Triesenberg

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Triesenberg
Flagge Wappen
Flagge von Triesenberg
Wappen von Triesenberg
Basisdaten
Staat: LiechtensteinLiechtenstein Fürstentum Liechtenstein
Wahlkreis: Oberland
Gemeindenummer: 7004
Postleitzahl: 9497
Koordinaten: 759578 / 22073247.1183339.54167Koordinaten: 47° 7′ 6″ N, 9° 32′ 30″ O; CH1903: 759578 / 220732
Höhe: 884 m ü. M.
Fläche: 29,8 km²
Einwohner: 2634 (31. Dezember 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner pro km²
Ausländeranteil: 20,0 % (31. Dezember 2010)[2]
Website: www.triesenberg.li
Karte
Eschen Eschen Gamprin Mauren Ruggell Schellenberg Balzers Balzers Balzers Planken Schaan Schaan Schaan Triesen Triesenberg Triesenberg Vaduz Vaduz Vaduz Vaduz VaduzLage der Gemeinde Triesenberg  im Fürstentum Liechtenstein (anklickbare Karte)
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Triesenberg (Dialekt: Trisabäärg) ist eine Gemeinde im Wahlkreis Oberland des Fürstentums Liechtenstein. Triesenberg verfügt über eine Exklave und ist somit eine zweigeteilte Gemeinde. Es ist die flächenmässig grösste und höchstgelegene Gemeinde im Fürstentum. Triesenberg ist eine Weilersiedlung mit den Weilern Rotenboden, Jonaboden, Wangerberg, Steinort/Lavadina, Masescha und Silum. Zudem ist die Gemeinde ein Erholungsort.

Geographie[Bearbeiten]

Triesenberg ist mit rund 29,7 Quadratkilometern die flächenmässig grösste Gemeinde des Landes. Das Dorfzentrum ist auf einer Höhe von rund 900 m ü. M. gelegen und stellt damit auch die höchstgelegene Ortschaft des Fürstentums dar. Im Westen grenzt Triesenberg an Triesen, Schaan und Vaduz, im Norden an Planken, im Süden an ein Alpgebiet der Gemeinde Balzers und Triesen, sowie im Osten an Genossenschaftsalpen der Gemeinden Schaan, Vaduz und Balzers. Triesenberg besitzt ausserdem eine Exklave, die sich um den Ort Malbun erstreckt. Neben Malbun gehören auch die Orte Masescha, Silum, Gaflei und Steg zur Gemeinde Triesenberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Walserwanderung[Bearbeiten]

Die ab dem Ende des 13. Jahrhunderts eingewanderten Walser besiedelten wohl als Erste das Gebiet von Triesenberg dauerhaft. Eine erste schriftliche Bezeugung von Walsern am Triesenberg findet sich in einer Urkunde von 1355, in der ihnen ein Teil der Alpe Malbun zuerkannt wird und zwar, wie sie ihn «vormals gehabt haben». Entsprechend müssen sie sich bereits vor diesem Datum angesiedelt und Alpen zu Lehen genommen haben.

Prähistorische Streufunde (Originale im Liechtensteinischem Landesmuseum, Kopien im Walser Heimatmuseum) und romanische Flurnamen wie Guflina, Runggelina, Lavadina usw. weisen auf eine vorwalserische Nutzung des Gebietes hin. Der Vorgang der Verdrängung der romanischen Sprache war um die Zeit der Walsereinwanderung abgeschlossen.

Die Walser besiedelten zuerst die höheren Lagen und breiteten sich erst später talwärts aus. Es bildeten sich dabei Siedlungen mit unterschiedlichen Weilern.

Die «Freien Walser» wurden von den Landesherren für ihre Rodungstätigkeit mit besonderen Freiheitsrechten ausgestattet. So besassen sie mit der «Freien Erbleihe» ein besonders günstiges Besitz- und Nutzungsrecht. Sie waren von Steuern befreit und hatten lediglich einen Zins zu entrichten. Im Jahre 1618, unter den Grafen von Hohenems, wurden die besonderen Rechte der Walser aufgehoben, d. h. sie wurden wie die anderen Landesbürger leibeigen.

1652 wurde der Alpbesitz neu geregelt. Die Alpen gelangten – bis auf die Maiensässe Steg und Silum – und die Genossenschaften blieben in Gemeindebesitz. Die bäuerliche Wirtschaftsart blieb bis 1888 die Einzelsennerei. Die gemeinsame Alpbewirtschaftung erfolgte gegen erheblichen Widerstand der Bauern.

Spätere Entwicklungen[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein grosser wirtschaftlicher Aufschwung und ein grosser Teil der arbeitstätigen Bevölkerung Triesenbergs fand in den Industrie- und Dienstleistungsbetrieben im Tal Beschäftigung. Triesenberg wurde zur Pendlergemeinde.

Von 1960 bis 1993 wurde eine Gesamtmelioration (Bodenzusammenlegung) durchgeführt. Die Landwirtschaft ging seit dem Zweiten Weltkrieg stetig zurück. Heute arbeiten mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen in der Industrie und den Dienstleistungsbetrieben in den Talgemeinden.

