Tollensesee

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Tollensesee
Blick vom Aussichtsturm Behmshöhe auf Neubrandenburg und die Trümmerinsel der einstigen Torpedoversuchsanstalt (TVA)
Blick vom Aussichtsturm Behmshöhe auf Neubrandenburg und die Trümmerinsel der einstigen Torpedoversuchsanstalt (TVA)
Geographische Lage Mecklenburg-Vorpommern
Zuflüsse Nonne, Gätenbach, Neuer Graben
Abfluss Tollense
Städte am Ufer Neubrandenburg
Daten
Koordinaten 53° 30′ N, 13° 13′ O53.50722222222213.21138888888914.8Koordinaten: 53° 30′ N, 13° 13′ O
Tollensesee (Mecklenburg-Vorpommern)
Tollensesee
Höhe über Meeresspiegel 14,8 m ü. NHN
Fläche 17,9 km²[1]
Länge 10,26 km[1]
Breite 2,394 km[1]
Volumen 315,89 Mio. m³dep1[1]
Umfang 27 km[2]
Maximale Tiefe 31,2 m[1]
Mittlere Tiefe 17,6 m[1]
pH-Wert 8,7
Einzugsgebiet 502 km²[2]
Besonderheiten

Zungenbeckensee

Der See ist auf dem Wasserweg nur mit kleinen Booten über die Tollense zu erreichen.

Der Tollensesee ist ein See in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Er gehört zum Landschaftsraum der Mecklenburgischen Seenplatte und erstreckt sich über 10,1 km südlich der Stadt Neubrandenburg.

Geographie[Bearbeiten]

Der Tollensesee liegt im Stadtgebiet von Neubrandenburg und zählt in der Stadtgliederung zum Lindenbergviertel.[3] Er befindet sich zwischen Neubrandenburg im Norden und dem See Lieps im Süden. An den See angrenzende Ortschaften sind Klein Nemerow, Alt Rehse und Wustrow.

Die größte Tiefe des Tollensesees beträgt ca. 31,2 m. Sie befindet sich etwa auf der halben Längsausdehnung unweit des südöstlichen Seeufers vor Klein Nemerow.

Sonnenuntergang am Tollensesee.
Anfang des Oberbaches im Norden des Tollensesees

Die Zuflüsse des Tollensesees sind neben einer Vielzahl von Quellen der Gätenbach und die Nonne. Der Gätenbach ist ein von der Linde abzweigender Kanal und mündet im Norden in den See. Die Nonne entspringt dem Wanzkaer See und erreicht den Tollensesee bei Nonnenhof im Süden. Durch verschiedene Verbindungskanäle von der Lieps, hauptsächlich jedoch über den „Neuen Graben“, erhält der Tollensesee Wasser von den Liepszuflüssen Ziemenbach und Zippelower Bach. Die Nonne ist mit der Wassermenge von 0,57 m³/s[1] der wichtigste Zufluss des Tollensesees.

Der Abfluss des Tollensesees ist heute der im Mittelalter angelegte Ober- bzw. Unterbach. Der Ölmühlenbach, bis vor einigen Jahrzehnten ein weiterer Abfluss, zweigt seit der Verlegung vom Oberbach ab. Beide Bäche vereinigen sich nach ca. 1,6 Kilometern und bilden ab hier die Tollense.

Inseln im Tollensesee sind die „Fischerinsel“ im äußersten Südwesten vor Wustrow und die künstliche „Trümmerinsel“ vor Neubrandenburg.

Das während der letzten Eiszeit entstandene Gewässer ist ein typischer Zungenbeckensee. Es ist 10,1 Kilometer lang und 1,3 bis 2,3 Kilometer breit. Wegen der Wasserspiegelhöhe von knapp 15 m ü. NN und seiner Tiefe von 31 m zählt es zu den kryptodepressiven Seen.

Im nördlichen Bereich des Tollensesees befinden sich große Strandbäder und Wassersportzentren mit Yachthäfen, Segel-, Ruder- und Kanusportvereinen. Der angrenzende Kulturpark Neubrandenburg trennt den See von der bebauten Fläche der Stadt.

Name[Bearbeiten]

Der Name des Tollensesees leitet sich vom slawischen „dolenzia“ = Talniederung, „dol“ oder „dolina“ = Tal her. In einem Spätwerk des Rostocker Theologen Eilhard Lubin (1565–1621) wird der Tollensesee als „Olse See“ genannt.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Belvedere ist ein ehemaliges herzogliches Sommerhaus von 1775 am nordwestlichen Steilufer des Tollensesees, das später als Aussichtspunkt umgebaut wurde und noch heute als solcher genutzt wird. Auch Hochzeiten und kulturelle Veranstaltungen finden dort statt.

