen, Anastasius werde die Wahl gewinnen, planen sie, Rom zu verlassen. Da erfahren sie, dass Johanna zum Stellvertreter Christi bestimmt wurde. In ihrem Pontifikat präsentiert sie sich als wohltätiger Papst und hilft sowohl den Armen als auch den Frauen. Außerdem ernennt sie Gerold zum Kommandanten des päpstlichen Heeres. In ihren Gebeten fragt sie sich, warum nicht ein Leben als Gottesdienerin und ihr privates Glück zugleich möglich sein sollen, und trifft sich heimlich mit Gerold. Die intimen Treffen bleiben nicht ohne Folgen, und plötzlich gerät sie durch ihre Schwangerschaft in Gefahr. Gerold versucht sie zur sofortigen Flucht zu überreden, sie jedoch möchte unbedingt noch bis zum Osterfest durchhalten. Bei der Osterprozession locken die Verschwörer auf Anastasius' Geheiß Gerold in eine tödliche Falle. Fast gleichzeitig erleidet Johanna auf der Straße eine Fehlgeburt und stirbt.
Anastasius erklärt sich zu ihrem Nachfolger, wird aber bald danach vom römischen Volk abgesetzt und in ein Kloster verbannt. Dort verfasst er den Liber Pontificalis, ein Verzeichnis aller Päpste, mit Ausnahme von Johanna. Viele Jahre später sucht Bischof Arnaldo, der sich am Ende des Films als Arnalda, Arns Tochter, herausstellt, nach der Geschichte der Päpstin Johanna, um wenigstens ein Exemplar mit einem um ihre Geschichte ergänzten Liber Pontificalis für die Nachwelt zu erhalten. Diese Nachforschungen des Bischofs Arnaldo bilden die Rahmenhandlung des Films.
Produktion [Bearbeiten]
Die lange Produktionsgeschichte des Films wurde von finanziellen und personellen Widrigkeiten geprägt.
Seit 1999 bemühte sich Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff um die Verfilmung von Donna Cross' Roman, zunächst mit den Produktionsfirmen UFA und Senator, nach Insolvenz der Senator 2004 mit Bernd Eichinger und der Constantin Film. Der Anfang 2007 endlich geplante Drehstart platzte nach einer Absage John Goodmans, welcher am Ende aber doch im Film mitspielt. Im folgenden Sommer führte ein Beitrag Schlöndorffs in der Süddeutschen Zeitung, der sich kritisch mit Produktionen befasste, die für Kino und Fernsehen zugleich hergestellt werden, zu seiner Entlassung. Stattdessen wurde Sönke Wortmann mit der Regie beauftragt. Kurz darauf ersetzte man die zunächst für die Hauptrolle vorgesehene Franka Potente durch Johanna Wokalek.[3][4] Das Budget der Produktion lag bei geschätzten 22 Millionen Euro.[5]
Die Dreharbeiten begannen Anfang August 2008 auf der Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt und dauerten bis November 2008. Weitere Drehorte waren der nordrhein-westfälische Ort Schmidtheim sowie der Kreuzgang der Landesschule Pforta und die Kirche St. Cyriakus in Gernrode. Die Szenen, die in Rom spielen, entstanden im marokkanischen Ouarzazate.[6]
Der Spielfilm gehört zu den sogenannten Amphibienfilmen, es wurde neben einer Kinofassung eine längere Fernsehfassung erstellt.
Veröffentlichung [Bearbeiten]
Der Film spielte weltweit 27.412.220 $ ein (Stand zum 8. Juni 2010), davon allein in Deutschland 25.010.090 $ (Stand 14. Februar 2010).[5]
Am 19. Dezember 2011 zeigte Das Erste den Film in der verlängerten Version erstmals im Free-TV.
Kritik [Bearbeiten]
Katharina Dorn vom Focus lobt die authentische Gestaltung des Mittelalters und attestiert dem Regisseur „ein sensibles Gespür für historische Stoffe. […] Wortmann gelingt es, einen Spannungsbogen aufzubauen, der die Zuschauer immer wieder mitreißt, auch wenn manche Entwicklungen vorherzusehen sind.“[7]
Hannah Pilarczyk kritisiert bei Spiegel Online „die Wahl eines Erzählers“, wodurch dem Film „die innere Perspektive der Johanna“ fehle. „Sönke Wortmann verpatzt seine Chance zu einem großen Historienfilm – und mutet seiner Hauptdarstellerin einen grotesken Geschlechterspagat zu.“[8]
Margret Köhler stellt fest, dass alles „solide und trotz aller Blutrünstigkeit etwas blutleer seinen Gang“ gehe. „[…] die Kamera verbringt manchmal kleine Wunderwerke, entwirft Bilder wie Gemälde, aber man hätte sich ein letztes Quäntchen Mut und Radikalität gewünscht bei dieser Ausnahmepersönlichkeit, von der noch Claudia Roth etwas lernen könnte.“[9]
Georg Fahrion vom Stern meint, es würden „sich wohl nur Literaten daran stören, dass die Charaktere ziemlich eindimensional daherkommen“. Der Film sei „opulentes Popcornkino, unterhaltsam und grandios gefilmt“.[10]
Das Lexikon des Internationalen Films meinte: „Die weitschweifige, aufs Gefällige zielende Adaption malt das Mittelalter in dunklen Farben, vor denen sich die Leidensgeschichte der Titelfigur plastisch abhebt. Aufwändig, aber höchst konventionell inszeniert, zeigt das Melodram kein sonderliches Interesse an den mit dem Stoff verbundenen Diskursen.“[1]
Rüdiger Suchsland sieht in seiner Kritik in Telepolis nur eines positiv: „Der einzige kleine, kurze Lichtblick hier ist John Goodmans Auftritt als Papst. Goodman weiß, dass er in einem schlechten Film ist, findet sich in wackeligen Pappkulissen unter einem schlechten Regisseur wieder und versöhnt sich damit, weil er einfach macht, was er will, seinen eigenen Film erfindet.“[11]
Auszeichnungen [Bearbeiten]
Die Päpstin wurde 2010 in vier Kategorien für den Deutschen Filmpreis nominiert (Beste Nebendarstellerin – Jördis Triebel, Szenenbild, Kostüme, Tongestaltung).
