Schaan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schaan
Flagge Wappen
Flagge von Schaan
Wappen von Schaan
Basisdaten
Staat: LiechtensteinLiechtenstein Fürstentum Liechtenstein
Wahlkreis: Oberland
Gemeindenummer: 7005
Postleitzahl: 9494
UN/LOCODE: LI SCN
Koordinaten: 757114 / 22619647.1680539.511115Koordinaten: 47° 10′ 5″ N, 9° 30′ 40″ O; CH1903: 757114 / 226196
Höhe: 450 m ü. M.
Fläche: 26,8 km²
Einwohner: 5933 (31. Dezember 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 221 Einwohner pro km²
Ausländeranteil: 37,6 % (31. Dezember 2010)[2]
Website: www.schaan.li
Karte
Eschen Eschen Gamprin Mauren Ruggell Schellenberg Balzers Balzers Balzers Planken Schaan Schaan Schaan Triesen Triesenberg Triesenberg Vaduz Vaduz Vaduz Vaduz VaduzLage der Gemeinde Schaan  im Fürstentum Liechtenstein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild

Schaan (Dialekt Schaa) ist eine Gemeinde im Wahlkreis Oberland des Fürstentums Liechtenstein. Schaan verfügt über vier Exklaven und ist somit eine fünfgeteilte Gemeinde. Mit rund 5'900 Einwohnern ist sie die bevölkerungsreichste Gemeinde im Fürstentum und stellt einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Industriestandort des Landes dar.

Geographie[Bearbeiten]

Schaan stellt die nördlichste Gemeinde des liechtensteinischen Oberlandes dar. Sie grenzt im Süden an den Hauptort Vaduz, im Osten an Planken und Triesenberg, sowie im Norden an die Gemeinden Eschen und Gamprin. Im Westen bildet der Rhein die natürliche Grenze zur Schweiz und im Osten wird der Ort von der Bergkette Drei Schwestern beherrscht. Schaan besitzt zudem vier Exklaven und zwei Enklaven.

Geschichte[Bearbeiten]

Archäologische Funde haben gezeigt, dass Schaan seit über 6000 Jahren besiedelt ist:

Im Jahr 15 v. Chr. eroberten die Römer unter Augustus das Gebiet des heutigen Fürstentum Liechtensteins und errichteten die römische Provinz Raetia. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die Heeresstrasse Mailand–Bregenz erstellt, die über die Luzisteig entlang des rechten Rheinufers verlief, sodass auch in Schaan römische Bauwerke errichtet worden sind.[3] Ebenfalls aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammen zwei römische Legionärshelme, die 1887 bei Grabarbeiten oberhalb von Dux gefunden wurden und wohl als Weihegaben der zwei römischen Legionäre Publius Cavidius Felix und Numerius Pomponius, deren Namen auf den Helmen eingeritzt sind, hier vergraben wurden. Sie befinden sich heute in den Museen von Bregenz und Zürich. Das bedeutendste römische Gebäude auf Gemeindeboden ist ein im Talgrund errichtetes Kastell, das zum Schutz gegen die immer häufiger werdenden alemannischen Einfälle errichtet worden war. Überreste seiner Grundmauern und des Torturms sind bei der St. Peters-Kirche wieder sichtbar (756969 / 22568947.1635277777789.5090277777778). Ein Baptisterium aus dem 5. Jahrhundert, das bei Grabungen im Innern dieser Kirche gefunden wurde, lässt auf eine frühe Christianisierung schliessen.[4] Des Weiteren entstand «Auf Krüppel» oberhalb von Schaan, am Berghang der Dreischwestern-Kette, auf einem Felssporn mit einem kleinen Plateau (60 × 30 Meter) eine befestigte spätrömische Höhensiedlung (758890 / 22573047.1634399.534367). Bei Ausgrabungen fanden sich dort auch ältere Siedlungsspuren aus prähistorischer Zeitstellung.[5]

Die alemannische Besiedlung dokumentieren zahlreiche Grabfunde. Damals bestand Schaan aus zwei voneinander getrennten Teilen: Die romanisierten Räter hatten ihr Zentrum beim St. Peter, während die alemannische Bevölkerung im Gebiet der Specki siedelte. Diese Zweiteilung zeigt sich bis heute im Bestehen zweier Alpgenossenschaften, der nördlich-alemannischen Genossenschaft Gritsch und der südlich-rätoromanischen Genossenschaft Guschg.