Noch heute zeigt sich im walserdeutschen Dialekt der Bewohner von Triesenberg die kulturellen Einflüsse der Walser.

Wappen[Bearbeiten]

Im blauen Wappenschild über einem goldenen Dreiberg schwebt eine goldene Glocke mit ebenso gefärbtem Klöppel: Auf Masescha wurde vermutlich bald nach der Einwanderung der Walser eine Kapelle erbaut, wo bis heute der Walserheilige Theodul verehrt wird. Die Theodulsglocke ist seit 1955 Bestandteil des Gemeindewappens.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Josef
Rathaus und Pfarrkirche St. Josef
Friedenskapelle von Malbun
  • Walser Heimatmuseum: Das Museum stellt die Lebensweise der im 13. Jh. eingewanderten Walser dar, zeigt aber auch die Pfarreigeschichte und Brauchtümer der Gemeinde. Dem Museum ebenfalls angegliedert ist ein 400 Jahre altes Walserhaus, das die Wohnkultur der damaligen Zeit widerspiegelt.[3]
  • Pfarrkirche Fürst Josef Wenzel: Bis zur Gründung einer eigenen Pfarrei im Jahre 1768 war Triesenberg den Pfarreien von Triesen und Schaan zugeteilt. Von 1767 bis 1769 erfolgte schliesslich der Bau der ersten Pfarrkirche von Triesenberg. Die Kirche bestand aus einem einschiffigen Langhaus und einem geschlossenen Chor. Der Turm stelle einen Zwiebelturm mit einem viereckigen Schaft und einem achteckigen Glockengeschoss dar. Im Jahr 1938 wurde die alte Pfarrkirche schliesslich abgebrochen, wobei viele Einrichtungsgegenstände erhalten geblieben sind und so wurde beispielsweise eine der Glocken in die Friedenskapelle nach Malbun verlegt.[4]
  • Pfarrkirche St. Josef: In den Jahren 1938 bis 1940 wurde die neue Pfarrkirche am Standort der abgerissenen Pfarrkirche errichtet. Die Kirche ist nach Nordosten ausgerichtet und steht auf einer erhöhten Terrasse im Zentrum von Triesenberg. Wie bei der alten Pfarrkirche wurde wiederum ein für Liechtenstein einmaliger Zwiebelturm errichtet. Die Kirche besitzt fünf Glocken, wobei vier Glocken der alten Pfarrkirche für den Guss der neuen eingeschmolzen wurden.[5]
  • Rathaus: Mit dem Bau der ersten Pfarrkirche wurde ein Pfarrhaus am Nordrand des Kirchplatzes errichtet. Im Gegensatz zur alten Pfarrkirche wurde das Pfarrhaus aber nicht abgerissen, sondern in den Jahren 1967–1968 zum Sitz der Gemeindeverwaltung umgebaut und so stellt das Gebäude heute das Rathaus der Gemeinde dar.[6]
  • Friedenskapelle von Malbun: Die Kapelle ist im nördlichen Teil des Ski- und Wandergebiets Malbun gelegen und stellt das höchstgelegene Gotteshaus des Fürstentums dar. Die Kapelle wurde in den Jahren 1950/51 errichtet, die Glocke stammt aus der abgebrochenen alten Pfarrkirche von Triesenberg. Der Name Friedenskapelle erhielt die Kapelle als Zeichen des Dankes für die Verschonung Liechtensteins vor den Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges.[7]
  • Kapelle St. Theodul: Die Kapelle ist im Ort Masescha gelegen und geht auf einen Urbau zurück, der wahrscheinlich kurz nach der Ankunft der Walser um das Jahr 1300 errichtet worden war. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kapelle 1465. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde das Gotteshaus immer wieder umgebaut und erweitert. Seit dem 19. Jh. wurde die Kapelle St. Theodul (ehemals Kapelle Sta. Maria) immer wieder umfassend renoviert.[8]
  • Kapelle SS. Wendelin und Martin: Die Kapelle SS. Wendelin und Martin (auch Stegkapelle genannt) ist in der Siedlung Steg gelegen. Die Kapelle hat ihren Ursprung in einem Bildstöcklein und wurde im Jahr 1817 dem Heiligen Wendelin und Martin geweiht und ist in der Folgezeit zu einer kleinen Kapelle ausgebaut worden. Nach einer Verwüstung durch ein Unwetter im Jahr 1830 wurde das Gotteshaus wiederhergestellt und wiederum erweitert. In den Jahren 1906/1907 wurde die Kapelle umfassend umgebaut und erhielt so ihr heutiges Erscheinungsbild.[9]
  • Geografischer Mittelpunkt Liechtensteins: Der Geografischer Mittelpunkt von Liechtenstein liegt auf Alp Bargälla, östlich von Gaflei. Markiert wird der Mittelpunkt durch einen rund 4 Tonnen schweren Findling.[10]

Teilorte[Bearbeiten]

Blick auf Malbun
Stausee Steg

Malbun[Bearbeiten]

Malbun ist ein Hochtal auf rund 1'600 m ü. M. und besteht aus den Alpen Turna (Gemeindealpe) und Pradamee (Genossenschaftsalpe von Vaduz). Der Name Malbun stammt aus dem Romanischen und kommt von alp bun (schöne, ertragreiche Alp) oder val bun (schönes, ertragreiches Tal).