Unterschiede zur Romanvorlage [Bearbeiten]
Im Gegensatz zum Film verbringt Johanna ihre erste gemeinsame Nacht mit Gerold im Buch nicht an einem Fluss, sondern in einem leerstehenden Haus, in dem sie sich vor einem Hochwasser retten. Dies bleibt auch ihre einzige gemeinsame Nacht, während der Film vermuten lässt, dass es mehrere Liebesnächte gab.
Im Buch versucht Johanna zunächst, das Kind mittels eines selbst verabreichten Medikaments abzutreiben. Erst als dies misslingt, vertraut sie sich Gerold an, dem sie ihren missglückten Versuch verschweigt.
Außerdem wird im Film die Beziehung zwischen Johanna und Gerold in ihrer Kindheit nur kurz abgehandelt, während es im Buch ein Bindeglied zwischen ihnen gibt, einen von Gerold und Johanna aufgezogenen Wolf namens Lukas. Dieser wird nach Gerolds Abreise von Richhild getötet und damit symbolisch die letzte Bindung des Liebespaares für Jahre getrennt.
Im Buch wird Johannas Geheimnis vor dem Ende nur dreimal aufgedeckt: 1. Durch ihren Vater bei dessen Besuch in Fulda. 2. Durch Arn, nach der Flucht aus dem Kloster. 3. Durch Gerold nach seiner Ankunft in Rom. In keinem der drei Fälle offenbart sich Johanna selbst. Im Film dagegen offenbart sich Johanna selbst ihrem Vater gegenüber, und es stellt sich heraus, dass ihr Mentor Bruder Benedikt im Kloster zu Fulda über ihre wahre Identität als Frau Bescheid weiß.
In Buch und Film behauptet die Mutter, dass Johannes nach Dorstadt gehen sollte. Im Film gibt die Mutter diese Antwort aus Angst vor dem Vater. Im Buch will sie die Tochter nicht an die Schule und die ihr ebenfalls fremden christlichen Lehren verlieren. Johanna versteht dies und läuft ihrem Bruder hinterher ohne weiteren Kontakt zur Mutter. Im Film sieht die Mutter Johanna noch einmal, unternimmt aber nichts gegen den offensichtlichen Fluchtversuch.
Besonders auffallend ist auch, dass in der Verfilmung auf das im Roman als besonders charakteristisch dargestellte, weißblonde Haar Johannas verzichtet wurde, stattdessen hat die dritte Darstellerin (Johanna Wokalek) dunkelbraunes Haar. Die beiden Darstellerinnen für die junge Johanna haben noch blondes Haar.
Im Buch erlebt Johanna die Pontifikate Papst Sergius' II. und Leos IV. am Hofe mit, ehe sie selbst zum Nachfolger des Letzteren gewählt wurde. Viele Geschehnisse aus dieser Zeit sind historisch belegbar, und die Autorin hat viele davon im Roman verarbeitet: Zwei Sarazenenüberfälle und ein großer Brand gehören ebenso dazu wie der Bau der leoninischen Mauer. Für den Film wurden die beiden Pontifikate von Johannas Vorgängern zu einem verschmolzen, so dass Leo IV. im Film nicht auftaucht. Auch der Giftmord wurde im Buch durch Anastasius an Leo verübt und nicht an Sergius, der, durch die Gicht geschwächt, eines natürlichen Todes starb.
Ähnlich den beiden Päpsten werden diverse Nebenfiguren am Papsthof verschmolzen: Benedikt, der Bruder und Stellvertreter Sergius', wurde im Film durch Anastasius ersetzt, wahrscheinlich um diesen Charakter eher einzubringen.
Im Film stirbt der Haushofmeister Arighis nicht, wohingegen er sich im Buch während des Pontifikates Papst Leos IV. in einem verheerenden Brand dessen Bauprojekts, der Leoninischen Mauer, für Papst Leo opferte. Weiterhin hatte Arighis im Buch nie das Amt des päpstlichen Nomenklators inne.
Der Nachfolger Arighis' ist im Buch ein Junge namens Waldipert, der für den Bischof Arsenius (Vater des Anastasius) arbeitet und Leo vergiftet. Im Film ist Waldipert der Kammerdiener Sergius', ist allerdings auch in Arsenius' Diensten. Von Waldiperts Ermordung erfährt man in der Verfilmung nichts.
Im Buch ist Renatus der Diener Sergius' und nicht Johannas. Ebenso wird Zelestinus im Film nicht erwähnt, während er im Buch am päpstlichen Hof der Kammerdiener ist.
Johanna stirbt zwar sowohl im Buch als auch im Film an den Folgen der Fehlgeburt, jedoch stirbt ihr Liebhaber Gerold im Buch kurz vor ihr in ihren Armen, während sie im Film an zwei verschiedenen Orten, jedoch gleichzeitig, sterben.
Generell werden im Film viele Ereignisse chronologisch anders angeordnet als im Roman. Einige Ereignisse, wie z. B. Johannas Heirat, werden zeitlich nach hinten versetzt (im Roman ist sie 14 Jahre alt, im Film etwa 18–19 Jahre, hingegen wurden Gerolds Töchter im Vergleich zum Roman deutlich verjüngt), während andere vorgezogen werden, wie der Vorschlag, Nicephoros zum Bischof zu ernennen, der im Roman in das Pontifikat Johannas fällt, während er im Film schon zur Zeit von Sergius' Pontifikat stattfindet.