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde «Scana» in der Mitte des 9. Jahrhunderts in einer Zusammenstellung der kaiserlichen Güter. 965 ging Schaan im Ausgleich auf den Verzicht der Insel Ufenau als Schenkung Ottos des Grossen an das Damenstift Säckingen.

Bevölkerungsentwicklung1
Jahr 1584 1812 1901 1930 1945 1991 2000 20102 20123
Einwohner 393 715 917 1'464 2'048 5'035 5'454 5'799 5'933
2 30. Juni[6]
3 31. Dezember[7]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Schaan zeigt vorne ein blaues und hinten ein rotes Feld, die durch einen senkrechten silbernen (weissen) Streifen getrennt sind. Im blauen Feld ist eine goldene Ähre zu sehen als Zeichen für die Landwirtschaft, im roten Feld ein vierfach gewellter silberner (weisser) Streifen, der den Rhein symbolisieren soll. Die Farben blau und rot sind die Landesfarben von Liechtenstein. Das Wappen in dieser vereinfachten Form wurde am 26. November 1948 durch Fürst Franz Joseph II. verliehen und ersetzt das ähnliche, aber differenziertere Wappen, das am 12. Juni 1938 von Prinzregent Franz Joseph verliehen worden war.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahnbrücke Buchs SG–Schaan

Liechtenstein selbst besitzt keine Autobahnen, allerdings führt die Schweizer A13 entlang der linken Rheinseite. Schaan verfügt mit der Autobahnausfahrt in der St. Galler Gemeinde Buchs, über einen Autobahnanschluss in unmittelbarer Nähe.

In Schaan befindet sich der Bahnhof Schaan-Vaduz an der durch die Österreichischen Bundesbahnen betriebenen Bahnstrecke Feldkirch–Buchs, die auch von der Montafonerbahn befahren wird.
Mit dem Projekt S-Bahn FL.A.CH soll in den nächsten Jahren das Angebot des Regionalverkehrs auf der Bahnstrecke Feldkirch-Buchs ausgebaut werden. Ein wichtiges Ziel ist es u. a., Arbeitspendler von Österreich nach Liechtenstein zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen. Vorgesehen ist ein Halbstundentakt zu den Hauptverkehrszeiten. Dies setzt aber wiederum einen Doppelspurausbau im Raum TisisNendeln voraus.[8] Eine Realisierung des Projektes ist mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer Volksabstimmung abhängig.

Schaan gilt für den öffentlichen Busverkehr, der von Verkehrsbetrieb LIECHTENSTEINmobil betrieben wird, als wichtigste Drehscheibe im Fürstentum Liechtenstein.[9]

Bildung[Bearbeiten]

