Van Hool

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Van Hool NV
Logo of Van Hool NV.png
Rechtsform Aktiengesellschaft in Familienbesitz (Naamloze vennootschap (N.V.))
Gründung 1947
Sitz Koningshooikt, Provinz Antwerpen, Belgien
Leitung Filip Van Hool (CEO)
Mitarbeiter 4.000 [1]
Branche Fahrzeugbau
Produkte Busse (Stadt- und Reisebusse), Sattelauflieger, Tankcontainer, WechselbrückenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.vanhool.be
Van Hool-Linienbus in Brüssel in den 1980er Jahren
Van-Hool-Obus in Gent
Van Hool Astromega Doppeldeckerbus
Van Hool New AGG 300 Doppelgelenkbus in Hamburg
Ein am neuen Produktionsstandort in Mazedonien produzierter Van Hool EX16M

Van Hool [vɑnˈɦoːl] ist ein belgischer Nutzfahrzeughersteller für Stadtbusse (auch als Oberleitungsbusse), Reisebusse sowie Auflieger, Fahrgestelle und Tankcontainer. Die Firma wird seit ihrer Gründung als Familienunternehmen geführt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1947 von Bernard Van Hool in dem belgischen Dorf Koningshooikt (Provinz Antwerpen) gegründet. In den ersten Jahren waren 22 Mitarbeiter sowie - neben dem Firmengründer - fünf weitere Familienmitglieder beschäftigt. Die Busse wurden zunächst in Einzelfertigung produziert, wobei sich das Fahrzeugdesign an den seinerzeit populären US-amerikanischen Straßenkreuzern orientierte.[2]

Wirtschaftliches Wachstum brachte 1951 ein Großauftrag der belgischen Armee zur Lieferung von über hundert Werkstattwagen sowie seit 1954 die Lieferung von Nutzfahrzeugen in die Kolonie Belgisch Kongo. Bis Ende 1955 war die die Zahl der Mitarbeiter auf 240 gestiegen, ein Jahr später wurde der 1000. Reisebus ausgeliefert.

Im Februar 1957 wurde mit Fiat ein Abkommen über die Lieferung von Dieselmotoren und mechanischen Komponenten, wie Schaltgetriebe und Achsen unterzeichnet. Die Firma entwickelte sich vom Karosseriebauer zum vollwertigen Hersteller von kompletten Linien- und Reisebussen, die den Markennamen Van Hool-Fiat trugen. Daneben blieb das Unternehmen jedoch ein renommierter Karosseriehersteller, was diesem eine weitere Expansion ermöglichte. Die Zusammenarbeit zwischen Van Hool und Fiat war schon zu Beginn sehr erfolgreich: im August 1958 wurde schon der 100. Van Hool-Fiat-Omnibus übergeben und im Juli 1961 der 500. Van Hool-Fiat-Reisebus. (1981 wurde das Abkommen mit Fiat beendet.)

1965 begann das Unternehmen mit der Produktion von Sattelaufliegern; diese Sparte hat sich bis heute als wichtiges Standbein der Firma bewährt. 1966 zählte das Unternehmen rund 880 Mitarbeiter. Im gleichen Jahr begann der Export in den als schwierig geltenden US-amerikanischen Markt: Dabei wurden Van Hool-Fahrzeuge zunächst als Shuttlebusse zwischen dem New Yorker Zentrum und den Flughäfen der Stadt eingesetzt.

1972 wurde Van Hool vom irischen Staat gebeten, die Busproduktion der staatlichen irischen Gesellschaft C.I.E. in Inchicore zu übernehmen. Dazu wurde die Firma Van Hool-McArdle gegründet. Der irische Bus-Markt erwies sich jedoch als zu klein, um dort genügend Busse rentabel zu produzieren. Die Aktivitäten endeten daher 1978.