Interpretationsansätze zum Film [Bearbeiten]
Figurenkonstellation [Bearbeiten]
Johanna steht im Zentrum einer Personenkonstellation, die von Wissenschaft, Kirche und Familie (weltlich) geprägt ist. Diese Trias wird von drei Männern (Förderer Sergius, Gegenspieler Vater, Liebhaber Gerold) repräsentiert und bildet die Voraussetzung für ihre Karriere in der kirchlichen Hierarchie sowie den sozialen Rahmen ihres Lebens. Obwohl sich die Orte, Zeiten und Figuren stetig ändern und andere Repräsentanten an die jeweilige Stelle innerhalb der Konstellation treten, bleibt diese Struktur bestehen. Die Erzählerin steht als Auktorialerzählerin über allen anderen Figuren und gestaltet die Geschichte. Trotz dieses Einflusses bleibt sie während der Erzählung als Off-Stimme im Hintergrund und greift nie in das Geschehen ein.
Die Hauptfiguren sind:
- Erzähler bzw. Erzählerin: Bischof Arnaldo, eigentlich Arnalda, wird nach dem Vorbild Johannas Bischof und Chronist bzw. Chronistin
- Johanna/Johannes Anglicus, geweihter Priester, Medicus und Papst (Legende, 814–848)
- Vater/Dorfpriester, Missionar aus England und familiärer Gegenspieler Johannas
- Markgraf Gerold, Förderer und Liebhaber Johannas, dient in Lothars I. Armee
- Papst Sergius II., Vorgänger Johannas und Repräsentant der Kirche (Pontifikat 844–847)
- Anastasius, Nomenklator des Papst Sergius und kirchlicher Gegenspieler Johannas
- Kaiser Lothar I., ältester Sohn Ludwigs des Frommen, erhält im Vertrag von Verdun 843 das Mittelreich (und Rom), stirbt 855
- Bruder Matthias, Förderer Johannas, stirbt als Knabe
- Bruder Johannes, muss mit Johanna die Domschule besuchen
- Mutter Gudrun, zeigt Johanna die Heilkunst mit Kräutern und die nordische Mythologie
- Aesculapius aus Byzanz, Förderer und Repräsentant der Wissenschaft
- Bischof Fulgentius von Dorstadt, Förderer; Lehrer Odo, Gegenspieler
- Richild, eifersüchtige und intrigante Ehefrau Gerolds
- Bruder Benjamin, Medicus des Klosters Fulda, Lehrer und Förderer, weiß als Einziger der Bruderschaft von ihrer Verkleidung
- Arn, Retter Johannas und Vater von Arnalda (Bischof Arnaldo)
Dabei sind die folgenden Herrschafts- und Machtverhältnisse erkennbar:
- Oberste Machthaber des Frankenreiches im 9. Jahrhundert sind der Kaiser (weltlich) und der Papst (geistlich). Karl der Große stellte um 800 die kaiserliche Macht über die kirchliche. Sergius II. ließ seine Wahl nicht vom Kaiser Lothar I. absegnen, was zu Streitigkeiten führte.
- Der Priester ist in Ingelheim höchste kirchliche Gewalt, jedoch in der Diözese dem Bischof untergeordnet.
- Der Bischof von Dorstadt ist sowohl der kirchliche Machthaber als auch auf weltlichem Terrain Machtrepräsentant.
- Als Markgraf hat Gerold richterliche Privilegien, und als Ritter ist er Teil von Kaiser Lothars Armee.
- Der Papst (Sergius II.) steht an der Spitze der Kurie (Nomenklator: Anastasius und Johanna, Bischöfe) und des Kirchenstaates Rom.
- Die Frau (Mutter, Richild) ist durch alle Gesellschaftsschichten hindurch die Untergebene des Mannes (Vater, Gerold). Diesem stehen (je nach Schicht) mehrere Tätigkeitsbereiche offen. Seine exklusiven Aufgaben sind u.a. die Kriegsführung (Lothar I., Gerold) und die Karriere innerhalb der Kirche (Sergius II., Anastasius, Bischof von Dorstadt).
- Die Wissenschaft gehört zum kirchlichen Bereich mit Gelehrten (Aesculapius) und kirchlichen Amtsträgern (Dorfpriester, Bischof von Dorstadt, Abt von Fulda, Papst Sergius II.). Einen geschützten Rahmen bietet das klösterliche System. Wissen ist aber nur innerhalb der Kirchenstruktur mit Macht gleichzusetzen.
- Bei der Papstwahl überschneiden sich weltliche und kirchliche Machtprivilegien (Akklamation und Absegnen).
Die jeweilige Legitimation des Herrschafts- sowie des Machtanspruches beruft sich jeweils auf eine gottgewollte Berufung.
- Kaiser Lothar I. hat als oberster weltlicher Herrscher das Recht, das gesamte fränkische Reich für sich zu beanspruchen.
- Sergius II. und Johannas Vater legitimieren ihre „richtige“ Leitung der Christen zu Gott stets mit der Bibel.
- Johanna hat den Wunsch, den Bedürftigen und Unterdrückten zu helfen („Wissen zum Wohle Anderer nutzen“), und rechtfertigt als Idealbild der christlichen Nächstenliebe ihre Position als Papst.
Erzählstruktur [Bearbeiten]
Der Film setzt später als die eigentliche Geschichte ein und beginnt mit einer Rückblende. Die Erzählerin Arnalda, Bischof von Paris, kommt nach Rom, um dort die Chronik aller Päpste (liber pontificalis) mit Johannas Biographie zu vervollständigen. Diese einzige Rückblende im Film hat sowohl eine biographische als auch eine emotionale Funktion. Das Augenmerk ist auf Johanna gerichtet, die sich von einem kleinen Landmädchen zu einer großen Kirchenfigur wandelt. Der zeitliche Sprung zurück in ihre Kindheit lässt die Protagonistin jung und unschuldig erscheinen und verstärkt das Reine und Gute in Johanna noch mehr.
In der einsträngig und linear erzählten Lebensgeschichte Johannas entsprechen Erzählzeit und erzählte Zeit insofern, dass keine Zeitraffungen oder -dehnungen vorgenommen werden. Wie in einer Dokumentation folgt der Zuschauer den einzelnen Lebensstationen und erfährt sukzessive von ihrem Leben. Die Erzählperspektive wechselt dabei zwischen einer focalisation zéro und einer focalisation interne (Genette, 1972), d.h. entweder ist der Erzähler allwissend, oder er weiß so viel wie die Person.