  • Die vorschulische Bildung, Förderung und Betreuung der Kinder in Schaan geschieht im Kindergarten, der an vier Standorten jeweils eine und an einem fünften Standort zwei Gruppen umfasst.
  • Die Gemeindeschulen Schaan bestehen aus zwei Einführungsklassen und fünf Klassenstufen, die entweder dreizügig (Klassen 1, 4 und 5) oder zweizügig (Klassen 2 und 3) geführt werden. Im Rahmen eines Projektes wird seit dem Schuljahr 2008/2009 eine Tagesschule geführt, die ab Beginn des Schuljahres 2013/2014 in den Regelbetrieb übergeführt wurde.
  • Weiterführende Schulen sind in Schaan die Realschule Schaan und – am gleichen Standort – die Sportschule Liechtenstein.
  • Schon auf Vaduzer Gebiet, aber praktisch an der Gemeindegrenze befindet sich das Schulzentrum Mühleholz, in dem sich sowohl die Realschule Vaduz und die Oberschule Vaduz (Schulzentrum Mühleholz 2) als auch das Liechtensteinische Gymnasium (Schulzentrum Mühleholz 1) befinden.
  • Ein weiteres schulisches Angebot besteht in der Waldorfschule Liechtenstein, die seit 1985 besteht; hier erfahren Kinder vom Kindergartenalter bis zur 9. Klasse Erziehung und Bildung nach den Grundsätzen von Rudolf Steiner. Die Schüler kommen aus Liechtenstein und den Nachbarländern Österreich und Schweiz.
  • Die Tagesschule am Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) ist für Kinder eingerichtet, die aufgrund ihrer Entwicklung besonderen Förderbedarf haben.
  • Die Stein Egerta Anstalt ist in Schaan die Institution für Erwachsenenbildung. In jährlich etwa 700 Kursen wird ein breites Spektrum von Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten geboten. Auch das Betriebliche Weiterbildungsinstitut der Wirtschaftskammer Liechtenstein (WKL) führt berufliche Weiterbildungsveranstaltungen und -kurse durch.
Pfarrkirche St. Laurentius
Kapelle Dux

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche St. Laurentius wurde im Jahr 1893 eingeweiht. Der Kirchturm erreicht eine Höhe von 81 Metern und besitzt seit 1968 insgesamt sechs Kirchenglocken. Finanziert wurde die Kirche rund zur Hälfte durch den damaligen Fürsten Johann II, zu dessen Ehren ein Denkmal an der Westseite der Kirche errichtet wurde. In den Jahren 2003 bis 2005 wurde die Kirche umfassend renoviert.
  • Römisches Kastell: Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die Heeresstrasse Mailand-Bregenz errichtet, die auch durch die heutige Gemeinde Schaan führte. Zeuge davon ist ein im 4. Jhd. erbautes römisches Kastell, das zur Grenzsicherung des römischen Reiches errichtet worden war. Das Kastell hatte einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von rund 60 Metern und besass neben vier Ecktürmen auch einen Mittelturm an der Südseite und einen Torturm im Norden. Heute noch erhalten sind Teile der Grundmauern und Überreste des Torturmes.
  • Kirche St. Peter: Anhand der Ausgrabungen 1958 lassen sich zwei Vorgängerbauten beschreiben: Eine Saalkirche mit angebautem Baptisterium. Dieser Bau dürfte unmittelbar nach Aufgabe des Kastells unter Verwendung einiger Mauern des Kastells errichtet worden sein. Im Baptisterium wurde auch eine Begräbnisstätte ergraben. Im 9./10. Jh. wurde der Kirchsaal durch Verkleinerung der Taufkapelle erweitert und ein Sakristeianbau südlich des Chors angefügt. Erwähnt wurde die Kirche erstmals 1298.[10] Die heutige Kirche ist spätgotischer Herkunft und stellte früher die Pfarrkirche der Gemeinde dar.[11]
  • Die Kapelle St. Maria zum Trost auf Dux (Duxkapelle) mit barockem Marienaltar wurde auf Fundamenten einer früheren Kapelle im Jahr 1716 errichtet. Später wurde sie mit Turm und Vorhalle ergänzt und 1997/1998 grundlegend restauriert.
  • Das Kloster St. Elisabeth entstand in den Jahren 1934/1935. Von 1942 bis 1946 führten das Schwesterkloster ein Mädchengymnasium und von 1946 bis 1976 eine Höhere Töchterschule. Seit 1976 ist in den Räumlichkeiten des Klosters eine Realschule ansässig.
  • Die Baugeschichte der Alten Pfarrkirche St. Laurentius ist bis heute nicht geklärt. Der Turm, der heute das einzige noch stehende Gebäudeteil ist, wurde wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert errichtet. Im Jahr 1900 wurde nach der Einweihung der neuen Pfarrkirche die Kirche bis auf den Turm abgebrochen.
  • Das Rathaus der Gemeinde Schaan befindet sich in einer ehemaligen Schule. Das Gebäude wurde in den Jahren 1844 bis 1846 errichtet und diente bis 1975 als Schulgebäude. Seither ist im Gebäude die Gemeindeverwaltung sowie das Gemeindemuseum untergebracht. Der Turnhallenanbau wurde viele Jahre als Rathaussaal genutzt, mit der Erstellung des SAL (siehe weiter unten) wurde er als Kleiner Saal in diesen integriert.
  • Im TAK Theater Liechtenstein (TAK bzw. früher TaK steht für Theater am Kirchplatz, dem früheren Namen des Theaters) werden vielfältige kulturelle Veranstaltungen geboten: Schauspiel, Konzert, Ballett, Tanztheater, Pantomime, Jazz, Chanson, Kabarett, Puppenspiel, Kinder- und Jugendtheater
  • Das Dorfmuseum (domus) ist ein Museum und eine Galerie der Gemeinde Schaan im Rathaus, das in Wechselausstellungen künstlerische Werke aus der Region und die Geschichte Schaans zeigt.
  • Der Saal am Lindaplatz (SAL) wurde im Jahr 2010 eröffnet und bietet auf rund 2'200 Quadratmetern Platz für verschiedene Anlässe. Es werden zum einen Veranstaltungen durch die Gemeinde selbst organisiert, anderseits kann er von Drittpersonen für eigene Veranstaltungen gemietet werden.[12]
Hauptsitz der Hilcona AG

