Trani

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Trani (Begriffsklärung) aufgeführt.
Trani
Wappen
Trani (Italien)
Trani
Staat: Italien
Region: Apulien
Provinz: Barletta-Andria-Trani (BT)
Koordinaten: 41° 16′ N, 16° 25′ O41.26666666666716.4166666666677Koordinaten: 41° 16′ 0″ N, 16° 25′ 0″ O
Höhe: m s.l.m.
Fläche: 102 km²
Einwohner: 55.786 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 547 Einw./km²
Postleitzahl: 70059
Vorwahl: 0883
ISTAT-Nummer: 110009
Volksbezeichnung: Tranesi
Schutzpatron: San Nicola Pellegrino
Website: Trani

Trani, im Altertum Turenum, ist eine süditalienische Hafenstadt in der Region Apulien, Provinz Barletta-Andria-Trani mit 55.786 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012). Bis Ende 2007 war die Stadt Bestandteil der Provinz Bari.

Geschichte[Bearbeiten]

Hafen von Trani

Die Hoch- und Blütezeit Tranis lag in der Zeit der Kreuzzüge im 12. und 13. Jahrhundert, als Kreuzfahrer und Kaufleute vor allem von Bari und Trani aus in das Heilige Land fuhren. Davon zeugt die Kathedrale, die einzigartig unmittelbar am Meer gelegen in die Ferne weist. Seit 2008 ist Trani eine der drei Hauptstädte der neu gegründeten Provinz Barletta-Andria-Trani.

Das Wunder von Trani[Bearbeiten]

Ein in Trani aufgestelltes Denkmal mit den Namen von 50 jungen Männern des Ortes und dem eines deutschen Offiziers erinnert an den Zweiten Weltkrieg und speziell an den 18. September 1943. Damals, wenige Tage nach dem Seitenwechsel Italiens zu den Alliierten wurden fünf deutsche Soldaten aus dem Hinterhalt erschossen.

Im Dokumentarfilm Das Wunder von Trani (WDR, 2012) wird von den drei überlebenden Zeitzeugen aus Trani ausdrücklich darauf hingewiesen, dass einige englische und kanadische Soldaten am Friedhof von Trani einen Hinterhalt gelegt und die sich auf dem Rückweg vom Bierholen in Trani ins benachbarte Barletta befindlichen fünf deutschen Soldaten dort hinterrücks erschossen hatten. Genaues konnte offenbar jedoch nicht ermittelt werden und so verfügte die regionale Wehrmachtführung in Annahme italienischer Partisanen als Täter die Erschießung von zehn italienischen Zivilisten für jeden getöteten Soldaten.

Auf dem Marktplatz von Trani wurden am 18. September 1943 50 Männer zusammen getrieben, die dann auf ihre Erschießung warteten. Die Anspannung aller Beteiligten wurde noch durch die Flucht einer Geisel gesteigert. Nach Intervention des Bürgermeisters von Trani, der ein Dekret verlas, das jeglichen Angriff auf die – bis vor wenigen Tagen „befreundeten“ – deutschen Besatzer verbot und Fürsprache durch den Bischof verhandelte der deutsche Oberleutnant Friedrich Kurtz mit der Zivilverwaltung und den Soldaten des Erschießungskommandos. Als Ergebnis der Verhandlungen wurden die Geiseln frei gelassen und die Erschießung unterblieb. Friedrich Kurtz wurde an die Ostfront versetzt, wo er sich ebenfalls Erschießungskommandos widersetzte. Er lebte bis zu seinem Tod 1993 in der Pfalz.[2]

Berühmte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Aus Trani stammen der mittelalterliche Kanonist Goffredus de Trano, der jüdische Gelehrte Jesaja ben Mali di Trani und der Radiomoderator und Sänger Leone di Lernia.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zahlreiche historische Bauten in Trani, wie beispielsweise die Kathedrale, sind aus dem Naturstein mit der heutigen Handelsbezeichnung Trani (ital.: pietra tranese) erbaut worden. Dieser helle und rötliche Naturstein gibt der Stadt ein deutliches Gepräge. Trani wird heute noch in der Umgebung der Stadt in mehreren Steinbrüchen gewonnen und europaweit vertrieben.

Das Castello Svevo
Die Kathedrale
Prozession mit dem Heiligen Nicola von Trani vor der Kathedrale
  • Castello Svevo (deutsch Schwabenkastell), ein Bau Friedrichs II. von Hohenstaufen
  • Kloster Colonna
  • Kathedrale San Nicola Pellegrino
  • Kirche Ognissanti (Templerhospiz)
  • Torre Dell'Orologio (Uhrturm in der Altstadt)
  • Chiesa di Scolanova (Kirche in einer ehemaligen Synagoge)
  • sechs Meilensteine der Via Traiana
  • Villa Communale (Stadtpark)
  • Chiesa di San Domenico (Kirche im Stadtpark)
  • Chiesa del Carmine (Kirche am Hafenbecken)
  • historische Altstadt
  • Tagesausflüge nach Andria und zum Castel del Monte.

Die Stadt ist Mitglied der Cittaslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten durch Umweltpolitik, Infrastrukturpolitik, urbane Qualität, Aufwertung der autochthonen Erzeugnisse, Gastfreundschaft, Bewusstsein und landschaftliche Qualität.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt hat einen Bahnhof mit regelmäßigen Verbindungen nach Bari und Foggia. Von Trani nach Neapel verkehren Busse, da die einzige Bahnverbindung über Benevent und Caserta führt. Ferner verkehren Busse nach Andria.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Baedeker Unteritalien. 15. Auflage, Leipzig 1911, 237f.
  • Wolfgang Stürner: Friedrich II., 2 Bde., Darmstadt 2000 (ND 2003).
  • Emanuele Gianolio: Gli ebrei a Trani e in Puglia nel medioevo, tesi di laurea, 1999. (online)
  • Walter Hotz: Pfalzen und Burgen der Stauferzeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1981. Tafel 188.
  • Marcel Durliat: Romanische Kunst. Freiburg-Basel-Wien 1983, Farbtafel 26.
  • Rolf Legler: Apulien. Köln [1987] 3. Auflage 1989, S. 141, 284.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. ARD-Sendung Geschichte im Ersten: Das Wunder von Trani, Erstausstrahlung 8. Oktober 2012.