Eingerahmt wird die Biographie Johannas von der Handlung des Erzählens und Aufschreibens durch die Auktorialerzählerin. Diese Rahmenhandlung führt den Zuschauer in die Geschichte ein und transportiert die Motivation der Erzählerin. Während der Hauptgeschichte erscheint die Erzählerin als Off-Stimme, die aus ihrem Bericht vorzulesen scheint und damit eine gewisse Objektivität der Geschichte garantieren will. In der auflösenden Schlussszene zeigt sich dann eine familiäre und persönliche Bindung der Erzählerin zu Johanna und ihrer Rolle als Vorbild, womit auch die subjektive Haltung der Erzählerin (und damit auch der Geschichte) ersichtlich wird. Der Film endet nach einem Zeitsprung von 40 Jahren in Arnaldas Gegenwart.
Tabellarische Chronologie zum Film [Bearbeiten]
- A.D. 887: Arnaldo, Bischof von Paris schreibt in Rom Johannas Geschichte auf.
- A.D. 814, 27. April: Johannas Geburt in Ingelheim. Das Dorf ist tief verschneit. Es ist auch der letzte Tag im Leben Karls des Großen.
- A.D. 819: Die fünfjährige Johanna ist ihrem Alter weit voraus und kann bereits (heimlich) lesen und schreiben. Ihr Bruder und Förderer Matthias stirbt während dieser Zeit.
- A.D. 824: Aesculapius kommt nach Ingelheim, um Johanna und ihren Bruder Johannes zu unterrichten. Sein Spezialgebiet sind die antiken Schriftsteller und er bringt den beiden Griechisch bei. Später überreicht er Johanna als Abschiedsgeschenk eine griechische Abschrift der Odyssee. Johanna wird durch einen bischöflichen Abgesandten an die Domschule in Dorstadt berufen, doch ihre Eltern senden ihren Bruder Johannes. In der Nacht flieht sie und entdeckt im Wald Johannes, dessen Begleiter ermordet wurde. Die beiden gehen zusammen an die Schola nach Dorstadt. Johanna wohnt dabei auf der Burg des Grafen Gerold, zu dem sie sich ganz besonders hingezogen fühlt.
- Sieben Jahre später: Aufgrund vermehrter Normanneneinfälle muss Graf Gerold für das Frankenreich in den Krieg ziehen. Johanna soll verheiratet werden. Doch während der Zeremonie wird die gesamte Hochzeitsgesellschaft von Normannen niedergemetzelt. Johanna überlebt als Einzige und flieht als Mann verkleidet nach Fulda ins Kloster.
- Drei Jahre später: Johanna lebt nun fortan als Bruder Johannes Anglicus. Dank ihres Wissens und Fleißes genießt sie bei ihren Mitbrüdern hohes Ansehen, vor allem beim Medicus, der sie zu seinem Lehrling macht und ihr wichtige Aufgaben übergibt, wie das Pflegen griechischer Schriften und das Heilen von Kranken. So darf sie das Kloster vorübergehend verlassen, um eine kranke Mutter zu pflegen und ihr im Haushalt zu helfen. Dabei lernt sie auch deren ältesten Sohn Arn kennen, den sie als ihren Schützling annimmt. Während dieser Zeit entbrennen die Kämpfe um den kaiserlichen Thron (Schlacht von Fontenoy (841)) im Frankenreich. Eine andere Katastrophe sucht das Kloster heim: Das Fieber. In dieser Zeit kommt Johannas Vater nach Fulda und als dieser bemerkt, dass nicht sein Sohn, sondern seine Tochter vor ihm steht, bricht er zusammen und stirbt. Auch Johanna entkommt dem Fieber nicht und muss, aus Angst entdeckt werden zu können, abermals fliehen. Der Medicus, der bereits seit längerer Zeit über ihre Identität Bescheid weiß, hilft ihr dabei. Sie besteigt im Fieberwahn ein Boot und wird schließlich von Arn gefunden, der inzwischen erwachsen ist und eine Familie hat. Auf seinem Anwesen kann sie sich ausruhen und ist als Lehrerin für dessen Tochter Arnalda tätig. Später bricht sie, wieder als Mönch verkleidet, mit einer Pilgergruppe nach Rom auf. Der kleinen Arnalda übergibt sie ihr Amulett der Heiligen Katharina, ihrer persönlichen Schutzpatronin, das sie einst von ihrem Bruder Matthias bekommen hat.
- (A.D. 840): Ankunft in Rom. Johanna findet in der Schola Anglorum ein Zuhause.
- A.D. 843: Als Medicus nun in ganz Rom bekannt, wird Johanna vom päpstlichen Nomenklator Anastasius aufgerufen, auch dem kranken Papst Sergius II. beizustehen. Sie erkennt, dass er die Gicht hat, und kann ihn heilen. Darauf wird sie zu seinem Leibarzt und zu einem seiner engsten Vertrauten ernannt. Kaiser Lothar I. mobilisiert ein ganzes Heer für einen Feldzug nach Rom, da Sergius seine Wahl zum Papst bei ihm nie absegnen ließ. In der Armee ist auch Graf Gerold. Johanna kann Lothar und seine Soldaten dank eines Mechanismus, der die Türen des päpstlichen Palastes wie von Gottes Hand schließen kann, einschüchtern und wird nachher von Sergius zu dessen neuen Nomenklator ernannt. Anastasius jedoch gibt sich damit nicht zufrieden und plant einen Mordanschlag auf den Papst, der ihm auch gelingt. Graf Gerold erkennt im jungen Nomenklator seine Johanna und die beiden verbringen einige glückliche Stunden miteinander, bevor sie von den schrecklichen Geschehnissen erfahren. Nun steht die Wahl eines neuen Papstes durch Akklamation an und das Volk wählt Johanna. Jetzt will Anastasius auch noch sie aus dem Weg schaffen.
- A.D. 847 (Dezember): Ihre plötzliche Schwangerschaft bringt Johanna in Bedrängnis und doch will sie noch bis Ostern durchhalten.