Wirtschaft[Bearbeiten]

Mit über 8'000 Arbeitsplätzen in etwa 700 Unternehmen ist Schaan ein wichtiger Wirtschaftsstandort für die ganze Region.[13] In Schaan haben u. a. die Hilti AG, die Hilcona AG und die Ivoclar Vivadent AG ihren Stammsitz. Zudem ist die grösste Bierbrauerei im Fürstentum Liechtenstein (Liechtensteiner Brauhaus) in Schaan zu finden.

Schaan ist auch Sitz der Wirtschaftskammer Liechtenstein sowie Standort der Liechtensteinischen Industrie-, Handels- und Gewerbeausstellung (LIHGA).

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevorsteher von Schaan ist seit 2003 Daniel Hilti. Der Gemeinderat besteht aus zwölf Sitzen und setzt sich seit Februar 2011 aus sechs Abgeordneten der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP), aus fünf Abgeordneten der Vaterländischen Union (VU) und einer Vertreterin der Freien Liste (FL) zusammen.[14]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gemeinde Schaan (Hrsg.): Kulturweg Schaan. Rundgang in 21 Stationen. 2007.
  • Hans Rudolf Sennhauser (Hrsg.): Frühe Kirchen im östlichen Alpengebiet. Von der Spätantike bis in ottonische Zeit. Bayerische Akademie der Wissenschaften. Abhandlungen - Neue Folge, Heft 123. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2003. ISBN 3 7696 01181

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schaan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Schaan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Liechtenstein - Amt für Volkswirtschaft
  2. Bevölkerung und Wohnverhältnisse (PDF), Amt für Statistik, abgerufen am 16. Juni 2012
  3. Georg Malin: Das Gebiet Liechtensteins unter römischer Herrschaft. 1958, S. 22.
  4. David Beck: Das Kastell Schaan (PDF; 11,4 MB). In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, 1957, Bd. 57, S. 229–272.
  5. David Beck: Der prähistorische und spätrömische Siedlungsplatz „Auf Krüppel“ ob Schaan (PDF; 15,6 MB). In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, 1965, Bd. 64, S. 5–51.
  6. Landesverwaltung Liechtenstein
  7. Landesverwaltung Liechtenstein
  8. Projekt S-Bahn FL.A.CH. Kanton St. Gallen. Abgerufen am 10. Mai 2011.
  9. LIEmobil. Abgerufen am 20. Mai 2011.
  10. Sennhauser (Hrsg.) (2003) S. 172-173
  11. Pfarrei Schaan. Erzbistum Vaduz. Abgerufen am 20. Mai 2011.
  12. Website des SAL Saal am Lindaplatz
  13. Amt für Statistik. Abgerufen am 20. Mai 2011.
  14. Gemeindewahlen 2011. Abgerufen am 20. Mai 2011.