1974 verstarb der Firmengründer Bernard Van Hool; zwei Jahre später wurde die PVBA Van Hool & Zonen GmbH in die Aktiengesellschaft Van Hool NV überführt. Um die Vorteile eines Familienunternehmens, insbesondere die Unabhängigkeit von an Dividendenausschüttung orientierten Aktionären zu erhalten und Feindliche Übernahmen auszuschließen, verblieb das Gesamtkapital in Familienbesitz. Van Hool ist heute eines der wenigen klassischen Familienunternehmen im Bereich der Busherstellung.

1978 stellte Van Hool auf dem Pariser Autosalon mit dem Modell Alizée ein neues Busmodell vor, von dem bereits ein Jahr später 500 Modelle verkauft waren. Das hieraus abgeleitete Modell T815 Acron mit (seinerzeit noch unüblichen) abgesenktem Fahrerplatz und ungewöhnlich großer Panorama-Frontscheibe wurde der bisher erfolgreichste Van-Hool-Reisebus.

1980 stellte das Unternehmen seinen ersten Gelenkbus AG280 vor. Im gleichen Jahr erschienen die Niederflurbusse AU141 und dem AU138. Wesentliche Neuerung war der zwischen den Achsen stehend eingebaute Motor.

Weitgehend unbeobachtet von den Mitbewerbern bereitete das Unternehmen 1980 ein völlig neues Produkt vor: Die Firma erkannte schon früh die künftige Bedeutung des Multimodalen Verkehrs und entwickelte standardisierte Tankcontainer aus Aluminium (für Schüttgut) und Edelstahl (für Flüssigkeiten). Der so gewonnene Erfahrungsvorsprung machte Van-Hool in den 90er-Jahren zu einem Global Player in diesem Bereich.[2]

1987 unterzeichnete Van-Hool einen Vertrag mit dem großen amerikanischen Busbetreiber ABC Bus Companies über den Alleinvertrieb von Van-Hool-Bussen in den USA.[3] Die Firma ist ein Zulieferer für private und öffentliche Verkehrsgesellschaften und bietet komplette Serviceleistungen an. Durch dieses Abkommen sowie durch die Zusammenarbeit mit den Buslinien der zur Stagecoach Group gehörenden Coach USA sind Van Hool Fahrzeuge heute die meistimportierten Luxusbusse in Nordamerika. 1998 erwarb Van Hool eine Minderheitsbeteiligung an ABC Bus Companies.

1990 erwarb Van Hool den belgischen Bushersteller LAG. Dessen Produktion von EOS-Modellen wurde zunächst weitergeführt. Noch heute fertigt Van Hool an diesem Standort in der Stadt Bree Linien- und Reisebusse.

Einen neuen Fahrzeugtyp stellte das Unternehmen 2011 auf einer Konferenz der UITP in Dubai mit dem ExquiCity vor: Dieses neu konzipierte Modell bietet nach Angabe des Herstellers die Form und den Komfort einer Straßenbahn und die Flexibilität und Kosten eines Stadtbusses. Für den öffentlichen Nahverkehr in der französischen Stadt Metz erhielt Van Hool den Auftrag für die Lieferung der BRT-Linien Mettis: Dabei handelt es sich um hybride, diesel-elektrische 24 m-Doppelgelenkfahrzeuge auf Basis des ExquiCity.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens bedeutete die am 20. Juli 2012 erfolgte Grundsteinlegung für eine Busproduktion nahe der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Die offizielle Eröffnung des neuen Buswerkes, das eine Investition in Höhe von 25 Millionen Euro erforderte, erfolgte am 12. Mai 2014. Mit diesem Schritt begann Van Hool mit der Verlagerung eines Teils seiner Produktion in ein Niedriglohnland. Begründet wird dies mit den zunehmenden Produktions-, insbesondere Lohnkosten in Westeuropa. In Mazedonien betragen die Lohnkosten weniger als 10 % der entsprechenden Kosten am Heimatstandort in Belgien.[4] Produziert werden zunächst die für den amerikanischen Markt vorgesehenen Fahrzeuge (Modelle TX40 und CX45). Darüber hinaus ist die Fertigung der auch für den europäischen Markt vorgesehenen Baureihe EX vorgesehen. Die erste öffentliche Präsentation der 2015 in den Verkauf kommenden EX-Busse fand im September 2014 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Hannover statt.[5]

Produkte[Bearbeiten]

Van Hool AG300 T Oberleitungsbus in Solingen
Van Hool EX15H (ab 2015) auf der IAA 2014

Van Hool fertigt Reise- und Stadtbusse sowie Sonderanfertigungen wie Promotionfahrzeuge, Übertragungswagen und Sat-Sendewagen. Darüber hinaus werden Nutzfahrzeuge für den Gütertransport produziert.