- A.D. 848 (Ostern, 25. März): Während der österlichen Prozession wird Graf Gerold, jetzt Hauptmann der päpstlichen Garde, in einen Hinterhalt gelockt und dort von Anastasius Männern ermordet. Gleichzeitig erleidet Johanna eine Fehl- oder Frühgeburt und stirbt.
- A.D. 887: Bischof Arnaldo beendet die Geschichte, indem sie Johannas Biographie dem Liber Pontificalis hinzufügt. Anastasius hatte diese Chronik einst in Auftrag gegeben, doch verschwieg er aus Rache das Pontifikat Johannas und ihre Existenz. Ganz zum Schluss lüftet Arnaldo noch sein Geheimnis: Er ist Arnalda, die Tochter von Arn! Mit ihrem Eintrag im liber hofft sie, dass Johannas Geschichte in der Nachwelt weiterleben wird.
Sprechen und Agieren der Figuren [Bearbeiten]
Die Sprache und das Agieren der Figuren sind vorwiegend von Gott und der Heiligen Schrift bestimmt. Untergebene wie Gleichrangige sprechen sich in höflicher Ihr-Form an (oder sonst sehr ordinär), Vertreter der Kirche oder weltlicher Macht werden nach dem jeweiligen Protokoll benannt (Eure Hoheit/Heiligkeit).
Auch im Agieren beruft sich der Mann in seiner Autorität und Macht auf Gott, dies insbesondere beim „Missionieren mit Feuer und Schwert“ und wenn er die Frau unterdrückt (mit Schlägen und Peitschenhieben). Die Menschen handeln primär mit ihren Händen, wie bspw. bei der landwirtschaftlichen Arbeit oder beim Zerstampfen der Heilkräuter. Das monastische Leben beinhaltet Beten, Singen, Heilen (neben den Kräutern auch durch Gebete, Weihrauch/Weihwasser) und Schreiben zum Lob Gottes, während sich in Rom diese Aufgaben mit dem säkularen Agieren (u.a. Intrigen und Korruption) verstärkt vermischen. Das Agieren der weltlichen Seite beschränkt sich auf die Kriegsführung, um Macht und Herrschaft zu sichern.
Konfliktsituationen [Bearbeiten]
Die Verfilmung beschreibt die einzelnen Stationen im Leben der Protagonistin. Das Zuhause in Ingelheim ist von patriarchalischen Strukturen geprägt, und Johanna muss zum ersten Mal für ihre Wissensgier einstehen und erfahren, dass der Frau dieses Wissen verboten ist. In Dorstadt begegnen ihr einerseits die wohl bekannten, patriarchalischen Strukturen und Personen, andererseits findet sie durch ihre naive, direkte und noch nicht konventionelle Art Förderer im weltlichen wie im kirchlichen Bereich. Neben der Mutterliebe lernt sie auch die Liebe zu einem (ihr verbotenen) Mann kennen, doch wird diese durch eine Intrige (Zwangsheirat) und den Krieg unterdrückt. Ein Normanneneinfall erlöst sie zwar von den gefürchteten häuslichen Pflichten, zwingt sie aber auch zu einer radikalen Wandlung, die sich entgegen den damaligen Vorstellungen von männlichen und weiblichen Pflichten nicht einschränkend, sondern eher fördernd auswirkt.
Als Mann erst beginnt ihre Karriere, und die ständige Furcht vor dem Entdeckt werden definiert ihren Lebensweg. Das Kloster zu Fulda bietet ihr zum ersten Mal (als Mann) eine Möglichkeit, unbeschränkt zu lernen und frei zu agieren. Hier, bei ihrer Flucht und Rettung sind die Handlungen (fast) nur von Glück und Zufall bestimmt. In Rom wechseln die Handlungen zwischen persönlichen Aktivitäten Johannas und dem geregelten Ablauf der Aufgaben im Kirchenstaat. Die Liebe zu Gerold wird bestimmend und führt zur letzten Konfliktsituation zwischen persönlicher Machtgier und selbstbestimmtem Leben innerhalb der Kirche. Anastasius' Intrigen und Johannas Frühgeburt führen schließlich zum Tod der Protagonisten (auch Sergius').
Eine plakative Darstellung der typisch mittelalterlichen Gesellschaftsordnung gestaltet sich dabei als Hintergrundfolie für ein persönliches Schicksal, also das der Johanna, welche diese Ordnung durchbricht und so Konfliktpotenzial mit sich bringt. Im Grunde moderne Individuen treffen auf mittelalterlich „verkrustete“ Strukturen und verstärken so ein undifferenziertes Bild des Mittelalters. Die Konflikte erscheinen hierbei auf mehreren Ebenen: weltlich-kirchlich, wissenschaftlich-religiös, innerhalb von sozialen Strukturen und persönlichen Beziehungen. Das gesamte Leben Johannas ist geprägt von verschiedenen (exemplarischen) Konfliktsituationen, die man jeweils einer oder mehreren dieser Ebenen zuordnen kann.