Um das Jahr 1925 bestand Malbun aus einer Streusiedlung mit rund 50 Maiensässhütten. Seit Ende der fünfziger Jahre wurde Malbun schliesslich zu einem Ski- und Wandergebiet ausgebaut, das heute zahlreiche Ferienhäuser, Hotels und Restaurants umfasst. Es ist das einzige Wintersportgebiet in Liechtenstein.

Ausserdem ist Malbun ein Ziel für Bergetappen der Tour de Suisse (2004, 2007 und 2011), sowie das Ziel des LGT Alpin Marathons.

Steg[Bearbeiten]

Steg liegt im Saminatal und war einst ein Maiensäss für die Bauern von Triesenberg. Die Siedlung Steg besteht aus den Teilen Grossstäg und Chleistäg mit rund 80 bzw. 45 Hütten, die zum grössten Teil zu Ferienwohnungen umgebaut worden sind. Die Häuser sind dabei in beiden Siedlungen um je eine Wiesenfläche angelegen. In unmittelbarer Nähe zur Siedlung liegen der Stausee Steg und der Gänglesee. Heute ist Steg im Sommer Ausgangspunkt für viele verschiedene Wanderungen – im Winter bietet es eine Rodelbahn und einige Kilometer Langlaufloipen.

Gaflei[Bearbeiten]

Gaflei ist auf rund 1'500 m ü. M. im Norden von Triesenberg gelegen. Gaflei war der erste Kurort von Liechtenstein und obwohl das einstige Kurhaus nicht mehr besteht, ist Gaflei ein beliebtes Erholungs- und Ausflugsgebiet geblieben. Im Jahr 1976 war Gaflei Etappenort der Tour de Suisse und ist dabei als eine der anspruchsvollsten Etappen in die Tour-de-Suisse-Geschichte eingegangen.[11]

Masescha[Bearbeiten]

Masescha war einer der ersten Siedlungsorte der Walser (Walliser) und liegt in etwa 1250 Metern Höhe, an der Zufahrtsstrasse nach Gaflei. Die Siedlung hat den Charakter einer Streusiedlung, wobei die wenigsten Bauten ganzjährig bewohnt sind.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevorsteher ist Hubert Sele von der (VU). Der Gemeinderat zählt 10 Sitze (VU 5, FBP 5).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Jakob Vetsch (1879–1942), Schweizer Mundartforscher und Schriftsteller, lebte von 1927 bis 1934 im Weiler Rotaboda nordöstlich des Dorfkerns von Triesenberg. Im Fürstentum Liechtenstein hatte er sich an der Hilfsaktion zugunsten der vom Dammbruch des Rheins am 25. September 1927 betroffenen Bevölkerung beteiligt.
  • Wilhelm Beck (1885–1936), Mitbegründer der christlichsozialen Partei (Vaterländische Union) im Jahre 1918, ist in Triesenberg geboren und lebte im Weiler Lavadina, er starb im Alter von 51 Jahren in Walenstadt.
  • David Beck (* 1893 in Triesenberg; † 1966 in Chur), war ein liechtensteinischer Archäologe und Heimatforscher.
  • Engelbert Bucher (1913–2005), ab 1943 Pfarrer von Triesenberg und katholischer Würdenträger, ist Ehrenbürger von Triesenberg, wo er auch verstarb.
  • Hans Hass (1919–2013), Tauchpionier und Meeresforscher, lebte von 1960 bis 2006 in dem historischen Walser Bauernhaus „Waldi“ in Masescha.
  • Martha Bühler (* 1951), Skirennfahrerin und Hotelbesitzerin.
  • Marco Schädler (* 1964), liechtensteinischer Komponist, ist in Triesenberg geboren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adulf Peter Goop: Brauchtum Liechtenstein. Alte Bräuche und neue Sitten. Alpenland Verlag, Schaan 2005, ISBN 3-905437-09-0.
  • Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Das Oberland. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK: Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Bern 2007, ISBN 978-3-906131-85-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Triesenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Malbun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Triesenberg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Liechtenstein - Amt für Volkswirtschaft
  2. Bevölkerung und Wohnverhältnisse (PDF), Amt für Statistik, abgerufen am 16. Juni 2012
  3. Walsermuseum. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  4. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 173–177.
  5. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 177–180.
  6. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 182–183.
  7. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 190–192.
  8. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 192–195.
  9. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 204–206.
  10. Geographischer Mittelpunkt. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  11. Tour de Suisse - Gaflei. Abgerufen am 10. Juni 2011.