Im Bereich des Südendes des Tollensesees und der angrenzenden Lieps wird seit mehreren Jahrhunderten die Lage des slawischen Hauptheiligtums Rethra vermutet. Bei den zahlreichen Versuchen, Rethra zu lokalisieren, spielt neben der Lieps die Fischerinsel eine große Rolle. Archäologische Ausgrabungen förderten hier eine massive Kulturschicht aus slawischer Zeit zutage und 1968 wurde ein doppelköpfiges slawisches Holzidol gefunden.

  • Durch mecklenburgische Verehrer von Humboldt wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Berggipfel am Ostufer des Tollensesees als Chimborazo benannt.[5]

1942 mussten Zwangsarbeiter im See eine künstliche Insel samt großem Gebäude für eine Außenstelle der Torpedoversuchsanstalt (TVA) der Kriegsmarine errichten. Von dieser aus konnten sowohl Unterwasser- als auch Überwasser-Torpedos für Tests abgeschossen werden. Ziel war es, die Treffsicherheit zu verbessern. Explosionen gab es keine, die entschärften Torpedos wurden nach den Tests aus dem Wasser gefischt. Die Teststrecke betrug 8 km. Der Badebetrieb musste dafür nicht eingestellt werden.
Als die Rote Armee näher rückte, wurde der Unterwasserteil der Anlage geflutet und der Rest des Gebäudes in Brand gesteckt. Die Ruine und die ganze künstliche Insel wurden viele Jahre später gesprengt. Übrig geblieben ist eine zugewachsene Doppelinsel, die heute als Trümmerinsel, Torpedoinsel oder TVA bezeichnet wird. Unter Wasser liegen Überreste der Versuchsanlage.[6]

Auch der im Südwesten des Sees gelegene Ort Alt Rehse ist mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden: Hier wurde 1935 die Führerschule der Deutschen Ärzteschaft eingerichtet, die für die rassenpolitische und erbbiologische Ausbildung der deutschen Ärzteschaft im Sinne des Nationalsozialismus von Bedeutung war.

Der Tollensesee im Panorama vom Aussichtsturm Behmshöhe mit Neubrandenburg im Norden (ganz rechts im Bild)

Touristik[Bearbeiten]

Die Motorschiffe Rethra und Mudder Schulten in der Nähe von Klein Nemerow
  • Um Tollensesee und Lieps führt ein ausgebauter, ca. 35 km langer Fahrradrundweg.
  • Im Brodaer Holz, am westlichen Ufer befindet sich ein Campingplatz.
  • Bei den großen Stränden Seeblick und Augustabad sowie dem Freibad gibt es Bademöglichkeiten in Neubrandenburg. Der FKK-Strand Buchort im Brodaer Holz und der Strand in Nonnenhof bieten weitere Bademöglichkeiten.
  • Fahrgastschiffe befahren den See linienmäßig und zu Rundfahrten. Schiffsanlegestellen gibt es in Neubrandenburg, Klein Nemerow, Nonnenhof, Gatsch Eck und in Prillwitz an der Lieps.

Naturschutz[Bearbeiten]

Der südlichste Teil des Tollensesees mit der Fischerinsel gehört zum Naturschutzgebiet Nonnenhof. Der Bereich ist durch Tonnen gekennzeichnet. Der Schiffsanleger in Nonnenhof kann angefahren werden.

Der gesamte See und die angrenzenden Wälder gehören zum 10.440 ha großen Landschaftsschutzgebiet Tollensebecken.[7]

Die Fischerinsel im Südwesten des Sees gehört zum Naturschutzgebiet Nonnenhof

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tollensesee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands: Teil 2 Mecklenburg-Vorpommern (PDF; 3,5 MB)
  2. a b Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands: Vorwort (PDF; 471 KB)
  3. Hauptsatzung der Stadt Neubrandenburg. 27. Juni 2013, S. 11 (Online, PDF).
  4. Eilhard Lubin: "NOVA ILLVSTRISSIMI DVCATVS POMERANIAE TABVLA" (1621)
  5. Jörg Franze: Humboldt ein bisschen älter gemacht. In: Nordkurier / Neubrandenburger Zeitung, 21./22. Juni 2014, S. 20.
  6. Michael Erler: Torpedos im Tollensesee. mdr, 2008
  7. Liste der Landschaftsschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern (PDF; 17 kB)