Schauplätze und Ausstattung [Bearbeiten]
Bei einer geographischen Betrachtung erkennt man ungefähr fünf Schauplätze:
Land: Ingelheim und Arns Dorf
- Ansammlung von Pfahlbau-ähnlichen Hütten um Haupthütte (Dorfpriester) mit Feuerstelle
- Tier und Mensch in einem Raum, Schmutz, Krankheiten
- nützliche, aber unverarbeitet-grobe Kleidung
Stadt: Dorstadt / Burg Villaris
- Burg (Wassergraben, Wächter, dicke Mauern)
- Bankett mit Saufgelage/üppigem Mahl, „Tafelmusik“
- Markt: Jahrmarkt mit Tierschauen, Handwerk/Handel, Spiele/Gaukler, Reliquienverkauf, Randgruppen/Menschenmasse, „Antiquitäten“ (Pergament)
- Auszug der Ritter in den Krieg mit Ausrüstung und Pferden
- Hochzeitszeremonie
- Normanneneinfall: heidnisch-blasphemisch, brutal-blutrünstig, mit Fellen bekleidete Barbaren
Kloster: Fulda
- Bibliothek mit Lesesaal
- Ordenskapitel
- Klostergarten (Kräuter) innerhalb des Kreuzganges
- Krankensaal mit Heilkräutersammlung
- Klosterkirche, romanisch, Apsis mit Wandmalereien
Rom
- Markt mit Sklavenhandel, verschiedene Kulturen, Armut und Enge
- prächtiger Papstpalast (Lateran)
- Aderlass/„Vater unser“ als Allheilmittel, Ablehnung „heidnischer“ Medizinlehren
- Weihrauch
- Papstwahl: Bürger weltlichen und geistlichen Standes wählen den Papst durch Akklamation
- Synode mit wichtigen Bischöfen
- Prozession durch Rom
- Codex (Liber pontificalis): langwierige, kunstvolle Herstellung von Hand
sowie Verschiedene Schlachtfelder
Die im Film gezeigten Innenräume sind, dem Lebenslauf Johannas als Mönch, Gelehrter und Papst folgend, typische Mittelalterorte: Dorf, Stadt/Burg, Kloster und Lateranpalast (Rom) repräsentieren das übliche Inventar geistlicher Mittelalterräume im Film. Analog zur Bedeutung, die Wissenschaft und Kirche für Johanna darstellen, spielt der Film aber größtenteils in Innenräumen, die sowohl Handlungsräume, als auch atmosphärisch und symbolisch aufgeladene Räume sind. In den Außenräumen spielt das Wasser als Weichensteller eine wichtige Rolle. Die meistens (lebens-)gefährlichen Momente der Veränderungen geschehen an einem See, Fluss oder inmitten von Schneemassen. Das Leben Johannas verschiebt sich von naturnahen, einsamen und dunklen Räumen zum bevölkerten, „zivilisierten“(?) und farbigen Rom. Die Hütte in Ingelheim wird – gemäß Regisseur analog zum unentwickelten Intellekt Johannas – dunkel, düster und patriarchalisch bestimmt, aber auch naturverbunden dargestellt. In Dorstadt erweitert sich der Handlungsraum auf eine Burg und einen Marktplatz. Die Atmosphäre der Klosterschule hingegen ist kalt und frauenfeindlich. Mehr Licht und Farbe erhalten die Innenräume des Klosters Fulda, wo Johanna ihr Wissen als Mann unbegrenzt erweitern kann. Der Papstpalast in Rom zeigt sich prächtig „vergoldet“, hinter der einladenden Fassade spielen sich aber die gefährlichsten Intrigen ab.
Gemäß Regisseur (Audiokommentar) entwickelt sich das Licht und die Farbe wie Johannas Intellekt von dunkel/düster und ohne Farben (low-key) zu hellem Licht und gesamter Farbpalette (high-key). Auf dem Land sind die mittelalterlichen Behausungen düster und fast ohne Fenster; die Zeiten sind „rau“, die Frau kümmert sich um die Kinder und den Haushalt; Lernen ist Blasphemie und die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist problematisch. In Dorstadt ist die Wissenschaft eine männliche und die Frau soll still sein und darf nicht lehren (Pauluszitat, 1.Tim 2,12); das Mittelaltergefühl verstärkt sich bei der Marktszene durch die authentische Ausstattung („So ungefähr sah es aus.“). Rom ist im 9. Jahrhundert schon „heruntergekommen“ und der Papst wird vom Volk per Akklamation gewählt. Dieses Mittelalterbild wird durch die Rezeption des Films ergänzt: Grundelemente wie Krieg und Armut, Reichtum und Autorität der Kirche (Bibel), Unwissen und Aberglaube in Zusammenhang mit Wissenschaft und Vernunft/Verstand, persönlicher Ehrgeiz/Hochmut gegen den fortschrittlichen Glauben an das Gute im Menschen und die Gleichheit der Geschlechter sind vorherrschend und prägend. Die endlos scheinenden Wälder und Ebenen, ebenso wie die unberührte Natur im Gegensatz zur bevölkerten und schmutzigen Stadt oder dem „ehrwürdigen“ Kloster bilden die stimmungsvolle Kulisse dieser „fremden“ Welt.
Musikalische Untermalung [Bearbeiten]
Die extradiegetische Musik bedient sich keiner typischen Mittelalter-Instrumente, aber einer synthetisch generierten, geistlichen Pseudo-Vokalmusik der Renaissance. Damit wird eine Stimmung erzeugt, die wohl die Dramatik der Geschichte innerhalb einer kirchlichen Welt hervorheben, Emotionen wecken und zur Authentizität beitragen soll. Zur innerfilmischen Musik gehören der (authentische) gregorianische Gesang im Kloster Fulda und die (anachronistisch) instrumentale Tafelmusik in Dorstadt.
Geschlechterrolle [Bearbeiten]
Kernthematik des Filmes ist die geschlechtsspezifische Rolle der Frau und die Täuschung der männlich-dominierten mittelalterlichen Gesellschaft durch eine außergewöhnliche (weibliche) Person. Die für eine Frau am wenigsten denkbare Situation, die Wahl zum Papst, wird für Johanna Wirklichkeit.
Historischer Hintergrund [Bearbeiten]
Den zeitlichen Hintergrund der Geschichte bilden die nach dem Tod Ludwigs des Frommen (840) tobenden Erbstreitigkeiten zwischen seinen Nachkommen (Lothar, Pippin und Ludwig) und die Einfälle der Normannen ins Frankenreich. 841 kommt es bei Fontenoy zur Schlacht zwischen Lothar und seinen beiden jüngeren Brüdern, die in der Niederlage Lothars endet. Im Vertrag von Verdun 843 wird das Frankenreich in ein West-, Ost- und ein Mittelreich aufgeteilt. Lothar erhält als Kaiser das Mittelreich, das von der Nordseeküste bis nach Rom reicht. Nach seinem Tod wird das Mittelreich auf Ludwig II. (Italien), Lothar II. (Lothringen) und Karl (Burgund, Provence) aufgeteilt.