Reisebusse[Bearbeiten]

Derzeit werden u.a. folgende Baureihen angeboten:

  • TX Baureihe in verschiedenen Längen und Aufbauhöhen, auch als Doppeldeckerbus. Motoren: Paccar Euro 6
  • TX Scania Baureihe in verschiedenen Längen und Aufbauhöhen. Motoren: Scania Euro 6
  • EX Baureihe ab 2015. Erhältlich zunächst in 3 verschiedenen Längen. Produziert in Mazedonien. Motoren: Paccar Euro 6
  • Reisebusse USA: ausschließlich dreiachsige Fernbusse für den amerikanischen Markt, auch als Doppeldecker.

Linienbusse[Bearbeiten]

Für den ÖPNV bietet das Unternehmen eine breite Auswahl von Linienbussen zwischen 8,5 m (Midibus) und 25 m Länge (Doppelgelenkbus) an. Neben Diesel- und CNG-Motoren werden auch Oberleitungsbusse, Brennstoffzellenbusse, ein Batteriebus sowie Hybridbusse in verschiedenen Antriebsvarianten angeboten.

Hier eine Übersicht der Niederflurbusse:

Van Hool A 308
Van Hool A 309
Van Hool A 300
Van Hool A 360
Van Hool A 330
Van Hool AG 300 Gelenkbus
Van Hool AGG 300 Doppelgelenkbus

Übersicht der Niederflurbusse mit alternativem Antriebssystem:

Van Hool A 300 CNG Erdgas
Van Hool A 360 CNG Erdgas
Van Hool A 330 FC Brennstoffzelle
Van Hool A 300 T Oberleitungsbus
Van Hool AG 300 T Oberleitungsbus
Van Hool A 308 E Batteriebus

Darüber hinaus werden die BRT-Fahrzeuge ExquiCity18 und ExquiCity24 sowohl als Oberleitungsbus als auch als Hybridfahrzeug angeboten.

Gütertransport[Bearbeiten]

Van Hool fertigt am Produktionsstandort Koningshooikt Sattelauflieger für unterschiedliche Güter, Tankcontainer, Silocontainer, Wechselbrücken, Containerfahrgestelle sowie Sonderanfertigungen nach Kundenwunsch.

Weltweit hat Van Hool rund 4000 Beschäftigte und produziert jährlich etwa 1200 Busse sowie 4000 Sattelauflieger und Tankcontainer, die Exportquote beträgt über 80 % (Stand 2012).[1]

Wichtige Busnetze mit Van Hool-Fahrzeugen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Van Hool – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Van Hool heute (PDF; 3,16 MB) Unternehmensbroschüre Stand 2012. Abgerufen am 12. Oktober 2014.
  2. a b Van Hool Geschichte Internetseite des Herstellers. Abgerufen am 12. Oktober 2014.
  3. A History Built on Relationships Internetseite von ABC Bus Companies. Abgerufen am 5. Oktober 2013.
  4. Niedriglohnempfänger (PDF; 232,76 KB) Pressemitteilung des Statistischen Amtes der Europäischen Union vom 20. Dezember 2012, Tabelle Seite 2, Spalte 2. Abgerufen am 28. September 2014.
  5. Van Hool präsentiert den EX als Weltpremiere auf der IAA (PDF; 334,63 KB) Pressemitteilung des Unternehmens vom 24. Juli 2014. Abgerufen am 7. September 2014.
  6. http://www.vanhool.be/DEU/Aktuelles/grossenairportbusDE.html abgerufen am 10.Oktober 2013