Forschungsbefund zur Existenz der Päpstin [Bearbeiten]
Obwohl die Figur der Johanna legendär ist und ihre Existenz von der Geschichtswissenschaft einhellig abgelehnt wird, versucht der Film mit der Einbettung der eigentlich legendären Geschichte in historische Ereignisse und Orte Authentizität und Quellentreue zu suggerieren. So leitet die Erzählerin die Geschichte mit dem Eintrag Johannas in die Chronik der Päpste ein, das als prominentes und handlungsimmanentes Medium (Buch) für eine Authentisierung und Kontextualisierung sorgen soll. Im Lauf der Geschichte werden immer wieder historische Quellen, Ereignisse (Normanneneinfälle, Thronstreitigkeiten, Schlacht bei Fontenoy) und Personen (Päpste, Kaiser) als Zeugen für die „Echtheit“ der Legende aufgerufen.
Trotz keiner sicheren Bestätigung ihrer Existenz liegen sehr viele schriftliche Zeugnisse zur Figur der Päpstin Johanna vor. Angaben zu ihrem Leben erscheinen vereinzelt in Chroniken (insbesondere in Martin von Troppaus „Chronicon pontificum et imperatorum“), und selbst diese wurden erst nachträglich hinzugefügt (13. Jh.). Doch auch wenn die moderne Geschichtsschreibung mehrheitlich von einer Legende spricht, wird das Phänomen in großem Rahmen untersucht; von Lexikonartikeln (Lexikon des Mittelalters, Lexikon für Theologie und Kirche, Biografisch-Bibliografisches Kirchenlexikon) bis hin zu monographischer Fachliteratur.
Literatur 16.–19. Jh.
- Georg Scherer: Ob es wahr sey, dass auff ein Zeit ein Bapst zu Rom schwanger gewesen, und ein Kind geboren habe? Gründlicher Bericht, Ingolstadt 1584.
- Leo Allatius: Dissertatio de J. Papissa. Rom 1630.
- Leone Allacci: Confutatio fabulae de Joanna Papissa. Colonia Agrippina (= Köln) 1645.
- Heumann: Dissertatio de origine tradit. falsae de J.P. 1733.
- Friedrich Spanheim: Histoire de la papesse Jeanne. Den Haag 1736.
- Franz Werner: Die Päbstin Johanna, keine wahre Geschichte. Müller, Mainz 1821.
- Johann J.I. von Dölliger: Die Papstfabeln des Mittelalters. (1863) 1892, S. 7–45.
Neuere Geschichtsforschung (20. und 21.Jh.)
- Th. d'Angomont: La papesse Jeanne vue par Stendhal. In: Revue du moyen-age latin 41, 1985, Nr. 3–4, S. 243–248.
- Alain Boureau: La papesse Jeanne. Paris 1988.
- Olivier Donneau: „Sa Sainteté femelle“, ou les réincarnations discrètes du mythe historiographique de la papesse Jeanne au Refuge huguenot. In: BSHPF 153, 2007, S. 197–230.
- Elisabeth Gössmann: „Mulier Papa“. Zur Rezeptionsgeschichte der Gestalt der Päpstin Johanna. 1994 (Archiv für philosophie- und theologiegeschichtliche Frauenforschung 5).
- Klaus Herbers: Die Päpstin Johanna. Ein kritischer Forschungsbericht. In: Historisches Jahrbuch 108/2, 1988, S. 174–194.
- Max Kerner: Die sogenannte Päpstin Johanna. Von einer wundersamen und rohen Fabeln. In: Licet preter solitum. Ludwig Falkenstein zum 65. Geburtstag, hg. v. Lotte Kéry, Dietrich Lohrmann, Harald Müller, Aachen 1998, S. 143–163.
- Max Kerner, Klaus Herbert: Die Päpstin Johanna. Biographie einer Legende. Köln 2010.
- Michael Obenaus: Hure und Heilige. Verhandlungen über die Päpstin zwischen spätem Mittelalter und früher Neuzeit. Hamburg 2008.
- Cesare d'Onofrio: La papessa Giovanna. Roma e papato tra storia e leggenda. Rom 1979.
- A. Plaut: Les principales sources de Forimond de Raemond dans l'Erreur Populaire de la Papesse Jane (1587, 1594). In: Jren 4, 2006.
- Mario Praz: La legganda da papessa Giovanna. In: Belfagor ressegna di varia umanità. Firenze 1979, S. 435–442.
- Peter Stanford: Die wahre Geschichte der Päpstin Johanna. Berlin 2009.
- Barbara Sher Tinsley: Pope Joan. Polemic in early modern france. The use and Disabuse of Myth. In: The Sixteenth Century Journal 18/3, 1987, S. 381–397.
- Alphagius Vacandard: Etudes de critique et d'histoire religieuse 4, Paris 1923, S. 13–39.
Historische Ungenauigkeiten [Bearbeiten]
Legende
- Die Legende der Päpstin Johanna erscheint erstmals in der Chronica universalis Mettensis von Jean de Mailly Mitte des 13. Jahrhundert. Im Film veröffentlicht der Bischof Arnaldo ihre „Geschichte“ im ‚liber pontificalis‘ bereits 40 Jahre nach ihrem Tod, A.D. 887.
Ausstattung
- Die Langobarden haben über viele Jahre hinweg Rom geplündert und zerstört. Die Kulissen Roms stammen aber höchstwahrscheinlich aus der römischen Kaiserzeit und sind dementsprechend prächtig. Der päpstliche Audienzraum ist ein ehemaliger Versammlungsort des Senats, ausgekleidet mit Marmor und Säulen. Auch die Kleider der Bischöfe sind nach antikem Vorbild gefertigt.
- Die Klosterkirche zu Fulda wurde zwischen 791 und 819 nach dem Vorbild des alten Petersdoms in Rom erbaut. Die „Filmkirche“ Gernrode ist dagegen ein romanisches Bauwerk aus dem Jahr 959.
Handlungen
- Nach der Geschichte der Stadt Ingelheim war dieser Ort seinerzeit ein politisches Zentrum des Frankenreiches und nicht eine Einöde am Rande der Wildnis.
- Der liber pontificalis entstand bereits 530. Anastasius III. (Gegenpapst 855) überarbeitete und ergänzte den ersten Teil, abgeschlossen wurde es im 9. Jahrhundert. Der liber pontificalis beschreibt außerordentliche Taten der jeweiligen Päpste, nicht aber deren Biographien.
Im Film fertigt Anastasius, als Johannas Gegenspieler, das Buch im Exil an, unterschlägt ihr Pontifikat aber aus Rache. Vervollständigt wird es vom Bischof von Paris Arnaldo um 887.
- Die Schlacht von Fontenoy (841) und der Vertrag von Verdun (843) sind im Film vor 840 angesetzt.
- Die Hochzeitszeremonie entspricht einer heutigen Messe mit Weihrauch, weißen Gewändern und Ministranten.
- Die Harnschau wird von der St. Galler Klostergeschichte für den Arzt Notger in der Mitte des 10. Jahrhundert überliefert.[12]
Gesprochene Sprache Obwohl die geographisch-kulturellen Unterschiede innerhalb und zwischen den Reichen sehr groß waren, sprechen die Menschen dieselbe Sprache und unterscheiden sich in keiner (kulturellen) Weise. Diese Tatsache könnte auf eine Lingua franca hinweisen, aber das wird nicht explizit erklärt. Im gelehrten, oralen Diskurs wird Latein (und die griechische Schrift) mit englischem Akzent gesprochen, die Sprache ist aber artifiziell und rhetorisch (Buchsprache). Der Glaube an Gott und den göttlich vorbestimmten Lauf der Welt wird in jeden Satz integriert und so verdeutlicht („Wenn Gott es will“ etc.).
Diskurs
- Aesculapius sagt während eines Gesprächs mit Johannas Vater: „Cogito, ergo Deus est.“, was zum Leitmotiv Johannas wird. → „Cogito, ergo sum.“ (René Descartes, 1596–1650)
- Die Menge ruft während Lothars Kniefall vor Sergius: „Deus vult!“. Dies ist der Leitspruch der Kreuzzüge im 11. Jahrhundert auf der Synode von Clermont unter Papst Urban II..
- Im 9. Jahrhundert ist der Papst der Stellvertreter Petrus' und nicht Christi. Sergius und Johanna bezeichnen sich jedoch beide als Stellvertreter Christi.
Bühnenmusik
- Aufgrund fehlender Quellen (Noten, Aufführungsberichte) aus dem 9. Jahrhundert ist es schwierig, eine Aufführungssituation (Instrumente, Musik, Ausführende) an einem bischöflichen Hof (Dorstadt) darzustellen. Gesichert ist die Überlieferung griechischer Musiktheorie und (instrumentaler) Musikpraxis im römischen Reich dank Darstellungen und literarischen Zeugnissen. Eine eigenständige Instrumentalmusik entsteht aber erst in der Spätrenaissance, im Mittelalter ist sie (improvisierter) Teil einer vokalen Praxis (z. B. Liedbegleitung von Troubadours). Spielleute im festen Dienst am Hofe (Ménestrels) mit den (im Film) authentisch dargestellten Instrumenten (Tuba, Aulos, Tympanon, Leier, Fiedel, Orgel) sind erst im Hochmittelalter sicher belegt.
Weitere Verfilmung [Bearbeiten]
Papst Johanna (Originaltitel: She … who would be Pope), Regie: Michael Anderson (1972).
Literatur [Bearbeiten]
- Donna W. Cross: Pope Joan (deutsch Die Päpstin. Roman. Die illustrierte Ausgabe des Weltbestsellers. Übersetzt von Wolfgang Neuhaus, Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-7466-2546-1; 543 Seiten).
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Die Päpstin im Lexikon des Internationalen Films, abgerufen am 22. Oktober 2009
- ↑ a b Freigabekarte (PDF; 80 kB) der SPIO
- ↑ Fritz Göttler: Es geht um Geld, viel Geld. Süddeutsche Zeitung, 23. Juli 2007, abgerufen am 23. Oktober 2009.
- ↑ Peter Zander: Erst Gudrun Ensslin, jetzt die Päpstin. Berliner Morgenpost, 2. Juni 2008, abgerufen am 23. Oktober 2009.
- ↑ a b Die Päpstin (2009) - Einspielergebnisse. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 12. Februar 2011.
- ↑ Rom ist Überall – die Locations. Die Päpstin – Blog, 18. September 2009, abgerufen am 23. Oktober 2009.
- ↑ Katharina Dorn: Spannend, berührend, dreckig. Focus, 22. Oktober 2009, abgerufen am 23. Oktober 2009.
- ↑ Hannah Pilarczyk: Vergib uns unser Debakel. Spiegel Online, 22. Oktober 2009, abgerufen am 23. Oktober 2009.
- ↑ Margret Koehler: Kritik. Kino.de, abgerufen am 29. Dezember 2011.
- ↑ Georg Fahrion: Kirchengeschichte als opulentes Popcorn-Kino. Stern, 22. Oktober 2009, abgerufen am 23. Oktober 2009.
- ↑ Rüdiger Suchsland: Das Superweib des Mittelalters. Telepolis, 22. Oktober 2009, abgerufen am 23. Oktober 2009.
- ↑ Johannes Duft: Die Abtei St. Gallen, Band II: Beiträge zur Kenntnis ihrer Persönlichkeiten. Sigmaringen 1991, S. 158.
Weblinks [Bearbeiten]
- Die Päpstin in der Internet Movie Database (englisch)
- Die Päpstin (Film) in der Online-Filmdatenbank
- Die Päpstin bei filmportal.de
- Sammlung von Kritiken zu Die Päpstin bei Rotten Tomatoes (englisch)
- Pressespiegel auf film-zeit.de
- Filmausschnitte und Interviews mit Cast & Crew
- Gutachten der FBW
- Arbeitshilfe zum Film (PDF; 3,2 MB)
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